Der Denker – Rodins wohl bekannteste Skulptur. Hier im Garten vom Musée Rodin in Paris

Der Denker – Rodins wohl bekannteste Skulptur. Hier im Garten vom Musée Rodin in Paris

Paris, die Stadt der Liebenden. Die Stadt der schönen Künste. Montmartre, Montparnasse, Tour Eiffel, Domes des Invalides, Notre Dame. Ein Bistro am Champs Elysee, die Heldenehrung am Arc de Triomphe.

Doch an schönen Tagen sind die Warteschlangen am Eiffelturm legendär. Da hilft eigentlich nur eine Reservierung im Restaurant (separater Aufzug, grandioser Ausblick) oder die Buchung einer Stadtrundfahrt mit Eiffelturmbesteigung. Bei schlechtem Wetter lohnt sich die Fahrt nach oben nicht. Da steht dann vielleicht der Louvre mit der sinnlichen Mona Lisa auf dem Programm? Auch hier schieben sich die Menschenmassen Schritt für Schritt an der geheimnisvoll lächelnden Schönheit vorbei. Und die Touristen haben die Genugtuung, einmal der Mona Lisa nahe gekommen zu sein.

Wer auf die ganz großen touristischen Highlights in Paris verzichten kann und dennoch künstlerisches Schaffen von Weltrang bewundern will, dem sei das Rodin-Museum nahe dem Invalidendom empfohlen. Zu allen Jahreszeiten und bei jeder Wetterlage gehört das Museum mit den Exponaten aus allen Schaffensperioden des französischen Bildhauers Auguste Rodin (1840 – 1917) zum Geheimtipp. Nachdem das Hotel Biron, in dem das Rodin-Museum untergebracht ist, aufwändig restauriert wurde, hat es seit April 2012 wieder für die Öffentlichkeit geöffnet und bietet unzählige Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde von Auguste Rodin, seiner langjährigen Geliebten Camille Claudel und aus seiner einstigen Privatsammlung. Zu dieser zählen zum Beispiel auch Gemälde von Vincent van Gogh.

Und da wir schon von dem Gebäude sprechen: 1919 wurde das Museum, das sich fast ausschließlich dem Werk von Auguste Rodin widmet, eröffnet. Es liegt im 7. Pariser Arrondissement in der rue de Varenne nahe dem Invalidendom und ist so bei Ihrem nächsten Paris-Besuch leicht zu erreichen.

Das herrschaftliche Stadthaus wurde im 18. Jahrhundert als Hotel particulier errichtet. Für den Begriff „Hotel particulier“ gibt es keine Übersetzung in die deutsche Sprache. Es handelt sich vielmehr um einen feststehenden architektonischen Begriff im Französischen und bedeutet soviel wie „Stadthaus“. Diese Paläste bauten sich Adel, Klerus und priveligierte Bürger im 17. und 18. Jahrhundert und sie lassen sich mit den Herrenhäusern auf dem Land vergleichen.

Das Hotel Biron diente ab 1904 als Wohn- und Arbeitsstätte für verschiedene Künstler, unter ihnen auch Auguste Rodin, der bis zu seinem Tod in Meudon (17. November 1917) darum verhandelte, aus dem Hotel Biron eine Heimstätte für seine Skulpturen zu machen. Schließlich erhielt die Stadt Paris das Vermächtnis mit der Auflage, aus dem Hotel Biron ein Museum zu machen.

Ein Spaziergang durch das Museum, den traumhaften Garten und den Stadtpalast, lässt den Besucher eintauchen in die Schaffenswelt des Wegbereiters der modernen Bildhauerkunst. Auguste Rodin gilt als bedeutender Bildhauer, hat Maßstäbe vor allem auf den Gebieten der Plastik und Skulptur gesetzt. Rodin widersetzte sich dem idealisierenden Trend seiner Zeit und versuchte sich in neuen Darstellungsformen, ohne dabei die Traditionen aus den Augen zu verlieren. Prägend für viele nachfolgende Künstler wird die Vorbereitung von Expressionismus und Kubismus gesehen. Besonders das „Non-Finito“, das nicht vollenden eines Werkes, wird zum Stilmerkmal Rodins.

Das Musée Rodin stellt nicht nur fertige Exponate aus, sondern zeigt insbesondere auch Studien auf dem Weg zum fertigen Kunstwerk. „Der Denker“, ursprünglich für das erst 1926 postum gegossene Höllentor nach Dantes „Göttlicher Komödie“ entworfen, findet sich sowohl im Garten als auch im Palais.

Auguste Rodin war mit vielen Größen seiner Zeit bekannt, Rainer Maria Rilke war in den Jahren 1904 und 1905 sein Privatsekretär. Im Museum lassen sich Büsten seiner Freunde entdecken, darunter Balzac. Doch Rainer Maria Rilke schrieb über Auguste Rodin: „Rodin war einsam vor seinem Ruhme. Und der Ruhm, der kam, hat ihn vielleicht noch einsamer gemacht. Denn Ruhm ist schließlich nur der Inbegriff aller Mißverständnisse, die sich um einen neuen Namen sammeln.“

Sie finden das Musée Rodin Paris im 7. Arrondissement in der 79, rue de Varenne nahe beim Invalidendom. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie das Museum mit der Metro: Varenne (Linie 13) oder Invalides (Linie 13, Linie 8), mit R.E.R: Invalides (Linie C), mit dem Bus: 69, 82, 87, 92 oder Vélib‘: 9, Bd des Invalides. Parkplätze finden sich am Dom des Invalides. Außer an Montagen sind Museum, Garten und Museumsladen täglich von 10 bis 17:45 Uhr geöffnet. Die Eintrittskarten werden bis 17:15 Uhr verkauft. Der Eintritt in die ständige Ausstellung kostet 6 Euro, die wechselnden Ausstellungen werden mit 9 Euro berechnet. Der Besuch des Gartens kostet 1 Euro. Familientickets gibt es für 10 Euro. Besucher aus EU-Ländern im Alter von 18 bis 25 Jahre haben freien Eintritt.