Schon der Kaiser Friedrich III. wußte den Ostseestrand zwischen Misdroy und Swinemünde zu schätzen

Schon der Kaiser Friedrich III. wußte den Ostseestrand zwischen Misdroy und Swinemünde zu schätzen

Eine zu jeder Jahreszeit wunderschöne Wanderung führt von Misdroy am scheinbar unendlichen Ostsee-Sandstrand bis kurz vor Swinemünde um dann durch die Dünen auf der uralten Poststraße zurück nach Misdroy zu führen. Immer wieder geht es vorbei an alten Geschützstellungen und Strandbatterien – aber die Naturschönheiten stehen absolut im Vordergrund.

Strecke: 18,6 km

Dauer: 5 Stunden

Anforderungen: leicht

Höhendifferenz: 19 Meter (Höhe von 0 Meter bis 19 Meter), Gesamtanstieg 46 Meter, Gesamtabstieg 59 Meter

So viel Wellen gibt es hier selten

So viel Wellen gibt es hier selten

Wenn Sie diese Wanderung an der Seebrücke in Międzyzdroje (Misdroy) beginnen und enden lassen, dann müssen Sie noch einmal rund vier Kilometer zur Wanderstrecke hinzurechnen. Dafür aber erleben Sie einen der schönsten und längsten Strandabschnitte an der Ostsee auf dem Hinweg. Auf dem Rückweg geht es dann auf der Strandpromenade vorbei an den Zeugen der Bäderarchitektur. Viele der wunderschönen Villen ruhen noch im Dornröschenschlaf – dem aufmerksamen Betrachter jedoch zeigt sich die Schönheit der zum Teil verfallenen Häuser auch heute schon.

Misdroy gab es schon im 13. Jahrhundert, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1554 als Eigentum der Propstei Cammin. Es war nicht mehr als ein kleines Dorf. Eine Handvoll Kolonisten ernährten sich mehr schlecht als recht vom Fischfang und von einer kärglichen Landwirtschaft.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckten die reichen Berliner und Stettiner die Ostseeküste und somit auch das pommersche Misdroy. Ab 1830 entwickelte sich ein regulärer Badebetrieb und die ersten Villen wurden gebaut. In einem Reiseführer ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu lesen: „… Seit jener Zeit hat sich Misdroy, unterstützt durch thätige Mitwirkung der Badedirection, von Jahr zu Jahr weiter ausgedehnt, und zu einem der bedeutendsten Ostseebäder empor geschwungen.“ Als im Jahr 1867 der preußische Thronfolger und spätere deutsche Kaiser Friedrich III. sich mit Familie in Misdroy erholte, setzte eine rasante Entwicklung ein. Eine Fährverbindung auf dem Vietziger See verband Misdroy mit Stettin und Swinemünde, die Seebrücke wurde 1895 eröffnet.

Claus von Amberg, Prinzgemahl der niederländischen Königin Beatrix, besuchte vier Jahre lang die Schule in Misdroy. Magda Trott lebte bis zu ihrem Tod 30 Jahre lang in Misdroy. Sie hat die heute immer noch beliebten Pucki-Bücher geschrieben.

Noch einmal zurück zur Seebrücke. Diese ist seit dem Jahr 2004 insgesamt 395 Meter lang und 17,5 Meter breit. Eine hölzerne Seebrücke wurde schon 1895 errichtet. Von dieser und auch von zwei Nachfolgern ist leider nichts mehr erhalten.

Am nördlichen Ende der Strandpromenade beginnt die alte Landstraße nach Swinemünde, immer durch die Dünen. Hier lassen wir unsere 16 Kilometer Wanderung am Strand beginnen.  Sie sollten im Sommer bei schönem Wetter recht zeitig starten. Und genügend Getränke mitnehmen. Immerhin geht es sieben Kilometer am Strand entlang, rund zwei Stunden. Wenn die Sonne so richtig heiss auf Sie herunterbrennt, teilweise verstärkt durch die Wasserreflexionen der Ostsee, dann ist ein möglicher Sonnenbrand die geringste Sorge. Vergessen Sie auch eine Kopfbedeckung nicht. Sogar ein lustiger Touristenhut kann Sie vor einem Sonnenstich bewahren.

Bei gutem Wetter können Sie die drei Kaiserbäder am Strand von Usedom erkennen: Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Die Ostsee hat hier kaum Wellengang und starker Wind ist eher selten. Das Wasser wird leicht gekräuselt, hin und wieder fahren die großen Ostseefähren aus dem Swinemünder Hafen heraus oder hinein.

Leider haben sich die polnischen Behörden für die Neuerrichtung eines Flüssiggasterminals an der Swinemündung entschieden. Für das Anlegen der großen Gastanker wurde eine neue Mole errichtet, sowie große Speichertanks und Leitungsbrücken vom Schiffsanleger zu den Tanks. Auch eine große Verarbeitungs- und Verteileranlage ist im Bau. Auch, wenn Świnoujście hauptsächlich vom Tourismus und dem Umschlag im Ostseehafen lebt, so zweifeln doch viele Einheimische an dieser Entscheidung. Sie wird mit Sicherheit der touristischen Entwicklung schaden – vom Naturschutz ganz zu schweigen.

Interessant, besonders auch für Kinder, ist der Blick nach unten. Wunderschön die verschiedenfarbigen Steine mit manchmal außergewöhnlichen Formen. Und vielleicht findet sich ja ein kleines Stückchen Bernstein?

Sie passieren auch den bekanntesten polnischen FKK-Strand. Der Schriftsteller und Journalist Michal Witkowski hat diesem Abschnitt der Küste mit seinem Roman „Lubiewo“ ein Denkmal gesetzt. Der Schwulenroman ist in den 70er und 80er Jahren angesiedelt. In dieser Zeit war der Strandabschnitt zwischen Swinemünde und Misdroy eine Hochburg der polnischen Homosexuellen-Szene. (Mehr über diesen erfolgreichen polnischen Roman am Ende des Textes.)

Die Wanderung geht bis etwa einen Kilometer vor der neuen Mole am Strand entlang. Hier ist der letzte Durchgang durch die Dünen und hinter den Dünen geht es auf einem Wirtschaftsweg noch ein Stück ins Landesinnere. Halten Sie sich immer auf diesem Wirtschaftsweg. Hinter dem Zaun einer militärischen Anlage biegen Sie nach links ein und sind schon auf der wirklich uralten Poststraße zwischen Swinemünde und Misdroy.

Wenig später kommen Sie auf eine der neu geschaffenen Trassen für eine Pipeline. Halten Sie sich einfach am Rand und gehen immer geradeaus. Sie können den Weg -auch wenn er stellenweise gar nicht mehr da ist- einfach nicht verfehlen.

Eine uralte Poststraße führt durch die Dünen zurück nach Misdroy

Eine uralte Poststraße führt durch die Dünen zurück nach Misdroy

Immer wieder stoßen Sie auf die Spuren einer jahrhundertelangen Nutzung dieser Straße durch die Dünen. Sei es, dass Sie auf einem Stück Kopfsteinpflaster wandern, seien es die Telegrafenmasten, die entlang des Weges immer noch stehen. Es handelt sich hier um eine der wichtigsten mittelalterlichen Handelsstraßen aus dem Baltikum in Richtung Norden. Die Straße führte in die deutschen Hansestädte, nach Dänemark und Schweden. Nicht nur Händler nutzten diesen Weg. Auch Pilger zogen hier zu den Sammelplätzen, um dann in größeren Gruppen gen Süden, nach Santiago de Compostela auf dem Jakobsweg oder nach Rom und Jerusalem zu gehen.

Gesprengter Bunker

Gesprengter Bunker

Doch nicht nur dieser Handelsweg ist in sich ein Relikt einer längst vergessen geglaubten Zeit. Nicht nur Swinemünde, auch die Ostseeküste bis nach Misdroy war seit dem 19. Jahrhundert ständig ausgebaut und befestigt worden. Auf dem

Erhaltene Bunkeranagen der Stellung Liebeseele

Erhaltene Bunkeranlagen der Stellung Liebeseele

Weg zurück durch die wunderschönen und stillen Buchenwälder kommen Sie auch an einer gewaltigen Geschützstellung vorbei: Lubiewo oder auf deutsch Liebeseele. Sie sehen am Wegrand noch gesprengte Bunkeranlagen. Ungefähr beim Hotel Lubiewo sind auch noch Bunker erhalten, die Sie mit Hilfe einer Taschenlampe betreten können.

Übernachtungstipps in Misdroy