RZ-Online Artikelarchiv vom 17.03.2008

"Nur eine Vermutung, dass der Jakobsweg durchs Lahntal führte"

Ein Buch zum Jakobsweg, der auch durch unsere Region geführt haben soll, ist vorgestellt worden.

Auch wenn dies in dem neuen Buch noch so schön beschrieben ist – es ist meines Erachtens nur eine Vermutung, dass die Ost-West-Verbindung des Jakobsweges in unserem Bereich durch das Lahntal führte. Viel einleuchtender ist ein kürzerer Weg von Marburg, Wetzlar, Westerburg, Montabaur über Koblenz, Münstermaifeld, Karden und von dort weiter auf dem bereits ausgeschilderten Jakobsweg von Bonn nach Trier. Warum sollten die Pilger im Mittelalter durch die vielen Mäander der Lahn laufen, sich in Lahnstein einen Bootsmann suchen, um nach Stolzenfels zu kommen, dort den steilen Aufstieg in Kauf nehmen, um dann ins Moseltal zu gelangen?

Ein wichtigeres Etappenziel war sicher der Deutsche Orden in Koblenz mit seinen karitativen Aufgaben, der außerhalb seines Verwaltungszentrums vermutlich extra eine Jakobskapelle baute. Außerdem gab es seit Römerzeiten immer feste Fährverbindungen von Ehrenbreitstein nach Koblenz, und – nicht zu vergessen – eine Brücke über die Mosel, von der aus man über die Höhen auf den kürzesten Weg nach Trier gelangen konnte.

Ich selbst bin 26 Tage lang 625 Kilometer auf dem Jakobsweg in Spanien gegangen und war froh, wenn möglichst kurze Wege zu den Etappenzielen ausgeschildert waren. Sicher waren das Johanneskloster wie die Jakobskirche in Lahnstein wichtige Stationen entlang des Rheins. Aber auch in Ehrenbreitstein und Koblenz gab es einfache Unterkünfte in Klöstern, wo Pilger versorgt werden konnten. Würde man die oben genannte Strecke als Hauptweg ansehen, so hätten insbesondere die gastronomischen Betriebe und das Kloster der Dominikanerinnen in Arenberg wieder eine zentrale Bedeutung für Pilger.

Oskar Lorentz, Koblenz

 

Oh, fast hätte ich diesen Leserbrief in der Rhein-Zeitung vom 17.03.2008 unterschlagen. Das war keine Absicht, sondern lag einfach an den vielen Dingen, die rund um Ostern zu erledigen waren.

 

Lieber Herr Lorentz,

natürlich haben Sie Recht, wenn Sie in Ihrem Leserbrief andeuten, dass insbesondere gastronomische Betriebe ein grosses Interesse daran haben, die deutschen Jakobswege an ihrer Haustür vorbeilaufen zu lassen.

Und natürlich haben Sie auch Recht, wenn Sie andeuten, dass "alle Wege nach Rom führen".

Und dem trägt auch der Eifel-Camino von Andernach-Namedy nach Trier durchaus Rechnung.

Aber wir brauchen gehbare Wege für den modernen Jakobspilger! Gehbare Wege, die eine spirituelle Annäherung mit landschaftlichen und kulturellen Reizen verbindet.

Somit schliesst das Eine, nämlich der Lahn-Camino und der Mosel-Camino, das Andere, nämlich der Eifel-Camino und ein noch zu schaffender östlicher Zubringerweg über den hohen Westerwald, nicht aus.

Ultreia und herzliche Grüsse nach Koblenz,

Ihr Karl-Josef Schäfer

 

 

 

 

Schäfer, Karl-Josef: Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein – Ein Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino / Schäfer, Karl-Josef und Welter, Wolfgang: Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino