Alois Heun hat jüngst den Landesehrenbrief durch Helmut Jung, Erster Beigeordneter im Landkreis Limburg-Weilburg, erhalten

Alois Heun hat jüngst den Landesehrenbrief durch Helmut Jung, Erster Beigeordneter im Landkreis Limburg-Weilburg, erhalten

(Weilburg, im Mai 2018, KS) Es ist kalt an diesem 22. April 2017. Im gesamten Kreisgebiet Limburg-Weilburg ist der Strom ausgefallen, viele Menschen sitzen in ihren kalten Häusern. Glücklich, wer jetzt noch ein analoges Telefon besitzt. Aber die Telefonleitungen zur Rettungsleitstelle in Limburg sind mit den Anfragen besorgter Bürger überlastet. Da erreicht eine weitere Schreckensnachricht die Mitarbeiter: In Hünfelden-Dauborn brennt die Schule. Feuerwehr-Einsatzkräfte aus dem gesamten Südkreis werden alarmiert und nach Dauborn zur Brandbekämpfung beordert. Sie erwartet ein Schreckensbild. Überall verletzte Schüler und Lehrer. Blutüberströmt laufen sie verwirrt am Einsatzort umher, liegen noch im brennenden Schulgebäude oder auf den Rasenflächen vor der Schule. Überall Schmerzensschreie oder Stöhnen. Eltern und Großeltern rufen nach ihren Kindern und Enkeln. Es ist schwer, einen Überblick zu behalten und die aufgeregten Menschen vom Gefahrenherd wegzuhalten. Der Katastrophenschutz wird alarmiert. Die Sanitäter der Rettungsdienste sollen sich um die vielen Verletzten kümmern und in die umliegenden Krankhäuser transportieren. Neben unzähligen Feuerwehr-Einsatzfahrzeugen fahren Krankenwagen, Rettungs- und Notarztwagen mit Blaulicht und Martinshorn durch den Ort, übernehmen erstversorgte Verletzte und fahren gleich weiter. Das THW wird beauftragt, eine Infrastruktur mit Strom- und Wasserversorgung vor Ort aufzubauen. In ausreichendem Abstand zum Katastrophenort werden Zelte zur Versorgung der Verletzten und zur Betreuung von Leichtverletzten und Angehörigen errichtet.

Mit dabei und unermüdlich unterstützend tätig sind die ehrenamtlichen Helfer der Notfallseelsorge Limburg-Weilburg. Auch sie wurden routinemäßig durch die Limburger Rettungsleitstelle alarmiert und sind mit vor Ort. Sie kümmern sich in erster Linie um Angehörige, die in großer Sorge um Kinder, Enkel, Partner oder Einsatzkräfte sind. Auch Verletzte, die auf den Abtransport warten oder Leichtverletzte, die auf ihre Abholer warten, finden in den Mitarbeitern der Notfallseelsorge einen geduldigen Gesprächspartner. „Zuhören, da sein, uns selber zurücknehmen, auch wenn es schwer fällt, das ist unsere vordringliche und schwierige Aufgabe in einem solchen Szenario,“ sagt Alois Heun, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Notfallseelsorge Limburg-Weilburg. Jüngst wurden er und die Schriftführerin des Vereins, Manuela Schäfer, mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet.

Natürlich, bei dem oben beschriebenen Szenario handelt es sich um die große Katastrophenschutzübung für den Südkreis und die täuschend echt geschminkten Komparsen sind nicht wirklich verwirrt oder traumatisiert, sondern finden sich in die ihnen zugewiesenen Rollen ein. Manche vielleicht ein wenig zu gut. Denn während vor einem Zelt Freiübungen zum Aufwärmen gemacht werden, führen an anderer Stelle die Mitarbeiter der Notfallseelsorge Gespräche mit Betroffenen.

„Anlass zur Gründung der Notfallseelsorge im Jahr 1996 war der tödliche Unfall eines Rettungsassistenten,“ berichtet Alois Heun. „Seine Kollegen waren wie vor den Kopf geschlagen, es wurde nach Wegen gesucht, diesen Schock, diesen Verlust zu verarbeiten. In Wiesbaden war kurz vorher die Notfallseelsorge (heute SIN Wiesbaden) gegründet worden. Und so nutzten die Initiatoren Pfarrer Sponholz und Rettungsassistent Schienbein die dortigen Erfahrungen, um in Zukunft den Gesprächsbedarf in solchen Situationen koordinieren zu können.“ Schnell wird jedoch klar, dass die Einsatzgründe viel umfangreicher und vielfältiger sind, als angedacht. Heute wird die Notfallseelsorge von der Rettungsleitstelle in Limburg immer routinemäßig mit alarmiert, wenn Betroffene, Angehörige oder Einsatzkräfte Gesprächsbedarf haben könnten. Das kann ein Szenario wie bei der großen Katastrophenschutzübung sein, oder eine Situation, in die jede und jeder von uns jeden Tag geraten kann:

·         Bei Verkehrsunfällen zur Betreuung von Betroffenen an der Unfallstelle

·         Bei der Überbringung von Todesnachrichten zur Unterstützung der Polizei

·         Bei Unfällen mit Kindern oder plötzlichem Kindstod

·         Bei Suizidversuchen zur akuten Betreuung und Betreuung der Angehörigen

·         Bei plötzlichem Tod im häuslichen Bereich

·         Bei Haus- und Wohnungsbränden

Im Jahr 2017 waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notfallseelsorge dafür an 2692 Stunden im Einsatz und legten dabei mit ihren privaten PKW 28.365 Kilometer zurück. In 146 Einsätzen haben 26 ehrenamtliche Mitarbeiter 541 Menschen betreut. Die Bandbreite reicht dabei vom Gespräch mit den Begleitern eines vermissten Paddlers auf der Lahn (der bald wohlbehalten wieder auftauchte) bis hin zu zwei tödlichen Verkehrsunfällen, bei denen Angehörige und Ersthelfer betreut wurden.

Für alle diese vielfältigen Aufgaben stehen 24 Stunden rund um die Uhr, an allen sieben Tagen der Woche immer zwei Notfallseelsorger bereit. Wenn diese zwei Kräfte nicht ausreichen, können weitere Kolleginnen und Kollegen nachalarmiert werden. So ist sicher gestellt, dass die Notfallseelsorge auf jede erdenkliche Situation reagieren kann.

„Auch bei uns gelten die Regeln der Demographie,“ sagt Alois Heun im Gespräch. „Die Notfallseelsorge Limburg-Weilburg wird im Durchschnitt immer älter und wir suchen ständig Menschen mit Lebenserfahrung, die uns aktiv unterstützen können. Mehr als 200 Menschen unterstützen uns durch ihre Mitgliedschaft im Verein mit jährlich 20 Euro, auf die sind wir genau wie auf die Spenden angewiesen. Institutionen und Firmen zahlen übrigens 100 Euro jährlich. Doch das aktive Notfallseelsorger-Team hat unter 30 Mitglieder. Eine regelmäßige Teilnahme an monatlichen Gesprächsabenden (unsere Supervision für die Einsatzkräfte) und der ebenfalls monatlichen Dienstabenden ist Voraussetzungen. Dann lassen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Malteser eine Grund- und Aufbauschulung durchlaufen. Daran schließt eine Ausbildung in Prävention und Einsatznachsorge (CISM) an. Darauf folgt noch einmal eine externe Ausbildung in Critical Incident Stress Management (CISM). Das ist aufwendig, hat sich bewehrt. Alle Ausbildungen werden zertifiziert.“

Wenn Sie die Arbeit der Notfallseelsorge Limburg-Weilburg unterstützen möchten, dann werden Sie doch Mitglied. Einen Mitgliedsantrag zum Ausdrucken finden Sie unter https://www.notfallseelsorge-limburg-weilburg.de (Aktuelles, Downloads).