KOBLENZ/BERLIN. Die RZ lädt die Bundestagsabgeordneten aus dem Koblenzer Wahlkreis ein, ihren Wählern im "Brief aus Berlin" einen Einblick in den politischen Alltag zu gewähren. Heute schreibt die SPD-Parlamentarierin Ursula Mogg.

Im Berliner "Sommertheater" entarten gelegentlich kleinere Scharmützel zu großen Schlachten – zumindest entsteht dieser Eindruck dann, wenn man den Medien bedingungslos Glauben schenkt. Schließlich sind auch in der nachrichtenarmen Zeit täglich Programme und Seiten zu füllen. Trotzdem hat sich der politische Betrieb seit Anfang Juli spürbar verlangsamt. So ist in diesen Wochen auch schon mal von Interesse, wo Spitzenpolitiker ihren Urlaub verbringen – und ob sie dort erreichbar sind.

Lohnend allerdings ist ein Blick auf die Entwicklung des heimischen Tourismus. Die Deutschen entdecken immer häufiger Deutschland als Urlaubsland. Reiseveranstalter konstatieren einen Boom der Inlandsreisen. Das Statistische Bundesamt verbucht fürs erste Halbjahr 2008 einen Anstieg bei den Übernachtungen in Deutschland um drei Prozent. Der Hotel- und Gaststättenverband führt dies auf eine Vielzahl von Gründen zurück: Neben den günstigen deutschen Preisen gehört dazu ein gestiegenes Umweltbewusstsein, das den Rad- und Wanderurlaub attraktiver macht – und natürlich auch die kürzere Anreise sowie steigende Benzin- und Flugpreise. Schließlich ist auch die Sicherheit, die man in Deutschland genießt, ein nicht zu vernachlässigendes Argument.

Dies sind für das Urlaubsland an Rhein, Mosel und Lahn erfreuliche Signale. Vom Reiz und der Qualität des Urlaubs in der heimischen Region konnte ich mich bei einer mehrtägigen Wanderung über den "Mosel-Camino" überzeugen, dem Jakobsweg zwischen Koblenz und Trier. Diese Landschaft ist immer wieder ein Erlebnis, die Preise für Kost und Logis im europäischen Vergleich konkurrenzlos günstig, die Menschen gastfreundlich und hilfsbereit; selbst das Wetter ist oft angenehmer als im heißen Süden. Freilich gibt es für die Politik Aufgaben, die nicht aus dem Blick geraten dürfen. Dazu gehört in unseren Flusstälern auch weiter vorrangig die Bekämpfung des Bahnlärms.

Man darf auf das Erreichte ein wenig stolz sein, ohne die verbleibenden großen Herausforderungen aus dem Auge zu verlieren. Im Interesse der Menschen, die hier leben, ebenso wie derer, die die schönsten Wochen des Jahres gerne bei uns verbringen.

· 13.08.2008 © Rhein-Zeitung

 

 

Schäfer, Karl-Josef und Welter, Wolfgang: Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino