Eingang zur Kirche in Drommershausen

Eingang zur Kirche in Drommershausen

(KS, im Februar 2017) Samstagnachmittag, strahlender Sonnenschein, noch ein wunderschöner Wintertag. Ich bin auf dem Weg zu Jochen Janz, dem Ortsvorsteher von Drommershausen. Meine Gedanken sind bei den schönen Wanderungen, die ich schon rund um Drommershausen gemacht habe. Im Ort steht ein Esel an der Straße. Ich bereite mich in Gedanken auf das Gespräch vor. Drommershausen, was macht den Stadtteil so besonders? Was sind Ihre Lieblings … ein Esel? War das wirklich ein Esel? Bremsen, zurücksetzen. Tatsächlich, ein Esel. Mitten in Drommershausen. Schnell ein Foto gemacht und weiter. Der Ortsvorsteher wartet.
Wenig später spaziere ich mit Jochen Janz durch den Ort. Er ist Ortsvorsteher mit Leidenschaft, liebt seinen Stadtteil und die Menschen in Drommershausen. Es geht ins Neubaugebiet und durch die neue Fritz-Heil-Straße. „Hier sind noch Bauplätze frei,“ erzählt Janz. Und begrüßt eine junge Familie aus Idstein, die sich die schönen Plätze am Waldrand anschaut. Ein kurzes Gespräch über Bauhöhen, dann geht es weiter. Am Wald entlang geht es durch ehemalige Gärten. „Leider finden sich immer weniger Menschen, die an den Gärten Interesse haben,“ erzählt der Ortsvorsteher. „Aber verkaufen? Das geht für viele Drommershäuser gar nicht. Es könnte ja mal Bauland werden.“ Ein Stückchen weiter ein umgestürzter Baum. „Oh, der lag beim letzten Spaziergang noch nicht hier. Da muss ich dem Bauhof Bescheid geben.“ Ein Ortsvorsteher, so merke ich, ist Ortsvorsteher rund um die Uhr.
Plötzlich stehen wir auf einer Terrasse und schauen über ganz Drommershausen. „Dies ist einer meiner Lieblingsplätze im Dorf.“ Eine Tafel informiert über die wichtigsten Ereignisse in Drommershausen. Die Zeitachse reicht von 1197 bis 2015. Mehr als 800 Jahre Dorfgeschichte. „Dieser Platz ist eines der Freiwilligenprojekte, die wir regelmäßig angehen. Das Gestrüpp wird niedrig gehalten. Für den Nussbaum in der Mitte ist hier oben ein Nachfolger gepflanzt.“
Es sind viele Projekte des Freiwilligentages, an denen wir bei unserem Spaziergang vorbeikommen. In Drommershausen, so hat es den Anschein, funktioniert die Dorfgemeinschaft. „Auch Neubürger sind integriert,“ sagt Janz, „das geht bei den jungen Familien ganz schnell über die Kindertagesstätte. Und wir nehmen uns immer neue Projekte für die Freiwilligenarbeit vor.“ Auch damit konnte Drommershausen den Regionalentscheid und den 3. Platz auf Landesebene im Wettbewerb ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ gewinnen.
Wir gehen wieder hinunter, kommen an der einen oder anderen Schmuddelecke vorbei. Der Hochbehälter am Ortsausgang Richtung Hirschhausen ist das Projekt für einen der nächsten Freiwilligentage. „Aber nicht alle Eigentümer können die Erhaltung ihres Anwesens über das absolut notwendige Maß hinaus schaffen,“ erzählt Janz, als wir an einer dringend restaurierungsbedürftigen Wand vorbeigehen.
Auf der anderen Straßenseite geht es wieder bergauf. Im Burgweg. Die Frage brennt mir schon lange auf der Zunge: „Gibt es eine Burgruine in Drommershausen?“ „Nein,“ sagt mir der Ortsvorsteher, „da können Sie lange vergeblich suchen, der Burgweg müsste eigentlich Burkweg heißen, er leitet sich von dem Namen Burk ab.“
An der nächsten Ecke pflegt der Anwohner ein Stück städtisches Gelände, mäht den Rasen, stutzt die Sträucher. Dann wieder ein Projekt für den Freiwilligentag, eine riesige Streuobstwiese. „Das schaffen selbst wir nicht mehr!“ Aber man merkt, wie stolz der Ortsvorsteher auf das Erreichte ist.
Für mich einmal Zeit, die Fakten und Daten abzufragen. Etwas mehr als 500 Einwohner hat Drommershausen, am Grundbach gelegen. Der Steinzler Hof, außerhalb des Ortes gelegen, wird 1196 erstmals urkundlich erwähnt. Auch die beiden historischen Wassermühlenanwesen Grünsmühle und Neumühle haben ihre Ursprünge im 13. Jahrhundert. Hauptsächlich haben die Drommershäuser von Landwirtschaft und Eisenerzbergbau gelebt.
Es fällt mir auf, dass es kaum Baulücken im Ortskern gibt. „Wir achten sehr darauf, die Lücken im alten Kern schnell wieder zu schließen,“ erzählt Jochen Janz, während wir vor einem alten, wohl mit Eternitplatten verkleideten Haus zwischen zwei schmucken Neubauten stehen. „Dieses Gebäude ist baufällig und muss über kurz oder lang abgerissen werden. Die Nachbarn sind sich schon einig und werden einen Carport oder eine Garage schaffen, die sich in das Gesamtbild einfügen.“
Mittlerweile kommen wir zur Turnhalle. Vorher zeigt Janz noch die eine oder andere grüne Ecke an der Straße. „Alles am Freiwilligentag in Ordnung gebracht,“ erzählt er, „und die Tüten für Hundehinterlassenschaften werden rege genutzt, da bin ich stolz auf unsere Hundehalter.“  Es ist schon einige Zeit her, dass ich zum letzten Mal in der Turnhalle war. „Sie gehört jetzt der Stadt, damit hört aber unsere Eigenleistung nicht auf.“ An einer eine Stelle wurde eine Wand errichtet, an anderer Stelle eine andere eingerissen. Die Sanitärräume haben ein modernes Gesicht bekommen und sind teilweise barrierefrei. Es hat sich viel getan in der Turnhalle.
Zum Schluss geht es noch ins alte Bürgerhaus, mitten im Ort. Dies ist jetzt an die Kirchengemeinde verpachtet, die Räumlichkeiten werden rege nutzt. Davor findet sich, gut vor dem Wetter geschützt, eine Bücherecke mit Sessel. Gute Idee, wieder ein Punkt auf der Habenseite der Dorfgemeinschaft.
Unser Rundgang durch Drommershausen ist fast zu Ende. „Beim Udo waren wir noch nicht“, sagt Janz. Die restaurierten und sanierten Anwesen von Udo Sartorius mitten im Straßendorf sind deshalb wichtig, weil sie einmal die Keimzelle des Ortes zeigen. Erst jüngst hat Sartorius eine Bauernburg aus dem Mittelalter und damit das älteste Wohnhaus in Drommershausen saniert. Hier klärt sich auch die Geschichte mit dem Esel auf. Dem ging es nicht ganz so gut, hatte wohl etwas Falsches gefressen. Daraufhin hat ihn Familie Sartorius zur Beobachtung vor dem Haus angebunden. So etwas gibt es wirklich nur in Drommershausen.
Drommershausen, ein alter Stadtteil mit einem ganz modernen regen Leben. Der Spaziergang haben dem Ortsvorsteher und mir viel Spass gemacht. Für den nächsten Spaziergang geht es nach Gaudernbach. Sicher bringe ich von dort auch einen interessanten Bericht mit.