Das alte Schulhaus in Ahausen

Das alte Schulhaus in Ahausen

(KS, im Juli 2016) „Seit 10 Jahren bin ich Ortsvorsteher in Ahausen und auf die nächsten fünf Jahre, für die ich gerade gewählt bin, freue ich mich sehr.“ Das erzählt mir Hans Werner Bruchmeier (63), Lehrer am Gymnasium Philippinum und engagierter Lokalpolitiker. Seit über 30 Jahren ist er Mitglied der Weilburger Stadtverordnetenversammlung. Weilburg kennt ihn auch als Vorstand des Weilburger Rudervereins.

Wir haben uns in Ahausen zu einem Spaziergang durch den Ort getroffen. Bruchmeier will mir den Stadtteil zeigen, so wie er ihn sieht – und liebt. Wir kommen an seinen Lieblingsplätzen vorbei und treffen den einen oder anderen Ahäuser auf einen kurzen Plausch.

„Ahausen ist überschaubar!“

Direkt an der Lahn, an der Grenze zur Nachbargemeinde Löhnberg, liegt der Weilburger Stadtteil Ahausen. 1320 erstmalig urkundlich erwähnt, kam der Ort im Zuge der hessischen Gemeindereform am 31. Dezember 1970 zu Weilburg. „Mit 667 Einwohnern am 1. Januar 2016 liegen wir einwohnermäßig im Weilburger Mittelfeld,“ sagt Hans Werner Bruchmeier, „Ahausen ist überschaubar.“

Wir sitzen beim Kaffee auf der Terrasse hinter dem schmucken Haus. 1824 und 1825 als Dorfschule gebaut, hat es Bruchmeier in den 80er Jahren gekauft und saniert. Heute ist das Haus ein Schmuckstück und neben der Erzverladestation am Ortseingang das beliebteste Fotomotiv in Ahausen. Hans Werner Bruchmeier erzählt von der Sanierung des Hauses, von seiner Familie und ganz besonders von Ahausen.

„Es ist schön, hier zu wohnen, die meisten Ahäuser kennen mich und ich kenne sie. Man grüßt, nimmt sich oft Zeit für ein kurzes Gespräch. Damals haben wir ein altes Haus gesucht und genau das in Ahausen gefunden. Seit 1989 wohnen wir hier.“ Bruchmeier gerät ins Schwärmen. Man merkt, als gebürtiger Weilburger ist er in diesem Haus angekommen, hat sein Familienheim gefunden.

Romantischer Weiher im Verborgenen

Aber wir wollen ja über Ahausen reden. Über den Hof und durch den Garten gehen wir nach hinten. „Das ist der Köppel,“ zeigt Bruchmeier auf eine Anhöhe. „Eine Hinterlassenschaft des Bergbaus in Ahausen.“ Und plötzlich stehen wir vor einem romantischen Weiher, der auch aus der Zeit des Bergbaus in unserer Region stammt. Dichtes Gebüsch am Ufer, im Vorbeigehen erhasche ich einen Blick auf wunderschöne Seerosen. „Manchmal erscheint das Wasser richtig rot,“ erzählt mir der Ortsvorsteher, „es sind viele Goldfische im Teich.“ An diesem heißen Tag haben sie sich in den Schatten verzogen. Neben dem Weiher eine Wiese – ein idealer Platz für ein Sommerfest, denke ich bei mir. Und schon spricht Bruchmeier weiter: „Hier feiern wir gelegentlich ein spontanes Weinfest, ein toller Platz im Sommer.“

Um den Weiher herum gelangen wir zur freiwilligen Feuerwehr und zum Bürgerhaus. Fast zwanzig Jahre alt, sehr gepflegt von den Ahäusern. „Wir planen einen kleinen Anbau, um das Mobiliar und Gerätschaften dort lagern zu können.“

Der weitere Weg führt durchs kleine Neubaugebiet. An einem Haus wird gerade gebaut, ein anderes ist jüngst bezugsfertig geworden. Drei Grundstücke stehen noch zur Verfügung.

Links von uns trennen zwei Reihen Apfelbäume das Neubaugebiet vom Feld. „Wir pflanzen alte hessische Apfelbäume, unser Apfellehrpfad. Um die alten Bäume, die regelmäßig gepflegt werden müssen, kümmert sich die Odersbacher Pomologin Martina Adams.“

„Da haben wir den Friedhof. Hier haben wir in Gemeinschaftsarbeit komplett die Wege in Ordnung gebracht. Es gibt in Ahausen keinen Freiwilligentag, wie in anderen Stadtteilen. Aber wenn Hände gebraucht werden, sind immer genügend Helfer da. Das gilt auch für die Ahäuser Kleinodien, zum Beispiel die Schüttanlage am Ortseingang, um die sich der Heimatverein liebevoll kümmert.“ Hans Werner Bruchmeier erzählt im Plauderton. „Bestattungskultur wandelt sich auch in Ahausen. Neben den klassischen Grabstellen haben wir eine Urnenwand und in der Planung sind zwei große Bäume am Friedhofsrand, unter denen auch jeweils bis zu 10 Urnen Platz finden können.“

Verborgene Wege

Ein Fremder würde die Wege gar nicht finden, auf denen wir hinunter zur Selterser Straße kommen. Kurz nach links gewendet und wir stehen vor der Verladestation der Eisensteinaufbereitungsanlage am Ortseingang. Der Heimatverein Ahausen hat seit 1997 die Erhaltung dieses Denkmals übernommen und viel Zeit und Arbeit in das Projekt investiert. Heute stellt sich dieser Teil der 1960 stillgelegten Grube Allerheiligen als Schmuckstück am Ortseingang dar.

Auf dem Rückweg halten wir uns auf der viel befahrenen Selterser Straße, der Durchgangsstraße in Ahausen. Zu fast jedem Haus hat Bruchmeier etwas zu erzählen. Einige der schönen, alten Häuser werden zur Zeit saniert und sollen noch in diesem Jahr bezogen werden. Hier ein kurzes Gespräch, dort ein Gruß über die Straße – Bruchmeier kennt und ist bekannt.

Noch einmal biegen wir ab. „Dies ist so einer meiner Lieblingsplätze in Ahausen. Die erhaltene und neu aufgebaute Ahäuser Viehwaage, der Brunnen und die Bank daneben.“ Demonstrativ setzt sich der Ortsvorsteher auf die Bank und lacht in die Kamera. „Da oben steht eines der ersten Bürgerhäuser in Hessen. Damals mit Gefrierstation, mit Saal, mit Vereinsräumen. Heute ist der Kindergarten der Weilburger Wirtschaft dort eingezogen, die Kirchengemeinde nutzt den Saal, der Heimatverein hat sein Archiv.“

Lahn-Marmor im Viehstall

Auf dem Rückweg zur Alten Schule kommen wir an einem sorgfältig restaurierten Gehöft vorbei. „Lass‘ uns mal schauen, ob Frau Göpel daheim ist.“ Frau Göpel ist Künstlerin mit regelmäßigen Ausstellungen in der Region. In Ahausen wohnt und arbeitet sie. Wir dürfen einen Blick in die Scheune werfen. Rechts der ehemalige Viehstall, heute ein Raum für Gespräche und Feiern. Ins Augen fallen die Säulen aus wohl Wirbelauer oder Villmarer Marmor und die erhaltenen Viehtränken aus dem schwarzen Schupbacher Marmor. Marmor als Baustoff im Viehstall – das gibt es wohl nur im Weilburger Land. Wobei fairerweise erwähnt werden muss, dass es sich um das Gehöft des Schultheißen im Dienst der Nassau-Weilburger handelte. Ein damals wichtiger und sicher auch wohlhabender Mann.

Die letzte Station auf unserem Spaziergang ist Herbert Schmidt’s Scheune, die Kulturscheune. Der Heimatverein zeigt hier landwirtschaftliches Gerät der letzten 150 Jahre. Es ist eine weitere Besonderheit und ein weiterer Beweis, dass in Ahausen angepackt wird wenn es gilt, Ideen zu verwirklichen.

Rund zwei Stunden hat unser Spaziergang gedauert. Schulhaus, Apfelbaumlehrpfad, verborgene Wege, eines der ältesten Bürgerhäuser Hessens, eine Verladestation, Lahnmarmor im Viehstall und eine Kulturscheune. Mir hat der Spaziergang gezeigt, dass Ahausen mehr ist als eine viel zu enge Durchgangsstraße. Mal sehen, was es in Bermbach mit Ortsvorsteher Kai Schmidt zu entdecken gilt.