Das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main wird in den kommenden Jahren sein Sammlungs- und Ausstellungsprogramm verstärkt um außereuropäische Positionen der Gegenwartskunst erweitern. Der Schwerpunkt, der im MMK bisher – wie bei den meisten Häusern der Gegenwartskunst in Deutschland – auf den europäischen und nordamerikanischen Avantgarden seit 1945 liegt, soll in Zukunft konsequenter durch neue Schwerpunkte nicht europäischer Positionen ergänzt werden.

Auf die umfassende Retrospektive des brasilianischen Künstlers Hélio Oiticica, die aktuell zu sehen ist (bis 12. Januar 2014), folgt im kommenden Frühjahr das große Ausstellungsprojekt „Die Göttliche Komödie. Himmel, Hölle, Fegefeuer aus Sicht afrikanischer Gegenwartskünstler“, das auf allen drei Etagen des MMK Arbeiten von 57 Gegenwartskünstlern aus 20 afrikanischen Ländern vorstellt. In der zweiten Jahreshälfte wird das Museum der indischen Künstlerin Dayanita Singh und dem indischen Künstler Subodh Gupta Einzelausstellungen widmen.

„Das MMK steht seit seiner Eröffnung im Jahr 1991 für hochkarätige Werke internationaler Gegenwartskunst. Seit einigen Jahren wird der bisher westlich dominierte Diskurs der zeitgenössischen Kunst zunehmend von außereuropäischen Akteuren, Theoretikern, Künstlern und Kuratoren geprägt. In unserer durch Globalisierung, Migration und Transkulturalität definierten Gesellschaft ist es für ein Museum für Gegenwartskunst von großer Bedeutung, diese Entwicklungen mit Ausstellungen und Ankäufen zu manifestieren und mitzugestalten“, so Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK in Frankfurt.

Die Göttliche Komödie. Himmel, Hölle, Fegefeuer aus Sicht afrikanischer Gegenwartskünstler (1.3.- 6.7.2014)

Mit der Ausstellung „Die Göttliche Komödie. Himmel, Hölle, Fegefeuer aus Sicht afrikanischer Gegenwartskünstler“ wird das MMK auf über 4500 Quadratmetern zum Schauplatz Dantes „Göttlicher Komödie: In diesem Epos aus dem frühen 14. Jahrhundert, das zentrale Gedanken des Christentums mit Glaubensvorstellungen aus der Antike verbindet, setzt sich der italienische Dichter Dante Alighieri (1265-1321) mit theologischen, philosophischen und moralischen Fragen auseinander, die bis heute von gesellschaftlicher und politischer Brisanz sind. Das Werk bildet die Grundlage für die Ausstellung, die der Kurator Simon Njami zusammen mit dem MMK konzipiert hat und die in der Folge an vier weiteren internationalen Ausstellungsorten zu sehen sein wird.

Auf drei Etagen, denen jeweils das Paradies, die Hölle und das Fegefeuer zugeordnet sind, werden Arbeiten in unterschiedlichen Medien präsentiert: Malerei, Fotografie, Skulptur, Videoarbeiten, Installationen und Performances. Es werden zahlreiche Neuproduktionen entstehen, die explizit für die Räume des MMK konzipiert sind.
Ausgehend von ihren unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen untersuchen die Künstlerinnen und Künstler einzelne thematische Sequenzen der Göttlichen Komödie. Dabei werden die Jenseitsreiche mal als gottlose Orte entworfen, die mittels der Vorstellungskraft zum Leben erweckt werden, in anderen Arbeiten wird an ihnen die Idee von Göttlichkeit, Hoffnung oder Verlust festgemacht.

Nach den vielen auf Afrika bezogenen Ausstellungen der letzten Jahre scheint es wichtig, die Bedeutung afrikanischen Schaffens nicht nur im postkolonialen Kontext, sondern auch im Hinblick auf Fragen der Ästhetik zu untersuchen. Die Ausstellung konzentriert sich daher nicht auf historische oder politische Darstellungen, vielmehr setzt sie auf Dichtung und Kunst als Ausdrucksformen, Unausgesprochenes zu transportieren und zu kommunizieren.

„Die Ausstellung unterstreicht die Tatsache, dass alle Menschen etwas gemeinsam haben, trotz aller offensichtlichen Unterschiede und unabhängig von ihrer Herkunft, Geburt oder ihrem kulturellen Hintergrund. Die Vorstellungen von Paradies, Fegefeuer und Hölle sind universell, unabhängig davon, wie sie von den unterschiedlichen Kulturen in der Welt übersetzt werden. Warum Dante? Weil die Göttliche Komödie in erster Linie eine menschliche Komödie ist. Und ich bin überzeugt, dass nichts Menschliches einem anderen Menschen fremd sein kann“, sagt Simon Njami, der Kurator der Ausstellung. Das Konzept der Ausstellung überträgt die universellen Fragestellungen der „Göttlichen Komödie“, einer Inkunabel der europäischen Literatur, in unsere Gegenwart und setzt sie in einen aktuellen, transnationalen Zusammenhang. Simon Njami erklärt: „Wie kann eine Minderheit eine Mehrheit regieren? Warum darf eine kleine Gruppe entscheiden, was für alle richtig oder falsch sein soll? Mit der Ausstellung möchte ich auf das Schicksalhafte von Machtverhältnissen aufmerksam machen und den Künstlern die Möglichkeit geben, ihre eigenen Positionen dazu zu formulieren.“

Simon Njami (*1962 Lausanne/Schweiz, lebt in Paris) organisierte zahlreiche Ausstellungen zur zeitgenössischen afrikanischen Kunst, darunter 2004 bis 2007 „Africa Remix“ (80 zeitgenössische afrikanische Positionen, die an fünf internationalen Ausstellungsorten gezeigt wurden), kuratierte den afrikanischen Pavillon der Biennale Venedig 2007 und die FNB Joburg Art Fair 2008 in Johannesburg, Südafrika. Er war Mitbegründer und Chefredakteur der “Revue Noire”, zehn Jahre lang künstlerischer Leiter der “Bamako Photography Biennale” und hat zahlreiche Publikationen zu afrikanischer Kunst veröffentlicht.

Künstlerliste:
Jane Alexander (*1959 Johannesburg, Südafrika)
Fernando Alvim (*1963 Luanda, Angola)
Ghada Amer (*1963 Kairo, Ägypten)
Joël Andrianomearisoa (*1977 Antananarivo, Madagaskar)
Kader Attia (*1970 Dugny/Seine-Saint-Denis, Frankreich)
Samy Balodji (*1978 Lubumbashi, Kongo)
Berry Bickle (*1959 Bulawayo, Zimbabwe)
Bili Bidjocka (*1962 Douala, Kamerun)
Wim Botha (*1974 Pretoria, Südafrika)
Zoulikha Bouabdellah (*1977 Moskau, Russland)
Mohamed Bourouissa (*1978 Blida, Algerien)
Edson Chagas (*1977 Luanda, Angola)
Loulou Cherinet (*1970 Gothenburg, Schweden)
Lawrence Chikwa (Lusaka, Zambia)
Kudzanai Chiurai (*1981 Harare, Zimbabwe)
Christine Dixie (*1966, Südafrika)
Dimitri Fagbohoun (*1972 Cotonou, Benin)
Jellel Gasteli (*1958 Tunis, Tunesien)
Pélagie Gbaguidi (*1965 Dakar, Senegal)
Kendell Geers (*1968 Johannesburg, Südafrika)
Frances Goodman (*1975 Johannesburg, Südafrika)
Nicholas Hlobo (*1975 Kapstadt, Südafrika)
Peterson Kamwathi (*1980, Nairobi, Kenia)
Mouna Karray (*1970 Sfax, Tunesien)
Amal Kenawy (*1974 Kairo, Ägypten)
Majida Khattari (*1966 Erfoud, Marokko)
Kiluanji Kia Henda (*1979 Luanda, Angola)
Jems Koko Bi (*1966 Sifra, Elfenbeinküste)
Abdoulaye Konaté (*1953 Diré, Mali)
Nicène Kossentini (*1976 Sfax, Tunesien)
Ndary Lo (*1961 Tivaouane, Senegal)
Ato Malinda (*1981 Nairobi, Kenia)
Pascale Marthine Tayou (*1967 Yaoundé, Kamerun)
Julie Mehretu (*1970 Addis Abeba, Äthiopien)
Myriam Mihindou (*1964 Libreville, Gabon)
Nandipha Mntambo (*1982 Swasiland)
Aïda Muluneh (*1974 Addis Abeba, Äthiopien)
Hassan Musa (*1951 El-Nuhud, Sudan)
Wangechi Mutu (*1972 Nairobi, Kenia)
Ingrid Mwangi / Robert Hutter (*1975 Nairobi, Kenia und *1975 Ludwigshafen, Deutschland)
Nabil Boutros (*1954 Kairo, Ägypten)
Youssef Nabil (*1972 Kairo, Ägypten)
Lamia Naji (*1966 Casablanca, Marokko)
Moataz Nasr (*1961 Kairo, Ägypten)
Cheikh Niass (*1966 Dakar, Senegal)
Maurice Pefura (*1967 Paris, Frankreich)
Zineb Sedira (*1963 Paris, Frankreich)
Yinka Shonibare MBE (*1962 London, England)
Guy Tillim (*1962 Johannesburg, Südafrika)
Andrew Tshabangu (*1966 Johannesburg, Südafrika)
Freddy Tsimba (*1967 Kinshasa, Kongo)
Minnette Vári (*1968 Pretoria, Südafrika)
Guy Wouete (*1980 Douala, Kamerun)
Dominique Zinkpè (*1969 Cotonou, Benin)