… das war’s. Ich war ihm lästig, er wusste nichts mit mir anzufangen. Jetzt habe ich es verstanden!

Aber mal vorne, und als Märchen erzählt, denn für eine wahre Geschichte ist es viel zu traurig.

Es war einmal ein Mann, nennen wir ihn doch einfach Karl-Josef, so um die 50. Nachdem er viele Jahre durch die Welt gereist war, immer auf der Suche nach "Gelegenheiten" wie es so schön heisst, kam er doch endlich wieder nach Hause.

Nur war dieses "zu Hause" nicht mehr das Heim, das er verlassen hatte. Ja, klar, unser Karl-Josef hatte eine liebe Frau, wohlgeratene Kinder und auch zwei Enkelkinderchen – aber irgendetwas fehlte ihm zu seinem Glück. Vieles war anders, vieles war verändert – und irgendetwas fehlte ihm. So richtig identifizieren und definieren konnte er es nicht.

Und so kam es, dass sich unser Held gleich auf die Suche nach dem machte, was ihm fehlte. Er schrieb an die verschiedenen Freimaurerlogen der Umgebung eine E-Mail, ging auch zu einem Gäste-Logenabend, und merkte, dass es das nicht war. Karl-Josef suchte auch an vielen anderen Stellen, ohne so richtig zu wissen, was er überhaupt suchte.

Und dann fand er, dass er in der Umgebung genug gesucht hatte und beschloss, auf dem Jakobsweg weiter zu suchen. Gesagt, nicht lange geplant und schon getan. Karl-Josef machte sich auf die 2.500 km lange Strecke nach Santiago de Compostela.

Ein Pilgersegen musste her, so ohne Gottes Segen auf eine solch‘  lange Strecke, das  würde nicht gutgehen. Und der Pilgersegen war dann ein Kontakt zur Pfarrgemeinde und zu den Seelsorgern dort, von denen unser Karl-Josef vorher man gerade die Namen aus der Zeitung kannte.

Und da Karl-Josef eine gut katholische, aktive Vergangenheit hatte, bot er bei dieser Gelegenheit an, wann immer "Not am Mann" ist, auch einmal mit anzupacken. "Wir kommen darauf zurück," sagte man ihm im Pfarrbüro. Und er antwortete: "Aber auch wirklich anfragen – ich biete meine Unterstützung nicht an wie warme Semmeln." "Nein," schrieb man ihm sogar in einer E-Mail, "wir kommen ganz bestimmt darauf zurück!"

Das war dann noch nicht einmal 11 Monate her, da war tatsächlich jemand auf dem Anrufbeantworter: "Wir machen gerade den neuen Pfarrbrief, können Sie etwas von Ihren Erlebnissen auf dem Jakobsweg schreiben?" Klar, natürlich konnte Karl-Josef und rief auch gleich zurück. Kein Erfolg, es ging niemand ans Telefon. Naja, dachte er sich, dann eben nicht für diesen Pfarrbrief, dann eben für den nächsten.

Und er setzt sich nach ein paar Wochen hin und schrieb einen kurzen Erfahrungsbericht von den ersten Etappen seines Jakobsweges. Und während er so schrieb, kam ihm die Idee, dass er ja die Gemeinde auch einladen könne, ein Stück gemeinsam auf dem Jakobsweg zu pilgern. Und schrieb das gleich mit in den Bericht hinein. Dann schickte er den Bericht per E-Mail an den Verantwortlichen – und wartete auf Antwort.

Und die liess auf sich warten, so lange auf sich warten, dass Karl-Josef beschloss, einmal nachzufragen.

"Unser Pfarrbrief ist immer sehr voll," sagte man ihm auf Nachfrage, "da weiss ich nicht, ob wir Ihren Bericht bringen können." "Halt mal, hatten die nicht bei mir angefragt," dachte sich Karl-Josef, "und jetzt passt es denen nicht?" Naja, egal, und was denn mit der Idee des Pilgerns im Frühjahr wäre, setzt Karl-Josef nach. "Ja, das ist eine tolle Idee, ich rufe Sie an, wenn sich jemand meldet!" Auch mit dieser Antwort wusste Karl-Josef nicht allzuviel anzufangen, und da der pfarrbriefverantwortliche Seelsorger sich einem seiner Schüler zuwandte und das Gespräch offensichtlich als beendet ansah, drehte er sich um und ging kopfschüttelnd nach Hause.

Jedes gute Märchen braucht eine Moral, einen Punkt, aus dem man Lernen kann. Was können wir aus diesem Märchen lernen?

Es ist verdammt schwer, Ehrenamtliche für die Gemeindearbeit zu gewinnen – es ist aber sehr leicht, angebotene, helfende Hände zu übersehen. Vielleicht könnte das Bodenpersonal des lieben Gottes ein paar Marketingtipps gebrauchen. Eine gute Adresse hätte ich dafür 🙂