Ja, gut, nächstes Jahr wird es nicht gerade, vielleicht 2010.

Ich glaube auch nicht, dass dieser Gruss (Nächstes Jahr in Jerusalem) tatsächlich eine Zeitangabe beinhaltet. Vielmehr drückt der von den Diasporajuden gesprochene Abschiedsgruss damals wie heute die Sehnsucht aller Menschen nach einer Heimat aus; nach einem Ort, der für alle Gläubigen die gleiche Bedeutung hat.

Wenn wir heute, im Jahr 2008, eine unglaubliche Renaissance der Pilgerwege in Europa, besonders des Jakobsweges nach Santiago de Compostela, erleben, so wird auch dies der Ausdruck einer Sehnsucht, einer Suche nach einem Ort wie Jerusalem, sein.

Im Mittelalter machten sich 30 – 40% der Europäer auf den Weg. Bei einer geschätzten Bevölkerung von 40 Millionen waren das in absoluten Zahlen etwa 12 bis 16 Millionen Menschen. Nicht nur zum Grab des Apostels Jakobus d.Ä., nicht nur nach Rom oder Jerusalem. Diese weiten Reisen konnten sich oft genug nur die reichen Bürger und Adligen leisten. Es ging auch zu den vielen Wallfahrtsorten im eigenen Land, zum Pfannstiel bei Weilburg, zum Grab der Heiligen Gertrud im Kloster Altenberg oder zum Grab ihrer Mutter, der heiligen Elisabeth von Thüringen, in Marburg. Die Menschen pilgerten nach Köln zum Dreikönigen-Schrein und nach Neuss zum heiligen Quirinus. Die Pilger liessen viel zurück. Meist ihr ganzes Hab und Gut und ihre Familien. Sie gingen alleine oder schlossen sich zu Gruppen zusammen, wie wir sie heute noch singend und beten in ganz Deutschland treffen können.

Und an ihren Zielen verspürten und verspüren die Pilger eine besondere Energie, sie fühlten und fühlen sich Gott näher. Sie waren zu Hause angekommen.

LA’SHANA HA’BA BE’YERUSHALAYIM HA’BENUYA

Ihr Karl-Josef Schäfer