Leserbrief im Weilburger Tageblatt, Donnerstag, 07. August 2008

Der Deutsche Wanderverband plant einen Lahnsteig entlang des Flusses von der Quelle bis zur Mündung. Die Weilburger CDU fragt nach den Auswirkungen für die Residenzstadt.

Da ist er ja wieder, der Lahnsteig, der Qualitätswanderweg. Ich hatte schon befürchtet, er wäre dem Sommerloch zum Opfer gefallen. Nachdem Villmar sich öffentlich monatelang mit der Streckenführung beschäftigt hat, haben die Weilburger nun auch ihren Lahnsteig entdeckt.

Aber brauchen wir überhaupt einen Qualitätswanderweg nach dem Vorbild des Rheinsteigs zur Tourismusförderung? Würde es nicht auch reichen, auf einen an der Lahn noch verdammt langsam fahrenden Zug aufzuspringen? Ganz Deutschland redet seit Hape Kerkelings Buch über den Jakobsweg. Es vergeht nicht eine Woche, ohne dass irgendwo in Deutschland ein reaktivierter Jakobsweg eingeweiht wird. Und die Tourismus-Verantwortlichen haben längst erkannt, dass es viele Deutsche gibt, die den Jakobsweg in Spanien nicht gehen wollen oder können. Pilgerpauschalen, Gepäckbeförderung, preiswerte Übernachtungen – überall in Deutschland schon Standard. An der Lahn aber absolut unbekannt. Der Lahn-Camino von Marburg bzw. Wetzlar nach Lahnstein ist einer der ersten modernen Jakobswege auf einer historischen Grundlage gewesen. Nur an der Lahn nimmt man ihn nicht wahr. Es weist keine Informationstafel, keine Jakobsstele, kein wahrer Jakob auf ihn hin. Eigentlich liegt das Geld doch auf der Straße. Man muss nur die Chance erkennen und es aufheben. Etappenpilger gehen häufig zu zweit und haben ein Tagesbudget von etwa 50 bis 100 Euro pro Person. Lieber Magistrat in Weilburg, liebe Gemeindevertreter in Villmar, fragen Sie nicht nach dem Lahnsteig, fragen Sie lieber nach ungenutzten Potentialen.

Karl-Josef Schäfer, Weilburg