Wetzlar (145 m) – Wetzlar-Nauborn – Laufdorf – Solms-Oberndorf – Braunfels – Weilburg-Hirschhausen – Weilburg/Lahn (280 m) 25 km

Schwierigkeitsgrad: leicht

Besichtigungen in: Wetzlar, Braunfels, Weilburg

Zeitbedarf: ca. 6 Stunden (bei 4 km/Stunde), zzgl. Pausen und Besichtigungen

Wetzlar

 Allgemeines: Wetzlar liegt an der Lahn, im Bundesland Hessen und ist die Kreisstadt des Lahn-Dill-Kreises. Die Einwohnerzahl belief sich am 31. 12. 2011 auf 50.969.

 Anlaufstellen: Katholische Domgemeinde, Goethestraße 2, 35578 Wetzlar, Telefon 06441-42493, eMail kath.domgemeinde(add)dom-wetzlar.de; Evangelische Kirchengemeinde Wetzlar, Turmstraße 34, 35578 Wetzlar, Telefon 06441-9443-12, eMail gemeindeamt(add)evangelisch-in-wetzlar.de; Tourist-Information, Domplatz 8, 35578 Wetzlar, Telefon 06441-99-7750, eMail tourist-info(add)wetzlar.de.

Übernachtung: Jugendherberge Wetzlar, Richard-Schirrmann-Straße 3, 35578 Wetzlar, Telefon 06441-71068, eMail wetzlar(add)djh.de.

Geschichte: Es gibt keine Aufzeichnungen über die Entstehung Wetzlars, auch keine Urkunden über Verleihung der Stadtrechte o.ä. Vermutlich ist der Ort Wetzlar aus einem befestigten Konradinerhof (siehe auch Weilburg) hervorgegangen. Er stand auf dem Hügel, der heute die Altstadt bildet. Auf dem späteren Domhügel wurde 897 eine Salvatorkirche geweiht, aus dieser Kirche entstand im 10. Jahrhundert ein Marienstift. Dieses Stift wurde die Keimzelle des heutigen Wetzlar.

Der Hohenstauferkaiser Friedrich I. (Barbarossa) verlieh Wetzlar viele Privilegien, unter anderem eine Münzstätte und eine eigene Gerichtsbarkeit. Die Reichsburg Kalsmunt wurde zum Schutz über der Stadt errichtet.

Vom mittelalterlichen Wetzlar sind neben dem Dom und dem Kalsmunt nur noch Teile der Stadtbefestigung erhalten. Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung war die 1288 erstmalig genannte Steinerne Brücke über die Lahn.

Während des wirtschaftlichen Niedergangs Wetzlars in den folgenden Jahrzehnten kam es 1370 zu einem Stadtbankrott. Dieser lässt sich auch an der Baugeschichte des Domes ablesen. Zwar wurde bereits 1230 damit begonnen, den prächtigen romanischen Dom durch eine gotische Hallenkirche zu ersetzen. Doch erst 1490 konnte der Südturm fertiggestellt werden, auf den zweiten Turm verzichtete man gänzlich. Die Einwohnerzahl schrumpfte von 4 – 5000 auf knapp über 2000 Menschen.

Schon 1544 erschien Wetzlar auf dem Reichstag unter den protestantischen Ständen. Da das Marienstift katholisch blieb, suchte und fand man eine Lösung. Die Stifts- und Pfarrkirche wurde geteilt und seitdem wird der Dom bis zur heutigen Zeit ökumenisch genutzt.

Erst Ende des 17. Jhdts. bot sich wieder die Gelegenheit zum wirtschaftlichen Aufschwung. Das Reichskammergericht, die höchste Gerichtsbarkeit im Deutschen Reich, musste Speyer verlassen. Wetzlar zeigte sich bereit, den Wünschen des Gerichtes großzügig entgegenzukommen. Das Reichskammergericht brachte eine rege Bautätigkeit und ein Anwachsen der Bevölkerung mit sich. Im Jahr 1772 absolvierte Goethe auf Veranlassung seines Vaters ein Praktikum am Kammergericht. Seine unerfüllte Liebe zu Charlotte Buff und den Selbstmord Jerusalems verarbeitete er zum ersten internationalen Bestseller. „Die Leiden des jungen Werthers“ erschienen in fast allen europäischen Ländern. Der Deutschordenhof, in dem Goethes Lotte lebte, zählt heute zu den beliebtesten Goethe-Orten und zieht Goethe-Begeisterte aus aller Welt an.

Als im Jahr 1806 Kaiser Franz II. seine Kaiserkrone niederlegte, kam es zum zweiten tiefen Einschnitt in der Geschichte Wetzlars. Das Deutsche Reich und damit auch das Reichskammergericht wurde aufgelöst und Wetzlar versank wieder in die Bedeutungslosigkeit. Erst in der zweiten Hälfte mit Einsetzen der Industrialisierung erholte Wetzlar sich wieder. Karl Kellner gründete sein Optisches Institut, das nach seinem Tod von Ernst Leitz gekauft wurde. 1914 erfand Barnack die erste Kleinbildkamera. Und die Namen Hensoldt und Seibert haben in der Welt auch heute noch Weltgeltung – als zweite optische Fertigungsstätte für Mikroskope.

Stadtrundgang: Der Lahn-Camino beginnt am Hauptportal des Domes, nutzen Sie doch Ihre Anwesenheit in Wetzlar zu einem kleinen Stadtrundgang. Vom Bahnhof bis zum Dom sind es gut 20 Minuten zu Fuß zum Domberg. Mit dem Citybus vermeiden Sie den Weg durch die modernen Einkaufsstraßen. Teilweise fährt der Bus auch durch Altstadtgassen und zeigt so ein wenig vom alten Wetzlar.

Rechts vom Dom befindet sich die Hauptwache, ein Gebäude aus Wetzlars preußischer Zeit. Hier beginnt die Pfaffengasse, die zum einstigen Deutschordenshof führt. In den Hauptgebäuden befindet sich das Stadt- und Industriemuseum. Das Lottehaus ist im ehemaligen Verwalterhaus untergebracht. Es erinnert an die Begegnung Goethes mit Charlotte Buff und an den Sommer 1772, als Goethe hier fast täglich zu Gast war. Ausgestellt sind Bilder und Kupferstiche, Briefe, Möbel sowie Haushaltsgegenstände. Zwei Räume im ersten Stock des Museums enthalten eine ständige Ausstellung zur Entstehung und Wirkungsgeschichte von Goethes erstem Roman, „Die Leiden des jungen Werthers“, mit dem er weltberühmt wurde. Zurück zum Dom, ursprünglich Stiftskirche und unverwechselbares Wahrzeichen der Stadt. In seiner Vielgestaltigkeit ist er ein Spiegelbild der historischen Stadtentwicklung und vereinigt in gelungener Art romanische und gotische Stilelemente. Eine weitere Besonderheit: Der Wetzlarer Dom dient seit seiner Reformation beiden Konfessionen als Kirche.

 

Lahn-Camino

Der Lahn-Camino beginnt am Wetzlarer Dom und folgt im Wesentlichen dem linksseitigem Lahnhöhenweg, auch, wenn auf manchen Etappen die Lahn so gut wie gar nicht ins Blickfeld gerät. So auch auf dieser Etappe von Wetzlar nach Weilburg. Die Anforderungen dieser Etappe sind nicht besonders hoch, für den Wochenendpilger durchaus geeignet – und für den in Wetzlar startenden Langzeitpilger eine gute Gelegenheit, sich einzulaufen.

In der Altstadt von Wetzlar ist der Jakobsweg mit der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund gut ausgezeichnet. Wenn Sie aus dem Dom heraustreten, wenden Sie sich nach rechts in die Schwarzadlergasse. Vorbei an der Kanzlei des ehemaligen Reichskammergerichts. Links geht es in die Krämerstraße, überqueren Sie den Eisenmarkt und dann folgen Sie der Silhöfer Straße. Nach Überqueren des Schillerplatzes wenden Sie sich nach rechts und gehen durch die Silhöfertorstraße bis zur vielbefahrenen Schützenstraße und zum Ernst-Leitz-Platz. Sie passieren in der Altstadt viele schöne, historische Fachwerkhäuser. Die historisch bedeutsamen sind durch Tafeln beschrieben – so z. B. die ehemalige Kanzlei des Reichskammergerichts und das Wohnhaus von August Bebel in seiner Wetzlarer Zeit. Das ehemalige Reichskammergericht, das Jerusalem-Haus, die Sammlung Lemmers-Danforth (Europäische Wohnkultur von Renaissance bis Barock – eine der reizvollsten Privatsammlungen Deutschlands) liegen jeweils links von Ihnen, immer nur ein paar Schritte vom Lahn-Camino entfernt. Wenn Sie nicht schon am Vorabend einen Stadtrundgang durch Wetzlar unternommen haben sollten, dann bekommen Sie auf diesem kurzen Weg sicher Appetit auf einen längeren und ausgiebigeren Aufenthalt.

Am Ernst-Leitz-Platz angekommen, sehen Sie schräg gegenüber das neue Rathaus und vor sich das Verwaltungsgebäude der Firma Leica. Im dritten Stock des neuen Rathauses ist die Sammlung der historischen Mikroskope von Leitz untergebracht. Die Öffnungszeiten des Rathauses sind Montag – Freitag von 8 – 18 Uhr. Die stark befahrene Straße unterqueren Sie durch den Fußgängertunnel, wenden sich unten nach links und folgen der Schützenstraße in Richtung Nauborn.

Nach wenigen Schritten am Friedrich-Ebert-Platz, wo sich auch die Phantastische Bibliothek befindet, biegen Sie rechts in den Laufdorfer Weg ein und gehen dann geradeaus weiter auf der Solmser Straße Richtung Nauborn. Wenn Sie noch einen Abstecher auf den Kalsmunt mit dem herrlichen Blick auf Wetzlar machen wollen, folgen Sie einfach den Hinweisschildern. Der Kalsmunt wurde von Friedrich I. (Barbarossa) zum Schutz der Stadt Wetzlar in Auftrag gegeben und wohl 1170 – 1180 erbaut. Da die Burg niemals angegriffen wurde, verfiel sie später zur Ruine. Sie hatte ihre strategische Bedeutung verloren und niemand kümmerte sich um sie.

Immer geradeaus, entlang der Solmser Straße, der Industriestraße und des Solmser Weges, führt der Lahn-Camino nun nach Nauborn. Am Ende des Solmser Weges wenden Sie sich nach links, folgen der stark befahrenen Wilhelm-Will-Straße ein paar Schritte, überqueren diese und biegen links in die Theutbirgstrasse ein. Am Ende dieser Straße führt Sie der Jakobsweg dann endlich in den Wald, am Wetzbach entlang in Richtung Schöffengrund ins Sieben-Mühlen-Tal. An der ersten Mühle, der Dickesmühle, schließlich überqueren Sie erneut die Straße und der Weg führt Sie dann endgültig aus Wetzlar hinaus.

Gleich, wenn Sie in den Wald hineinkommen, sehen Sie auf der linken Seite ein hölzernes Hinweisschild zur Theutbirg-Basilika. Nach ein paar Schritten stehen Sie vor den Grundmauern der im Jahr 1927 entdeckten und wohl schon vor 778 errichteten Kirche. Im Kloster Lorsch gibt es ein Dokument, in dem die Schenkung einer Frau Theutbirg (Teutbirg = die Gott geweihte) eben dieser Kirche an das Kloster bestätigt wird. Rund um die Kirche fanden die Archäologen einige Gräber und ein Stück Ackerland, auf dem Scherben und eine Eisenaxt entdeckt wurden. Trotz mehrfacher späterer Erwähnung wird die Kirche wohl kaum das 9. Jh. erlebt haben – Nauborn entwickelte sich schon ein gutes Stück weit weg, so dass die Kirche ins Abseits geriet und verfiel. Neben dem Chor ist der Klausenanbau zu erkennen. Es wird vermutet, dass Frau Theutbirg in dieser kleinen Kammer neben der Kirche gelebt hat. Im Winter ist es für uns moderne Menschen besonders schwer vorstellbar, wie hier jemand gelebt haben kann. Aber sicher werden Sie noch so manches Mal auf Ihrem Lahn-Camino an die Einsamkeit von Frau Theutbirg zurückdenken.

Der Lahn-Camino führt Sie jetzt durch den Wald bis nach Laufdorf. In und um Laufdorf sind Siedlungen seit dem Ende der letzten Eiszeit nachgewiesen, insbesondere keltische Siedlungen. Insbesondere die Eisenverhüttung in keltischer Zeit war hier von Bedeutung. Heute ist im Ort und am Lahn-Camino nichts mehr davon zu sehen. Der Weg ist wieder gut ausgeschildert durch den Ort geführt und geht dann wieder auf die Höhen. Er führt uns jetzt nach Oberndorf. Überqueren Sie die Straße und wenden Sie sich nach links, vorbei am Solmser Hof, dann wieder nach rechts und dann führt Sie der Weg leicht ansteigend in Richtung Braunfels.

Braunfels

Allgemeines: Braunfels ist eine Stadt mit 10.697 Einwohnern (31.12.2011) im Lahn-Dill-Kreis in Hessen.

Anlaufstellen: Kath. Pfarramt St. Anna, Hubertusstraße 8, 35619 Braunfels, Telefon 06442-4244, eMail pfarrbuero.braunfels(add)kath-wetzlar-sued.de; Evangelisches Pfarramt, Kirchenzentrum, Gartenstraße 25, 35619 Braunfels, Telefon 06442-5771, eMail evkirche-braunfels(add)t-online.de; Touristinfo, Fürst-Ferdinand-Straße 4a, 35619 Braunfels, Telefon 06442-9344-11, eMail touristinfo@braunfels.de.

Geschichte: Verschiedene historische Handelsstraßen kreuzen sich im heutigen Braunfels, was den Schluss nahelegt, dass der Berg, heute mit dem Schloss bebaut, schon früh besiedelt war. Um 1220 wird die Kirche in St. Georgen erbaut, zu dieser Zeit existiert Braunfels noch nicht. Aber im Jahr 1246 wird Braunfels erstmalig erwähnt. Es existiert eine Burg auf dem Felsen. Doch dieser ist keinesfalls braun (wie der Name Braunfels vermuten ließe). 1329 wird erstmalig eine Wohnsiedlung außerhalb der Burg erwähnt. In der wechselvollen Geschichte ist der Ort Braunfels stets mit den Geschicken der Grafen und Fürsten zu Solms-Braunfels verbunden. Auf dem Schloss entwickelte sich ab dem 15. Jhdt. eine rege Bautätigkeit. In dieser Zeit entstand z.B. der Torbau mit den Doppeltürmen zum heutigen Marktplatz. Als hochgräflichen und hochfürstliche Residenzstadt erlebt Braunfels im 18. Jhdt. den Höhepunkt der Entwicklung. Im inneren Schlosshof wird fleißig gebaut, der Tiergarten erweitert, der Weedenbau im Schloss und die Rentkammer errichtet. Als im Jahre 1806 die Souveränität durch die Rheinbundakte aufgehoben wird, fällt Braunfels an Nassau-Weilburg und dann im Jahre 1815 (Wiener Kongress) an Preußen. Die Stadt Braunfels entwickelt sich von der Residenzstadt zu einem Kurort. Das Schloss wird im neugotischen Stil umgebaut, bei Fürst Ferdinand arbeitet Johannes Deiker als Hof-Jagdmaler und wird, wie sein Bruder, weit über die Grenzen Braunfels bekannt. Braunfelser wandern nach Russland und insbesondere nach Texas aus und gründen dort New-Braunfels, mit dem heute eine enge Städte-Partnerschaft besteht. Das heutige Braunfels ist Luftkurort und die Altstadt hat sich ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt. Das romantische, weithin sichtbare Schloss dominiert die Stadtansicht. Braunfels ist sicherlich einen längeren Besuch wert.

 

Lahn-Camino

Der Pilgerweg führt Sie auf einem kleinen Stadtrundgang durch Braunfels, vorbei am Kurpark, dem historischen Postamt mit den Wappen der Zollern und Solmser auf den Marktplatz. Die sehenswerten Fachwerkhäuser sind nach dem verheerenden Schlossbrand im Jahr 1679 auf Geheiss von Graf Wilhelm Moritz auf dem da noch unbebauten Vorgelände des Schlosses errichtet worden. Es sollten die Häuser „eines wie das andere 60 Schuh lang und 40 Schuh in der Breite gebaut werden“.

Cafés und Restaurants laden Sie ein, hier ein Rast einzulegen und den Marktplatz und den Ausblick auf das Schloss zu genießen. Wenn noch Zeit ist, besichtigen Sie doch das romantische Schloss. Es sind von der „untersten Pforte“ nur wenige Schritte bis hinauf in den Schlosshof. Im Winter ist eine Besichtigung nur durch Gruppen nach Voranmeldung möglich – das Familienmuseum ist aber auch einen Besuch wert und täglich geöffnet.

Um dem Lahn-Camino weiter nach Weilburg zu folgen, wenden Sie sich vor dem Solmser Hof stehend nach rechts in die Weilburger Straße. Dieser folgen Sie immer geradeaus, den Schlossberg hinunter bis zur Landstrasse. Dort gehen Sie ein kurzes Stück nach links weiter, bis Sie auf der rechten Seite das Schild zum Campingplatz sehen. Dort überqueren Sie die Straße und folgen der „Weihermühle“. Linker Hand liegt der große und schön gelegene Campingplatz, auf der rechten Seite passieren Sie die romantisch gelegene Weihermühle. Der Weg führt sanft nach oben aus dem Tal heraus, immer fast parallel zur Landstraße. Dies ist übrigens die letzte nennenswerte Steigung auf Ihrem Weg nach Weilburg.

Vom Weg aus ist sehr gut in einiger Entfernung die Burg Philippstein zu erkennen. Philippstein, heute Ortsteil von Braunfels, und der zugehörige Bergbau gehörten zur Grafschaft Nassau-Weilburg Saarbrücken. Graf Philipp I. ließ die Schildmauer- und Frontturmburg  im Jahr 1390 in Sichtweite der Braunfelser Burg zum Schutz seines Territoriums vor den Solms-Braunfelsern errichten. Der dort eingesetzte Amtmann räumte die Burg im 16. Jhdt. und zog in den Ort Philippstein – daraufhin verfiel der dann nutzlose Verwaltungssitz und wurde im 19. Jhdt. von den Anwohnern als Steinbruch genutzt. Dem sehr engagierten örtlichen Burgvereines ist es zu verdanken, dass Teile der Burg restauriert und die Anlage heute für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden kann.

Eine weitere Burg dieses Typus wird uns morgen auf der Etappe von Weilburg nach Villmar mit der Burgruine Freienfels erneut begegnen. Dann direkt am Weg und mit der Möglichkeit der mühelosen Besichtigung.

Der Lahn-Camino führt jetzt weg von der Landstrasse in den Wald hinein. Die Beschilderung ist, wie auf der gesamten Strecke, sehr gut mit der Jakobsmuschel und/oder dem L für Lahnhöhenweg. Deshalb sparen wir uns die Wegbeschreibung durch den Wald. Auf schönen breiten Wegen geht es hier weiter, vielleicht begegnen Ihnen ja galoppierende Kaltblüter. Ein schönes Schauspiel.

Nach wenigen Kilometern treten Sie aus dem Wald heraus und sehen vor sich Hirschhausen liegen. Der heutige Weilburger Ortsteil wird je nach Literatur 1397 oder 1466 erstmalig urkundlich erwähnt. Interessant ist die achteckige Kirche aus dem Jahr 1763, die von 27 Hirschhäuser Familien erbaut wurde. Die Haupterwerbsquelle von Hirschhausen lag, wie in so vielen Ortschaften und Gemeinden an unserem Weg, hauptsächlich im Eisenerzbau. Viele Orte erinnern daran mit Loren oder ähnlichen Erinnerungsstücken an zentralen Punkten. Am Ziel unseres Tages heute, in Weilburg, gibt es ein Bergbaumuseum mit einem nachgebauten tiefen Stollen.

Der über 400 Jahre alte Tiergarten der nassauischen Grafen und Fürsten in Weilburg liegt auch in Hirschhausen. Nachdem Sie die Treppenstufen von der Kirche zur Straße hinuntergestiegen sind, wenden Sie sich nach links. Bald schon geht der Fußweg in einen asphaltierten Wirtschaftsweg über, der Sie an der insgesamt 3800 m langen und bis zu 2 m hohen Tiergartenmauer entlang bis zum Parkplatz am Eingang des Tiergarten führt.

Der gesamte Tierpark umfasst 93 Hektar mit drei Teichen, die ca. 1,7 ha Wasserfläche haben. Nachdem der herrschaftliche Tierpark ab 1816 nur noch forstwirtschaftlich genutzt wurde, entschloss sich die Hessische Forstverwaltung 1969 zur erneuten Anlage eines Wildgeheges, das dann 1979 eröffnet wurde.

Überqueren Sie den Parkplatz und dann am Ende die Straße. Von hier führt der Weg durch den Weilburger Stadtwald und die Felder bis zum Windhof (Beschreibung siehe Stadtrundgang Weilburg). Vom Windhof geht es immer bergab hinunter zur Lahn. Wir verlassen jetzt den Lahn-Camino und machen einen kleinen Stadtrundgang durch die ehemalige Nassauische Residenz.

Weilburg

Allgemeines: Weilburg liegt an der Lahn, zwischen Taunus und Westerwald, im Bundesland Hessen, Landkreis Limburg-Weilburg auf einer Höhe zwischen 129 und 370 m. Die Einwohnerzahl belief sich am 31. 12. 2011 aus insgesamt 12.681.

Anlaufstellen: Katholisches Pfarramt Heilig Kreuz, Frankfurter Straße 8, 35781 Weilburg, Telefon 06471-4923-0, eMail pfarrbuero(add)katholischesweilburg.de; Evangelische Kirchengemeinde-Schlosskirche, Bogengasse 3, 35781 Weilburg, Telefon 06471-30309, eMail ev.gemeindebuero(add)gmx.de; Tourist-Info, Mauerstraße 6/8, 35781 Weilburg, Telefon 06471-31467, eMail tourist-info(add)weilburg.de.

Übernachtung: Jugendherberge Weilburg-Odersbach, Am Steinbühl, 35781 Weilburg, Tel: 06471/7116, Fax: 06471/1542; Jugendzeltplatz, 4 Euro pro Person – über Tourist-Info; mit Pilgerpass (Juli 2013): Gabi Strommen und Ka-Jo Schäfer, Erbstollen 2, 35781 Weilburg, Telefon 06471-507959, max. 2 Personen mit Isomatte und Schlafsack

Geschichte: Die Anfänge der langen und traditionsreichen Weilburger Geschichte liegen im Dunkeln. Schon früh bot sich der fast ganz von der Lahn umrundete Kegel für eine Befestigungsanlage an. In Weilburg führte eine alte Fernverkehrsstraße über die Lahn. Die erste Erwähnung  der „Wilineburg“ findet sich im Jahre 906 in der Chronik des Abtes Regino von Prüm. Vermutlich ist die damalige Burg ein nach römischem Beispiel errichtetes fränkisches Kastell.

Der in Wilineburg geborene Konrad wird 911 von den deutschen Herzögen zum ersten König des von ihm begründeten Deutschen Reiches gewählt. In Weilburg gründet er zum Gedächtnis an seinen Vater ein Chorherrenstift, das Walpurgisstift, dem später eine Schule angegliedert wird. Im Jahre 918 erlangt die Wilineburg überragende geschichtliche Bedeutung. König Konrad I. liegt auf seinem Sterbelager. Lange hat er vergeblich versucht, die auseinanderstrebenden Stämme des Reiches wieder zu einigen. Da lässt er die Kroninsignien seinem härtesten Widersacher, dem Sachsenherzog Heinrich dem Vogler, überbringen (Weilburger Testament). Kaum drei Generationen sind seit der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen vergangen. Dass der Bruder König Konrads, Herzog Eberhard, zum Verzicht auf die Königskrone bereit ist und das Volk der Franken bewegen kann, der Wahl des Sachsenherzogs zum deutschen König zuzustimmen, muss als eine menschliche und politische Leistung ersten Ranges gewertet werden.

Bauliche Überreste des Kastells gibt es nicht mehr. Als das konradinische Adelsgeschlecht ausstirbt, fällt die Wilineburg mit dem umliegenden Landbesitz an das sächsische Königshaus. Später gelangt es durch Schenkung an das Bistum Worms. Die Wormser wiederum setzen die Grafen von Nassau, ein aufstrebendes Geschlecht im Lahngau,  als Vögte ein. Graf Adolf von Nassau, von den Kurfürsten zum deutschen König gewählt, erwirbt 1294 die Herrschaft Weilburg durch Kauf als Eigentum und stellt im Jahre 1295 einen Freibrief aus, der Weilburg das Stadtrecht verleiht.

Im 14. Jahrhundert wird die Stadt mit Mauern und Türmen befestigt, ein Zeuge aus dieser Zeit ist der alte Wehrturm in der Nähe des Landtors. Außerhalb des alten Stadtkerns findet sich ein weiteres Zeugnis des späten Mittelalters, die im Jahre 1505 erbaute Heilig-Grab-Kapelle und der Kalvarienberg mit der spätgotischen Kreuzigungsgruppe auf dem alten Friedhof.

Graf Philipp III. lässt die alte Burg abreißen und beginnt 1535 den Bau des vierflügeligen Hochschlosses mit seinem malerischen Schlosshof im Stile der nordischen Renaissance, der bis heute fast unverändert erhalten ist. Nachdem die Stadt im Dreißigjährigen Krieg mehrfach erobert und geplündert würde, beginnt unter Graf Johann Ernst (1683-1719) eine umfassende bauliche Neugestaltung, durch die bis heute das Gesicht der Stadt weitgehend geprägt wird. In dieser Zeit entstehen die imposanten Barockbauten des Schlosses, die Schlosskirche, der Schlossgarten, die Orangerien (eine fast originalgetreue Nachbildung des Grand Trianon in Versailles), das alte Rathaus, der Marktplatz mit Neptunbrunnen und die angrenzenden Bürgerhäuser. Zu der barocken Gesamtkonzeption gehören noch die breiten Lindenalleen vor den Toren der Stadt und der Ausbau des „Windhofs“ zu einem Jagdschloss. Durch Graf Johann Ernst und seinen Baumeister Rothweil wird Weilburg zur „barocken Residenzstadt“.

Aus den napoleonischen Kriegen geht das stark erweiterte Herzogtum Nassau mit Weilburg als Hauptstadt hervor. Weilburg bleibt Residenzstadt, bis der Hof 1816 nach Wiesbaden übersiedelt.

Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg heiratet 1815 Erzherzog Karl von Österreich, den „Löwen von Aspern“, einen Enkel Kaiserin Maria Theresias. Nach der Überlieferung soll Prinzessin Henriette in Wien den mit Kerzen geschmückten Weihnachtsbaum eingeführt haben. Erzherzog Karl baut ihr zur Erinnerung an ihre Heimat das Schloss „Weilburg“ in Baden bei Wien (zerstört 1945). An sie wird alljährlich mit einer Henrietten-Nacht erinnert.

Im Zusammenhang mit der Kanalisierung der Lahn von der Mündung bis Weilburg lässt Herzog Adolf 1847 den Weilburger Bergrücken mit einem Schiffstunnel durchbohren. Diese, heute noch in Betrieb befindliche Wasserstraße ist eine europäische Rarität, nur an der Rhone gibt es eine Parallele hierzu. Im Jahre 1862 wird dann die Lahntal-Eisenbahn gebaut, die damals teuerste Bahnstrecke Deutschlands, durch die Weilburg an das europäische Schienennetz angeschlossen ist. Trotz all dieser Anstrengungen, den jahrtausendealten Eisenerzabbau im Lahntal auf eine tragfähige wirtschaftliche Grundlage zu stellen, werden die meisten Gruben bereits Anfang des 20. Jahrhunderts geschlossen, und die letzten im Raum Weilburg fallen dem großen Grubensterben der 60er Jahre dieses Jahrhunderts zum Opfer.

Nach dem Krieg von 1866, in dem Nassau mit dem Verlierer Österreich verbündet ist, verliert Herzog Adolf sein Land an Preußen, behält aber das Schloss Weilburg; die Stadt wird preußische Kreisstadt.
Nach altem Erbvertrag wird Herzog Adolf 1890 Großherzog von Luxemburg, und damit kommt das Weilburger Schloss in luxemburgischen Besitz. Der preußische Staat erwirbt das Schloss 1935 als Eigentum, seit der Auflösung des Landes Preußen im Jahr 1945 gehört es dem Land Hessen. (nach Benedikt Fey auf www.weilburg.de)

Stadtrundgang: Auf Ihrem Weg von Wetzlar kommend, sind Sie schon am Jagdschloss Windhof vorbeigekommen, das im 18. Jhdt. von Graf Johannes Ernst auf den Taunushöhen erbaut wurde und noch heute von der prunkvollen Geschichte Weilburgs zeugt. Seit 1927 wird das Lustschloss als Schullandheim und heute als Wohnheim für die Studierenden der Staatlichen Technik-Akademie genutzt. Eine Besichtigung ist leider nicht möglich. An der Straße geht es nach rechts und Sie folgen einfach der Muschelmarkierung hinunter zur Innenstadt. Vorbei kommen Sie an vielen herrschaftlichen Häusern aus der Zeit um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert, bis Sie schließlich zur Frankfurter Straße kommen. Noch einmal nach rechts und Sie können die Weilburger Altstadt mit dem Landtor vor sich sehen. Der Lahn-Camino biegt hinter der katholischen Kirche und dem alten Friedhof mit der Heilig-Grab-Kapelle nach links ab. Davor ist der Kalvarienberg. Es handelt sich dabei um eine Kreuzigungsgruppe, gestaltet im Stil des 15. und 16. Jhdts., die gemeinsam mit der Heilig-Grab-Kapelle eine religiöse und bauliche Einheit entsprechend dem Jerusalemer Vorbild darstellt. Bei der Heilig-Grab-Kapelle handelt es sich um das älteste Weilburger Bauwerk. Wahrscheinlich errichtet unter Graf Johann Ludwig, der 1496 von einer Pilgerfahrt nach Jerusalem wohlbehalten zurückkam und den Kalvarienberg nach dem Vorbild der Passionsstätte in Saarbrücken (nicht mehr erhalten) in Auftrag gab. Die eingemeißelte Datierung 1505 auf dem Türsturz der Kapelle zeugt davon. Von dort führt eine lange Treppe hinab zur Lahn und dann weiter zum nächsten Etappenziel, Villmar.

Wenn Sie zurück zur Frankfurter Straße und dann nach unten zur Lahn gehen, erleben Sie rechter Hand das einmalige Tunnel-Ensemble. Der Felsen wird durch drei Tunnel durchbrochen: dem neuen Straßentunnel der Teilortsumgehung, dem einzigen Schiffstunnel Deutschlands, und dem Eisenbahntunnel. Der Schiffstunnel wurde in den Jahren 1844-1847 auf Veranlassung von Adolf, Herzog von Naussau gebaut, davon zeugen die Tafeln über der Tunnelöffnung. Leider verlor der Tunnel durch den Bau der Lahntaleisenbahnstrecke schon 10 Jahre später wieder seine Bedeutung. Zusammen mit der Kuppelschleuse am anderen Ende stellt er aber heute noch ein einmaliges technisches Denkmal dar. Die Kuppelschleuse war erst die zweite ihrer Art in Deutschland (die erste wurde in Meppen/Emsland errichtet), das Unterhaupt der ersten Schleuse ist gleichzeitig das Oberhaupt der zweiten Schleuse.

Wenn Sie die Schleusenkonstruktion noch besichtigen wollen (der Straßentunnel bietet einen -wenn auch unerlaubten- Übergang auf die andere Seite) laufen Sie doch einfach noch ein paar Schritte (ca. 100 m) weiter, dann entdecken Sie oben am Felsen eine Gedenktafel. Hier strandete am 25.04.1910 der Zeppelin ZII, der sich bei stürmischem Wetter in der Nähe von Limburg nachts losgerissen, dann herrenlos die Lahn aufwärts getrieben und schließlich an diesem Felsen zerschellte.

Diese Besichtigung können Sie aber auch am nächsten Morgen nachholen, der Lahn-Camino Richtung Villmar führt direkt am Schiffstunnel und am Zeppelinfelsen (erste Fußgänger-Eisenbahnunterführung, dann 50 m nach links) vorbei.

Zum Landtor, dem Eingang zur Altstadt, können Sie mit dem Aufzug fahren. Der befindet sich am Parkhaus. Das klassizistische Landtor wurde von 1759 bis 1768 unter Fürst Karl Christian von Naussau-Weilburg errichtet. Die lange Bauzeit erklärt sich mit Unterbrechungen z.B. durch den Siebenjährigen Krieg. Davor steht am König-Konrad-Denkmal eine Granitstele mit einer goldfarbenen Jakobsmuschel aus Santiago de Compostela. Sie erinnert an die vielen Pilger, die seit dem früher Mittelalter auf dem Weg zu den zahlreichen umliegenden Wallfahrtsstätten durch Weilburg kamen. Links hinter dem Landtor steht das alte Zuchthaus, später zur katholischen Pfarrkirche der wiedererstarkten katholischen Gemeinde umgebaut.

Gleich auf der rechten Seite sehen Sie eine Treppe, die Sie nach oben in den Schlossgarten und zunächst zur unteren Orangerie (heute Schlosscafe) führt. Die Topographie Weilburgs machte es notwendig, den unter Graf Philipp III im 16. Jhdt. begonnenen Renaissance-Garten auf künstlich geschaffenen Geländeplateaus anzulegen. Zwei große Freitreppen führen weiter auf die obere Terrasse mit dem Lindensaal. Am Ende des Lindenboskett erwartet Sie rechter Hand ein freier Blick über die Lahn und auf die Westerwald-Seite Weilburgs. Linker Hand erblicken Sie die Obere Orangerie. Ein Durchgang (Schild beachten) führt Sie durch das Hochschloss in den schönsten Renaissance-Schlosshof Deutschlands.

Sie befinden sich jetzt im ältesten Teil des Gesamtkomplexes, der zwischen 1533 und 1572 im Renaissancestil erbaut und bis heute nahezu unverändert blieb. Hier finden in jedem Jahr die weit über hessische Grenzen hinaus bekannten Weilburger Schlosskonzerte statt.

Eine Beschreibung des Schloss-Inneren würde den Umfang dieses Pilger-Führers sprengen, deshalb verweisen wir auf die Möglichkeit einer Besichtigung oder auf die ganz hervorragend gestalteten Internet-Seiten von Rudi Müller unter www.weilburg-lahn.info. Nur eines sei erwähnt: das Badezimmer mit ist schon fließendem kalten und warmen Wasser ausgestattet und ausgekleidet mit einer regionalen Besonderheit, dem Lahn-Marmor. Nicht nur das oben erwähnte Landtor ist aus Lahn-Marmor gebaut, auch das Empire-State-Building in New York oder der Moskauer Kreml wurden teilweise mit Lahn-Marmor ausgestattet. Dieser spezielle, polierbare Kalksandstein wird uns auf dem Weg entlang der Lahn noch weiter begleiten.

Wenn Sie aus dem Renaissancehof heraustreten und an der alten Wache vorbei gehen, erreichen Sie linker Hand nach wenigen Schritten die Schlosskirche. Die heutige Kirche wurde unter Johann-Ernst von Nassau-Weilburg in den Jahren 1707 und 1708 gebaut. Durch einen besonderen Gang wurde sie mit dem Schloss verbunden. Die Fürstengruft unter einer Steinplatte vor dem Altar mit dem Wappen der Nassauer und Luxemburger ist im Besitz des Hauses Luxemburg und nur am Todestag von Herzog Adolph von Nassau am 17.11. der Öffentlichkeit zugänglich.

Baumeister Rothweil hat einen fast quadratischen Raum mit guter Akustik und freier Sicht auf die Kanzel und den Altar geschaffen. Die Stadt- und Landbevölkerung fand ihren Platz Parterre, während der Hof in Logen Platz nahm, die Herrscherloge befindet sich gegenüber dem Altar. Der Innenraum ist relativ sparsam ausgeschmückt, Gestaltungselemente sind fast ausschließlich die Seitenwände, die klassisch-schlichten Stukkaturen und die Logen des Hofes.

Der Blick im Innenraum wird in erster Linie durch den von Anton Ruprecht gestalteten barocken Kanzelaltar eingefangen. Die Kanzel ist oberhalb des Altares errichtet und das Gesamtbild wird durch die Orgel (1903 von W. Sauer, Frankfurt/Oder geliefert) bekrönt.

Von der Schlosskirche gehen Sie die paar Schritte wieder zurück zum Schlossplatz und folgen, links abbiegend, der Neugasse bis hinunter zum Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71. In der außergewöhnlich breiten Neugasse gehen Sie vorbei an schmucken Fachwerkhäusern. In der Mauerstraße nach links finden Sie rechter Hand den Komödienbau und linker Hand das im Jahr 1780 errichtete Gymnasium, dessen Vorläufer eine im Jahr 1540 durch Graf Phillipp III. gegründete Freischule war. Im weiteren Verlauf der Mauerstraße mit ihren klassizistischen Bauten sehen Sie noch das Rathaus (im Gebäude davor ist die Touristen-Info untergebracht) und hinter der kleinen Biegung das Gesellschaftshaus.

Hinter dem Denkmal führt eine Treppe hinunter zur Lahn. Hier können Sie sich nach links wenden, nach dem Wohnmobil-Stellplatz das Rollschiff erreichen und an Sonn- und Feiertagen dort die mehr als 400 Jahre alte Fährverbindung auf die andere Lahnseite benutzen. Jeweils zwischen 14 und 17 Uhr (oder für Gruppen nach Vereinbarung) kostet das Übersetzen für Erwachsene und Fahrräder 50 Cent, für Kinder 25 Cent.

Geradeaus sehen Sie den Ernst-Dienstbach-Steg, der bei den Weilburger aber immer noch die „Kettenbrücke“ heisst. Diese rein aus Ketten bestehende, in Europa damals einzigartige Brücke, wurde 1784 für die Wasserversorgung des Schlosses errichtet. Hierüber führte die Wasserleitung, die aus einem Reservoir am darüberliegenden Kanapee gespeist wurde. Daher also auch das „fließende Wasser“ im Schloss, dass bereits als Besonderheit des Schlosses Erwähnung fand.

Wir überqueren die moderne Brücke mit ihren durchbrochenen, alten Fundamenten und gelangen auf die Westerwaldseite. An dieser Stelle finden Sie den Wegweiser zur hoch gelegenen Jugendherberge. Aber auch, wenn Sie nicht in Odersbach übernachten wollen, sollten Sie diesem steil ansteigenden Pfad zum Kanapee und dem dort im 18. Jhdt. errichteten Kranentum (als Gerätehaus für die Wasserversorgung) folgen. Ein herrlicher Blick auf die Weilburger Altstadt und das Schloss belohnen Sie für die Mühen. Unter Glas ist hier oben auch ein Teil der alten Wasserversorgung mit Tonröhren freigelegt und kann besichtigt werden.

Hier endet unser kleiner Rundgang durch die nassauische Residenz, deren Geschichte mit der Ersterwähnung im Jahre 906 beginnt und mit der Verlegung des Hofes nach Wiesbaden-Biebrich im Jahr 1816 an Bedeutung verlor.

Zur Jugendherberge können Sie den kurzen Waldweg parallel zur Straße benutzen, vorbei an den Überresten eines alten Hofgutes, am Ende des Waldes wenden Sie sich nach rechts, überqueren die Straße und folgen dem Wirtschaftsweg in Richtung Jugendherberge.

Aktualisiert und vollständig überarbeitet im Juli 2013

Die Allgemeine Beschreibung des Lahn-Camino finden Sie hier …