Weilburg-Schiffstunnel (180 m) – Freienfels – Weinbach – Elkerhausen (315 m) – Langhecke – Villmar (160 m) 26 km

Schwierigkeitsgrad: mittel

Besichtigungen: Freienfels, Elkerhausen, Villmar

Zeitbedarf: ca. 6,5 Stunden (bei 4 km/Stunde) zzgl. Pausen und Besichtigungen

Lahn-Camino

Die heutige Tages-Etappe beginnt am Weilburger Schiffstunnel. Wenn Sie vom Bahnhof kommen, nehmen Sie den Aufzug oder die Treppe hinauf zum Landtor und dann gleich am Landtor wieder den Mühlberg hinunter zur Lahn. Das gilt auch, wenn Sie in der Stadt übernachtet haben. Am Landtor steht auch die Granitstele mit einer Jakobsmuschel aus Santiago de Compostela. Sie erinnert an die vielen namenlosen Pilger, die seit dem frühen Mittelalter durch Weilburg gekommen sind. Unten wenden Sie sich nach links und erreichen den Ausgang des Schiffstunnel mit der Doppelschleuse.

Ein kleines Stück weiter beginnt der alte Leinpfad oder Treidelpfad, auf dem in früheren Zeiten die Schiffe die Lahn aufwärts gezogen (getreidelt) wurden. Da sich hier auf einem kurzen Stück der Lahn-Camino und der sehr beliebte Lahntalradweg die Strecke teilen, sollten Sie besonders in der Zeit von Frühjahr bis Herbst an den Wochenenden mit starkem Fahrradverkehr rechnen und darauf gefasst sein, dass sich nicht alle Fahrradfahrer rechtzeitig ankündigen.

 

Bei schönem Wetter, besonders an Wochenenden, werden Ihnen die vielen Kanus und Kajaks auf der Lahn auffallen. Die Lahn bietet die ideale Gelegenheit zum Wasserwandern – gleich, ob eine Tages- oder Wochentour geplant ist. Zahllose Vermietstationen machen dies zu einem relativ preiswerten Vergnügen. Vielleicht haben Sie ja auch Lust, eine der Etappen auf, statt neben, der Lahn zu pilgern. Eine der besten Adressen im Raum Weilburg ist der Kanadier-Willi aus Weinbach-Fürfurt, der auch eine Station in Weilburg unterhält (Telefon 06474-278).

 

Der Leinpfad verläuft parallel zur Lahntalbahn und wenn Sie nach rund zweihundert Metern an der ersten Eisenbahnunterführung nach links abbiegen und dann ein paar Schritte zurückgehen, sehen Sie auf der rechten Seite in einiger Höhe die Gedenktafel zur Strandung des Zeppelin ZII im Jahr 1910. In dem gelben Haus, das Sie vor sich sehen, können Sie als Pilger vom Autor Tipps für den weiteren Weg und einen guten Kaffee erhalten. Für viele Pilger mag dies eine zu frühe Rast sein, aber die Einladung gilt natürlich auch für den Vorabend.

 

Wieder zurück auf dem Camino überqueren Sie die Weilmündung, einen Bach, der im hohen Taunus entspringt und Weilburg den Namen gab. Noch ein paar hundert Meter weiter verlässt der Lahn-Camino den Leinpfad, führt unter der Lahntalbahn durch, wendet sich nach rechts und überquert dann die Strasse. Der kurze, aber steile Anstieg auf die Taunus-Höhen beginnt gleich gegenüber, direkt neben dem Mäuerchen.

 

Obwohl dieser schmale Pfad schon bald in einen Waldweg übergeht, sollten Sie sich diesen Anstieg bei schlechtem Wetter oder nach mehreren Regentagen ersparen. Wenn Sie an der Strasse entlang zurückgehen und sich an der Guntersau (italienisches Restaurant) nach rechts wenden, gelangen Sie auf den gut ausgebauten Weiltalrad- und wanderweg, der Sie ohne Steigungen immer entlang der Weil direkt bis nach Freienfels führt.

 

Wenn Sie den steilen Anstieg geschafft haben, wenden Sie sich auf dem Waldweg nach links. Jetzt geht es in Windungen, immer dem Höhenzug folgend, in Richtung Freienfels. Hier oben werden Sie die Ruhe des Waldes genießen und an manchen Stellen auf die Weil und den begleitenden Weilwanderweg herunterblicken können.

 

Wenn Sie aus dem Wald wieder heraustreten, liegt gleich der Weinbacher Ortsteil Freienfels vor Ihnen. Die Burgruine hoch über der Weil können Sie auch schon erkennen. Am Waldrand entlang führt der Lahn-Camino wieder nach unten bis auf die alte Trasse der Weiltalbahn, auf der der Weiltalwanderweg verläuft. Daher auch der Freienfelser Bahnhof – heute ein, zumindest an den Wochenenden, beliebtes Ausflugslokal. Getreu des rund 100 Jahre alten Gebäudes hat der Besitzer viele Erinnerungsstücke an die Bahnfahrten vergangener Jahrzehnte zusammengetragen und als Höhepunkt vor ein paar Jahren mit grossem Aufwand einen alten, originalen Salonwagen der Bundesbahn hinter den Bahnhof gestellt. Dieser wird zur Zeit restauriert und soll mit in das Lokal integriert werden. Eine tolle Idee.  Der Bahnhof Freienfels ist immer einen kleinen oder grösseren Besuch wert. Öffnungszeiten finden Sie unter www.bahnhof-freienfels.de.

 

Auf dem Weiltalradweg überqueren Sie die Straße und können wenig später auf der rechten Seite das Hinweis-Schild zur Burgruine erkennen. Dieser Pfad führt zwar steil nach oben, ist aber auch bei schlechtem Wetter gut zu laufen. Die Alternative ist die vorher überquerte Straße rechts hoch zu gehen und dann die erste Straße links Richtung Burg – wenig später treffen Sie wieder auf den Lahn-Camino, dem Sie nach rechts folgen. Die Straße ist nicht minder steil angelegt, deshalb folgen Sie besser dem Fussweg zur Burg, der Sie dann oben durch den dorfseitigen Halsgraben zum Eingang der Burg führt.

 

Vermutlich ist Burg Freienfels um 1300 herum von den Grafen von Diez-Weilnau erbaut worden, um dem Expansionsstreben des Grafen Adolf von Nassau etwas entgegenzusetzen. 1327 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt und schon 1331 an die Nassauer verkauft. Damit ist es Graf Gerlach von Nassau gelungen, die Burg auszuschalten. Die militärische und strategische Bedeutung der Burg ging verloren. Im 15. Jhdt. wurde die niemals zerstörte Burg an die von Schönborns und später an einen dänischen Freiherren verkauft. 1724 gelangt sie wieder in den Besitz der Nassau-Weilburger, verfällt Ende des 18. Jhdts. und wird von den Freienfelsern als Steinbruch genutzt.

 

Der Grundriss der Burg ist fast quadratisch, die Angriffsseite zum Dorf hin, wird durch einen 20 m breiten Halsgraben und einer Schildmauer geschützt. Die anderen drei Seiten fallen steil ab. Die Mauern sind bis zu 3,5 m stark und 19 m hoch. Noch heute sind Kaminstellen am nördlichen Palas zu erkennen, der Dreiviertel-Schalenturm wurde wohl später zu Wohnzwecken genutzt, wie ein herausgebrochenes Fenster mit Sitzbänken vermuten lässt. Insgesamt zeigt die Burg sehr deutlich, dass militärische Sicherheitsbestrebungen bei der Erbauung im Vordergrund standen.

 

Heute gehört die Burgruine dem sehr regen Förderverein Burg Freienfels e.V., der jedes Jahr zu Saisonbeginn (April/Mai) mit den Ritterspielen Freienfels (www.ritterspiele-freienfels.de) einen der größten Mittelalter-Märkte in Deutschland organisiert und veranstaltet. Im Jahr 2013 haben rund 3000 Akteure an dem Spektakel teilgenommen.

Nachdem Sie den wunderschönen Blick ins Weiltal von der Aussichtsplattform genossen haben, führt der Lahn-Camino Sie weiter in Richtung Weinbach. Folgen Sie der Straße und wenden Sie sich nach links, wenn es geradeaus nicht mehr weiter geht. Durch die Felder geht es auf asphaltierten Wirtschaftswegen in Richtung Weinbach. Dort können Sie sich, falls noch nicht in Weilburg geschehen, mit Tagesverpflegung versorgen. Achten Sie darauf, dass Sie die Abzweigung nach rechts nicht verpassen (Beschilderung Lahnhöhenweg). Dieser Weg bringt Sie hinunter nach Weinbach; wenden Sie sich im Ort am Supermarkt nach links und am Ende des Ortes wieder nach rechts. Wenig später führt der Weg linker Hand Sie wieder auf die Taunushöhen in Richtung Elkerhausen.

 

Durch den Wald kommen Sie in den Weinbacher Ortsteil Elkerhausen. Unten im Ort können Sie mit einem kleinen Umweg die um 1500 errichtete Burg der Ritter von Elkerhausen, einem schon im Jahr 1191 erstmalig genannten und später weit verzweigten Adligen-Geschlechts, entdecken. Die an dieser Stelle früher existierende Wasserburg wurde  schon 1352 von Erzbischof Balduin von Trier zerstört. Die Ritter von Elkerhausen, von denen sich einige als sehr kampfeslustige Raubritter hervortaten, gerieten in scharfen Gegensatz zu den Grafen von Nassau. Von Neuelkerhausen auf dem Schwartenberg aus zerstörten die Ritter von Elkerhausen die gegenüberliegende nassauische  Gegenburg, Steuerburg. Erst 1396 gelang den Nassau-Saarbrückenern die Zerstörung von Neuelkerhausen. Heute ist die ehemalige Wasserburg im Privatbesitz.

 

Wenden Sie sich unten im Ort an der Durchgangsstraße nach links in Richtung Blessenbach. Der Pilgerweg führt bis zum Abzweig rechts nach Klein-Weinbach. Folgen Sie dieser Straße noch ein paar Schritte, dann erkennen Sie den nächsten Hinweis, es geht rechts nach oben, am Rand der Wiese. Am Waldrand gelangen Sie wieder auf einen Weg, der Sie in den Wald führt. An der “Eisernen Hand” gehen Sie nach links. Fast schnurgerade führt der Weg Sie jetzt weiter, und nachdem Sie noch einmal nach rechts abgebogen sind, passieren Sie bald die ersten aufgegebenen Schieferbrüche von Langhecke.

 

Langhecke, erstmalig um 1380 erwähnt, entwickelte sich durch Silber- und Eisenfunde in der Umgebung, zu einer bedeutenden Bergarbeitersiedlung. Im 19. Jhdt. exportierte Langhecke den wasserfesten Dachschiefer. Schon Goetheund später der berühmte Räuber Schinderhannes, schätzten das versteckte Walddorf. Sie passieren hier das Hotel “Zum grünen Wald”, das zu einer Tasse Kaffee oder, wenn Sie flott gegangen sind, auch zu einem Mittagessen einlädt.

 

Gegenüber dem Hotel, nach überqueren der Strasse, führt einer steilen Weg wieder in den Wald hinauf. Dies war die letzte große Steigung auf dem Weg zum heutigen Tagesziel, Villmar. Immer geradeaus und nach Überqueren der Kreisstraße K468 können Sie gut zur linken Hand die keltischen Hügelgräber erkennen. Kurz vor Villmar biegt der Pilgerpfad noch einmal nach links ab – bitte achten Sie auf die Wegmarkierung, denn ca. 500 m vorher biegt ein anderer Wanderweg auch nach links ab. Am Galgenberg kommt der Lahn-Camino aus dem Wald heraus. An dieser Stelle steht eine Schutzhütte und mehrere Tische und Bänke, die zu einer letzte Rast vor dem asphaltierten Weg hinunter in den Ort einladen.

 

Villmar

 

Allgemeines: Villmar liegt an der Lahn, im Bundesland Hessen und im Landkreis Limburg-Weilburg. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2011 auf 6914.

 

Anlaufstellen: Katholisches Pfarramt,  Peter-Paul-Str. 3,  65606 Villmar, Tel.: 0 64 82 / 42 97, eMail pfarramt.villmar(add)t-online.de; Evangelisches Pfarramt, Schadecker Str. 7a, 65594 Runkel, Telefon 06482/91077, eMail ev.kirche-65594-runkel(add)t-online.de; Marktflecken Villmar, Peter-Paul-Straße 30, 65606 Villmar, Tel.: 06482-9121-0, eMail gemeinde-villmar(add)t-online.de

 

Geschichte und Stadtrundgang: Hier in Villmar begegnet uns erstmalig auf unserem Pilgerpfad die Trierer Benediktinerabtei St. Euchar-Matthias, sie erhielt im Jahre 1053 den Königshof “Vilimar” von Kaiser Heinrich III. zum Geschenk, als Gegengabe für erhaltene Reliquien. Das Kloster blieb bis 1803 Grundherr von Villmar. Der Ort wurde zunächst von den Gaugrafen von Diez, später den Herren von Runkel verwaltet. 1596 fiel die Hoheit für die Villmarer Gemarkung an die Erzbischöfe von Trier, ab dem 19. Jhdt. dann an das Herzogtum Nassau und ab 1866 gehörte Villmar zum Königreich Preußen.

 

Die Stadtkirche St. Peter und Paul wurde von 1746 – 1749 an der Stelle einer früheren, 1282 gebauten, spätromanischen “Basilica” errichtet. Es handelt sich um einen fünfjochigen Saalbau mit Strebepfeilern und flachem Kreuzgratgewölbe. Der Turm ist dem schmaleren Chor vorgelagert. 1957 wurde die Kirche um einen chorähnlichen Anbau Richtung Westen ergänzt. Die Orgel von 1754/55 stammt von Johann Christian Köhler aus Frankfurt und wurde mehrfach umgebaut. Die reiche, spätbarocke Ausstattung stammt aus der Hadamarer Bilderschule um Johan Thüringer und Jakob Wies. Die Arbeiten aus Lahn-Marmor stammen aus dem 18. und 19. Jhdt.

 

Die rund 65 m lange Lahnbrücke wurde in den Jahren 1894/95 errichtet. Pfeile und Bögel bestehen aus massiven Lahnmarmor-Blöcken. Der sehenswerte Nepomuk auf der Brücke ist eine Bildhauerarbeit aus den 80er Jahren des 20. Jhdt.

 

Seit dem 16. Jhdt. ist der Bruch und die Bearbeitung des im Bereich Villmar als “bunter Marmor” auftretenden Lahn-Marmor nachgewiesen. Es handelt sich dabei nicht um den klassischen Marmor, der in großer Tiefe unter hohem Druck entstanden ist, sondern vielmehr um ein Kalk-Sedimentgestein, das sich leicht polieren lässt. Funde im Römerlager Xanten legen die Vermutung nahe, dass der Lahn-Marmor schon vor 2000 Jahren genutzt wurde. Die wirtschaftliche Bedeutung für Villmar zeigen die prominenten Orte, an denen der Schmuckstein verarbeitet wurde: im Mainzer Dom, in der Benediktiner-Abtei St. Mathias in Trier, im Weilburger Schloss, in der Mannheimer Jesuitenkirche und der Klosterkirche Amorbach, in der Eremitage in St. Petersburg, dem Empire State Building in New York und im Palast des Maharadja von Tangore in Indien. Hinter dem Bahnhof finden Sie das Naturdenkmal Unica, einem aufgelassenen Lahnmarmor-Bruch und können dort den Kernbereich eines 380 Millionen Jahre alten Riffs aus dem Mitteldevon entdecken.

Aktualisiert und vollständig überarbeitet im Juli 2013

1. Etappe Wetzlar – Weilburg

Allgemeinde Beschreibung des Lahn-Camino