Pilgern ist ‚in‘. Überall in Deutschland machen sich Menschen auf den Weg. Es vergeht keine Woche, in der nicht ein Jakobspilger-Weg neu ausgewiesen, oder, um im Jargon der zahlreichen Jakobusgesellschaften zu sprechen, revitalisiert wird. Die Pilger brauchen Orientierung – nicht nur spirituell, sondern auch ganz praktisch am Weg.

Aber müssen wir deshalb wirklich, nachdem wir endlich angefangen haben, den Schilderwald im Straßenverkehr auszudünnen, einen Schilderwald in der Natur schaffen? Schon werden Vierkanthölzer in den Waldboden gerammt, die Platz für bis zu 20 Markierungstäfelchen schaffen.

Ein Beispiel sind die Wanderwege durch die schönsten deutschen Landschaften, die unsere Väter und Großväter schon vor über hundert Jahren ausgewiesen und markiert haben. Am Rheinhöhenweg, eingeweiht im Jahr 1906, reichen die alten, aber stets erneuerten Markierungen an den Bäumen nicht mehr. Neben dem ‚R‘ für den Rheinhöhenweg findet der Wanderer an den Wegen häufig auch noch die Markierungen des Rheinburgenweges und des Rheinsteigs. Ganz zu schweigen von den Markierungen der lokalen Wanderwege und nicht zu vergessen der Kennzeichnung für die europäischen Fernwanderwege.

Aber damit nicht genug. In Ermangelung einer Wegalternative wird in Zukunft noch die Jakobsmuschel dem Wanderer und Pilger den Weg weisen. Denn der Verlauf des Rheins wurde schon seit der Antike nicht nur von den Kelten und Römern, den Händlern und Soldatenhorden genutzt, sondern auch von den Pilgern nach Rom, nach Jerusalem und selbstverständlich auch nach Santiago de Compostela. Ein weiteres Schild im bundesdeutschen Schilderurwald.

Vielleicht sollten die Verantwortlichen es bei dem belassen, was jetzt ist und statt dessen verstärkt Wanderführer schaffen, die dem Pilger die Orientierung auf seinem physischen und spirituellen Jakobsweg bieten. Den Wanderer und Naturfreund wird es freuen.

 

© Karl-Josef Schäfer, Alle Rechte vorbehalten!