… denn so sehr ich den Lahnsteig auch schätze: Die dafür geplante Infrastruktur gerät zur Provinzposse. Zur Erläuterung sei gesagt, dass bei einem Ortstermin an der B 456 mit Herrn Bürgermeister Hans-Peter Schick und der SPD-Fraktion im Weilburger Stadtparlament die Herrschaften auf die Idee kamen, eine Fußgängerüber- oder -unterführung der Bundesstraße zwischen Weilburg und Weilmünster ins Gespräch zu bringen.

Hier mein Leserbrief vom 26. August 2008:

 

Der geplante Lahnsteig

Uralter Jakobsweg macht’s vor

Der geplante Wanderweg "Lahnsteig" über 280 Kilometer vom Rothaargebirge bis zur Lahnmündung führt 62 Kilometer durch den Kreis Limburg-Weilburg, davon 22 Kilometer durch das Gebiet der Stadt Weilburg. Die Stadt rechnet mit Investitionen von 35 000 Euro.

Aus dem Stadtsäckel fließen 1.590 Euro in jeden der 22 km Qualitätswanderweg Lahnsteig. Und 256 Euro wird der Unterhalt und das Marketing eines jeden Lahnsteig-Kilometers den Steuerzahler in Weilburg dann zukünftig kosten. Und jetzt, fast wie ein Posse, muss noch die B456 über- oder unterquert werden. Was man mit diesem Geld alles machen könnte …

Gut, zugegeben, eine Investition in die Zukunft. Immerhin spricht ganz Europa vom vorbildlichen Rheinsteig. Aber wir sollten uns einmal klarmachen, wo der Rheinsteig mit seinen 125000 Wanderern jährlich liegt und mit welchen Attraktionen er aufzuwarten hat. Da ist das Weltkulturerbe Mittelrheintal noch nicht einmal die größte Sehenswürdigkeit.

Einen Bruchteil der Investitionen wünsche ich mir für den Lahn-Camino, den uralten Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein. Der auf vorhandenen Wanderwegen durch Weilburg läuft und deshalb keinen zusätzlichen Unterhaltungsaufwand kostet. Marketing dafür findet sehr erfolgreich auf privater Ebene statt. Und da der Pilgerweg seit Jahren vom Tiergarten an der Strasse entlang bis zur Kreuzung B 456 läuft, braucht es für ihn auch keine Investitionen in Millionenhöhe. Aber eine neue Wegführung für diesen lebensgefährlichen Streckenabschnitt, oder eine Hinweistafel oder eine Jakobsstele in der Stadt, das wäre schon wünschenswert.

Ein ganz kleiner Teil der Aufmerksamkeit von Bürgermeister, Magistrat, Geschäftsleuten und Bürgern Weilburgs – und einen Bruchteil der Investitonen – könnte der Lahn-Camino gebrauchen. Und zahlt diese Aufmerksamkeit dann auch in Form von Tourismusumsatz und Tourismusarbeitsplätzen an uns alle zurück.

Karl-Josef Schäfer, Weilburg