Trierischer Volksfreund vom 12.12.2007

Der "Wander-Apostel" ist wieder sesshaft

Von unserem Redakteur Roland Morgen

Die Odyssee des "Wander-Apostels" ist zu Ende. Nach jahrelanger Restaurierung und Innengestaltung der Basilika St. Matthias wurde der Schrein mit den Matthias-Gebeinen in die dortige Krypta überführt. Dort lagern die Reliquien nun in dem antiken Steinsarkophag, in dem sie 1127 gefunden wurden.

Trier-Süd. Bewegter Apostel – bewegender Augenblick: Zu dem sehr seltenen Ereignis hatten sich mehr als 400 Gläubige eingefunden. Der erste Teil der sogenannten Translatio fand allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vor den Augen von 18 Mitgliedern des Domkapitels und der Mönche von St. Matthias wurden in der Abtei die Reliquien und Urkunden in einen Holzschrein gelegt.

Mattheiser Altarweihe Ende Februar ohne Bischof Marx

Die anschließende feierliche Prozession führte durch die Basilika in die neu gestaltete Krypta unter dem Altarraum.

Dort fanden die Gebeine ihren endgültigen Platz in dem steinernen Sarkophag, in dem sie 1127 beim Beginn des Baus der heutigen Matthias-Basilika (wieder-) entdeckt worden waren. Der Sarkophag mit dem eingebetteten Holzschrein wurde am Montagabend mit einem Steindeckel verschlossen und mit Messingbändern eingefasst.

Der Termin der Translatio war mit Bedacht auf den 10. Dezember, den Eucharius-Tag, gelegt worden. Eucharius war im ausgehenden 3. Jahrhundert der erste Bischof von Trier und ist, wie sein Nachfolger Valerius, in der Krypta der Matthias-Basilika beigesetzt.

Weil der Gläubigen-Andrang so groß war und die Krypta nur rund 200 Plätze bietet, zelebrierte Bischof Reinhard Marx das Pontifikalamt "eine Etage höher". In seiner Predigt bezeichnete der Trierer Oberhirte die Matthias-Basilika als ein "großartiges Schatzhaus der trierischen Kirche" und Anziehungspunkt von internationaler Ausstrahlungskraft. Hier fänden Gläubige die Nähe zu jemandem, der "von Anfang an mit Jesus zusammen war".

In Anspielung auf die mehrjährigen Restaurierungs-Arbeiten rief Abt Ignatius Maaß die Gläubigen auf: "Erzählen sie weiter, dass ‚Mattheis‘ nun wieder stau- und barrierefrei begehbar ist."

Allein in den vergangenen vier Jahren wurden mit Fördergeldern, Eigenmitteln und Spenden rund 2,2 Millionen Euro in dem Gotteshaus verbaut. Weitere dringend erforderliche Arbeiten müssen aber mangels Geld auf die lange Bank geschoben werden.

Die Basilika mit dem Apostel-Grab zieht seit 850 Jahren Pilger an. Vor allem im Rheinland wird die Matthias-Verehrung in traditionsreichen Bruderschaften gepflegt. Zu den Pilgern, die alljährlich lange Fußmärsche durch die Eifel nach Trier zurücklegen, gehört Arnold Kreutz aus Heinsberg an der niederländischen Grenze. Der 59-jährige Polizeibeamte, Mitglied der Matthias-Bruderschaft Kleinenbroich, war "selbstverständlich" und gemeinsam mit seiner Frau Hedwig (51) auch am Montag per Auto nach Trier gekommen, um die Matthias-Translatio zu erleben. Nächstes Jahr kommt Kreutz wieder und geht "selbstverständlich die 250- Kilometer-Tour per pedes."

Für Bischof Reinhard Marx war es vorgestern vermutlich der letzte Auftritt in St. Matthias. Er sollte ursprünglich die Weihe des neuen Altars am 24. Februar vornehmen. Doch da macht nun seine Berufung zum Erzbischof von München-Freising einen Strich durch die Rechnung. Marx verabschiedet sich am 26. Januar vom ältesten Bistum Deutschlands. Matthias in Trier Ob Legende oder nicht: Die Wiederauffindung der Gebeine des Apostels Matthias beim Beginn des Baus der Trier-Süder Basilika (1127) löste eine bis heute ungebrochene Wallfahrts-Tradition zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen aus. Laut mittelalterlicher Überlieferung hatte Kaiser Konstantins Mutter Helena die Matthias-Reliquien im 4. Jahrhundert aus dem Heiligen Land nach Trier mitgebracht. In den vergangenen Jahrzehnten musste Matthias wegen Bauarbeiten mehrfach innerhalb der Kirche "umziehen"; daher der Spitzname "Wander-Apostel". Die neu gestaltete und barrierefrei zugängliche Krypta bietet den Särgen von Matthias und der Trierer Ur-Bischöfe Eucharius und Valerius ein würdiges Umfeld.