Ein frohes, gesundes und zufriedenes Neues Jahr!
Morgen geht es wieder los, die nächste Etappe steht an. Die Hunde sind wieder fit – wir auch (naja, fast ). Also machen wir uns morgen früh mit dem Auto auf nach Villmar, laufen dann über Runkel und Limburg nach Diez. 23 km ist die 2. Etappe lang. Von dort geht es mit dem Zug wieder zurück nach Villmar.
Langsam trudeln auch die Kommentare von Freunden ein. Die reichen von Sarah’s „Seid Ihr jetzt völlig durchgeknallt?“ (Sarah ist übrigens meine Tochter, Töchter sind immer sehr direkt) bis hin zu Hilde’s „Tolle Idee, ich will einmal mitwandern!“ (Hilde ist die Züchterin unserer Kuvaszok).
Gudrun, eine gute, liebe Freundin, schrieb einen besonderen Kommentar. Früher wären sie auch einfach losgezogen, einfach so mal eben 25 km durch die Walachei – sie könne das sehr gut verstehen. „Ich frag mich bloß: Wozu braucht man da den heiligen Jakob?“
Gudrun, ich beantworte Deine eMail (Dein Einverständnis voraussetzend) einmal hier im Blog. Warum? Weil die Antwort auf diese Frage mit hier hineingehört, einfach Teil dieses Tagebuches ist. Und Tony hat mir ja am 2. Weihnachtstag eine ähnliche Frage gestellt: „Warum nicht Mariazell?“ Gabi hat gerade, als wir aus der Stadt kamen, ähnlich geredet. „Selbst wenn wir nicht nach SdC kommen, haben wir doch das Wandern entdeckt und laufen bestimmt weiter!“ Meine Antwort ist sehr persönlich – aber wer A sagt (irgendwo habe ich ja schliesslich schon angefangen, persönliche Gedanken hier öffentlich aufzuschreiben) muss auch B sagen.
Um Deine Frage, Gudrun, zu beantworten, schreibe ich erst einmal meine Antwort an Gabi von vor ein paar Minuten: „Nein, wenn nicht Santiago de Compostela dann bleibe ich lieber zu Hause auf der Couch. Ich sitze nämlich sehr gerne!“
Warum braucht man da den heiligen Jakob? Warum pilgern die Katholen nach Kevelaer, nach Lourdes, nach Mariazell, nach Turin, Rom, Jerusalem usw. usf. Ganz ehrlich, ich glaube auch nicht daran, daß die Gebeine des Apostel Jakobus in Santiago liegen (das Grabtuch in Turin ist, Maria den Mädchen in Lourdes erschienen ist, usw.) – und die Geschichte mit der Missionierung der iberischen Halbinsel durch Jakob liest sich zwar nett – aber dran glauben? Nee, den heiligen Jakob brauche ich für die Pilgerfahrt nicht.
Aber Du weisst ja, dass ich eine ausgesprochene Schwäche fürs Esoterisch-Spirituelle habe  und da bietet sich doch eine Pilgerfahrt an. Zumal die auf einigermassen historischen Wegen direkt vor unserer Haustür beginnen kann.
Nein, Gudrun, es ist nicht der heilige Jakob, es ist auch nicht Santiago de Compostela. Es ist der Weg in Verbindung mit dem Ziel. Ich weiss, was ich suche, es fehlen mir nur im Moment die Worte, um es auszusprechen oder zu schreiben. Nach diesen Worten suche ich. Dann kann ich ausdrücken, warum ich mich gerade nach Santiago de Compostela auf den Weg gemacht habe (und im tiefsten Inneren immer noch daran zweifele, daß ich da ankommen werde).
Morgen abend weiss ich mehr – aber eine Antwort zu erwarten, wäre wohl zu vermessen.