Wiesbadener Tagblatt 12.04.2008

 

80 Kilometer an vier Tagen zurückgelegt / Gedanken und Gespräche über sich und den Glauben

Vom 11.04.2008
iz. IDSTEIN / WALDEMS Zwölf jugendliche Firmbewerberinnen und -bewerber der katholischen Kirchengemeinden St. Thomas Esch und St. Martin Idstein pilgerten unter der Leitung von Elisabeth Geisler und Jürgen Schmitt, auf dem Lahn-Camino.

"In einer Welt, in der Aussehen, Geld und Macht immer größere Rollen spielen, kann es schon mal sehr rasant zugehen. Umso mehr fällt es einem auf, wenn sich der Lauf der Dinge verlangsamt, vereinfacht und klärt", schildert Kim Bernhardt die Erfahrungen der Pilgergruppe. "Für vier Tage hieß das zunächst: Sinnloses von einem Ort zum anderen zu laufen, um die gesamte Strecke von Katzenelnbogen nach Lahnstein dann wieder mit dem Zug zurückzufahren und das auch noch ohne Unterhaltungselektronik."

Der erste Tag stellte sich für die Firmlinge insofern als der schwierigste heraus, da sie einiges hinter sich lassen mussten. "Es hatte keinen Sinn zurückzusehen, wenn der Weg noch vor einem lag", berichtet Kim Bernhardt. "Sobald wir dies akzeptiert hatten, lief es sich schon um einiges unbeschwerter. Zurück konnten wir ohnehin nicht mehr, also ließen wir uns einfach auf den Weg ein. Genau diese Erkenntnis war auch vermutlich der Sinn unseres Tagesthemas "Ich".

Am zweiten Tag zeigte sich die Sonne, aber es gab auch auch die ersten Blasen und andere Beschwerden. Fast jeder der mit einem acht Kilo schweren Rucksack bepackten Jugendlichen klagte über die eine oder andere Blessur. Doch geteiltes Leid ist halbes Leid und so zog die Gruppe ganz unter ihrem nächsten Tagesthema "Wir" weiter Richtung Kloster Arnstein. "Dort wurden wir so herzlich empfangen, dass die Bedeutung von `wir` unter den Aspekt der Gemeinschaft der Kirche rückte und vielen als ein besonderes Gefühl in Erinnerung bleiben wird."

In der allabendlichen Gesprächsrunde wurde das vor allem deutlich, als über das Kloster gesprochen wurde. Einige erstaunte es sehr, wie man so selbstlos der Gemeinschaft und seinen Mitmenschen dienen könne.

Da die Jugendlichen am dritten Tag eine weniger anstrengende Strecke vor sich hatten, ließ es sich beim Pilgern gut unterhalten – sei es über das dritte Thema "Jesus" oder darüber, dass das Laufen an sich gar nicht so schlimm sei. Und dann brach für uns der letzte Tag an. Kim Bernhardt: "Wir starteten von Bad Ems aus und liefen unserem zumindest geographischem Ziel entgegen. Für uns hieß das aber vor allem einem Bad und einem weichem Bett näher zu kommen. Auch wenn das Wetter eher traurig war, herrschte in unserer Gruppe eine gute Stimmung. Möglicherweise kam deswegen das vielleicht wichtigste Thema "Gott/Geist" etwas zu kurz, denn die Gedanken bewegten sich doch eher Richtung Idstein. Klar wurde jedoch schnell, dass – ähnlich wie beim Vortagesthema Jesus – auch hier die Vorstellungen weit auseinander gehen können."

Kim Bernhardts Bilanz: "In den vier Tagen hat uns der Weg von 80 Kilometern zusammengebracht und die Erfahrung wird uns, als Firmgruppe, wohl immer verbinden, obwohl jeder von uns schließlich sein eigenes Ziel verfolgen wird, somit auch in Glaubensfragen. Aber wir wissen jetzt: Der Weg ist das Ziel."