Am Donnerstag, den 12. September 2013 wurden die umfangreichen Restaurierungsarbeiten an der ehemaligen Synagoge in Wiesenbronn bei einem Festakt offiziell beendet. Die Festansprache hielt Generalkonservator Professor Dr. Egon Johannes Greipl, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), die sich an der Fertigstellung der Instandsetzungsarbeiten im vergangenen Jahr mit 65.000 Euro beteiligt hat, war bei dem Festakt durch ihren Ortskurator Fränkische Stadtbaumeister, Holger Bierbaum, vertreten.

Wiesenbronn, am Fuß des Schwanbergs im Steigerwaldvorland gelegen, ist insbesondere für seinen Weinbau bekannt. Im Jahr 800 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte der Flecken für die nächsten tausend Jahre zur Grafschaft Castell, zum Hochstift Würzburg und zum Fürstentum Ansbach. 1814 fiel die Ortschaft an das Königreich Bayern.

Die ehemalige Synagoge ist ein massives zweigeschossiges Gebäude mit Mansarddach, das seit 1792 in der Substanz unverändert erhalten blieb. Es bewahrt zahlreiche klassizistische Stilmerkmale. Von außen ist es nicht als jüdisches Gotteshaus erkennbar. Auch im Inneren betritt der Besucher im Erdgeschoss zunächst den Wohnbereich. Ein zweigeteilter Betsaal befindet sich erst im Ober- und Dachgeschoss. Die dortige Deckenmalerei – Sterne auf blauem Untergrund – ist noch zu sehen, obwohl man das Haus 1950 zu einem reinen Wohnhaus umgebaut hat.

Eine gewisse Bedeutsamkeit erhält das Gebäude auch dadurch, dass der unter dem Namen Würzburger Rav deutschlandweit bekannt gewordene Seligmann Bär Bamberger, der 1807 in Wiesenbronn geboren wurde, hier seinen ersten religiösen Unterricht erhielt und ab seinem zwanzigsten Lebensjahr nach einem fünfjährigen Studium in Fürth als Rabbi wirkte. Den Lebensunterhalt verdiente sich der in den Traditionen des fränkisch-orthodoxen Landjudentums aufgewachsene Rabbi mit einer kleinen Warenhandlung.

Die ehemalige Wiesenbronner Synagoge, die aufgrund seiner Geschichte ein anschauliches Beispiel für das frühere Zusammenleben von Christen und Juden in einem süddeutschen Dorf vermittelt und künftig zu Dokumentationszwecken genutzt werden soll, gehört zu den über 230 Projekten, die die private Denkmalstiftung dank Spenden und Mittel der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte.