Seit 1910 im Familienbesitz

Conditorei * Cafe Pechan
Inhaber Scholl
Vorstadt 18
35781 Weilburg
Telefon 06471-30488
Internet www.cafe-pechan.de

 

Bewertung im Schulnotensystem: 1 = sehr gut bis 6 = mangelhaft

Gesamteindruck: 5
Barrierefreiheit: 6
Lage: 3
Sauberkeit: 3-4
Ausblick: 3
Freundlichkeit: 3
Einrichtung/Dekoration: 5
Toiletten: 5
Speisen: 4-6
Getränke: 3
Preis-/Leistungsverhältnis: 5

Durchschnittsnote: 4-5

 

Eines ist sicher: Pechan lebt nicht von den Stammkunden, sondern von den Touristen, welche die bevorzugte Lage des Cafe gleich gegenüber der Treppe zum Schlossgarten und den Blick auf die Lahn nutzen. Weilburger haben wir bei einer nicht-repräsentativen Umfrage an diesem Nachmittag keine getroffen.

Fast jeden Tag laufen wir nämlich am Weilburger Traditions-Cafe vorbei, fast jeden Tag sagen wir im Vorübergehen: "Ich möchte so gerne einmal die Schokolade mit Chilli probieren!" Und heute haben wir es endlich einmal geschafft.

Nun gut, man kann nicht wirklich sagen, dass wir die letzten Jahre in Weilburg etwas verpasst hätten. Der äussere Eindruck mit schlecht gemachten künstlichen Kuchen, Brötchen und anderem Gebäck lässt eigentlich auch nach Betreten des Verkaufsraumes und Cafes nicht gerade eine Vorfreude auf kommende süße Verführungen aufkommen.

Aber die adrett gekleideten, jugendlichen Bedienungen -alle im schwarzen Polo-Hemd mit gesticktem "Pechan" auf der Brust- machten einen guten Eindruck.

In das Cafe gelangt der Gast über einige Treppenstufen – ein schwieriges Hindernis für Gehbehinderte und mehr oder weniger unüberwindlich für Rollstuhlfahrer. Gleich der erste Tisch auf der rechten Seite ist für den Besitzer reserviert. Das Reserviert-Schild und die Bild-Zeitung lassen daran keinen Zweifel. Ich fühlte mich an die anatolischen Restaurants in der Türkei erinnert. Auch dort sitzt der Bas so, dass er alles im Auge behalten kann.

Aber wir hatten uns nun mal einen Kaffee und die heisse Schokolade mit Chilli vorgenommen und wollten das auch zu Ende bringen. Einen Platz fanden wir an einem der bevorzugten Tische mit Blick auf die Lahn – die aber leider zu eng gestellt sind, so dass nicht wirklich Wohlbehagen aufkommen kann. Schnell kam eine nette Bedienung, fragte nach unseren Wünschen und verschwand wieder. Wir standen noch einmal auf, um am Tresen ein Stück Kuchen auszuwählen. "Und, was soll’s sein?" nuschelte der Jugendliche hinter der Theke. Wir entschieden uns für einen Krebbel (Berliner) und mich lachte ein Frankfurter Kranz an – und kaum sassen wir wieder am Tisch, so kamen auch schon Kaffee und Schokolade und kurze Zeit später Berliner und Frankfurter Kranz.

Erster Schock: die 2,40 Euro für ein kleines Stück Frankfurter Kranz waren gerade noch angemessen, aber 2 Euro für einen Berliner? Ganz schön heftig! Nach dem ersten Bissen in den Krebbel verklärte sich das Gesicht meiner Begleitung: "Der ist ganz frisch, der ist noch warm!" Doch dieses Hochgefühl verflog schnell beim zweiten Versuch und mit dem zweiten Schock: die Füllung war glühend heiss, das Äussere zäh. Fazit? Mikrowelle! "Den werde ich weder essen, noch bezahlen!" teilten wir der Bedienung mit, die mit einem leisen "Entschuldigung" davonschlich. War wohl nicht die erste Reklamation des Tages – dabei war es doch erst viertel vor Zwei am Sonntag.

Das Stück vom Frankfurter Kranz war zwar klein, aber lecker. Und so genossen wir unsere Schokolade und unseren Kaffee, den Blick auf die Lahn und nutzten die Zeit, uns ein wenig umzuschauen. Nicht, als ob wir die Kunstblumen auf Tischen und Fensterbänken nicht schon vorher bemerkt hätten. Und nicht, als ob wir die seltsamen Lampengirlanden, die kreuz und quer im Gastraum unter der Decke hingen, nicht schon gesehen hätten. Auch die zu grossen Energiesparlampen in den kleinen Wandschirmen hatten wir schon vorher entdeckt. Aber jetzt konnten wir uns drüber unterhalten. Die Deckenlampen waren entweder schrecklich schmutzig, oder aber, wie am Nebentisch, mit Leukoplast geklebt.

Zeit, einmal einen Blick in die Herrentoilette zu werfen. Dringend renovierungsbedürftig, aber tiptop sauber, das muss ich neidlos zugestehen. Nur an die Papierhandtücher kam ich nicht dran. Zwar waren genügend im Spender, nur leider konnte ich trotz langwieriger Fingerübungen kein einziges aus dem Spender herausziehen. Mit nassen Händen an den Tisch zurück – darum die Abwertung der Toilette. Ansonsten wäre es eine 3 geworden.

Bevor wir unsere Rechnung zahlten, noch ein Blick in die Karte. Frühstück bei Pechan wird gross beworben, der Preis von 7,70 Euro für ein Frühstück mit 2 Brötchen, Butter, Konfitüre und einer Portion Kaffee ist aber viel zu hoch. Da gibt es bessere, reichhaltigere und preiswertere Möglichkeiten in Weilburg. Für den Mittagstisch gibt es die typischen kleinen Angebote in einem Cafe – die Gulaschsuppe, Königinnen-Pastete und ähnliches. Auch ein Schnittchen wird angeboten. Wenig vertrauenserweckend ist jedoch das Angebot an IGLO-Tiefkühlspezialitäten.

Achso, noch zwei positive Dinge: die heisse Schokolade mit Chilli hatte genau den richtigen Chilli-Gehalt, der Kaffee war so, wie man sich einen guten Kaffee am frühen Nachmittag vorstellt.

Fazit: Ein schöner Blick auf die Lahn und auf das Weilburger Rollschiff kann leider den morbiden Gesamteindruck des Cafes nicht wieder gutmachen. Schade!

 

Restaurantkritik, Restaurantbewertung