Es soll jetzt wirklich losgehen! Seit ein paar Wochen denke ich darüber nach, ob es für mich wirklich möglich ist, die rund 2.500 km von zu Hause bis nach Santiago de Compostella auf dem alten Jakobsweg zu wandern.
 
Nein, natürlich nicht an einem Stück. In vielen Etappen, so wie Zeit und Kraft da ist.
 
Nun schenkte mir Gabi zu Weihnachten Kerkelings "Ich bin da mal weg!", letzte Nacht habe ich es fast in einem Stück gelesen – und bin begeistert – zwar auch von Hape Kerkeling, aber ganz besonders darüber, dass sich Menschen auf den Weg machen. Und dabei etwas suchen. Ich weiss nicht, was ich finden werde – gerade deshalb wird es wohl spannend werden.
 
Und es soll wirklich losgehen. Am Donnerstag (28.12.2006) beginnt die Reise zum Grab des Heiligen Jakobus. Zumindest haben wir uns das fest vorgenommen.
 
Nun mal der Reihe nach: der sogenannte Lahn-Camino verläuft auf der Strecke von Wetzlar nach Lahnstein direkt vor unserer Haustür. Auf einer Internetseite habe ich schön dargestellte Etappen gefunden. Und von Weilburg-Schiffstunnel (ca. 100 m von unserem Haus entfernt) bis nach Villmar soll unsere erste Etappe verlaufen. Historiker glauben, dass durchaus auf diesem Weg die Jakobspilger den Rhein erreicht haben können.
 
Gabi (40) und ich (50) haben keinerlei Wandererfahrung. Aber dafür ist die Strecke ja auch überschaubar. Von Villmar bis nach Weilburg zurück braucht die Bahn gerade mal 22 Minuten. Die Züge fahren stündlich, also dürfte es kein Problem sein, auch zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukommen.
 
Unsere Vorbereitungen halten sich in Grenzen. Vernünftiges Schuhwerk und vernünftige Kleidung für das herrliche Vorfrühlingswetter zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir im Schrank. Eine Wanderkarte, die bis nach Villmar reicht, und ein wenig Pflaster für wunde Füsse, werden wir morgen noch kaufen.
 
100 Tage Jakobsweg geben uns ein überschaubares Ziel, jeden Tag 25 km sind machbar. Natürlich werden wir mit Pausen und dem notwendigen Geldverdienen viel, viel länger brauchen. Aber zumindest innerhalb Deutschlands können wir in 1- und 2-Tages-Etappen pilgern und sind schnell wieder zu Hause.
 
Wir haben uns auf den Weg gemacht. Ob und wo wir ankommen, das wissen wir heute noch nicht.