Unser 1977er Trabant Universal

Unser 1977er Trabant Universal

„Mir kommt kein Trabi ins Haus,“ spricht meine Frau. Und nicht einmal 10 Tage später steht der Oldtimer-Trabi vor der Tür. Farbe? Grau und Rot! „Mit diesem Auto werde ich bestimmt keine 300 Kilometer durch Hessen fahren,“ ist die Antwort, als ich die Oldtimer-Sternfahrt des ADAC zum Hessentag in Bensheim anspreche. Eine Woche später sitzen meine Frau und eine gute Bekannte auf Beifahrersitz und Rücksitz und ich bemühe mich, den 37 Jahre alten Trabant Universal nach Laubuseschbach zum Taunus-Startpunkt der Sternfahrt zu fahren.

Nun soll nicht der Eindruck entstehen, meine Frau hätte in unserer Beziehung nichts zu sagen. Ganz im Gegenteil, während ich die wichtigen Dinge der Weltpolitik kommentieren darf, bestimmt sie über so unwichtige Dinge wie mein Taschengeld oder wohin wir in Urlaub fahren. Und um ganz ehrlich zu sein, sie wollte diesen Trabi auch. Allerdings mit der Gnade der späten Geburt völlig ahnungslos, wie sich ein Auto mit Lenkstockschaltung und ohne Hilfsmittel wie Servolenkung und Bremskraftverstärker so fährt. Besonders den Bremskraftverstärker vermisst sie schon gewaltig – dabei könnte sie über fehlendes ABS oder den Airbag oder Automatik-Dreipunkt-Sicherheitsgurte hinwegsehen. Das man, wie in alten Zeiten, richtig Kraft zum Bremsen braucht, das ist ihr einfach nicht geheuer.

Start in Laubuseschbach

Start in Laubuseschbach

Der Wetterbericht kündigt das heisseste Pfingstwochenende seit 50 Jahren, wenn nicht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen an. Und wir fahren zu Dritt gut gelaunt über den Taunus von Weilburg nach Laubuseschbach. Dort treffen sich rund 100 Oldtimer-Enthusiasten, die sich auf den rund 170 Kilometer langen Weg nach Bensheim machen. An der Bergstraße ist am Tag zuvor der Hessentag eröffnet worden. Die Sternfahrt des ADAC zum Landesfest ist mit fast 400 Fahrzeugen an vier Startpunkten die größte Oldtimer-Fahrt in Deutschland.

Wir sind mit unserem Trabi mittendrin. Natürlich haben wir keine Ahnung, was uns für Sonderaufgaben erwarten. Und natürlich haben wir auch keine Ahnung davon, dass ein Trabantmotor mit seinen zwei Zylindern eigentlich große Hitze so gar nicht mag. Ahnungslosigkeit hilft. Zumindest hilft sie dabei, gut gelaunt 170 KIlometer in praller Sonne durch Hessen zu fahren.

In Grävenwiesbach das erste Mal verfahren. Das liegt nur daran, dass bei einer Oldtimer-Ralley der Fahrer sein Gehirn an den Beifahrer abgibt. Meine beste Ehefrau von allen war noch nicht darauf vorbereitet. Im Laufe der nächsten 100 Kilomter gab sich das aber und wir haben nur noch zweimal eine kleinere Schleife gedreht.

„Mittig stehenbleiben“ ist die erste Sonderaufgabe. Platz 190 – nicht schlecht bei 276 Gesamtplätzen. Dann wieder Jubeln auf der Strecke. Ein Trabi in Hessen errregt Aufsehen. Sowohl positive als auch negative Aufmerksamkeit. Wobei das positive Aufsehen überwiegt. Nicht nur von älteren Mitbürgern aus dem Osten unseres Landes. Negativ fällt eigentlich nur der Gestank auf. Wobei ein Trabi stets besser ist als sein Ruf. Die CO2-Bilanz ist gar nicht so schlecht, gemessen an manch anderem modernen Stinker.

Beim „Gatter-Fahren“ erreichen wir Platz 163. Auch nicht schlecht. Die beiden ehrenamtlichen ADAC-Helfer werden von uns ehrlich bewundert. Trotz Hitze tragen sie das Gatter mit einem schier unendlichen Enthusiasmus von links nach rechts und wieder nach links. Wir belohnen die Helfer mit einem lauten „Dankeschön“ und machen uns hupend auf den weiteren Weg Richtung Bensheim.

Bordsteinfahren, nicht gerade unsere Spezialdisziplin

Bordsteinfahren, nicht gerade unsere Spezialdisziplin

Das „Bordstein-Fahren“ geht daneben. Statt der geforderten 35 cm werden es 20 cm mehr. 55 cm stehen wir vom angenommenen Bordstein entfernt. Viel zu viel für eine gute Platzierung, es reicht gerade für Platz 266. Auch die Gleichmässigkeitsfahrt liegt deutlich daneben. Mit 3,13 Punkten erreichen wir gerade mal Platz 74 von 85. Beim nächsten Mal – wenn es denn ein nächstes Mal gibt – wird alles besser. Versprochen.

Fahrer und Auto erregen einiges Aufsehen: Hans Eichel (zur Zeit hinterm Auto) im Opel Rekord

Fahrer und Auto erregen einiges Aufsehen: Hans Eichel (zur Zeit hinterm Auto) im Opel Rekord

Die Ankunft in Bensheim ist wenig spektakulär. Dafür ist unser Auto auch nicht auffällig genug. Der hessische Ex-Ministerpräsident Hans Eichel mit seinem alten Opel Rekord erregt da schon mehr Aufsehen. Wir werden halt zur Kenntnis genommen, mehr nicht.

Die erste Oldtimerfahrt und gleich eine durch die landschaftlich schönsten Gegenden in Deutschland. Spass hat’s gemacht. Und einen Bronze-Löwen gab es auch. Vielleicht sind wir im nächsten Jahr wieder dabei – doch zuerst müssen sich Fahrer, Beifahrer und Auto erholen.