Die Galluskirche im niederländischen Zevenaar

Die Galluskirche im niederländischen Zevenaar

Eines Tages verbrachte der heilige Gallus auf einer seiner Missionsreisen rund um den Bodensee eine Nacht im Wald.Plötzlich, es war schon lange dunkel, krachte und knisterte es laut im Gebüsch und ein Bär trat auf die Lichtung und flösste den Gefährten des heiligen Gallus große Angst ein. Der irische Missionar jedoch befahl dem Bären, ein Stück Holz zu nehmen und es ins Feuer zu legen. Dann gab Gallus dem Bären einen Laib Brot unter der Bedingungen, danach zu verschwinden und niemals wieder aufzutauchen. Der Bär ward danach niemals wieder gesehen und der heilige Gallus wird bis in die heutige Zeit mit einem Bären dargestellt.

Gallus lebte von etwa 550 bis etwa zur Mitte des siebten Jahrhunderts. Der irische Wandermönch missionierte rund um den Bodensee. Dort, wo 100 Jahre später die Abtei und die Stadt St. Gallen entstanden, war nach seinem Tod ein Wallfahrtsort.

Es zeigt die engen Handelsverbindungen des frühen Mittelalters, wenn eine Kirche im fernen Gelderland nur rund 250 Jahre nach dem Tod des Missionars Gallus unter seinen Schutz gestellt wird. Ein Verehrer des heiligen Gallus wird die Kirche in Angerlo gebaut oder gestiftet haben. Die romanische Kirche ist dem heiligen Gallus geweiht und gehört wohl zu den ältesten Kirchen des Landes. Und sie ist ein wirkliches Kleinod – auch, wenn die Bilderstürmer der Reformation kaum etwas von der alten, prachtvollen Ausstattung der kleinen Kirche übrig gelassen haben. Nur wenige romanische Fragmente sind erhalten geblieben.

Heute präsentiert sich der Kirchenraum als zweischiffige Basilika. Die Kirche stammt aus der Zeit um 900 (so die Internetseite der Gemeinde Doesburg-Angelo). Das nördliche Seitenschiff wurde im 12. Jahrhundert mit mächtigen Säulen hinzugefügt. Der gotische Chor stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert. In den vergangenen Jahrhunderten wurde die Galluskirche immer wieder zerstört und neu aufgebaut. Der ursprünglich romanische Turm enthielt eine Kapelle und ein Gebeinhaus.

Beim Eingang in die Kirche ruht die Orgelbühne auf filigran erscheinenden Säulen. Dahinter öffnet sich der heutige Kirchenraum bis in den hölzernen Dachstuhl. Noch heute kann sich der Besucher die Ehrfurcht der mittelalterlichen Kirchgänger vorstellen. Dicht an dicht standen die Gläubigen im Kirchenschiff und hörten die Predigt des Priesters. Vermutlich hatte die Galluskirche mindestens zwei Altäre.

Die imposante, eichene Kanzel stammt aus dem Jahr 1690 (also nach der Reformation).

Bei Ausgrabungen im Jahr 1947 versuchten die Archäologen die ursprünglichen Abmessungen der Kirche zu rekonstruieren. Sie fanden im westlichen Teil vier große Felsbrocken. Im südlich gelegenen, ehemaligen Chor, fand sich ein Kinderschädel, der so platziert war, dass es sich kaum um einen Zufall handeln konnte. Vielleicht deutet es auf eine germanische Kultstätte an dieser Stelle hin. Ein bei den Grabungen gefundener Kerzenleuchter wird heute im ehemaligen Sakramentshaus im Chor aufbewahrt.

Vor Kriegsende sprengten deutsche Soldaten die Kirche. Sie gingen zum Küster und forderten den Kirchenschlüssel. Nach der Sprengung brachten sie ironischerweise den Schlüssel zurück. Er wird noch heute im Voirraum der Galluskirche aufbewahrt.