Anstrengend, total anstrengend. Aus dem Alter bin ich eigentlich heraus. 2 Uhr aufstehen, etwas mehr als eineinhalb Stunden zum Flughafen fahren, auf den Abflug warten, fliegen, ankommen, Sightseeing in einer unbekannten Stadt, zurück zum Flughafen, siehe oben (nur in umgekehrter Reihenfolge). Nach fast exakt 22 Stunden wieder zu Hause.

Aber zum ersten Mal in Dublin gewesen, der Hauptstadt Irlands. Tolle Stadt, einigermassen freundliche Menschen, viel Geschichte, saubere Strassen – „selbst die Denkmäler sehen aus, als würden sie einmal im Monat gewaschen“. Und kaum hatten wir das ausgesprochen, sahen wir auf der anderen Straßenseite am O’Connell-Denkmal einen Arbeiter, der den Steinsockel mit einem Hochdruckreiniger behandelte. Irre!

Ausgestattet mit einem wikipedia- und wikivoyage-Ausdruck über Dublin haben wir wohl alles gesehen, was man so sehen muss. Heisst, wenn die Guiness-Brauerei nicht dazu zählt. Das obligatorische Stout haben wir nämlich in einem anderen, näher am Geschehen liegenden Pub getrunken.

Der Airport-Link (Schnellbus vom Flughafen in die Stadt, im Rambler-Ticket für 6 Euro pro Person inbegriffen) hält mitten in der Stadt auf der O’Connell-Street, direkt am „Stachel“ – dem seit 2003 neuen Wahrzeichen der Stadt. Eigentlich sollte der 120m hohe Metall-Zahnstocher zum Jahrtausendwechsel fertig sein und steht an der Stelle, an der die von der IRA in den 60er Jahren gesprengte Nelson-Säule stand.

Mich persönlich interessierte nur eines ganz besonders an Dublin: das Book of Kells und der Long Room der College-Bibliothek. Wir also losgezogen, über die Brücke in Richtung Trinity-College, dabei vorbei an der Bank of Irland und einigen anderen schönen, klassizistischen Häusern.

In der ältesten irischen Universität waren wir dann etwas zu früh – Gabi wollte auch lieber die Sonne geniessen, statt sich über 1000 Jahre alte Bücher in abgedunkelten Räumen anzusehen. Im Vorraum wurde auf grossen Displays die Herstellung dieser mittelalterlichen Folianten beschrieben – und schliesslich in einem zum Schutz der Bücher fast dunklem Raum, das wohl um die 1300 Jahre alte Book of Kells ausgestellt. Es handelt sich um eine reich verzierte Bibel mit allen 4 Evangelien, in mühevoller Arbeit von Mönchen erstellt. Nun kann man sagen: „Schliesslich hatten die Bengels ja nicht allzuviel anderes zu tun!“ Aber eine künstlerische Leistung ersten Ranges ist es allemal. Und ein Wunder der Erhaltungszustand. In der wechselvollen Geschichte dieses Buches ist der legendäre, goldgeschmückte Einband verloren gegangen. Die Ornamente sind überwiegend Spiral- und Flechtwerk – teilweise traditionelle keltische Muster und teilweise Weiterentwicklungen derselben. Das Buch ist nicht zu beschreiben – man muss es selbst gesehen haben.

Nach einem dritten, vierten oder hundertsten ehrfürchtigen Blick ging es weiter in den Long Room, einer der schönsten Bibliotheken der Welt. Ausgestellt unter Glas sind hier biologische Fachbücher mit farbenfrohen Zeichnungen – wichtiger aber für mich das geballte Wissen vergangener Jahrhunderte, in Leder eingebunden und in 2 Etagen von jeweils fast 5 Metern bis unter die Decke gesammelt. Insgesamt ist der Raum 65 m lang.

Damit hatte ich schon meinen Höhepunkt erreicht – die Strapazen haben sich gelohnt. Aber Dublin ging erst jetzt richtig los.

Museen haben wir uns gespart. Das Wetter war einfach zu schön, um die Zeit in ehrwürdigen Gemäuern zu verbringen. Aber fast alles, das zu Fuß zu erreichen ist, haben wir uns angesehen. St. Andrews, heute die Touristen-Info, Christ Church Cathedral, Temple Bar, die Fussgängerzonen.

Dublina, die multimediale Aufarbeitung der irischen Geschichte, haben wir uns gespart. Genauso, wie das Guiness-Storehouse und die Jameson-Distillery. Dafür hatten wir unser Stout im Pub von Messrs. Maguire, direkt an der O’Connell-Street – eine etwas frischere Version des Guiness, von dem ich immer den Eindruck habe, es würde schon seit Stunden offen herumstehen.

Alles in allem? Dublin ist eine schöne Stadt, und ich könnte mir durchaus vorstellen, dort zu leben. Aber als Tourist? Ich hätte kaum gewusst, was wir mit einem zweiten Tag hätten anfangen sollen.