Wir befinden uns im Jahre 658. Um genau zu sein in England, am 6. November 658. Der
kleine Willibrord ist gerade auf die Welt gekommen. Natürlich war ich da noch nicht
dabei. Ich habe das nur gehört. Ich bin etwas später in sein Leben gekommen.
Die Mutter von Willibrord stirbt sehr früh. Er ist da noch ganz klein.

Willibrord kommt schon als kleines Kind in ein Benediktinerkloster. Wilgils, sein Vater,
vertraut ihn dort dem Abt Wilfrid an. Er soll Mönch werden und das Wort Gottes in alle
Herzen verkünden. Seine ganze Kindheit und Jugend verbringt Willibrord im Kloster. Er lernt sehr viel von Wilfrid.

Im Alter von 20 Jahren legt Willibrord einen Eid ab: „Ich schwöre dem Papst und der
Kirche, dass ich ihnen ewig treu sein werde.“

Und hier komme ich nun ins Spiel. Ich bin nämlich die Sandale von Willibrord.
Unsere erste Reise führt uns nach Irland. Willibrord begibt sich dort in ein irisches
Kloster, wo er mit einem Egbert und Wigbert zusammentrifft. Das sind auch Mönche.
Mittlerweile ist Willibrord schon 30 Jahre alt. Er wird zum Priester geweiht. Wie seine
beiden Freunde hat der junge Mönch nur ein Ziel. „Wir müssen ausziehen um den
Friesen das Evangelium zu verkünden. Um ihnen von Gott zu erzählen. Und von Jesus.
Was Jesus alles Gutes für die Menschen gemacht hat.“ Doch Egbert und Wigbert kommt etwas dazwischen und so können sie die Reise nicht unternehmen.

Die Zeit vergeht. Mittlerweile sind wir schon wieder 2 Jahre später. Endlich kann die
geplante Reise trotzdem unternommen werden. Ich bin ja schon so aufgeregt.
Es ist Herbst und wir befinden uns im Jahre 690. Willibrord und 11 Gefährten sind im
Begriff das Schiff zu laden: Trinkwasser und Lebensmittel, Bücher und sogar ein Altar.
Wofür sie das wohl brauchen?

Unsere Reise beginnt übers Meer. Oft geraten wir in heftige Stürme. Doch keinen
verlässt der Mut. Ihr fester Glaube gibt ihnen die Kraft nicht aufzugeben.
„Land in Sicht“, brüllt einer von ihnen. Endlich, ich dachte schon wir kommen nie an!

An Land angekommen, wenden wir uns an den Herrscher der Franken, an Pippin.
„Wir sind in friedlicher Absicht gekommen“, sagt Willibrord, „wir würden sehr gerne
überall das Evangelium verkünden.“ Jeder wartet die Reaktion von Pippin gespannt ab.
„Auf meine Hilfe und Unterstützung könnt ihr zählen!“ antwortet dieser. Alle sind
erleichtert.

Und wieder vergeht die Zeit. Der Sommer ist zu Ende. Wir befinden uns im Jahr 691.
Willibrord beschließt nach Rom zu reisen. Rom…wie es dort wohl aussieht! Er möchte
gerne den Papst aufsuchen. Ich frage mich allerdings, was er von diesem möchte.
Unsere Reise geht also weiter. Wir fahren den Fluss Rhein hinab bis nach Basel. Dort
gehen wir über die schneebedeckten Alpen. Es ist sehr kalt. Und endlich kommen wir an
in Rom. Willibrord hatte zuvor schon so oft von diesem wunderschönen Rom
gesprochen. Nun kann er es endlich bewundern. Und ich auch.

Wir werden vom Papst empfangen. „Komm näher“, sagt der Papst, „was kann ich für dich machen junger Missionar?“ Willibrord erzählt dem Papst sein Vorhaben. Dass er jedem das Evangelium verkünden möchte. Dass er sich an alle Menschen wenden will. An die Reichen und Armen, an die
Kranken und an die Sklaven. So wie Jesus es schon gemacht hat. Und Willibrord wird durchaus vom Papst für sein Vorhaben bestärkt.

So können wir uns wieder auf die Heimreise begeben. Auf dem Heimweg ziehen wir kreuz und quer durch die ganze Gegend. Willibrord und seine Freunde verkünden überall die Frohe Botschaft von Jesus Christus. Sie predigen, sie taufen Menschen. Sie verkündigen das Evangelium Jesus Christus, der am Kreuz gestorben ist und von den Toten auferstanden ist. Sie setzen sich ein für die Kranken, die
Armen und die Benachteiligten. Willibrord sagt den Menschen: „Durch den Glauben, den wir euch verkünden, sollen alle Menschen dieser Erde Brüder und Schwestern werden und Kinder Gottes.“

Die Jahre vergehen wie im Flug. Wir befinden uns im Jahre 695. „Pippin“, sagt Willibrord, „ich würde mich sehr gerne noch einmal nach Rom begeben.“ „Gut. Kannst du dem Papst bitte dieses Schreiben hier mitnehmen? Es ist sehr wichtig.“ antwortet Pippin. Und wieder begeben wir uns auf die Reise nach Rom.

In Rom liest der Papst das Schreiben von Pippin und sagt zu Willibrord: „Willibrord, Pippin macht mir hier einen Vorschlag. Er möchte gerne, dass du der Erzbischof von den Friesen wirst.“ Willibrord ist sehr überrascht aber auch sehr glücklich. Am 21. November 695 wird Willibrord in der Basilika des Heiligen Petrus zum Bischof geweiht. Er bekommt den Namen „Clemens“.

Lassen wir die Zeit noch ein wenig nach vorne drehen. In das Jahr 698. Willibrord und
ich sitzen auf einem dicken Stein. Ich frage mich was er nur hat. Er wirkt irgendwie total
unzufrieden. Moment, ich glaube er sagt etwas.

„Jetzt bin ich schon 40 Jahre alt. Es ist an der Zeit eine Schule zu gründen. Schließlich
soll die Frohe Botschaft ja weiter verkündet werden, auch wenn ich nicht mehr da bin.
Aber wo soll ich diesen Plan nur verwirklichen? Wo soll ich diese Schule nur bauen?“
Willibrord überlegt. Er erzählt Pippin von seinem Plan, und dieser hat eine Idee.
Und so kommt es, dass wir uns auf dem Weg nach Trier befinden. Wir besuchen die
Äbtissin Irmina. Das ist nämlich Pippins Schwiegermutter.

Wir werden sehr freundlich von Irmina empfangen. „Meine Familie besitzt ein Grundstück“, fängt Irmina an zu erzählen, „Um genau zu sein in Echternach. Dort habe ich eine Kirche und ein Kloster errichtet. Pippin hat mir erzählt du würdest einen geeigneten Platz suchen, um den Nachwuchs auszubilden. Willibrord, Echternach ist wie dafür geschaffen! Ab heute, dem 1. November 698 bist du stolzer
Besitzer meiner Ländereien in Echternach. Das Kloster und die Kirche gehören dir.“ Willibrord ist so froh und sagt: „Ich weiß gar nicht wie ich Ihnen danken soll.“

Wir machen uns sofort auf den Weg nach Echternach. Eine wunderschöne Landschaft.
Willibrord und seine Gefährten fangen sofort mit der Arbeit an. Wieder sind ein paar Jahre vergangen. Die Klosterschule ist fertig und bereit um junge Mönche auszubilden, die das Werk Jesu auf dem ganzen Kontinent weiterführen. Es wurde auch schon eine Schreibschule gegründet, wo die Evangelienbücher aus der Bibel abgeschrieben werden und mit schönen Bildern verziert werden.

Auch bei den darauf folgenden Missionsreisen von Willibrord bin ich immer dabei.
Manche Reisen sind gefährlich, andere weniger. Die ganze Zeit versuchen die Heiden das Christentum zu vernichten. Aber Willibrord lässt sich durch nichts unterkriegen.

Willibrord ist mittlerweile schon ziemlich alt. Er hat ja jetzt auch gut für den Nachwuchs
gesorgt, dass diese die Frohe Botschaft von Jesus Christus weiter verkünden. Jetzt kann
er sich also ruhig zurückziehen. Er gibt seinen Bischofsstab ab. Willibrord möchte jetzt
nur noch als einfacher Mönch in seinem beliebten Echternach leben. Auch mich hat er in eine Ecke gestellt. Lange Reisen unternehmen wir schon lange nicht mehr.

Ja, Willibrord ist wirklich alt geworden. Das macht mich sehr traurig, und ich habe es
kommen gesehen. Am 7. November 739 stirbt Willibrord im Alter von 81 Jahren. Diese
schreckliche Nachricht wird in alle Himmelsrichtungen verbreitet. Auch für mich, seine
Sandale, ist diese Nachricht ganz schrecklich. Ich habe soviel Zeit mit ihm verbracht. Ich
habe sehr viele Reisen mit ihm unternommen. Wir beide sind durch dick und dünn
gegangen, durch gute und schlechte Zeiten. Willibrord wird zuerst in einem einfachen Bodengrab hinter dem Hauptaltar seiner Abteikirche begraben. Von überall her kommen Gläubige um am Grab von Willibrord zu beten.

Heute liegt Willibrord in der Krypta in einem Sarg aus Stein. Rundherum wurde ein
Monument aus Marmor gebaut. Auch heute noch kommen sehr viele Menschen nach Echternach, um Willibrord zu verehren.

(Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Isabelle Madenach und www.cathol.lu – herzlichen Dank für die Genehmigung)