In Seeth, bei Friedrichstadt, wohnten einmal zwei Brüder. Der eine war reich, der andere arm. Der reiche war kinderlos, aber der arme war gesegnet mit sieben Kindern, für die er oft nicht wusste, wo das Brot hernehmen. Eines Tages kam die Mutter mit ihnen vor des reichen Oheims Thür und baten um Brot. Aber die Frau, die gerade alleine zu Hause war, war ein hartherziges Weib, schnauzte sie an und sprach: „Was ziehst du herum wie eine Sau mit ihren Ferkeln? Schäme dich, du bekommst von mir nichts." Verzweifelnd ging die Mutter mit ihrem Häuflein davon. Als abends nun der reiche Mann nach Hause kam und sich ein Stück Brot abschneiden wollte, da quoll Blut unter dem Messer hervor und das Brot war zu Stein geworden. Entsetzt sprach er zu seiner Frau: „Dies Zeichen bedeutet etwas; es ist heute Böses in unserem Hause geschehen."

“Davon weiß ich nichts," antwortete die Frau, „nur die Schwiegerin war hier mit ihren sieben, die habe ich abgewiesen." "Du musst doch Sünde mit gethan haben," sagte der Mann und eilte nach dem Hause seines Bruders. Er fand unten niemanden, wie er aber auf den Boden kam, hiengen da unter dem Dache sieben Leichen, die Mutter und sechs von den Kindern. Nur der älteste Sohn war entflohn und so dem entgangen, was die Mutter den anderen Kindern angethan. Man konnte ihnen kein ehrlich Begräbnis geben, da sie auf diese Weis zu Tode gekommen waren; darum grub man alle sieben Leichen eben draußen vor dem Dorfe an der Landstraße ein, legte aber zum ewigen Gedächtnis einen Stein darauf, den man noch heute zeigt. Seine Inschrift aber ist jetzt schon ganz verwittert: ‚Durch Herrn Tamsen in Tondern’

(In: Müllenhoff, Karl – Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig Holstein und Lauenburg. Kiel 1845, S. 546-547)