‚Hohe Domkirche St. Petrus und Maria‘ so lautet der offizielle Name der wohl bekanntesten deutschen Kirche. Und er ist noch vor Heidelberg und Neuschwanstein die populärste Sehenswürdigkeit in Deutschland.

Noch ein paar Superlative? Es ist mit rund 157 m die zweithöchste Kirche in Deutschland (nach dem Ulmer Münster, 161 m) und die dritthöchste der Welt (Yamoussoukro, Elfenbeinküste, 158 m). Es ist die drittgrößte gotische Kathedrale der Welt (Sevilla und Mailand) und jährlich besuchen weit über 6 Millionen Menschen den Dom. Das Chorgestühl mit 104 Plätzen und den reservierten Plätzen für Papst und Kaiser ist das größte in Deutschland. Die Bauzeit, nein, die Zeit von der Grundsteinlegung bis zur Fertigstellung, ist auch rekordverdächtig: 1248 bis 1880 gleich 632 Jahre. Und schließlich ist der "Dicke Pitter", die 1924 aufgehängte 24 Tonnen schwere St. Petersglocke, die größte freischwingende Glocke der Welt.

 

Geschichte: Am 15. August 1248 wurde mit dem Bau des ‚Neuen Domes‘ in Köln begonnen. Nachgewiesen an seiner Stelle ist ein Bau mit kirchlicher Nutzung seit dem frühen 6. Jh., davor stand an dieser Stelle, ca. 250 m vom Rhein entfernt, ein langer Bau mit abschließender Nische (Apsis). Und noch früher sind archäologisch römische Wohnhäuser nachgewiesen.

Die Heiligen- und Reliquienverehrung des Mittelalters machten Köln schon früh zu einem ganz besonderen Wallfahrtsort. Neben all den anderen Reliquien wurde im Alten Dom das sogen. Gerokreuz verehrt, die erste Darstellung des leidenden, schmerzentstellten Christus. Heute handelt es sich übrigens um das älteste erhaltene Großkruzifix nördlich der Alpen. Es war von Erzbischof Gero gestiftet worden und dem Kreuz wurden wundertätige Heilungen zugesprochen. Als dann 1164 Rainald von Dassel die Reliquien der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Rom brachte, begannen die Überlegungen, ein größeres, schöneres und imposanteres Gotteshaus zu bauen. 1225 wurde diese Überlegungen konkreter, Pläne erstellt und schließlich gab das Domkapitel ab 1248 die Bahn frei für den Bau der neuen Kathedrale nach dem Vorbild des französischen Amiens. In dieser Zeit war Köln eine einzige Baustelle. Während noch die letzten Arbeiten an manchen romanischen Kirchen abgeschlossen werden mussten, entstanden zu Beginn des 13. Jh. schon die ersten gotischen Kirchen in der Stadt. Die Kathedrale der einflussreichsten und mächtigsten Erzbischöfe im Reich, die auch fast alle Berater und hohe Beamte der Kaiser und Könige waren, sollte größer und prächtiger werden, als alle anderen Bauwerke.

Im Zentrum des Chores wurde der Dreikönigenschrein, die größten mittelalterliche Goldschmiedearbeit Europas, eingeplant. Ja, man baute die riesige Kathedrale, die im Mittelalter gut 8.000 Gläubigen Platz bot (heute, durch die ‚moderne‘ Ausstattung mit Kirchenbänken, immerhin auch noch 4.000 Menschen) um den Dreikönigenschrein herum. Und wenn Sie jemals Gelegenheit haben sollten, die Osternachtsmesse im Kölner Dom zu mitzufeiern (ich hatte diese Gelegenheit 2008 bei der Recherche zu dem Pilgerwanderführer "Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels") dann werden auch Sie spätestens beim ‚Gloria‘ erleben, wie sehr der Dreikönigenschrein auch heute noch das Zentrum des Domes ist. Denn wenn die Botschaft "Christus ist auferstanden" verkündet wird und die Lichter in der Kirche wieder angehen, ist es zuerst der Dreikönigenschrein, der im österlichen Licht erstrahlt.

Schon oben habe ich erwähnt, dass nicht der Erzbischof, sondern das Domkapitel Bauherr der Kathedrale war. Die Macht des Erzbischofs in Köln nahm im Laufe des 13. Jh. immer mehr ab, bis schließlich nach der Schlacht von Worringen Köln quasi zur Reichsstadt wurde und der Erzbischof nur noch mit Erlaubnis des Magistrates und nur zu religiösen Handlungen in die Stadt durfte. Das Domkapitel sorgte dafür, dass der Bau eifrig voranschritt. Der Chor wurde 1322 geweiht, 1418 wurde die erste Glocke, die Dreikönigenglocke, geweiht. Aber dann, gegen Ende des 15. Jh., ließ die Bautätigkeit langsam nach. Die letzte Nachricht vom Baufortschritt finden sich 1528 in den Urkunden. Mit der Reformation und deren Einfluss auf Ablasshandel und Pilgerreisen floss das Geld auch nicht mehr so reichlich – es gab erhebliche finanzielle Probleme.

Rund 300 Jahre war das Bild Kölns von dem unfertigen Dom geprägt. Der Domkran, ein mit Treträdern betriebener Kran auf dem Südturm, wurde zum Wahrzeichen der Stadt. Der deutsche Nationalismus und die damit verbundene romantische Begeisterung für das Mittelalter führten dazu, dass die wiederentdeckten mittelalterlichen Fassadenpläne des Kölner Domes auf großes öffentliches Interesse stießen. 1842 war die Finanzierung durch den preußischen Staat und durch den international agierenden Dombau-Verein sichergestellt und konnte fortgesetzt werden. Nur die Fassaden des Querhauses, für die keine mittelalterlichen Pläne vorlagen, ist eine Kreation des 19. Jh. – ansonsten ist der Dom nach gotischen Plänen beendet worden. Am 15. Oktober 1880 wurde die Beendigung des Dombaus mit Kaiser Wilhelm I. gefeiert. Da sich aber der Erzbischof in Verbannung befand -es war die Zeit des Kulturkampfes (vereinfacht gesagt wollte Bismarck den Einfluss der Kirche aufheben – und die Kölner eh‘ seit jeher ein gespanntes Verhältnis zur (staatlichen) Obrigkeit haben, blieben viele Bürger der Feier mit dem protestantischen Kaiser fern.

 

Gottesdienst-Zeiten:  In der Regel finden an Werktagen die Gottesdienste um 6:30 h, 7:15 h, 8:00 h, 9:00 h, 12:00 h (Mittagsgebet), 18:00 h (Rosenkranzandacht) und 18:30 h statt. An Sonntagen sind die Zeiten um 7:00 h, 8:00 h, 9:00 h, 10:00 h, 12:00 h, 17:00 h, 18:00 h (Rosenkranzgebet) und 19:00 h.

 

Ausstattung: Wieviel Zeit wollen Sie für die Besichtigung des Kölner Domes einplanen? Ein kurzer Rundgang? Dann ist diese Beschreibung des Inneren genau das Richtige für Sie! Oder bringen Sie ein wenig mehr Zeit mit? Dann können Sie auf der Internetseite www.koelner-dom.de sehr detaillierte Informationen finden und sich Ihren eigenen Rundgang zusammenstellen. Wenn Sie richtig viel Zeit haben, dann schlage ich Ihnen vor, einen wirklich guten Domführer zu kaufen. Jede Buchhandlung bietet eine breite Auswahl. Oder Sie nehmen an den Dom-Führungen des Dom-Forum teil. Diese finden Montag – Freitag von 10 – 18:30 h statt, Samstag und Sonntag von 10 – 17 h. Für Blinde und Sehbehinderte gibt es spezielle Führungen und ein Reliefbuch zur eigenständigen Erkundung.

 

Für ganz eilige Jakobspilger:

Am Petersportal (südliches Seitenportal der Westfassade) –  einziges der 12 Portale, das noch aus dem Mittelalter stammt – stehen die 12 Apostel aus den Jahren 1370 bis 1380. Fünf der großen Figuren sind noch alt (die anderen wegen Verwitterung durch Steinguß ersetzt), darunter auch auf der linken Seite die Figur des heiligen Jakobus d.Ä. mit der Jakobsmuschel in der Hand.

In der Nähe des Clarenaltares im nördlichen Seitenschiff steht eine Holzskulptur aus dem 19. Jh. des Apostels.

Im Chorumgang befinden sich sieben Altarnischen. Die 2. von links war früher die Jakobuskapelle. Hier entdecken Sie das Jakobusfenster aus dem Jahr 1330. Drei Szenen aus der Jakobuslegende werden dargestellt: das Verhör durch König Herodes, die Taufe des Schergen auf dem Weg zur Hinrichtung und die Enthauptung von Jakobus d.Ä. und dem getauften Schergen. Der Kreuzigungsaltar mit der geschnitzten Kreuzigungsgruppe stammt aus der Zeit um 1500. Der Apostel Jakobus ist mit seinen Attributen Pilgerstab und Jakobsmuschel in das obere Fach des linken Innenflügels gemalt. Die anderen Darstellungen zeigen im Uhrzeigersinn: Stephanus, Laurentius und Johannes der Täufer.

Die anderen Jakobusdarstellungen sind nur gegen Eintritt oder im Rahmen einer Führung zugänglich.

In der Schatzkammer befindet sich die Grabplatte (Epitaph) des 1518 gestorbenen Jakob von Croy.

Im Hochchor finden sich gleich drei Darstellungen des Apostels. Als Pfeilerfigur aus dem Ende des 13. Jh. findet sich der Apostel Jakobus als überlebensgroße Steinfigur am nordöstlichen Pfeiler des Binnenchores. An dem Pilgerstab ist er gut zu erkennen. An der Front des Hochaltares ist er in der Reihe der 12 Apostel in Marmor angebracht. Und schließlich erkennen Sie den sitzenden Jakobus d.Ä. an der Kathedrale von Santiago de Compostela als Dritter von links in der unteren Reihe.

 

Und jetzt zu einigen ausgewählten Höhepunkten des Kölner Domes.

 

Beginnen wir mit einer kurzen Beschreibung des Klaren-Altares im nördlichen Seitenschiff. Der Flügelaltar stammt aus den Jahren 1350/60 und stand ursprünglich in der Franziskanerinnenkirche St. Clara. Im Zuge der Säkularisation kam er Anfang des 19. Jh. in den Dom. Die zwei doppelten Flügel lassen drei unterschiedliche Öffnungen und damit Darstellungen zu. Schon um 1400 wurden Teile des prunkvollen Altars dem Zeitgeist angepasst. Röntgenaufnahmen haben z.B. ergeben, dass das Jesuskind auf der Tafel mit der Anbetung durch die Heiligen Drei Könige ursprünglich einmal angezogen war – heute sehen wir es nackt. Die mittelalterliche Malerei auf den äusseren Tafeln wurde wohl aus Unkenntnis im 19. Jh. entfernt und dann neu aufgebracht. An Sonn- und Feiertagen ist die Tabernakeltür zu sehen, die eine Legende um den St. Martin zeigt. Weil dieser nämlich kurz vor der heiligen Messe einem Bettler sein Gewand geschenkt hatte, musste er während des Gottesdienstes ein zu kleines Gewand tragen. Während der Wandlung (für die Nicht-Katholiken: Brot und Wein verwandeln sich in Fleisch und Blut Christi) zeigt St. Martin nun seine nackten Arme. Darauf erschien ein Feuerball (und Engel), die seine Arme mit edelsteingeschmückten Ketten verdeckten. Normalerweise werden Sie den kostbaren Altar in geschlossenem Zustand sehen. Dann sind verschiedene Heilige zu sehen; in der linken, oberen Reihe ist der Dritte von links Franz von Assisi, dargestellt mit seinen Wundmalen und einem Kreuz.

Wenn Sie jetzt in Richtung Chorumgang weitergehen, kommen Sie zur Kreuzkapelle mit dem Gero-Kreuz. Es ist das älteste erhaltene Monumentalkreuz im nördlichen Europa. Erzbischof Gero (gestorben 976) hat das Kreuz gestiftet. Der Marmoraltar und der goldene Strahlenkranz stammen aus dem Ende des 17. Jh. Fast alle früheren Darstellungen zeigen Christus am Kreuz als Sieger über den Tod. Bei diesem Kreuz ist es anders. Zwar verfälscht die neue Farbe aus dem Beginn des 20. Jh. ein wenig, aber deutlich sind die geschlossenen Augen des Verstorbenen zu erkennen. Jesus wird also im Moment seines Todes dargestellt. Die Ausdruckskraft dieses Körpers und des Gesichts, das Werk des Künstlers aus dem 10. Jh. ist auch heute noch bewundernswert.

Weiter im Chorumgang ist die 1814 in Darmstadt und 1816 in Paris wiederentdeckte Rißzeichnung der Westfassade aus dem Mittelalter ausgestellt. Die Wiederentdeckung führte dazu, dass im 19. Jh. die Arbeiten am Dom wieder aufgenommen wurden. Erstaunlich ist die Genauigkeit und die Größe, in der dieser Riß ausgeführt wurde.

In der Marienkapelle steht der Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner. Es ist das bedeutendste Werk der spätgotischen Kölner Malerschule und um 1442 entstanden. Ursprünglich stand er in der Ratskapelle und wurde nach deren Profanisierung in den Dom gebracht. In der Advents- und Fastenzeit werden, wie auch schon vor über 500 Jahren, die Flügel geschlossen. Der geschlossene Altar zeigt die Verkündigung durch den Engel an Maria. Geöffnet sind die Kölner Stadtpatrone dargestellt. Die heilige Ursula, ihre Gefährtinnen, der heilige Aetherius (Verlobter der heiligen Ursula), die Thebäische Legion mit St. Gereon und schließlich die Heiligen Drei Könige. Die Kunstfertigkeit Lochners, die sich nicht nur in der Darstellung der großen Figuren widerspiegelt, sondern gerade auch in den vielen Details, rechtfertigen es sicher, wenn Sie sich viel Zeit für die Betrachtung nehmen.

Die Mailänder Madonna ist das älteste gotische Stück im Dom. Erzbischof Rainald von Dassel brachte mit den Heiligen Drei Königen eine Marienskulptur aus Mailand mit, die aber beim Brand des Alten Domes untergegangen zu sein scheint. Als Ersatz wurde in Köln 1280/90 diese Madonna geschaffen und ‚Mailänder Madonna‘ genannt. Die Farbe, Zepter und Krone  stammen von einer Restaurierung um 1900.

1350 qm groß ist das Fußbodenmosaik, das den gesamten Chorraum bedeckt. Das 1899 fertiggestellte Mosaik zeigt drei große Themen. Im Chorumgang wird die Geschichte des Erzbistums durch die Namen und Wappen der Erzbischöfe dargestellt, in der Vierung zeigt es den Kosmos (leider unter einem Podest verborgen) und im Innenchor dann den Menschen und die christliche Weltordnung.

Aus Köln, Lothringen und Paris stammten die Zimmerleute und Holzschnitzer, die an dem gewaltigen Chorgestühl gearbeitet haben. Es gehört zu den größten erhaltenen Chorgestühlen des Mittelalters und eine Altersbestimmung des Holzes hat ergeben, dass es zwischen 1308 und 1311 entstanden ist. Nicht nur die 51 Domherren und ihre Vertreter fanden im Gestühl Platz, sondern auch geistliche und weltliche Besucher. Die Besonderheit sind die zwei reservierten Plätze für den Papst und den Kaiser. Die vielen Details haben mich schon als Kind gleichzeitig fasziniert und erschreckt. Besonders die Darstellung der ‚Judensau‘ (Wangen auf der linken Seite) machte mich nach der ausführlichen Erklärung durch einen Lehrer betroffen. Der unverhohlene Antisemitismus des Mittelalters, der hier durch den Umgang der Juden mit dem als unrein geltenden Schwein und dem angedeuteten Ritualmord an einem Knaben gezeigt wird, hat sich in Progromen in späteren Jahren so oft wiederholt. Und fand schließlich seinen Höhepunkt in den Jahren 1933 – 1945. Möge Gott, Jahwe, Allah in Zukunft verhüten, dass sich Menschen in seinem Namen so grausam gegenüber anderen Menschen zeigen.

Das Neue Testament berichtet uns von Königen oder Magiern aus dem Orient, die einem Stern folgten, der die Geburt eines Königs anzeigte. Um dem neuen Herrscher zu huldigen machten sie sich auf den Weg und finden in Bethlehem das Jesuskind. Diesem haben sie kostbare Geschenke mitgebracht: Gold, Weihrauch und Myrrhe. In der Legende heißen die Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, findet während ihrer Pilgerreise nach Jerusalem einer anderen Legende zu Folge die Gebeine der Heiligen Drei Könige und bringt sie nach Mailand. Der Kölner Erzbischof Reinald von Dassel bringt einen Teil der Gebeine nach einem Kriegszug aus Mailand mit. Heute sind die Reliquien teilweise in Mailand und teilweise in Köln.

Unter den vielen Reliquien und kunstvollen Reliquienbehältnissen im Dom selbst und in der Schatzkammer ist der Dreikönigenschrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige, des heiligen Gregor von Spoleto und der Märtyrer Felix und Nabor, der größte, künstlerisch bedeutendste und wertvollste. Es ist die größte erhaltene mittelalterliche Goldschmiedearbeit. Seit jeher im Binnenchor aufgestellt (geplant war eigentlich, ihn in der Vierung aufzustellen) bildet er das Zentrum des mittelalterlichen und neuzeitlichen Domes. Die Kathedrale erscheint als das, wofür sie geplant und gebaut wurde: den Heiligen Drei Königen einen würdigen Ort zu schaffen. Zwischen 1190 und 1220 wurde dieses Meisterwerk von Kölner und Maasländischen Goldschmieden aus Gold, Silber, Edelsteinen, Halbedelsteinen, Gemmen und Kameen, feuervergoldeten Figuren und emailüberzogenen Säulen geschaffen. Wie bei so vielen Kunstwerken und spirituellen Höhepunkten in dieser Kirche ist es auch beim Dreikönigenschrein müßig, den Versuch einer Beschreibung im Rahmen des Pilgerwanderführers zu starten. Deshalb an dieser Stelle nur eine Kurzbeschreibung der vier Seiten.

Die Frontseite wurde 1200 von König Otto IV. gestiftet. Sie besteht aus reinem Gold und ist mit antiken Gemmen und Kameen, schon im Mittelalter wertvolle Sammlerstücke, geschmückt. Durch das Gitter sind die Schädel der Heiligen Drei Könige zu sehen. Die Pilger konnten Zettel erwerben, die mit einer Zange an die Gebeine gehalten wurden, und diese dann als Pilgerzeichen mit nach Hause nehmen. Die Jakobsmuschel der Santiago-Pilger hatte und hat ähnliche Bedeutung. Wobei die Muschel kein Berührungsreliquiar ist.

Auf der Davidseite stehen der König, die Propheten und die Apostel im Vordergrund. König und Propheten sind um 1190 in der Werkstatt von Nikolaus von Verdun entstanden. Nikolaus von Verdun gilt als der bedeutendste Goldschmied des Mittelalters.

Auch die Propheten der Salomonseite stammen aus der Werkstatt des Nikolaus von Verdun. Die Apostel auf beiden Längsseiten sind wenig jünger, kommen aber auch einer Kölner Werkstatt. Dieses Figuren sind statischer, d.h. ruhiger, weniger fliessend, sondern eher starr. Dies entspricht dem neuen romanischen Stil um 1200.

Die Rückseite stellt hauptsächlich im unteren Teil die Leidensgeschichte Jesu dar. Darüber erkennt man den göttlichen Christus, der die ebenfalls im Schrein beigesetzten Märtyrer Felix und Nabor krönt. Auch die Gebeine dieser beiden Heiligen wurden von Reinald von Dassel (im Feld zwischen Kreuzigung und Märtyrerkrönung dargestellt) aus Mailand nach Köln überführt. In den darüberliegenden Feldern sind die drei christlichen Tugenden aufgeführt. Sie stehen für Glaube, Hoffnung und Liebe.