Rhein-Kreis Neuss

Dem Neusser Camino auf der Spur

VON JENS KRÜGER

Karl-Josef Schäfer hat selbst 20 Jahre in Neuss gelebt. Seit er Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ gelesen hat, zieht es ihn auf die Pilgerpfade. fotos: l. strommen

 

 

rhein-kreis neuss Wo sich heute der nackte Asphalt der B9 wie ein Bindfaden von Neuss über Köln und Andernach nach Koblenz zieht, wo motorisierte Blechkolonnen binnen weniger Stunden das Rheinland durchqueren, schlängelten sich im Mittelalter Keltenwege und Römerstraßen. Es war ein beschwerlicher Weg auf jenen Trampelpfaden, die immerhin begehbarer waren, als die versumpften Flusstäler entlang des Rheins. Und doch nahmen schon vor hunderten Jahren Gestalten den Weg auf sich, nicht Wegelagerer oder Banditen, sondern Gläubige auf dem Weg ins nordspanische Santiago de Compostela.

Geht es nach Karl-Josef Schäfer, Profi-Pilger, Jahrgang 1956, ist die Strecke, die am Quirinusmünster beginnt, das Teilstück eines Jakobsweges, der zum Grab des Heiligen Jakobus führt. Nun hat Schäfer, der 20 Jahre in Neuss lebte, und dessen Familie noch immer in der Quirinusstadt und in Meerbusch wohnt, ein Buch über den „Rhein-Camino“ geschrieben. Schäfer beschäftigt sich schon lange mit den Jakobswegen. Feuer gefangen hat er aber erst nach der Lektüre eines Buches, dessen Autor bevorzugt als dicklicher, Dornkaat trinkender Reporter des „Grevenbroischer Tagblatt“ in Erscheinung tritt.

„Meine Frau hat mir ,Ich bin dann mal weg’ von Hape Kerkeling zu Weihnachten geschenkt, ich habe es in einer Nacht verschlungen, danach hat sie es gelesen“, erzählt Schäfer. Der Rest, könnte man sagen, ist Geschichte. Schon am nächsten Morgen ist das Ehepaar aufgebrochen, mit den Hunden, untrainiert entlang der Lahn, 25 Kilometer über hügeliges Gelände von Weilburg nach Villmar. Mit der Bahn sind sie zurück zu ihrem Heimatort gefahren.

„Als wir am Bahnhof standen haben wir nicht mehr gewusst, wie wir nach Hause kommen sollten“, sagt Schäfer. So kaputt seien sie gewesen. Das ist nun zwei Jahre her.

Inzwischen wirkt Schäfer, als würde er die Strecke vor dem Frühstück zurücklegen. Hunderte Kilometer hat er inzwischen per pedes zurückgelegt, zum vergangenen Osterfest den „Rhein-Camino“ in Angriff genommen. Vom Haus des Vaters in Neuss ist Schäfer mit Frau und Tochter zur ersten Etappe nach Worringen bei Schnee und Regen gestartet. Schäfer bricht am liebsten während der kalten Jahreszeit auf.

„Im Moment ist viel los auf den Jakobswegen“, sagt der Weilburger, der auf seinem einwöchigen Weg in Pilgerherbergen, Privatunterkünften oder Jugendherbergen übernachtet hat. Schlafplätze zu finden ist allerdings nicht immer einfach.

Info

Buchtipp

Buchtipp

„Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels – Der Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino“ erscheint im September und kann unter rhein-camino@xschaefer.de vorbestellt werden kann. Das Buch erscheint bei BoD, Norderstedt, ISBN 978 383 706 0102.

„Das Netz ist dünn“, sagt Schäfer. Und in seinem Buch werden nur Unterkünfte vermerkt die maximal 50 Euro für zwei Personen kosten – inklusive Frühstück. Er hat auch Fotos auf seiner Homepage (www.xschaefer.de) gestellt. Winterliche Felder sind darauf zu sehen, kahle Bäume und spartanische Jugendherbergsbetten. Nach Sonntagsspaziergang sehen die Bilder nicht aus. Doch das war es in den vergangenen Zeiten schließlich nicht anders. Doch warum ist er sich so sicher, dass auch Neuss ein Fixpunkt für die Pilger war?

Auch Zons ist eine Etappe des siebentägigen Rhein-Caminos.

Der Expertenrat der Jakobusgesellschaft habe herausgefunden, dass die Pilger schon früh Hauptachsen an Rhein, Mosel und Lahn genutzt hätten. Es gibt Belege dafür: Urkunden, Rechnungen. Alleine auf der Strecke des Rhein-Camino von Neuss nach Koblenz gebe es mehr romanische Kirchen, als am gesamten spanischen Jakobsweg. „Und nicht jeder Gläubige ist nach Santiago de Compostela gegangen“, sagt Schäfer. Es gab auch Menschen, die aus dem Umkreis zum Quirinusmünster gegangen sind. Bei einer Bevölkerung von 4000 Einwohnern in Neuss waren oftmals 6000 Pilger zusätzlich in der Stadt.

„Die sind dann auf der Empore des Münster untergebracht worden“, sagt der Pilger. Ihn selbst zieht es in die Ferne. Im Oktober will er nach Rom aufbrechen, drei Monate hat er für die Reise angesetzt; später sollen die Etappenziele Istanbul und Jerusalem folgen. Dann ist er nicht nur Karl-Josef Schäfer, sondern auch ein Wanderer auf den Wegen des Herren. Ein Wanderer? Ein Pilger! „Der Wanderer kommt am Ziel an und bestellt ein Bier“, sagt Schäfer, „der Pilger geht in die Kirche und fährt runter.“

 

 

Schäfer, Karl-Josef: Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stzolzenfels – Der Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino