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Seniorenblatt – Auf dem Weg

Auf dem Weg

Geschichte - Kultur - Spiritualität

Kategorie: Seniorenblatt

Kult(o)ur in Weilburg – Rosenhang Museum

Antja Helbig vor den großformatigen Werken von Prof. Grimmek, Foto Margit Bach

Antja Helbig vor den großformatigen Werken von Prof. Grimmek, Foto Margit Bach

(Weilburg, im Juli 2018, KS) „Kunst für alle“ überschreiben Antje Helbig und Joachim Legner ihr Projekt moderne Kunst im historischen Ambiete einer ehemaligen Bierbrauerei in der mittelhessischen Provinz. Damit sind sie erfolgreich. Die Legner-Sammlung umfasst Werke von Elvia Bach, Gerhard Richter, Markus Lüppertz und vielen anderen Künstlern, deren Namen in aller Munde sind. Sonderausstellungen, so wie jüngst die großformatigen Fotos des Kabarettisten Dieter Nuhr, ergänzen das museale Erlebnis, bringen die Besucher immer wieder nach Weilburg ins Rosenhang Museum. Eine Galerie mit Kunstwerken zu erschwinglichen  Preisen ist in Zusammenarbeit mit dem Berliner Galeristen Michael Schultz, der auch Vorsitzender des im Januar 2017 gegründeten Nassauischen Museumsverein zu Weilburg e.V. ist, angegliedert.

Doch was kann über ein neues Museum in Weilburg an dieser Stelle geschrieben werden, was nicht schon irgendwo an anderer Stelle geschrieben wurde?

Lassen Sie uns den Versuch wagen, diesen Beitrag zu kuratieren. So zu kuratieren, wie ein Museum Kunstwerke kuratiert, zusammenstellt. Wir nehmen Beiträge aus unterschiedlichen Quellen, stellen diese neu zusammen und berichten damit außergewöhnlich über ein außergewöhnliches Museum.

Was ist eigentlich das Rosenhang Museum?

Ein gutes Bier zu brauen war und ist eine Kunst. Was liegt also näher, als eine historische ehemalige Brauerei in ein Haus für die Kunst zu verwandeln.

In der ehemaligen Brauerei August Helbig in Weilburg entstand auf vier Stockwerken das auf zeitgenössische Kunst ausgerichtete Rosenhang Museum. Alte Elemente der früheren Brauerei wurden restauriert und in den Neubau integriert, so dass ein energievolles Spannungsfeld entstand.“ (www.rosenhangmuseum.de)

„Das Rosenhang-Museum ist ein im Juni 2017 eröffnetes Museum für zeitgenössische Kunst in der mittelhessischen Stadt Weilburg an der Lahn. Gegründet wurde es vom Ehepaar Antje Helbig und Joachim Legner, Mitinitiator war der internationale Galerist Michael Schultz (Berlin), der auch der Vorsitzende des Nassauischen Museumsvereins Weilburg ist. Das Museum befindet sich auf den drei Etagen (2000 m²) eines zum Teil neu aufgebauten historischen Brauereigebäudes, der ehemaligen Brauerei Helbig, und beherbergt die Sammlung Legner. Diese umfasst Werke in Deutschland arbeitender zeitgenössischer Künstler, wie etwa Christopher Lehmpfuhl, Cornelia Schleime, Elvira Bach und SEO sowie Gerhard Richter, Markus Lüpertz und Stephan Balkenhol. (www.wikipedia.org)

„Auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei sollen Werke nationaler und internationaler Künstler ausgestellt und Ateliers eingerichtet werden, wie das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Wiesbaden mitteilte. Kulturminister Boris Rhein (CDU) besuchte am Mittwoch die Sammler Antje Helbig und Joachim Legner, die den Ausbau des Museums auf ihrem Grundstück leiten, und den von ihnen gegründeten „Nassauischen Museumsverein zu Weilburg“. Neben einer Ausstellung von 300 Werken auf vier Etagen sind Atelierräume für Stipendiaten geplant. Das Museum soll im Juni 2017 eröffnen.“ (www.fokus.de)

Was bringt es mir, das Museum zu besuchen?

„Persönliche Bereicherung“, sagt Helbig. „Alle, die bisher hier waren, waren total geflasht.“ Weil das Museum deutlich größer ist als es aussieht. Weil hier keiner Werke von Künstlern wie Gerhard Richter oder bald Andy Warhol erwartet. Weil nicht nur die Werke sprechen, sondern auch die Räume, denen man ansieht, dass sie früher ein Silo, ein Bier-Lager oder eine Abfüll-Halle waren. „Wir wollen zeitgenössische Kunst erlebbar machen, auch durch die Verbindung zum Gebäude“, sagt Legner. 13 Räume gibt es, sie alle sind unterschiedlich groß, hoch und hell. Galerist Michael Schultz habe wochenlang überlegt, wo und wie welches Kunstwerk hängen soll. Jetzt wandert man vom Ex-Silo voller schreiender Farben ins ehemalige Brau-Stüberl, wo sanfte, impressionistische Farbtöne dominieren, schaut mit Figuren von Stephan Balkenhol auf Bilder von Gerhard Richter oder kommt im ehemaligen Bier-Lager bei den riesigen Klangglocken der koreanischen Künstlerin SEO zur Ruhe.“ (Nassauische Neue Presse, 8. Juni 2017)

Was macht der Kabarettist Dieter Nuhr im Rosenhang Museum?

„Seine detaillierten Beobachtungen mit der Kamera machen Dinge sichtbar, die meist eher ungesehen bleiben. Dieter Nuhrs Bilder von Orten, Interieurs und Dingen des alltäglichen Lebens, oft hinterlassene Gegenstände, die auf den ersten Blick wenig bildwürdig erscheinen, eröffnen einen sachlichen und dennoch oft melancholischen Blick auf die Rätselhaftigkeit des Daseins.“ (www.presseportal.de)

Was gibt es sonst noch zu sehen?

„Immer wieder begegnen dem Besucher im Museum die Skulpturen Balkenhols, darunter ein »Mann mit Rose«, zwei Ringer und ein riesiger Thron. Einen ganzen Raum füllt die Klanginstallation »Das Gefühl in meinem Inneren« der koreanischen Künstlerin Seo aus – mit mehreren riesigen Glocken.

Der Charakter der ehemaligen Brauerei blieb im Gebäude erhalten. Eines der größten Werke musste in den ersten Stock gehoben werden, bevor in das ehemalige Malzlager ein Treppenhaus mit Aufzug eingebaut wurde. Als bunter Blickfang steht dort der rund fünf mal zwei Meter große »Porcelain Car« des chinesisches Künstlers Ma Jun.

Nur wenige Meter weiter ist viel Platz für die farbenfrohen Gemälde von Elvira Bach, die überlebensgroßen Porträts von Cornelia Schleime und impressionistischen Werke Christopher Lehmpfuhls, der als Pleinair-Maler unter freiem Himmel arbeitet und die Farbe als dicke Schicht mit den Händen aufträgt. Markus Lüpertz ist mit düsteren Ölgemälden, aber auch mit einer farbenfrohen Skulptur der Bremer Stadtmusikanten vertreten.“ (www.giessener-allgemeinde.de)

Wie geht es weiter mit dem Rosenhang?

„Im Besonderen wird sich der Verein in der Organisation und Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen zu den Themen „Kunst und Kultur“ engagieren und regelmäßige Kolloquien in Weilburg abhalten. Zum festen Programm gehören dabei die zu initiierenden „Weilburger Gespräche“, in denen angesehene Persönlichkeiten Kulturpolitische und Bildungspolitische Themen öffentlich diskutieren. Weilburg rückt somit durch diese Initiativen in den Mittelpunkt nationaler Kulturpolitik.“ (www.rosenhangmuseum.de)

 

Rosenhang Museum
Ahäuser Weg 8-10
35781 Weilburg / Lahn

Öffnungszeiten

– Di-So 10-18 Uhr und nach Vereinbarung
– barrierefreier Zugang
– kostenlose Parkplätze

Eintrittspreise

Erwachsene: 12 €
Kinder (6-16 Jahre): 6 €
Familien (2 Erw. mit eigenen Kindern): 24 €
Gruppen (ab 10 Personen): 9 € pro Person
Schulklassen (ab 10 Kinder): 5 € pro Person
Mitglieder des Nassauischen Museumsvereins zu Weilburg e.V.: Eintritt frei

Blick nach Gießen – Gustav Bock und seine Gießener Kunststiftungen

(Weilburg, im Juli 2018, KS) Nach einer umfassenden wissenschaftlichen Aufarbeitung werden in einer Sonderschau im Alten Schloss die Kunststiftungen Gustav Bocks (1857-1938) gezeigt. Der Gießener Zigarrenfabrikant und Bruder des bekannten Schriftstellers Alfred Bock zog 1887 nach Berlin, wo er in 30 Jahren eine umfangreiche Kunstsammlung zusammentrug. In den Jahren 1915 und 1917 stiftete er über 100 Werke der Stadt Gießen. Die Zeichnungen und Gemälde waren im Neuen Schloss öffentlich ausgestellt, bis sie 1933 von den Nationalsozialisten entfernt wurden.

Die alteingesessene, wohlhabende und musische jüdische Familie Bock war am heutigen John F. Kennedy-Platz ansässig. Insgesamt sechs Zigarrenfabriken standen rund um die Marburger Straße/Nordanlage. Während Bruder Alfred das väterliche Erbe antrat und in Gießen blieb, zog es Gustav Bock nach Berlin, wo er mit den zeitgenössischen Künstlergruppe in Kontakt kam.

In der Sonderschau werden alle 81 noch erhaltenen Werke präsentiert. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Gemälde und Zeichnungen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Sie stammen von Künstlern der innovativsten Künstlergruppen. Dazu gehört die Berliner Secession mit Karl Hagemeister, Walter Leistikow, Max Liebermann und Franz Skarbina. Ferner die Münchner Secession mit Hugo von Habermann und Gotthardt Kuehl. Aber auch Einzelwerke der Malerfürsten Franz von Stuck und Franz von Lenbach sind zu sehen. Die in öffentlichen Sammlungen selten ausgestellten Künstler Melchior Lechter und Hanns Pellar sind mit insgesamt elf Werken prominent vertreten.

2013 begann der Kunsthistoriker Dr. Andreas Ay mit der erstmaligen wissenschaftlichen Aufarbeitung der Kunstsammlung und stieß bei den aufwendigen Recherchen in renommierten Institutionen wie dem Getty Research Institute Los Angeles oder der Österreichischen Nationalbibliothek auf Spuren des Gießener Zigarrenfabrikanten. Ebenso hat er die Genese der Kunststiftung recherchiert und darüber hinaus die Geschichte der jüdischen Familie Bock erforscht, die in der Zeit des Nationalsozialismus großen Repressalien ausgesetzt war.

Dem Titel „Kunst und Leben“ (das ästhetische Leitmotiv der Zeit um 1900) folgend, ist die Ausstellung in zwei Teile gegliedert. Im ersten Obergeschoss wird die Kunstsammlung präsentiert, für die farbige Kabinette gebaut wurden. In der Abfolge der Räume wird die Vielgestaltigkeit der Kunst des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in den Kunstmetropolen München und Berlin aber auch in den Kunstzentren Karlsruhe, Weimar und Darmstadt eindrucksvoll deutlich. Im Ausstellungssaal im Erdgeschoss werden die Biografie Gustav Bocks und die Geschichte der Kunststiftungen anhand zahlreicher Bilder und Dokumente dargestellt. In einer Medienstation wird die Stimme Helmuth Bocks, Sohn des Stifters, zu hören sein.

Oberhessisches Museum

Brandplatz 2
Altes Schloss
35390 Gießen

Tel: 0641 960973-0

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag:
10:00 – 16:00 Uhr

Eintritt frei

 

Mit dem Zug nach Gießen: Stündlich fährt die Lahntalbahn von Weilburg direkt nach Gießen. Die Tagesrückfahrkarte kostet 16,55 Euro.

Die schönsten Wanderungen in Weilburg: Monarchie, Demokratie und Anarchie rund um den Weilburger Schlossberg

(Weilburg, im Juli 2018, KS)

Kurzbeschreibung: Vom prachtvollen Landtor wandern Sie zunächst ein Stückchen auf dem Leinpfad entlang der Lahn, passieren den einzigen deutschen Schiffstunnel und steigen dann auf die Lahn- und Weiltalhöhen. Auf der Trasse der ehemaligen Weiltalbahn geht es zurück zur Lahn und auf dem Leinpfad weiter lahnabwärts. In Kirschhofen/Odersbach überqueren Sie die Lahn und wandern aufwärts zurück in Richtung Weilburg. Rund um den Weilburger Schlossberg spazieren Sie durch das Gebück des Weilburger Schlosses, gehen die Treppe hinauf in den Barockgarten und gelangen schließlich auf den Weilburger Marktplatz.

Wegstrecke: Die reine Gehzeit beträgt ca. 4,5 Stunden (ca. 16,7 km, 333 m Gesamtanstieg)

Autofahrer: Parken im Parkhaus Innenstadt – ausgeschildert, oder kostenlos am Lahnufer unterhalb der Altstadt

Wegbeschreibung:

Weilburg, die ehemalige nassauische Residenz an der Lahn, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Hervorgegangen aus einem der Hausstifte der Lahngau-Grafen, im Jahr 918 Sterbeort von König Konrad I., entwickelte sich die mittelalterliche Stadt zur Residenz der Nassau-Weilburger Grafen und Fürsten. Noch heute zeugt eines der schönsten deutschen Barockschlösser von der Blütezeit Weilburgs unter Johannes Ernst von Nassau-Weilburg. Er gab der Stadt Weilburg ihr heutiges Gesicht, gestaltete die Residenz im Sinne des absolutistischen Barocks um.

Am Landtor, dem prächtigen Stadteingang aus den Jahren 1759 bis 1768, startet Ihre Wanderung an Lahn und Weil. Am König-Konrad-Denkmal stehend führt rechts eine Straße hinunter zur Lahn – der Mühlberg. Unten an der Kirchhofsmühle, vor fast 500 Jahren erstmals urkundlich erwähnt, wenden Sie sich nach links. Nach wenigen Schritten erreichen Sie die Lahn und die Koppelschleuse. Dahinter sehen Sie den Weilburger Schifffahrtstunnel von 1847. Es ist der älteste und längste heute noch befahrbare Schiffstunnel in Deutschland.

Sie gehen weiter auf dem Leinpfad, der früher den Treidelknechten zum Fussaufwärts-Ziehen der Lastkähne diente. An der ersten Eisenbahnunterführung geht es nach links. Wenn Sie an der Straße ein wenig zurückgehen und auf der anderen Seite den Felsen hinaufschauen, sehen Sie eine Gedenktafel für den Zeppelin LZ 5 – Z II, der sich im April 1910 in Limburg-Blumenrod losriss, führerlos durch das ganze Lahntal fuhr und schließlich an diesem Felsen havarierte.

Sie gehen den Erbstollen (der Straßenname erinnert an die Bergbauvergangenheit Weilburgs) hoch, folgen dem asphaltierten Weg nach links in den Wald. Am nächsten Abzweig geht es nach rechts, dann wieder links und nochmal scharf rechts auf den Lahnwanderweg. Das nun folgende Wegstück werden besonders Ihre Kinder lieben. Auf dem, auf weite Strecken naturbelassenen, Singletrail überqueren Sie zwei Bäche die zur Rast und Spielen einladen. Immer dann, wenn es geradeaus nicht weitergeht, wählen Sie den Weg nach rechts. Wenn Sie ganz still sind, werden Sie auf diesem Wegstück vielen Wildtieren begegnen. Eichhörnchen, Rotwild und weiter weg, im Dickicht, hören und riechen Sie Wildschweine. Keine Angst vor diesen gewaltigen Wildtieren. Wildschweine haben vor Ihnen mehr Angst, als Sie vor denen. Aggressiv sind sie nur, wenn sie als Rotte mit Frischlingen durch den Wald streifen und sich bedroht fühlen. Ihren Hund sollten Sie jedoch fest an der Leine haben.

Wenn Sie aus dem Wald treten, sind Sie unten im Weiltal. Die stark befahrene Straße überqueren Sie und gehen auf der gegenüber liegenden Seite in den Feldweg hinein. Dieser führt nach rechts und lässt Sie kurz hinterm Wehr die Weil überqueren. Die Weil entspringt am Kleinen Feldberg im Taunus und schlängelt sich auf einer Länge von knapp 50 km durch das Weiltal bis zur Mündung in die Lahn. Vielleicht ist der Name des Flüsschens abgeleitet von Villa, dem lateinischen Wort für Dorf. Oder aber die keltische Mondmutter Wilbeth gab der Weil ihren Namen – über dem Feldberg erreicht der Vollmond seinen Höchststand. Oder aber es ist ganz anders … wer weiß?

Auf der anderen Weilseite sind Sie nun auf dem viel befahrenen Weilwander- und Radweg. Wenden Sie sich nach links und folgen dem Weillauf aufwärts. Bald kommt hoch über der Weil die Burgruine Freienfels in Sicht. Ursprünglich um 1300 gegen die Nassau-Weilburger errichtet, verlor sie schon bald durch Verkauf an die Weilburger ihre Bedeutung. Um die Erhaltung und Sicherung der Burgruine kümmert sich heute ein sehr rühriger Förderverein. Jedes Jahr rund um den 1. Mai veranstaltet der Förderverein mit unermüdlichem Einsatz der Mitglieder die Freienfelser Ritterspiele, eine der größten nicht kommerziellen Mittelalter-Veranstaltungen in Deutschland.

Wenn der ehemalige Freienfelser Bahnhof in Sicht kommt, biegen Sie gleich in Spitzkehre wieder nach rechts ab. Es geht nun zurück in den Wald in Richtung Weilburg. Sie können den Jakobsmuscheln des Lahn-Camino in entgegengesetzter Richtung oder dem ‚L‘ des Lahnhöhenweges folgen. Beim Lahn-Camino handelt es sich um einen der ersten wiederbelebten Wegen der Jakobspilger in Deutschland. Er führt vom Wetzlarer Dom bis zur Hospitalkapelle in Lahnstein. Der Abstieg zurück auf Lahnniveau ist leicht zu verfehlen – achten Sie auf eine Schonung linker Hand, dort geht es rechts hinunter. Die Straße überqueren Sie, gehen ein Stückchen und biegen dann scharf nach links ein, um die Eisenbahn zu unterqueren. Jetzt stehen Sie wieder auf dem Leinpfad und wenden sich links lahnabwärts.

Auf dem kombinierten Fuß- und Radweg geht es bis zum Weilburger Stadtteil Kirschhofen. Hier überspannt eine Brücke die Lahn und verbindet die Stadtteile Kirschhofen und Odersbach. In Odersbach wenden Sie sich gleich nach rechts und folgen der Lahnstraße. Bald schon lassen Sie die Häuser hinter sich und sind in den Lahnauen.

Nach kurzer Zeit kommt das Weilburger Schloss in Sicht. Vorbei am Jugendzeltplatz geht es bis zu einer weiteren Weilburger Sehenswürdigkeit, dem Rollschiff. Seit mehr als 300 Jahren existiert diese Personenfähre zwischen der Weilburger Westerwald- und Taunusseite. An Sonntagen zwischen April und September setzt Sie der Fährmann gerne für 50 Euro-Cent über. An einem gespannten Stahlseil zieht er die Fähre über die Lahn.

Wenn das Rollschiff nicht in Betrieb ist, geht es weiter, immer an der Lahn entlang. Ein stellenweise fast schon verwunschen erscheinender Spazierweg. Zweimal es geht auf Holzstegen um einen Felsen herum. Es geht vorbei am Ernst-Dienstbach-Steg, hier querten seit dem 16. Jahrhundert die Rohre der Weilburger Wasserversorgung die Lahn. Jetzt haben Sie wieder Asphalt und Beton unter den Füßen. Vorbei an den großartigen Villen im Odersbacher Weg gelangen Sie zur Steinernen Brücke. Viele Vorgängerbrücken aus Holz konnten dem Hochwasser und Eisgang nichts entgegensetzen und so wurde 1359 die erste steinerne Brücke gebaut. 100 Jahre lang war sie zwischen Limburg und Wetzlar die einzige feste Brücke über Lahn. Diese frühe Brücke zeigt die wirtschaftliche Bedeutung Weilburgs im Mittelalter.

Gehen Sie ruhig über die Brücke. Hinter der Schlossmühle biegen Sie nach links ab. Durch ein großes Tor gelangen Sie in das Gebück. Einst wurde der Steilhang zum Schloss aus Schutz vor Eindringlingen bepflanzt. Seit dem 18. Jahrhundert ist das Gebück aber zum Landschaftsgarten umgestaltet worden. Der Weg führt direkt in den Schlossgarten, wenige Treppen hinauf in die Untere Orangerie. Hier, wo einstmals die empfindlichen Kübelpflanzen der fürstlichen Familie gelagert wurde, finden heute Touristen das Schlosscafe. Zwei große Freitreppen führen weiter auf die obere Terrasse mit dem Lindensaal. Am Ende des Lindenboskett erwartet Sie rechter Hand ein freier Blick über die Lahn und auf die Westerwald-Seite Weilburgs. Linker Hand erblicken Sie die Obere Orangerie. Ein Durchgang (Schild beachten) führt Sie durch das Hochschloss in den schönsten Renaissance-Schlosshof Deutschlands.

Sie befinden sich jetzt im ältesten Teil des Gesamtkomplexes, der zwischen 1533 und 1572 im Renaissancestil erbaut und bis heute nahezu unverändert blieb. Hier finden in jedem Jahr die weit über hessische Grenzen hinaus bekannten Weilburger Schlosskonzerte statt.

Wenn Sie aus dem Renaissancehof heraustreten und an der alten Wache vorbei gehen, erreichen Sie linker Hand nach wenigen Schritten die Schlosskirche. Die heutige Kirche wurde unter Johann-Ernst von Nassau-Weilburg in den Jahren 1707 und 1708 gebaut. Durch einen besonderen Gang wurde sie mit dem Schloss verbunden. Die Fürstengruft unter einer Steinplatte vor dem Altar mit dem Wappen der Nassauer und Luxemburger ist im Besitz des Hauses Luxemburg und nur am Todestag von Herzog Adolph von Nassau am 17. November der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Schlosskirche selbst ist ein barocker Hallenbau. An dieser Stelle standen schon Vorgängerkirchen, die den Pilgern als Zufluchtsstätte gedient haben mögen. Die Konradiner gründeten ein Chorherrenstift mit einer kleinen Kirche. Sie wurde St. Walpurgis geweiht und diente bis 1397. Dann musste diese Stiftskirche einem neuen Bau, der St. Andreas-Kirche weichen. Bald darauf wurde angebaut, die St. Martins-Kirche diente bis zum Abbruch der Doppelkirche der Herrschaft und der Stadt. Noch heute zeugt der mächtige Turm der Schlosskirche von dieser Zeit.

Baumeister Rothweil hat mit der Schlosskirche einen fast quadratischen Raum mit guter Akustik und freier Sicht auf die Kanzel und den Altar geschaffen. Die Stadt- und Landbevölkerung fand ihren Platz Parterre, während der Hof in Logen Platz nahm. Die Herrscherloge befindet sich gegenüber dem Altar. Der Innenraum ist relativ sparsam ausgeschmückt, Gestaltungselemente sind fast ausschließlich die Seitenwände, die klassisch-schlichten Stukkaturen und die Logen des Hofes.

Von der Schlosskirche gehen Sie die paar Schritte wieder zurück zum Schlossplatz und folgen, links abbiegend, der Neugasse bis hinunter zum Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71. In der außergewöhnlich breiten Neugasse gehen Sie vorbei an schmucken Fachwerkhäusern. In der Mauerstraße nach links finden Sie rechter Hand den Komödienbau und linker Hand das im Jahr 1780 errichtete Gymnasium, dessen Vorläufer eine im Jahr 1540 durch Graf Phillipp III. gegründete Freischule war. Im weiteren Verlauf der Mauerstraße mit ihren klassizistischen Bauten sehen Sie noch das Rathaus und hinter der kleinen Biegung das Gesellschaftshaus.

Wir gehen durch die Mauerstraße wieder zurück zu unserem Startpunkt am König-Konrad-Platz. Hier klärt sich der Titel dieser Wanderung: „Monarchie, Demokratie und Anarchie rund um den Weilburger Schlossberg“.

Monarchie: König Konrad I. starb im Jahr 918 irgendwo hier oben auf dem Felsen mitten in der Lahnschleife.

Demokratie: Heinrich Wilhelm August Freiherr von Gagern (1799 – 1880), Präsident der Frankfurter Nationalversammlung, ging in Weilburg zur Schule und lebte mit seinen Eltern und Geschwistern im heutigen Amtsgericht.

Anarchie: Das Abitur in Weilburg machte auch Ulrike Meinhof (1934 – 1976) , eine Journalistin und radikale Linke, die später zu eine der meist gesuchten Terroristinnen Deutschlands wurde.

 

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