Auf dem Weg

Geschichte - Kultur - Spiritualität

Kategorie: Pilgerführer Mosel (Seite 2 von 3)

Gebet eines westafrikanischen Christen

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert und ich freue mich am Licht.
Deine Sonne hat den Tau weggebrannt vom Gras und von unseren Herzen.
Was da aus uns kommt, was da um uns ist an diesem Morgen, das ist Dank.

Herr, ich bin fröhlich heute am Morgen.
Die Vögel und Engel singen, und ich jubiliere auch.
Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade.
Ich fühle meinen Körper und danke.
Die Sonne brennt meine Haut, ich danke.
Das Meer rollt gegen den Strand, ich danke.
Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke.
Herr, ich freue mich an der Schöpfung und dass du dahinter bist
und daneben und davor und darüber und in uns.

 
Ich freue mich, Herr, ich freue mich und freue mich.
die Psalmen singen von deiner Liebe, die Propheten verkündigen sie,
und wir erfahren sie: Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt ist jeder Tag in deiner Gnade.

 
Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Ein neuer Tag, der glitzert und knistert, knallt und jubiliert von deiner Liebe.
Jeden Tag machst du. Halleluja, Herr!
Amen.

Gebet eines westafrikanischen Christen

8. Etappe Schweich – Trier = 22 km

Schweich – Quint – Ehrang/Kyllbrücke – Karl-Kaufmann-Weg nach Biewer – Trier = ca. 22 km
Schwierigkeit mittel
Zeitbedarf 5 Stunden ohne Pausen und Besichtigungen
Besichtigungen Biewer, Trier

Der Moselhöhenweg verläuft durch Schweich, zunächst bis zum Gasthaus Junges, dann nach links in die Bahnhof. Auf dieser bzw. auf dem parallel verlaufenden Fußgänger-/Radweg, halten Sie sich, bis Sie nach knapp 2 km an der Abzweigung zum Bahnhof in eine Bahnunterführung kommen. Diese lassen Sie rechts liegen und gehen weiter bis zur Landes L47 (rechts ein Gedenkkreuz), die Sie in Richtung Heilbrunnen überqueren. Nun kommen Sie den Rand des Meulenwaldes mit einem Wanderparkplatz. Dort geht es im rechten Winkel nach links; Sie sollten sich aber doch Zeit lassen für einen kleinen Abstecher zur 1883 errichteten neugotischen Marienkapelle am Heilbrunnen, die Sie nach wenigen hundert Metern auf einer wunderschönen Allee mit 14 Kreuzwegstationen erreichen. Genau das Richtige für einen besinnlichen Start in den Tag!

Rechts davon finden Sie den eigentlichen Heilbrunnen, den Heiligen-Born. Dabei handelt es sich um eine 1926 von einer Sandsteinmauer gefasste Quelle. Allerdings führte schon 1602 der mit Wunderberichten über die Heilkraft der Quelle einsetzende Gebrauch des Heilwassers zu einem massiven Kurbetrieb.

Warum es dazu kam, erfahren Sie auch auf der Inschrift unter dem Mariengebet: „Anno 1602 kam ein Mann aus Schweich mit rudige Händ über den Born zu drinken. Da die Händ von sich selbst trocken worden, hatte er Linderung des Schmerzens empfunden, darumb offter zum Born gegangen, gedrunken, beyde Händ gewaschen und endlig gesunt worden.“

Nun geht es also wieder zurück zum Parkplatz, wobei Sie noch eine kleine Schleife zum links angrenzenden Biotop Heilbrunnen mit Wassertretbecken machen können.

Vom Parkplatz aus geht’s auf mehr oder weniger gleicher Höhe am Waldrand entlang zum Haardthof und dort in einen Wald. Am Parkplatz Rothenberg überwinden Sie die Schranke und gelangen schon bald zum romantisch gelegenen Forstamt Quint, in dessen Nähe der Moselhöhenweg und der in Brühl startende Karl-Kaufmann-Weg (Karl Kaufmann war von 1904 bis 1938 Vorsitzender des Eifelvereins) ineinander überlaufen und bis Trier identisch sind. An der Straße gehen Sie wenige Minuten in Richtung Bahnhof. Quint ist Stadtteil von Trier. Der Ortsname geht übrigens auf den lateinischen Namen ‚ad quintum lapidem’ (am 5. Meilenstein der Römer von Trier nach Andernach) zurück.

Kurz vor dem Bahnhof, an der großen Kurve, biegt der Weg dann wieder nach rechts in den Wald ab. Wer Zeit und Lust hat, kann sich aber noch auf den Weg zum dreiflügeligen Quinter Schloss machen, das sich nur wenige Meter entfernt in einem Parkgelände befindet. In Quint begründete 1683 Franz von Pidoll eine Eisenhütte mit Gießerei. Die Voraussetzungen waren günstig: Holzkohle kam aus der Eifel, über die Mosel wurde das Erz angeliefert. Das Pidoll’sche Schloss, wurde um 1760 nach dem Vorbild barocker Paläste errichtet und diente als Wohn- und Verwaltungsgebäude der sog. Quinter Hütte. Erst 1972 wurde die Firma geschlossen. Nach Nutzung durch eine EU-Behörde ist das Schloss im Besitz einer Bauherrengemeinschaft und steht zum Verkauf.

Zurück zum Jakobsweg! Sie steigen nun sachte hinauf zur ‚Ehranger Heide’; am Parkplatz mit der der hölzernen Orientierungstafel angekommen, orientieren Sie sich an links und folgen immer der Markierung ‚M’: zunächst entlang der ‚Hinteren Heide’, dann entlang der ‚Vorderen Heide’. Schließlich hinunter nach Ehrang. Auf dem Weg nach unten kommen Sie durch die Ringmauer, ursprünglich von dem Trierer Kurfürst Balduin Mitte des 14. Jhs. erbaut. Sie gehört heute zu den besterhaltenen und vollständigsten Stadtmauern in der Eifel.

Sie passieren das Pfarrhaus St. Peter, erstmalig 1760 erwähnt und im Volksmund Bolongs-Hof genannt. Die katholische Pfarrkirche St. Peter wurde 1872 – 1875 erbaut und geht wohl auf eine römische Kirchengründung zurück. Leider ging die ursprüngliche Ausstattung verloren, die Orgel stammt von der Firma Link, Giengen und wurde um 1990 unter Verwendung von einigen alten Orgelteilen gebaut. Achten Sie auch auf das Missionskreuz von 1727 (teilweise 1624).

Im Übrigen werden Sie bemerkt haben, dass sich seit Schweich das Material für Bauwerke grundlegend geändert hat: waren in Eifel und Hunsrück, die ja beide zum Rheinischen Schiefergebirge gehören, meist dunkle Schiefer und Grauwacke oder auch vulkanische Gesteine Grundstoffe für Kirchen, Wegekreuze und andere Bauwerke, so dominiert hier im Trierer Becken eindeutig der rötlich gefärbte Buntsandstein.

Weiter geht es durch Ehrang, über die kleine Kyllbrücke und die Schienen der DB-Eifelstrecke Trier-Gerolstein-Köln und direkt dahinter nach rechts auf den Fahrradweg in Richtung Burg Ramstein und Kordel. Sie folgen dem Weg entlang der Kyll, bis nach rund 100 m links ein Weg schräg nach oben abzweigt. Die Ehranger Kanzel ist der höchste Punkt der heutigen Schlussetappe. Schlimmer wird’s nimmer! Weiter geht es durch den Trierer Stadtwald, überqueren die A 64 nach Luxemburg, streifen das Wohngebiet ‚Auf der Bausch’ (Achtung: im Herbst hier unbedingt die ‚Kesten’ = Esskastanien probieren!) und erreichen endlich das Biewertal. Hier treffen Sie auf die aus der Eifel kommende Nebenroute des Jakobusweges, die von Köln über Trier nach Perl/Schengen führt.

In Biewer kommen Sie schon bald an den neuen Jakobusbrunnen. Sie wenden sich hier nach links und erreichen nach rund 300 m die Pfarrkirche St. Jakobus die, mit klaren romanischen Stilelementen, zwischen 1911 und 1913 errichtet wurde. Der heilige Jakobus der Ältere ist schon seit dem Mittelalter der Schutzpatron von Biewer. Sie wurde in den Jahren 1911 bis 1913 errichtet. Die Jacobus-Verehrung in Biewer hat eine lange Tradition: Eine Jakobus-Kapelle an dieser Stelle ist schon im frühen 11. belegt. Weiterhin bezeugt ein auf einem Gebetszettel erhaltenes Jakobuslied von der Verehrung des Apostels in Biewer. In St. Jost (Jodokus) am Ortsausgang sollen die von der Eifel und Rhein-Moselraum kommenden Pilger nach Santiago de Compostela gerne Quartier genommen. Der heilige Jodokus war häufig Patron von Jakobsbruderschaften. Deshalb ist anzunehmen, dass sich hier die Jakobspilger sammelten, um dann gemeinsam weiter moselaufwärts zunächst zur Trierer Abtei St. Matthias, und dann weiter Richtung Metz zu pilgern.

Besonders zu beachten ist in der Kirche die am rechten Pfeiler vor dem Chor befindliche barocke Jakobsfigur, die noch aus der alten Kapelle stammt. Die lebensgroße Jakobsstatue links vom Chor wurde dem Apostel beim Neubau der Kirche gewidmet.

Um nun nach Trier zu gelangen, gehen Sie ab der Pfarrkirche zunächst in die gegenüber liegende St.-Jost-Straße, dann über den Achterweg unter der neuen B 53 zum Moselradweg. Diesem folgen Sie bis zur Kaiser-Wilhelm-Brücke; um einen unnötigen Umweg zu vermeiden, sollten Sie den Treppenaufgang rechts nicht verfehlen. Sie gehen auf die andere Moselseite und sogleich, der Pilgermuschel folgend, hinunter in die Moselanlagen.

Immer parallel zur Mosel, lassen Sie den aus dem Jahr 1413 stammenden ‚Alten Krahnen’ (‚Alter Kran’, wie in manchen Stadtführern geschrieben) links hinter sich. Es handelt sich um einen Steinturmdrehkran mit 2 Rädern, einer Bauweise, die recht selten anzutreffen ist. Die Kosten für den robusten Baustoff Stein waren einfach zu hoch. 250 m weiter moselaufwärts steht der Zollkran aus dem 18. Jahrhundert – für diesen hat der Alte Krahnen als Vorbild gedient. Für technisch Interessierte sei noch eingefügt, dass der Alte Krahnen auch heute noch, nach über 550 Jahren, voll funktionsfähig ist.

250 m weiter kommen Sie unter der Römerbrücke durch. Eine Brücke über die Mosel ist schon seit 17 v. Chr. nachgewiesen, die erste Steinbrücke wurde 45 n. Chr. ein wenig flussabwärts errichtet. Die heutige Steinbrücke wurde zwischen 144 und 152 n. Chr. gebaut. Von den ehemals 9 Pfeilern der römischen Brücke sind heute noch 5 Pfeiler erhalten.

An der Konrad-Adenauer-Brücke schließlich biegen Sie bitte nach links in die Stadt ein. Nach Überqueren der vielbefahrenen Matthiasstraße betreten Sie den Freihof der Abtei St. Matthias. Gewaltig erhebt sich der Kirchenbau vor uns! Die Basilika ist seit dem 12. eine wichtige Pilgerstätte, hier befindet sich das einzige Apostelgrab auf deutschem Boden und nördlich der Alpen. Ursprünglich hieß die Kirche St. Eucharius, nach dem ersten Bischof von Trier, der in der Krypta bestattet ist.

Die Gebeine des Apostels Matthias sollen im Auftrag von Helena, der Mutter Konstantin I. nach Trier überführt worden sein. Helena, die hochbetagt, vermutlich im Alter von 76 Jahren nach Palästina reiste, brachte von dort einige heute berühmte vermeintliche Reliquien mit. So z.B. das Kreuz Christi, die Kreuznägel sowie die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die heute im Kölner Dom aufbewahrt werden.

Schon seit der Spätantike leben in der heutigen Abtei St. Matthias Mönche. Ende des 9. übernahmen sie die benediktinischen Regeln.

1127 fand man bei Abrissarbeiten die Gebeine des Heiligen Matthias. Damit setzen große Pilgerströme von der Nordsee bis zu den Alpen ein. In diese Zeit fällt der Bau der heutigen, teilweise noch romanisch wuchtigen Kirche als Wallfahrtskriche. Die Matthias-Wallfahrt ist bis heute lebendig, derzeit kommen etwa 140 Pilgergruppen jährlich. 1148 weiht Papst Eugen III. die noch nicht fertiggestellte Basilika ein.

1802 wurde das Kloster durch die Franzosen aufgelöst, säkularisiert. Die Wallfahrtskirche wurde Pfarrkirche, die Familie Nell erwarb das Klosteranwesen und nutzte es landwirtschaftlich – so konnten die Gebäude erhalten und seit 1922 wieder von Benediktinern genutzt  werden.

Die Orgel im südlichen Querhausarm ist sehens- und hörenswert. Sie stammt aus der Werkstatt von Karl Schuke, Berlin, und wurde 1977 eingebaut. Der Umfang der Manuale (Ausbau bis c4) und eine Superoktavkoppel sind besonders hervorzuheben.

In der Basilika wird auch eine Kreuz-Reliquie, Splitter des Kreuzes Christi, aufbewahrt. Allerdings wird sie nur selten der Öffentlichkeit präsentiert und befindet sich in einem gesicherten Raum im Seitenflügel der Basilika.

Gegen eine kleine Spende finden Pilger auch heute noch einfache Schlafsaal-Unterkunft in der Abtei St. Matthias.

Derzeit sind wieder enorme Renovierungs- und Umgestaltungsarbeiten im Gange, die vermutlich im Februar 2008 beendet sein werden. Somit hat auch der heilige Matthias wieder seine Ruhe, der zuletzt, eben wegen dieser Bautätigkeiten, mehrmals verlegt wurde und dann an würdiger und für Pilger gut zugänglicher Stelle seinen endgültigen (?) Platz gefunden haben wird.

Weitere Informationen: Benediktinerabtei St. Matthias, Matthiasstraße 85, 54290 Trier, 0651 1709 0; E-Mail: benediktiner@abteistmatthias.de; Internet: http://www.abteistmatthias.de

Trier

Allgemeines:  Trier ist eine kreisfreie Stadt im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 04.08.2007 auf 103.518. 

Ansprechpartner: Pilgerbüro der St.-Jakobus-Bruderschaft Trier, Dom-Information (gegenüber Dom), Liebfrauenstraße 12, 54290 Trier, Tel: 0651 9790790, Internet www.sjb-trier.de; Ev. Kirchengemeinde Trier, Verwaltungsamt, Engelstraße 13a, 54292 Trier, Telefon 0651 20900-0, E-mail: trier@ekkt.de; Tourist-Information Trier Stadt und Land e. V., An der Porta Nigra, 54290 Trier, Telefon: 0651 97808-0, E-Mail: info@tit.de; Internet: www.trier.de

Übernachtung: Wir haben uns entlang des Mosel-Caminos immer bemüht, eine Unterkunft für 2 Personen inkl. Frühstück für unter 50,- Euro zu finden. Hier in Trier ist das außerhalb der Saison einfacher, da Hotels teilweise sehr günstige Übernachtungen anbieten; während der Saison aber erheblich schwieriger, weil Trier sehr touristisch ist und die Preise sich natürlich nach Angebot und Nachfrage richten. Neben der Jugendherberge Jugendgästehaus Trier, An der Jugendherberge 4, 54292 Trier (Telefon: 0651 146620, E-Mail: trier@diejugendherbergen.de) (Übernachtung Doppelzimmer/Frühstück 47,- Euro) bietet die St. Jakobusgesellschaft Trier ein Übernachtungsverzeichnis in Privatquartieren. Für viele dieser Angebote benötigen Sie einen Pilgerausweis.

Geschichte:

Die gesamte Historie von Trier hier auch nur ansatzweise darzulegen, ist im Rahmen dieses Pilgerführers nicht möglich. Zumindest einige Eckdaten sollen trotzdem Erwähnung finden:

Über die Gründung steht in der 1105 geschriebenen Gesta Treverorum (Legenden, Sagen, Lieder gesammelt von den Benediktinermönchen von St. Matthias), dass Trebeta, der Sohn des Assyrerkönigs Ninus Trier schon 1300 Jahre vor Rom gegründet hat. Am Roten Haus am Trierer Hauptmarkt verweist eine Inschrift auf diese Legende: ‚ANTE ROMAM TREVERSIS STETIT ANNIS MILLIS TRECENTIS’ (vor Rom hat Trier eintausenddreihundert Jahre gestanden). Und tatsächlich, Ausgrabungen im Stadtgebiet erbrachten Siedlungsfunde aus der bandkeramischen Zeit um 3000 vor Christus. Aber ob man in der älteren Jungsteinzeit von einer ‚Stadt’ sprechen kann? Immerhin sind dann die Treverer, ein keltischer Stamm an der Mosel, im letzten vorchristlichen Jahrhundert nachgewiesen.

Die Stadt Trier ist aber eindeutig eine römische Gründung. Nachdem ein erstes Heerlager auf dem Petrisberg nach wenigen Monaten wieder aufgelassen wurde, gründeten die Römer im Jahr 16 v. Chr. Augusta Treverorum, die Stadt des Augustus im Land der Treverer und machten sie zum Hauptort der Provinz Belgica.

In der zweiten Hälfte des dritten Jh. wird Trier zum Bischofssitz, der erste Bischof war Eucharius von Trier. In der Benediktinerabtei St. Matthias steht sein Sarkophag neben dem von Valerius.

Nachdem die Stadt von 271 bis 274 Residenz des römischen Gegenkaisers Trecitus I. und 275 durch einen Alamanneneinfall zerstört wurde, blieb sie ab 293 für fast 100 Jahre eine der Residenzen der römischen Kaiser im Westen.

Kaiser Konstantin der Große (306-337) brachte Treveris zu ungeahnter Blüte. Er ließ die Stadt wieder aufbauen und Gebäude wie die Palastaula (heute Konstantinbasilika) und die Kaiserthermen errichten. Teile der kaiserlichen Wohnpaläste wurden zu einer großen Doppelbasilika umgebaut. Teile davon sind noch heute im Dom und in der Liebfrauenkirche zu erkennen. Von 328 bis 340 residierte Konstantin II. in Trier. Erneut Regierungssitz wurde die Stadt von 367 bis 392 und war gleichzeitig mit ca. 80000 – 100000 Einwohnern die größte Stadt nördlich der Alpen.

Ab Ende des 5. Jh. gehörte Trier zum Frankenreich und wurde durch Grafen verwaltet. 902 ging die Verwaltungshoheit auf die Erzbischöfe über, und obwohl Trier mehrfach versuchte, reichsunmittelbar zu werden, gelang dies den Trierern nicht und bis zum Ende des alten Reiches im Jahr 1803 blieb die Stadt Hauptstadt von Kurtrier. Residenz der Erzbischöfe war schon seit dem 17. Jh. Koblenz. Zu dieser Zeit war auch die Einwohnerzahl Triers, bedingt durch Seuchen und den 30jährigen Krieg, auf unter 3000 abgesunken.

Nach französischer Besetzung gehörte Trier mit den linksrheinischen Gebieten seit 1801 zu Frankreich, während der Befreiungskriege dann 1814 durch preußische Truppen eingenommen.

Von den vielen berühmten Persönlichkeiten, die in Trier geboren wurden, seien hier nur zwei genannt: Karl Marx (1818-1883), der Verfasser von ‚Das Kapital’ und Oswald von Nell-Breuning (1890-1991), dem Nestor der katholischen Soziallehre.

7. Etappe Klüsserath – Schweich = ca. 19 km

Klüsserath – Kahlbach – Zitronenkrämerkreuz – Landwehrkreuz – Schweich = ca. 19 km
Schwierigkeit mittel
Zeit ca. 5 Stunden ohne Pausen und Besichtigungen
Besichtigungen: Schweich

Tagesmotto: “Wecke meine ermüdeten Kräfte aus ihrem Schlaf! Lass mich nicht, meine Verluste zählend, hinter dem Zug zurückbleiben! Lass bei jedem Schritt die Straße unter mir singen von ihrem Ziel, deinem Hause! Denn die Nacht ist dunkel, und dein Pilger ist blind. Halte du meine Hand.“ Rabindranath Tagore

Heute lassen wir es auf der Etappe von Klüsserath ins junge Schweich etwas ruhiger angehen und nehmen uns etwas mehr Zeit als sonst, um all die Schönheiten und Besonderheiten der Natur links und rechts des Weges zu bestaunen. Die Wegmarkierung ist dabei stets das ‚M’, Sie folgen also bis nach Schweich dem Moselhöhenweg.

Bitte überqueren Sie zunächst die Brücke, die am westlichen Ende von Klüsserath über die Salm führt. Sogleich biegen Sie nach rechts ab. Bald schon führt ein Kreuzweg nach links in die Weinberge hinauf. Die Mosaiken der Kreuzwegstationen stammen wohl aus der Mitte des 20. Jhs.; die oben liegende Marien-Kapelle dient auch dem Gedächtnis der Gefallenen der beiden Weltkriege. Das große Mosaik zeigt einen Winzer, der mit der Kiepe auf dem Rücken zur Gottesmutter fleht.

Nun folgt ein Weg hoch über den Weinbergen der ‚Thörnicher Ritsch’ zum gleichnamigen Aussichtspunkt. Der Name Ritsch leitet sich von dem brüchigen Grauschiefer der Lage ab, immer wieder rutschen Felsen ins Tal. Durch die brüchigen Felsen kann in der Ritsch auch keine Flurbereinigung mit Wegebau durchgeführt werden, in dem steilen Gelände würden die Wege abrutschen. Seit 2006 kann man auch über einen Klettersteig vom Parkplatz an der Bundesstraße aus hier hoch kommen. Kaum nachvollziehbar, dass früher die Weintrauben auch von Eseln auf den ‚Wangerstpedchen’ (Weinbergspfade) ins Tal befördert wurden.

Bald schon geht es gleichmäßig auf geteerten Weinbergswegen bergab ins Kahlbachtal. Am Ende des Weinbergsweges halten Sie sich nach links auf der Straße, um nach etwa 300m den Bach zu überqueren. Achtung: bitte nehmen Sie nicht die Zufahrt zum Golfplatz, die sich wenige Meter zuvor befindet! Weiter geht es durch den Wald, dann wieder hoch und runter durch die Weinberge. Sie queren nach ca. 2 km das Kaulenbachtal und erreichen bald das Zitronenkrämerkreuz. Unter den vielen Beweisen der Volksfrömmigkeit, denen Sie bisher auf dem Mosel-Camino begegnet sind, hebt sich dieses Wegkreuz aus dem 18. Jh. ganz besonders ab.

Seit mehr als 200 Jahren steht dieses Gedenkkreuz am Rande einer alten Handelsstraße, dem heutigen Moselhöhenweg, auf der Gemarkung der über 1000 Jahre alten Gemeinde Schleich.

An dieser Stelle soll im Jahre 1687 ein Händler – ein Zitronenkrämer – von seinem Diener ermordet worden sein. Wie die Inschrift besagt, ist das Kreuz errichtet worden von den „Kinder des allhier verstorbenen PI Carove seligen Angedenkens.“ Das Wappen auf der Säule zeigt einen Karren mit rückwärts blickenden Vögeln. Ambros Carove, Sohn eines Thomas, kam zwischen 1651 und 1655 von Lenno (Lenni) am Comersee, Italien, nach Trier. Ambros’ Alter ist nicht bekannt; er oder sein gleichnamiger Sohn wurde 1676 als Zitronenkrämer ins Trierer Krämeramtsbuch eingetragen. Vater oder Sohn muss es gewesen sein, der 1687 auf dem Moselhöhenweg eines gewaltsamen Todes starb. Von Ambros Caroves Sohn Ambrosius nimmt man an, dass er der Erbauer des ‚Hotel Venedig’ (1656 – 1658) in Trier war. Deswegen findet man am Haus ‚Venedig’ in Trier, Ecke Johannis-/Brückenstraße, ein ähnliches, das Carov’sche Wappen – zusätzlich gekrönt von der Statue eines triumphierenden Johannes.

Nach 200 m biegen Sie nach rechts ab (nicht den MV nach Mehring nehmen!) und gehen durch den Mehringer Wald und dann geradeaus über die Wiese unter den gewaltigen Hochspannungsleitungen hindurch zum Landwehrkreuz, das auf fast 410 m NN gelegen ist. Achten Sie hier auf die Markierung: aufgrund von kürzlich durchgeführten Landschaftspflegemaßnahmen ist der Weg über die Wiese nur recht schwierig auszumachen. Der etwas renovierungsbedürftige Rastplatz an diesem alten Wegkreuz aus Buntsandstein bietet sich dennoch für eine kurze Pause an. Vielleicht bietet sich hier auch Gelegenheit, der Mahnung „Gedenke, oh Christ, dass Jesus Christus für dich gestorben ist“, zu folgen. Meistens ist man hier oben von Schafen umgeben – ein besonderer Reiz, sich durch die Herde den weiteren Weg am Mehringer Berg vorbei zu bahnen. Es dauert nicht mehr lange, bis Sie in einen Wald gelangen und sich gleich danach nach rechts halten (auf dem vermeintlichen Hauptweg geht es hinunter nach Longen). Bis zu den Weinbergen geht es durch den Wald beständig nach unten. Sie bleiben oberhalb der Weinberge in etwa auf gleicher Höhe; erst ab der Grillhütte Rupperath geht es wieder bergab. Unter der Autobahn führt der Weg ins Zentrum von Schweich, den Platz an der Pfarrkirche St. Martin.

Schweich

Allgemeines:  Schweich gehört zum Landkreis Trier-Saarburg im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 6560. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt St. Martin, Klosterstraße 1a, 54338 Schweich, Tel.: 06502 2327; Tourist-Information Roemische Weinstraße, Brückenstraße 46, 54338 Schweich, Tel. 06502 9338-0, E-mail: schweich@t-online.de

Übernachtung: Ferienweingut Wallerath, Bahnhofstraße 25, 54338 Schweich, Tel: 06502 5554, E-Mail twallerath@web.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 42,- Euro; Hotel-Garni Wagner, Langgartenstraße 25, 54338 Schweich, Tel: 06502 92090, E-Mail pension-wagner-schweich@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 24,- Euro; Weingut-Pension Schiff, Schaumbach, 54338 Schweich, Tel: 06502 2787, E-Mail weingut-pension-schiff@web.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 48,- Euro

Im Eingangssatz haben wir etwas vom ‚jungen’ Schweich geschrieben. In gewisser Weise ist das auch richtig, denn Schweich an der ‚Roemischen Weinstraße’ bekam die Stadtrechte erst 1984 verliehen. Ausgrabungen einer römischen Villa und archäologische Funde von Mosaikfußboden, Gräberfeld, Münzen, Scherben und Ziegeln zeigen aber, dass hier schon die Römer gesiedelt haben. Der Niederprümer Hof verdankt seine Existenz der fränkischen Königstochter Bertrada, der Mutter Karls des Großen. Diese schenkte den Ort dem Kloster Prüm in der Eifel und sorgte damit für die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 721. Heute dient der Niederprümer Hof als Kulturzentrum von Schweich.

Ein kleiner Stadtrundgang führt uns ins Schweich an vielem Sehenswertem vorbei. Eines der beiden Wahrzeichen der Stadt ist der ehemalige Fährturm. Erbaut wurde der massive, fünfeckige Bruchsteinbau gegen Ende des 18. Jhs. Die Spitze ist moselaufwärts gerichtet und diente in kalten Wintern als Eisbrecher. Ursprünglich war das Fährseil zwischen diesem und dem 1902 für den Bau der Moseltalbahn abgerissenen Pendant auf der anderen Moselseite gespannt, mit dem Bau der Brücke wurde aber der Fährbetrieb im Jahr 1906 eingestellt.

Das andere Wahrzeichen ist die Pfarrkirche, deren Turm schon von weitem zu erkennen ist. Ursprünglich befand sich die erste Pfarrkirche aus dem Jahr 1570 an einem anderen Standort. Dann wurde jedoch am heutigen Standort eine Vorgängerkirche 1821 und 1822 erbaut und schließlich, nach einem Brand, zwischen 1894 – 1897 die heutige katholische, neugotische Pfarrkirche St. Martin. Nur der klassizistische Westturm wurde vom Vorgängerbau übernommen. Alle drei Altäre werden von Reliefdarstellungen und Figurenschmuck geprägt. Der Hochaltar zeigt heilsgeschichtliche und biblische Szenen. Die beiden Seitenaltäre sind der Heiligen Maria und dem Heiligen Josef geweiht. Sehenswert sind noch die Fenster im Chor mit Darstellungen von kirchlichen Festen und die Glasfenster in den Querarmen. Taufstein und Kanzel runden das Bild schließlich ab. Aus der ehemaligen, heute säkularisierten Abtei St. Maximin in Trier stammen die beiden unvollständigen Steinfiguren des Heiligen Andreas und Heiligen Johannes an der Außenseite des Chores.

Der schon erwähnte Niederprümer Hof wurde Anfang des 18. Jhs. erbaut und diente unter anderem als Weingut des aldligen Damenstiftes Niederprüm. Heute ist das Gebäude ein Kulturzentrum, in dem auch eine ständige Ausstellung über den Moseldichter Stefan Andres und das Pater-Haw-Museum untergebracht sind.

Schon Ende des 17. Jh. gab es in Schweich eine jüdische Gemeinde, die im Jahr 1820 sogar eine Schule und eine Synagoge besaß. 1862 wurde eine neue Synagoge errichtet, im Innenraum ein großer Saal mit im Westen vorgelagertem Raum. Von hier aus führt die Treppe zur Frauenempore. Das Rundfenster über dem ehemaligen Thoraschrein lässt das Licht der aufgehenden Sonne einfallen. 1989 wurde die Synagoge wieder hergerichtet und ist heute Kulurzentrum, in dem Ausstellungen, Lesungen und Konzerte stattfinden.

Die knapp 2 km außerhalb gelegene Molitorsmühle am Föhrenbach stammt aus dem Jahr 1824 und ist vollständig erhalten. Erbaut wurde sie als Loh-, Öl- und Schleifmühle. Die Mühle wird während der Besichtigungszeiten samstags, sonn- und feiertags von 14 – 17 Uhr auch in Betrieb genommen. Für Gruppen gibt es auch Extra-Termine (Weitere Informationen: Tel.: 06502 1336 oder 06502 2253 oder 06502 4310; E-Mail: info@molitorsmuehle.de, Internet: http://www.molitorsmuehle.de/)

Erwähnenswert sind noch die Wegkapelle in der Hofgartenstraße, sie befindet sich im Chorbereich der alten Pfarrkirche, sowie der prächtige Kreuzigungsbildstock an der Westwand der alten Schule aus dem Jahr 1709.

Zwei Namen sind mit Schweich und der Bahnhofstraße unweigerlich verknüpft: zum einen steht hier das Haus (Nr. 1), in dem am 26.5.1871 der Gründer des nach ihm benannten sozial-caritativen Werkes des Johannesbundes Johannes Maria Haw geboren wurde. Im Johannesbund (heute in Leutesdorf am Rhein ansässig) arbeiten verschiedene Gruppen und Gemeinschaften zusammen: die Johannesschwestern von Maria Königin sowie die Missionare vom heiligen Johannes dem Täufer. Außerdem gehören mehrere Einrichtungen zum Johannesbund, die v. a. Resozialisierungs-, Bildungs- und Pflegeaufgaben wahrnehmen. (weitere Informationen: http://www.johannesbund.de)

Zum anderen verbrachte wenige Meter weiter (Haus Nr. 5) der am 26. Juni 1906 in Trittenheim-Dhrönchen (Breitwies) geborene Schriftsteller Stefan Andres seine Jugend. In Köln, Jena und Berlin studierte Andres Theologie und Germanistik. 1937 verließ er mit seiner Familie Hitler-Deutschland, kehrte 1950 zurück, bevor er 1961 endgültig nach Italien übersiedelte. Andres verband in seinen Romanen und Erzählungen antike Sinnenhaftigkeit mit christlicher Mystik. Sein bekanntestes, im übrigen autobiographisches Werk ist wohl ‚Der Knabe im Brunnen’, aus dem Jahr 1953 (Lesetipp: Andres, Stefan: Der Knabe im Brunnen; Roman; 336 Seiten; ISBN 978-3-423-13459-0; Euro 12,50; dtv):

„Für den kleinen Steff, jüngstes von sechs Kindern des Müllers Stefan Ainert, ist die dörfliche Welt seiner Heimat erfüllt mit Wundern. Er schaut in den Brunnen – und sein Spiegelbild verwandelt sich in einen armen Jungen, der dem Wassermann die Gänse hüten muß. Engel und Teufel geistern durch seine Phantasie und beleben die herbe Schönheit des Mosellandes. Voller Humor schildert Stefan Andres die kauzigen und originellen Gestalten des Dorfes und zeichnet ein unvergeßliches Porträt der Eltern. Es ist in leicht verschlüsselter Form seine eigene Kindheit, eine Kindheit voller Spannungen zwischen der neugierigen Lust auf das Leben und den Hemmungen durch die engen religiösen und konventionellen Grenzen.“ (dtv)

Andres fand auf dem deutschen Friedhof im Vatikan Campo Santo Teutonico seine letzte Ruhestätte. Seine 2003 verstorbene Frau Dorothee ist ebenfalls dort beerdigt

Heute hat sich die in Schweich im Niederprümer Hof ansässige Stefan-Andres-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, das geistige Werk des Dichters zu verwalten: eine ständige Ausstellung im Niederprümer Hof, eine Bibliothek, die Verleihung des Stefan-Andres-Preises, die Herausgabe der ‚Mitteilungen der Stefan-Andres-Gesellschaft’ und andere Initiativen. (weitere Informationen: http://www.stefan-andres-gesellschaft.de/).

Im Herzen der Stadt, an der Ecke Bernhard-Becker-Straße/Stefan-Andres-Straße stellt der von Johannes Scherl phantasievoll gestaltete Stefan-Andres-Brunnen in plastischer Form Stationen des Lebens von Andres dar. (Beschreibung: http://rs-schweich.bildung-rp.de/Unsere-Schule/StefanAndres/A-Brunn.htm)

6. Etappe Osann-Monzel – Klüsserath

Osann-Monzel – Eberhardts-Klausen – Klüsserath = ca. xx km
Schwierigkeit mittel

Zeitbedarf 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen
Besichtigungen Wallfahrtskirche Klausen, Klüsserath

Guten Morgen, wir hoffen, Sie haben gut geschlafen und wünschen Ihnen für die heutige Etappe wunderschönes Wetter.

Heute geht es über den Marien-Wallfahrtsort Eberhards-Klausen nach Klüsserath. Jährlich pilgern aus der näheren und weiteren Umgebung über 100.000 Menschen nach Klausen, v. a. im Marienmonat Mai, um die Gottesmutter um Hilfe in vielerlei Anliegen zu bitten oder ihr zu danken.

In Monzel gehen Sie zurück auf den Moselhöhenweg ‚M’ und folgen diesem wieder nach Westen am Monzeler Hüttenkopf entlang auf die Eifelhöhen. Zwar gibt es auch einen Pilgerweg nach Klausen, der auch markiert und in manchen Landkarten als Wallfahrt-Schleife eingetragen ist, der folgt aber im Wesentlichen einer Landstraße und ist zudem als Fahrradweg ausgewiesen. Deshalb schlagen wir Ihnen vor, zunächst das Auf und Ab des sicherlich reizvolleren Moselhöhenweges in Kauf zu nehmen.

Es geht also hinauf bis zur Schutzhütte Minheim mit dem Gnadenbild der Muttergottes, das zum kurzen Innehalten einlädt. Dies ist mit 431 m über NN der höchste Punkt des heutigen Tages und erlaubt eine herrliche aussicht bin hin nach Wittlich. Zum Zeitpunkt der Begehung im Februar 2007 war an einer Wegmarkierung eine handschriftliche Notiz ‚Klausen 2 km – spätgotische Wallfahrtskirche’ angebracht – aber auch ohne diesen Vermerk können Sie den Weg nicht verfehlen. Folgen Sie einfach dem Weg vor der Schutzhütte nach rechts. Der gut ausgebaute Weg führt von hier immer bergab in Richtung Klausen und schon bald können Sie die Wallfahrtskirche vor sich im Tal liegen sehen.

Die Wallfahrtskirche in Eberhardts-Klausen geht auf den Tagelöhner Eberhard im 15. Jh. zurück. Er stellte an der Stelle der heutigen Kirche eine Pieta, eine Darstellung der schmerzhaften Mutter, d.h. Maria mit dem gekreuzigten Jesus im Arm, auf. So oft es ihm möglich war, besuchte er diese Figur. Als ihm die Grundherren der Umgebung ein Stück Land zur Verfügung stellten, baute er 1442 mit Unterstützung der Bewohner eine Hütte (clausa). Auch besorgte er eine Glocke und einen eisernen Leuchter. Eine neue Mariendarstellung, die der ersten glich, stellte er an ein Fenster auf der Südseite, die Nordseite war geöffnet und zum Schutz vor Dieben mit einem Eisengitter verschlossen. Schon jetzt kamen Pilger und hinterließen Opfergaben vor dem Marienbild. Da diese aber oft gestohlen wurden, baute sich Eberhard schließlich eine Hütte neben dem Marienhäuschen und lebte dort als Klausner. Diese Klause ist neben der Gnadenkapelle in der Wallfahrtskirche immer noch zu sehen.

1444 erhielt Eberhard die Genehmigung zur Errichtung einer Kapelle und riss das Marienhäuschen ab. Die ständig wachsenden Pilgerzahlen machten schon in den Jahren 1447/48 eine Erweiterung der Kapelle nötig – die kleinere Kapelle wurde nicht abgerissen, sondern wahrscheinlich integriert. 1449 wurde die Kirche der hl. Maria geweiht. Die heutige spätgotische Wallfahrtskirche wurde 1502 eingeweiht.

Lassen Sie uns einen kleinen Rundgang durch die Wallfahrtskirche machen. Meister Johann Eltusch aus Antwerpen schuf bis 1480 einen der schönsten Hochaltäre in Deutschland. Die Bauzeit wird auf 40-50 Jahre geschätzt – ein ganzes Lebenswerk. Der Altar besteht aus drei Teilen – links die Vorbereitung der Kreuzigung, mittig die Kreuzigung und rechts die Abnahme vom Kreuz. Ursprünglich war der Altar ein Doppelflügelaltar, die heute noch vorhandenen Flügelgemälde stammen von Hans Memmling aus der zweiten Hälfte des 15. Jhs.. Die äußeren Flügel sind seit der Säkularisation im Jahr 1802 verschwunden.

Die barocke Kanzel im Mittelschiff ist ein besonderes Kleinod der Wallfahrtskirche. Die Verbindung mit dem darunter liegenden Beichtstuhl sollte den Gläubigen nach der Beichte ermutigen, das Wort Gottes zu hören. Auf der anderen Seite des Mittelschiffs entdecken Sie sieben weitere Beichtstühle, in denen die Darstellung jeweils eines Apostels eingearbeitet ist. Auch den Schutzpatron unserer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela – Jakobus d. Ä. – finden Sie über einem der Beichtstühle. Es waren ursprünglich 12, zwei befinden sich in Piesport und Dhron, zwei sind in der Pfarrkirche von Schweich bei einem Brand Opfer der Flammen geworden; von einem weiteren gibt es keine Informationen zum Verbleib. Hinten im Mittelschiff befindet sich ein sehr großes Gemälde, auch darin können Sie mit ein wenig Suchen einen Pilger mit den typischen Pilgerattributen Hut, Stab, Kalebasse und Muschel erkennen.

Einige wertvolle Holzschnitzereien sind noch im Mittelschiff zu entdecken. Rechts der Kanzel die hl. Anna Selbdritt, d.h. als Darstellung mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Die Initialen ‚RI’ im Sockel könnten auf den großen Tilman Riemenschneider hindeuten. Links der Kanzel zeigt die Holzschnitzerei Maria Königin, die Figur stammt aus dem Jahr 1700. Ein Bildnis des Heiligen Augustinus, einer der bedeutendsten Kirchenlehrer und Philosophen an der Zeitenwende von der Antike zum Mittelalter, stammt aus dem 17. Jh. und ist am Aufgang zum Chorgestühl links im Mittelschiff angebracht.

Bevor wir uns nun in der Gnadenkapelle umsehen, werfen Sie doch noch bitte einen Blick nach oben in das außergewöhnlich schöne Netzgewölbe. Besonders sind die aus Sandstein gehauenen Schlusssteine. Sie zeigen die Apostel, Heilige, die Wappen kirchlicher und weltlicher Würdenträger. Und auch die Wappen der am Bau beteiligten Handwerker.

Bei dem Gnadenaltar in der Kapelle handelt es sich um einen neueren Nachbau des ursprünglichen Altares. Dabei verwendete man Teile des Lettners, der früher das Mittelschiff vom Chor trennte. Der Mittelteil mit den zwei Gnadenbildern ist neuer und wurde um 1900 zusammengefasst. Auch die eisernen Seitentüren und das große Tor am Turm gehörten zum Lettner. Die Vertäfelung wurde 1927 eingebaut, die fünf Barockreliefs darin stammen aus der Zeit um 1700. Auffallend sind die zahlreichen handgeschmiedeten Leuchter, die hauptsächlich aus dem 30jährigen Krieg und der Pestzeit stammen (17. Jh.). Auf einer Plakette sind die stiftenden Pfarreien oder Personen genannt – und an den Jahreszahlen auf den Kerzen erkennt man, wie lange schon von dort die jährlichen Wallfahrten stattfinden.

In Ihren Pilgerpass gibt man Ihnen gerne im Pfarrhaus einen Stempel. Größere Pilgergruppen während der Wallfahrtszeit zwischen Mai und Oktober sollten sich anmelden. Die E-Mail-Anschrift ist pfarramt@klausen.de, die Telefonnummer 06578 218. Auch Kirchenführungen können Sie so für eine Gruppe vereinbaren.

1461 wurde das bei der Kirche erbaute Kloster der Augustiner Chorherren aus der Windesheimer Kongregation geweiht. Dieser reformierte Orden aus Holland verlangte eiserne Disziplin und Demut. Täglich vier Stunden mussten die Brüder in ihrer Zelle Bücher abschreiben – an Sonn- und Feiertagen sogar zu aller verfügbaren Zeit.

Damit blieb es nicht aus, dass die Klosterbibliothek der Augustiner schon bald einen der größten Buchbestände innerhalb des Erzbistums Trier hatte. Sicher ist heute, dass es sich um 180 Handschriften, 139 Inkunabeln (Frühdrucke vor 1500) und einige tausend anderer Schriften handelte.

Die Bibliotheksräume wurden gegen Ende des 15. Jhs. über der Sakristei erbaut und gelten als Beispiel einer wohldurchdachten, malerischen Ausgestaltung eines klösterlichen, nicht unmittelbar kirchlichen Zwecken dienenden Raumes. Die Spitzbogenfelder der Wandflächen sind nämlich mit Malereien bedeckt, die Anfang des 16. Jhs. entstanden sind (Spätgotik). 19 Personen verteilen sich auf sechs Felder, jeweils drei bilden eine Gruppe, die durch Spruchbänder miteinander und mit dem Raum in Beziehung gesetzt wurden. Der Schluss liegt nahe, dass die Darstellung der Personen sich auf die Anordnung und Aufstellung der Bücher bezieht. Ab 1802, während der Säkularisation, blieb die Bibliothek geschlossen und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Es blieb nicht aus, dass die Bücher und die Räume im Laufe der Jahrhunderte Schaden durch Feuchtigkeit, Schimmel und Bücherwurm nahmen. Im Jahr 1999 konstituierte sich ein Freundeskreis der alten Klosterbibliothek, der Maßnahmen zum Erhalt der Bücherei unternimmt. Im Jahr 2006 konnte der Freundeskreis die renovierte Bibliothek der Öffentlichkeit präsentieren. Die ehrenamtliche Arbeit, der unermüdliche Einsatz zum Erhalt der vielen einzigartigen Bücher und Handschriften kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Weitere Informationen über den Freundeskreis erhalten Sie unter http://www.klosterbibliothek-klausen.de/.

Unser Jakobsweg und der Mosel-Camino führen nun nach auf dem mit ‚7’ bezeichneten Weg nach Süden, zunächst neben der L 50, dann auf einem Wiesen- und Feldweg Richtung Piesport hinauf zum rechter Hand an exponierter Stelle befindlichen Klausenkreuz. „Anno 1699 hat der ersame Henrich Hart und seine Hausfraw Catarina v Piesport dis Creuz lassen aufrichten zu Ehren der Mutter Gottes“ ist hier zu lesen; man ahnt, welch starker Gottes- und Marienglaube die Menschen damals geprägt haben muss.

Weiter geht’s zum Piesporter Heiligenhäuschen. Nicht sonderlich gepflegt, lädt es mit einem Misereor-Hungertuch von 1976 ‚Christus im Lebensbaum – Hoffnung für alle’, einer Madonnastatue (aus Gips?) und seinen beiden Sesseln zu einer etwas ungewöhnlichen Art von Besinnung und Meditation ein.

Jetzt geht es weiter auf dem Moselhöhenweg, immer dem ‚M’ entlang. Nach etwa 1,5 km müssen Sie aufpassen, dort zweigt der Weg unvermittelt nach rechts ab. Dennoch sollte man es sich nicht nehmen lassen, zunächst mal auf dem asphaltierten Weg einen kleinen Abstecher zu machen, um nach 250 m, hoch über der Mosel, am ‚Großen Moselblick’ die herrliche Aussicht auf Neumagen, Piesport und andere Moseldörfer zu genießen. Wenn Sie Glück haben, können Sie auch den Paragleitern und Drachenfliegern zu sehen, die hier eine Startrampe haben.

Zurück auf dem Moselhöhenweg geht es nun durch Wälder und wunderschöne Wiesenlandschaften mit tollen Ausblicken auf den fernen Hunsrück zur Waldkapelle am Hansenberg. Fromme Menschen haben sie erst kürzlich renoviert, den Zuweg befestigt und sorgen für Blumenschmuck. Ständig brennen Kerzen zu Ehren der Muttergottes: ein rechter Ort zum Gebet.

Schließlich geht es die letzten Kilometer, immer dem ‚M’ folgend, erst durch einen Wald, dann am Waldrand entlang bis zur Klüsserather Schutzhütte. Von hier dauert es nun nicht mehr lange, bis man auf die ersten Weinberge stößt. Auf dem Wirtschaftsweg geht es nun hinab nach Klüsserath.

Klüsserath

Allgemeines:  Klüsserath gehört zur Verbandsgemeinde Schweich im Landkreis Trier-Saarburg und  im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 1111. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt Rosenkranzkönigin, Kirchstraße 1, 54340 Klüsserath, Tel. 06507 4672; Tourist-Information "Alte Ökonomie", Kirchstraße 3, 54340 Klüsserath, Tel.: 06507 3099, E-Mail buergermeister@kluesserath.de

Übernachtung: Weingut Herres, Hauptstrasse 177, 54340 Klüsserath, Tel.: 06507 99123, E-Mail ferienweingut.herres@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 38,- Euro; Ferienweingut Jostock-Lex, Hauptstraße 127, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 4500, E-Mail weingut.jostock-lex@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 40,- Euro; Hotel Zum Rebstock, Salmstraße 8, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 93510, E-Mail moselrebstock@t-online.de; Doppelzimmer/Frühstück ab 23,- Euro; Straußwirtschaft ‚Zur alten Salmbrücke’, Hauptstraße 3, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 4633, Doppelzimmer/Frühstück ab 20,- Euro

Sicher kennen Sie auch als Nicht-Weintrinker die Klüsserather Bruderschaft. Durch diese typischen Mittelmosel-Weinlage sind Sie in den Ort hinuntergekommen. Es handelt sich um eine der größten zusammenhängenden Südhänge der Mosel mit ca. 90 Hektar Rebfläche und bis zu 83 % Hangneigung.

Das klassische Straßendorf erstreckt sich auf einem recht schmalen Streifen zwischen der steilen ‚Bruderschaft’ im Norden, der aus der Eifel kommenden Salm im Westen und dem Moselufer im Süden auf einer Länge von knapp 2 km. „Lang wie Klüsserath“ hat an der Mosel sprichwörtlichen Charakter.

Wahrscheinlich ist Klüsserath eine keltische Gründung. Und der berühmte römische Dichter Ausonius hat schon 371 über Klüsserath in seier ‚Mosella’ geschrieben: "Da, wo längs des Stromes grünende Matten sich dehnen, wo schäumend die Salm, ungebärdig, kein verächtlich Wässerlein, sich mit Mosella eint, ist, sonst in der Landschaft Friede, mein Heimatland, mein neues. Mit Wild und Fisch und Reben, wo wären sie reicher zu finden! Diana, Göttin der Jagd, schütze du die Heimat, die neue." Urkundlich erwähnt wird Klüsserath immer wieder ab 634. 1270 wird die Wasserburg, heute im Privatbesitz, urkundlich erwähnt. 1295 berichten die Urkunden von der Pfarrkirche St. Remigius und später auch St. Michael. Ab 1304 wird eine größere Kirche gebaut, deren gotischer Chor noch im heutigen Bau aus dem Jahr 1787 zu sehen ist.

Wenn Sie am Abend noch ein wenig durch Klüsserath schlendern, können Sie einige Zeugnisse der großen Vergangenheit entdecken. Die Pfarrkirche mit dem spätgotischen Chor und dem Grab des Kreuzfahrers Richard von Hagen (1449) wurde oben schon erwähnt. Die Wasserburg mit dem großen gotischen Gewölbekeller wurde 1270 erstmals urkundlich erwähnt und wird heute privat bewohnt. An der ehemaligen Gerichtslinde können Sie noch die alten Eisenringe für die Häftlinge sehen. Der Echternacher Hof stammt aus dem 18. Jh. und ist aus Bruchsandstein errichtet. Schließlich besitzt so manches Winzerhaus in Klüsserath noch die Bausubstanz aus dem 17. Jh.

5. Etappe Traben-Trarbach – Osann-Monzel = 24km

 

Traben-Trarbach – Graacher Schanzen – Bernkastel (M) – Moselbrücke – Kues – Lieser – (Osann-) Monzel = ca. 24 km

Schwierigkeit mittel

Zeitbedarf 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Graacher Schanzen, Bernkastel, Kues

Weiter geht es heute hinauf zu den Graacher Schanzen, dann hinab nach Bernkastel-Kues und anschließend über Lieser, vorbei an einigen der besten Riesling-Lagen der Mosel, nach Osann-Monzel.

Ausgangspunkt der heutigen Etappe ist Trabach auf der rechten Moselseite. Ab der Brücke folgen Sie der Markierung T8 über den Berncastelerweg in die Weinlage Trabach-Taubenhaus. 1995 wurde für diese Weinlage ein vereinfachtes Flurbereinigungs­verfahren eingeleitet. Auf den 31 Hektar bewirtschaften heute rund 30 Winzer 16 Hektar Weinberge, zwei Drittel davon werden durch die Bewirtschafter­gemeinschaft bearbeitet. Die vier beteiligten Winzer verpflichten sich vertraglich zum kontrolliert umweltschonenden Weinbau. Es werden nur Rieslinge angebaut. Standraum und Erziehung der Reben gewährleisten ein Höchstmaß an Arbeitsökonomie und Qualität. Durch die Entflechtung von Reb- und Brach­flächen können Biotope entwickelt und Lebensräume vernetzt werden. Mit finanzieller Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz wurde somit die Pflege der Brachflächen gesichert und die Anschaffung einer hydrostatischen Raupe für die Arbeit im Weinberg ermöglicht.

Hinter der großen Infotafel zweigen sie nach links ab, um dann auf recht steilem Weg auf die Hunsrückhöhen zu gelangen. Dass auf den Höhen eine alte Römerstraße (Belginum–Longkamp–Ürzig) verlief, zeigen uns schon die Hohlwegsysteme, die noch gut links und rechts vom Mosel-Camino im Wald zu erkennen sind.

Schließlich kommen Sie zum auf ca. 400 m NN Höhe gelegenen Wanderparkplatz am ‚Knotenpunkt’ mehrerer Wanderwege. Auch der Moselhöhenweg, dem Sie später folgen werden, kommt hier vorbei. Auf keinen Fall sollten Sie hier oben einen Abstecher zu den Graacher Schanzen versäumen. Am Parkplatz finden Sie einen schön angelegten Rastplatz mit einer Informationsschrift zu dieser Befestigungsanlage, die nur einige hundert Meter entfernt liegt.

Graacher Schanzen

Mal wieder bedrohten Franzosen die Gebiete an der Mosel, diesmal gegen Ende des 18. Jhs. die Revolutionstruppen Napoleons. Preußische und österreichische Truppen verschanzten sich auf den Hunsrückhöhen. Kernstück des Schanzwerkes sollte das Plateau der langen Moselschleife zwischen Trarbach und Bernkastel auf 434 m Höhe werden. Hier war die schmalste Stelle und die Verteidigungsanlage sollte Angreifer aus dem Hunsrück abhalten.

Im März 1794 begannen die Schanzarbeiten durch 170 gefronte Bewohner aus der Umgebung unter der Leitung preußischer Offiziere. Aber schon im September 1794 wurden die Arbeiten wieder eingestellt – die preußischen und österreichischen Truppen erkannten ihre klare Unterlegenheit und zogen sich bis nach Mayen in der Eifel zurück.

Nun ließen die Franzosen aber die Arbeit umgehend wieder aufnehmen, denn sie fürchteten ein erneutes Vordringen der Alliierten. Am 1. Januar 1796 wurden schließlich die Schanzarbeiten endgültig eingestellt – ein Waffenstillstand war geschlossen.

Die Laufgräben, Geschützstellungen und Vorwerke sind auch heute noch gut zu erkennen. Dieses Bauwerk ist in der Geschichte etwas ganz Besonderes und Seltenes: von hier aus ist kein einziger Schuss gefallen.

Wieder zurück am Parkplatz Graacher Schanzen führt der Wanderweg T6 gemeinsam mit dem Moselhöhenweg stetig durch die Weinberge nach unten. Sie passieren die Waldschenke ‚Zur Eisernen Weinkarte’, sowie den alten jüdischen Friedhof, um kommen zum Graacher Tor, wo uns schon St. Michael begrüßt. Dies ist das einzig erhaltenen Stadttor der um 1300 errichteten Stadtbefestigung und sicherte den nördlichen Zugang der Stadt.

Heute befindet sich hier das u. a. von der Kolpingfamilie Bernkastel St. Michael 1856 betriebene Heimatmuseum mit seiner stadtgeschichtlichen Ausstellung.

Bernkastel liegt am rechten, Kues am linken Ufer der Mosel. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit für einen Stadtrundgang, bevor Sie über die Brücke nach Kues wechseln und den Mosel-Camino fortsetzen.

Die ersten Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bernkastel-Kues datieren aus der Zeit der Bandkeramiker, d.h. sie sind rund rund 5000 Jahre alt. Seit fast 2000 Jahren gibt es den Weinbau, die Römer errichteten um 400 ein Kastell an der Stelle, wo heute die Burgruine Landshut steht.

Im 7. Jh. wird erstmals eine Burg urkundlich erwähnt. Stadtrechte erhält Bernkastel im Jahre 1291. In diese Zeit fällt auch der Bau von Burg Landshut oberhalb der Stadt als Sommerresidenz der Trierer Bischöfe. Die Burg wurde häufig belagert, fällt aber 1692 einem unglücklichen Brand zum Opfer. Seitdem wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. Heute ist die Burgruine im Sommer bewirtschaftet und bietet einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Moseltal.

Gleiches gilt auch für die Jugendherberge, etwas oberhalb der Burgruine. Hier wurde vom Deutschen Jugendherbergsverband ein um die Jahrhundertwende erbautes Hotel erworben. Wenn die Zimmer auch nicht den Komfort einer modernen Jugendgästehauses besitzen, so ist es doch ein Haus mit Atmosphäre und Charakter.

Wenn Sie durch Bernkastels Gassen schlendern, spüren Sie die Geschichte dieser Stadt. Die Pfarrkirche St. Michael mit ihrem mächtigen, 600 Jahre alten Turm, wurde bereits 1177 das erste Mal urkundlich erwähnt. In der heutigen Form stammt sie im Wesentlichen aus dem Ende des 14. Jh.. Die Barockfassade, 1968 restauriert, steht im starken Gegensatz zum gotischen Turm. Der Turm gehörte zur Stadtbefestigung und war deshalb als Wehrturm ausgelegt.

Die dreischiffige Kirche ist reich ausgestattet und sicherlich einen Besuch wert. Der zentrale Punkt im Chor ist die Kalvarienbergdarstellung aus dem Jahr 1496. Im Anbau finden Sie einen Pestaltar von Hoffmann dem Jüngeren – die Szene zeigt den Marktplatz, auf dem sich die Bürger versammeln, um die Pestopfer zu Grabe zu tragen.

Der Marktplatz von Bernkastel entstand Anfang des 17. Jh. mit dem Bau des St. Michaels-Brunnens (1606) mit seinem filigranen Brunnengitter, des Renaissance-Rathauses (1608) und den anderen erhaltenen, wunderschönen 400 Jahre alten Fachwerkhäusern. Das berühmte ‚Spitzhäuschen’ stammt aus dem Jahr 1416.

Am 01. April 1905 wurde die Landgemeinde Kues der Stadt Bernkastel eingemeindet.

Wenn Sie nun über die Moselbrücke auf die linke Moselseite wechseln, merken Sie, dass dies dem Ort sicher nicht geschadet hat. Prächtige Villen zeugen hier von einer Blüte in den Jahren der Gründerzeit um 1900.

Das Stadtwappen von Bernkastel-Kues zeigt neben zwei Schlüsseln, welche die Himmelsschlüssel von Petrus symbolisieren (Schutzpatron des Bistum Trier) auch einen Bären für Bernkastel und einen Krebs für Kues.    

Den Bernkasteler Bären erklärt eine Sage:

Maximinus, Bischof von Trier, besuchte im Jahre 340 die von Papst Julius nach Rom einberufene Kirchenversammlung. Begleitet von seinem Mitbruder Martinus von Mainz machte er die weite Reise zu Fuß. Als die beiden Männer eines Tages in die Nähe eines Kastells kamen, ging Martinus dort hinein, um die nötigen Speisevorräte für die Weiterreise zu kaufen. Maximus blieb zurück, um den das Gepäck tragenden Esel zu bewachen.

Von der Reise ermattet, fiel Maximinus in einen tiefen Schlaf. Da kam aus dem Walde ein Bär, schleppte den Esel fort und fraß ihn auf. Martinus kehrte zurück und sah, was vorgegangen war. Er weckte seinen Reisegefährten und redete ihn an: “Bruder Maximus, was hast du getan?“ „Ich war müde und schlief ein“, antwortete Maximinus. „Und wo ist denn der Esel?“ fragte Martin weiter. „Ich weiß es nicht“, war die Antwort.

Martinus aber zeigte ihm den Bären, der den Esel bereits verzehrt hatte. Da rief Maximinus das wilde Tier herbei und fuhr es an: “Warum hast du so böse gehandelt und mir den treuen Esel nicht geschont! Ich befehle dir im Namen Jesu, nun seine Arbeit zu leisten! Folge mir!“ Wie ein zahmes Tier ließ sich der Bär die Last aufladen und folgte den beiden Männern bis nach St. Peter.

Nach Beendigung der Kirchenversammlung, und nachdem sie in Rom ihre Gebete verrichtet und die Reliquien der Märtyrer verehrt hatten, kehrten sie bis zu jenem Ort zurück, welcher nun ‚Urseria villa’, ‚Bärenstadt’ genannt wurde. Den Bären aber entließ Maximinus mit den Worten „Gehe nun, wohin du willst, aber hüte dich, jemandem wieder ein Leid anzutun“. Von der Zeit an verschwanden die Bären aus der Gegend.

Man kann aber nicht in Kues verweilen, ohne einen der größten Deutschen des späten Mittelalters, Nikolaus von Cues, zu erwähnen. Ihm ist das andere Tier im Stadtwappen, der Krebs, zu verdanken: Cusanus’ eigentlicher Name war Cryfftz, nämlich Krebs.

Aber wer war dieser Kaufmanns-Sohn von der Mosel eigentlich?

„Nikolaus Cusanus war die gewaltigste Erscheinung des sterbenden Mittelalters. Weder zu seinen Lebzeiten noch nach ihm hat es einen Denker von den geistigen Ausmaßen und der weltbildgestaltenden Kraft des großen Kardinals mehr hervorgebracht.“ So schreibt der Historiker Willy Andreas in seinem bekannten Buch ‚Deutschland vor der Reformation. Eine Zeitenwende’. In der Tat machte er im Spätmittelalter eine beispiellose Kariere und gilt heute als einer der bedeutendsten Mathematiker und Philosophen seiner Zeit.

Nicolaus Cusanus (1401-1464) wurde in Kues als Sohn des Fischers, Händlers und Schiffsbesitzers Chrypffs (Dialektname für ‚Krebs’) und seiner Frau Katharina geboren.

Schon als Junge besuchte er die bedeutende Fraterherren-Schule von Deventer in Holland, dem Mittelpunkt der geistlichen Reformbewegung »Devotio moderna«, in der Lehrer und Schüler in christlich geprägter, humanistischer Weltoffenheit eine Gemeinschaft bildeten. Nikolaus von Kues verfügte über vielfältige Begabungen, die er während langer Studienzeiten vertiefte. Zunächst studierte er 1416/1417 (im Alter von erst 15 Jahren) Philosophie in Heidelberg, absolvierte dann von 1417 bis 1423 ein Rechts- und Mathematikstudium in Padua, das er als Doktor decretorum abschloss und begann 1425 ein Studium der Philosophie und Theologie an der Universität Köln. Nach seiner Studienzeit stieg er schnell als Priester und Wissenschaftler in die höchsten Ränge des öffentlichen und klerikalen Lebens auf: 1427 wurde er Stiftsdekan in Koblenz, 1435 Probst von Münstermaifeld, 1448 Kardinal und 1450 Fürstbischof von Brixen. 1458 wurde er Generalvikar in Rom.
Nikolaus von Kues bemühte sich sehr um die Reform von Kirche und Reich. So wirkte er ab 1432 bis 1437 als Bevollmächtigter des Trierer Erzbischofs auf dem Basler Konzil, wo er für großes Aufsehen sorgte, als er von der Konzilpartei, einer von Rom unabhängigeren deutschen Kirche, zur päpstlichen Partei umschwenkte, weil er die Einheit der Kirche gefährdet sah. Er beteiligte sich 1439 am Unionskonzil von Florenz sowie an den Verhandlungen zum Wiener Konkordat von 1448, bei denen es Nikolaus von Kues gelang, die Einheit der Kirche zu retten. Zwischen 1450 und 1452 bemühte er sich in ausgedehnten Reisen um eine Reform des Ordenlebens in Deutschland und bereitete als Generalvikar durch ein umfassendes Gutachten (‚Reformatio generalis’) die Reform des römischen Klerus vor. In seiner theologisch-humanistischen Lehre formulierte er Anschauungen von Gott, Welt und Mensch, die neuzeitlichem Denken entsprechen. Er sah die Welt als „Ausfaltung“ (explicatio) des „Wesens“ Gottes, in das alle Dinge „eingefaltet“ sind (complicatio).

Cusanus’ Denken und die von ihm entwickelten Ideen erscheinen uns heute als sehr modern: Die Unendlichkeit des Alls, die Erde in Rotation und nicht Mittelpunkt des Universums, bewohnte Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die Relativität von Abmessungen und damit das Fehlen einer exakten Messung sind hierfür nur einige Beispiele. In seinen wissenschaftlichen Experimenten nahm er die Ideen vieler Denker der Neuzeit vorweg: Giordano Bruno, Kopernikus, Johannes Keppler, Galileo Galilei, Isaac Newton und Albert Einstein..

Cusanus war somit nicht nur als Kirchenrechtler, sondern auch als Naturwissenschaftler, Mathematiker und Philosoph, besonders auf dem Gebiet der Metaphysik, tätig. Als Philosoph vertrat er die Ansicht der Unerkennbarkeit Gottes und verband als einer der ersten mathematische Verfahren und Begriffe mit der Philosophie. Andererseits begründete er mathematisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge durch die Philosophie. Er lehrte als erster die Unendlichkeit der Welt und markiert damit den Übergang vom mittelalterlichen Denken zur mathematischen Wissenschaft der Neuzeit über. Sein philosophisches Hauptwerk (‚De docta ignorantia’ – ‚Gelehrtes Nichtwissen’), das er am 12. Februar 1440 in seinem Geburtshaus in Kues vollendete, steht wie ein Grenzstein zwischen Mittelalter und Neuzeit. Cusanus’ denken ist ein wichtiger Grundstein für unsere moderne Denkweise und heute Kern unserer abendländischen Kultur und Technik.

Schon 1436 weist Nikolaus von Kues auf die Fehlerhaftigkeit des Julianischen Kalenders hin und macht Vorschläge zur Korrektur. Leider wurde die Korrekturen im Gregorianischen Kalender erst über 100 Jahre später, 1582, durchgeführt.

Als Religionsphilosoph wird Cusanus von Meister Eckhart und dem Neuplatonismus beeinflusst und entwickelt die ‚negative Theologie’ weiter. In aller Kürze sagt die negative Theologie, dass wir über Gott prinzipiell keine positiven Aussagen machen und sein Wesen nicht positiv fassen können. Jede Religion spiegelt einen Teil der göttlichen Wahrheit wider. Cusanus spricht von der "einen Religion in verschiedenen Riten". Damit kann seine negative Theologie (ganz im Gegensatz zur natürlichen Theologie) der Religionskritik Kants (alle metaphysischen Gottesbeweise überschreiten unzulässig die Grenzen menschlicher Vernunft) standhalten, ja, sie ergänzen sich sogar.

Als einer der ersten deutschen Humanisten befasste sich Nikolaus von Kues mit der historisch-philologischen Untersuchung antiker Handschriften. Als Mathematiker beschäftigte er sich besonders mit der Quadratur des Kreises (1450 ‚De circuli quadratura’), wobei er gegenüber Archimedes einen verbesserten Näherungswert angab.

Am bekanntesten ist vielleicht der Grundgedanke seiner Philosophie: die ‚Coincidentia oppositorum’, der ‚Zusammenfall der Gegensätze’, der die bewusste Verneinung von Gegensätzen im Hinblick auf Gott betont.

Aber bei aller Wertschätzung muss wohl auch festgehalten werden, dass die von Cusanus angestrebte Reform der Kirche an Haupt und Gliedern und sein Bestreben, die Einheit zu wahren, letztendlich ohne den gewünschten Erfolg blieb. Das heraufkommende Papsttum der Renaissance wandte sich anderen Vorstellungen zu. Die eigentliche Reform blieb der protestantischen Reformation und der sich anschließenden katholischen Reaktion vorbehalten.

Am 11. August 1464 starb Nikolaus von Kues auf einer Reise in seine deutsche Heimat, wo er sich um seine sechs Jahre zuvor gegründete Stiftung kümmern wollte, in Todi in Umbrien. Begraben wurde er gemäß seinem Wunsch in seiner Kardinalkirche in San Pietro in Vincoli in Rom, sein Herz ruht vor dem Altar des St.-Nikolaus-Hospitals in Kues.

Wenn Sie mehr über das Universalgenie wissen wollen, rufen Sie im Internet die hervorragend aufgebauten Seiten unter http://www.nikolaus-von-kues.de/

Schon gleich nach dem Überqueren der Brücke sehen Sie auf der rechten Seite das St. Nikolaus-Hospital (kurz Cusanus-Stift). Hier errichtete Nikolaus von Kues 1458 in seinem Heimatort mittels einer Stiftung ein Hospital für 33 alleinstehende, über 50 Jahre alte Männer. 6 Adlige, 6 Priester und 21 Bürger durften dort ihren Lebensabend verbringen. Der Stiftungsbrief trägt das Datum vom 2. Dezember 1458. Bereits im März 1457 schrieb der Kardinal aus Brixen in einem Brief an die Schöffen von Bernkastel und Kues: „ …und lassen euch wissen, so wie wir zu Lebzeiten unseres Vaters, des seligen Crifftzhennes von Cusa, vorgehabt haben, zu Ehren des allmächtigen Gottes, unter dem Titel Sankt Nikolaus, des hl. Bischofs, ein Hospital zu errichten“. Die Baukosten betrugen 20000 Goldgulden. Nikolaus von Kues verwendete dazu sein eigenes und das Vermögen seiner beiden Geschwister Johann, Pfarrer von Bernkastel, und Clara, Ehefrau des Bürgermeisters von Trier.

Die weitsichtigen Statuten der Stiftung und die großzügige materielle Ausstattung sorgten dafür, dass das Cusanus-Stift auch nach 500 Jahren noch existiert. Nach heutigen Anforderungen modernisiert, bietet das Altenheim heute Platz für 60 Seniorinnen und Senioren.

Die bedeutende Bibliothek, in der sich heute ca. 3000 Titel befinden, vermachte Nikolaus von Kues dem von ihm gestifteten St.-Nikolaus-Hospital. Der Kern dieser Bibliothek ist auch heute noch die private Handschriftensammlung ihres Stifters. Nach größeren Verlusten im 17. und 18. Jh. (ca. 60 Bände befinden sich in Brüssel und London) sind immerhin noch etwa 300 Handschriften aus dem 9. bis 15. Jh. an der Mosel geblieben. Nikolaus von Kues hat sie auf seinen Reisen erworben, abschreiben lassen oder als Geschenke erhalten. Neben seinen eigenen Werken (z.B. ‚De docta ignorantia’, ‚De coniecturis’, ‚De pace fidei’) sind es v. a. solche aus der Theologie, Jurisprudenz, Philosophie, den Naturwissenschaften und der Mathematik. Viele Randnotizen von Cusanus lassen einen kleinen Einblick in seine ‚Denkfabrik’ zu.

Nikolaus von Kues blieb auch der »Devotio moderna«, die er in seiner Jugend kennengelernt hatte, zeitlebens verbunden. In Deventer, wo er die Fraterherren-Schule besuchte, errichtete er 1461 die Studienstiftung »Bursa Cusana«.
Wem weniger nach Philosophie und Theologie zumute ist, der wird vielleicht den Weg in das benachbarte Weinkulturelle Zentrum mit Mosel-Weinmuseum und Vinothek finden, wo nicht nur über die Geschichte des Weinbaus und die Arbeit der Winzer informiert wird, sondern wo man auch für einen Pauschalpreis in Höhe von 12 Euro nicht nur die Keller besichtigen, sondern eine Vielzahl von Weinen der renommiertesten Weingüter der Mosel verkosten kann. Info: http://www.bernkastel-vinothek.de/html/kontakt.html

Nun aber führt unser Pilgerweg der Weg stromaufwärts in Richtung Lieser. Noch vor dem Hotel ‚Drei Könige’ führt eine kleine Treppe von der Brücke hinunter auf den Radweg. Diesem folgen Sie und schon bald, kurz bevor Sie den Ort verlassen, passieren Sie das gut erhaltene und sehr gepflegte Geburtshaus des Nicolaus von Cues. auf.

Öffnungszeiten:
dienstags – samstags von 10.00 – 12.00 Uhr
und von 14.30 – 17.00 Uhr
sonn- und feiertags von 10.00 – 12.00 Uhr
und nach Vereinbarung,
Eintritt: 1,00 € / Person
Gruppenführungen nach Vereinbarung.
Tel. 0 65 31 / 28 31
Fax: 0 65 31 / 98 92 80

Weitere Informationen unter http://www.bernkastel-kues.de/kultur_kunst/cusanus_geburtshaus/cusanus_geburtshaus.html

Bevor wir jetzt Kues verlassen, noch die Sage vom bösen Maurus aus Kues, der heute noch spuken soll:

Der böse Maurus Maurus war zu seiner Zeit im ganzen Dörflein Cues an der Mosel als ein übler Patron verschrien. Er tollte und polterte unter gräulichem Saufen ganze Nächte hindurch und beunruhigte die ganze Nachbarschaft. Am allerschlimmsten war aber doch sein armes Weib dran. Bei der geringsten Veranlassung misshandelte und schlug er sie, dass oft die Freunde und Verwandten die Streitenden trennen mussten.
Jedes Leid hat aber doch einmal seine Grenzen. Der böse Maurus, so nannte man ihn allgemein, stürzte am heiligen Pfingsttag betrunken in eine Grube und brach sich jämmerlich das Genick. Seine Frau, obwohl er sie bei seinen Lebzeiten grausam misshandelt hatte, bereitete ihm doch ein anständiges Leichenbegräbnis.
Wie staunten aber die Leute, welche seine vergänglichen Überreste zur Grube bestattet hatten, als sie auf der Rückkehr den Maurus in dem Fenster seines ehemaligen Wohnhauses liegen sahen, wie er höhnisch auf die Begleiter, welche ihm den letzten Dienst erwiesen hatten, herabblickte.
Seine Frau schlug andächtig drei Kreuze; bald überzeugte man sich aber, dass der böse Mann auch nach seinem Tode keine Ruhe finden konnte. Es hat ihn zwar seit jener Zeit niemand mehr leibhaftig im Haus gesehen, aber doch gab er sich häufig durch nächtliches Rumoren, besonders an jenen heiligen Tagen, welche er dem Bacchus zur zeit geweiht hatte, kund. Der unruhige Poltergeist ward endlich, damit er die Einwohner und Nachbarn ferner nicht mehr belästige, in den Wald, Cues gegenüber, verbannt. Dort trieb er sich lange herum, neckte die Einwohner von Cues, welche den Wald besuchten, weil sie keine Verbannung veranlasst hatten.
Am Tage, wo er einige Male  wieder in seinem dreieckigen Hute und grauen Rocke gesehen wurde, erschreckte er oft die Leute, welche auf sein Gebiet sich wagten. Oft schob er Steine den Berg hinab nach den Vorübergehenden. Oft schwatzte er wieder mit sich selbst, dann lachte er wieder mit sich selbst und war hochvergnügt, wenn er jemandem einen listigen Streich gespielt hatte.
Viel Vergnügen machte es ihm auch, wenn er nachts die Fährleute durch den Ruf "Hol über" beunruhigte und betört hatte. Vergebens waren die Fährleute im Dunkel der Nacht oft nach dem jenseitigen Ufer gerudert, um den Rufenden überzuholen. Niemand fand sich aber am Ufer; wie lachte dann der alte Schalk über den gelungenen Streich.
Der lästige Maurus ward endlich, um seinen Neckereien ein Ende zu machen, zum zweiten Mal beschworen und nach dem Hinterwald, zwei Stunden von hier, verbannt, wo er sich etwas ruhiger gebärdete. Er erschreckte nur hin und wieder einen Vorübergehenden mehr, ohne jemandem ein besonderes Leid zuzufügen. Bei Heinzerath lässt er sich bisweilen noch hören und sauset dann, als wollte er alle Bäume entwurzeln, durch den Wald dahin.
Doch vergisst er seine Heimat noch nicht ganz; er schleicht noch einige Male nach seiner alten Wohnung und trübt den Frieden.

Nach: Sagensammlung "Rheinlands Wunderhorn" von Fr. Menk, Silbermann/Leipzig 1880

Weitere Informationen über Bernkastel-Kues erhalten Sie bei:

Mosel-Gäste-Zentrum (Tourist-Information)
Gestade 6
54470 Bernkastel-Kues

Telefon 06531 4023 und 06531 4024
Fax 06531 7953
E-mail: info@bernkastel.de
Internet: www.bernkastel.de

Mosel-Camino

Vom Cusanus-Geburtshaus geht es weiter am Nikolaus-Ufer entlang in Richtung Lieser. Es bietet sich an, auf dem Moselradweg am Moselufer zu laufen. Sollte die Mosel jedoch gerade Hochwasser führen, kann man auch auf Parallel-Wege rechts in den Weinbergen ausweichen. Der Moselhöhenweg verläuft zwar wunderschön oben an der Weinbergsgrenze, verlangt aber auch eine zusätzliche Steigung auf der heutigen Tagesetappe.

In Lieser sollten Sie dem romantischen Posthof einen Besuch abstatten. Dieses Ensemble von Gebäuden aus dem 17. und 18. Jh. war bis Mitte des 17. Jh. eine Poststation der Thurn und Taxis-Post an der niederländischen Postroute von Brüssel nach Augsburg, Innsbruck, Wien und Italien, wurde aber 1728-1734 aufgehoben. Heute zeigt sie sich nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten wieder in altem Glanz. Die Beschilderung im Ort ist ausgezeichnet.

Wieder auf dem Moselhöhenweg passieren Sie das Schloss Lieser. 1884 -87 erbauten die Puricelli-Schorlemer, die um die Jahrhundertwende den preußischen Landwirtschaftsminister stellten, am malerisches Schloss im Stil der Renaissacnce mit reich ausgestattetetr Hauskapelle. Der Fabrikant Eduard Puricelli ließ den älteren, Freiherr von Schorlemer-Alst den jüngeren Schlossteil erbauen. 1981 wurde das Schloss von der Gemeinde gekauft und unter Denkmalschutz gestellt, 2001 an einen Investor verkauft, der das mittlerweile doch etwas heruntergekommene Bauwerk in absehbarer Zeit zu einem 4*-Hotel ausbauen will. Der wunderschöne Park ist öffentlich zugänglich.

Dass dieses Kleinod aber „vom Bundesminister des Inneren zum Weltkulturerbe ernannt“ wurde, wie es auf der Homepage der Gemeinde (www.lieser-mosel.de) heißt, ist unwahr!

Von hier aus halten Sie sich weiter auf dem Moselhöhenweg neben der Moseluferstraße, die in Richtung Moselbrücke führt (nicht nach rechts Richtung Maring-Noviand!). Bleiben Sie also am Straßenrand in Sichtweite der Mosel und überqueren Sie das hier mündende Eifelflüsschen Lieser. Unmittelbar dahinter geht es weiter über die zur Brücke nach Mülheim führende Straße (nicht über die Moselbrücke!). Direkt dahinter führt Sie der Moselhöhenweg in einen Wald hinein, der nach einigen Serpentinen hoch über die Weinlage ‚Brauneberger Juffer’ mit prächtigen Ausblicken führt.

Auf der gegenüberliegenden Moselseite sehen Sie jetzt Brauneberg (bis 1925:Dusemond) mit der ehemaligen Simultankirche und dem einzigen Zwiebelturm an der Mosel. Simultankirche? Eine Kirche, die von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wird. Schon 1523 führt der Pfalzgraf Ludwig II. die Reformation ein, es war ein evangelischer Pfarrer in Dusemond. 1627, im 30-jährigen Krieg, wurde vom Trierer Erzbischof ein katholischer Geistlicher eingesetzt, 1649, nach dem Westfälischen Frieden, kam wieder ein lutherischer Pfarrer. Am 21. Dezember 1684 hat der französische Intendant für die gesamte Grafschaft entschieden, dass in Orten mit zwei Kirchen die kleinere Kirche den Katholiken gehören sollte. In Ortschaften mit nur einer Kirche sollten beide Konfessionen diese gemeinsam nutzen. Auch die 1777 neue Kirche wurde wieder zur Simultankirche. Seit 1955 wird die Kirche, entsprechend der Anteile der Baukosten von 1777, aufgeteilt und genutzt: 2/3 ist katholisch, 1/3 evangelisch.

Nach einer Weile erkennt man nun schon bald rechterhand auf einer Hochfläche das Ziel des heutigen Tages, Monzel, zunächst natürlich den Turm der St. Nikolauskirche.

Osann-Monzel

Schon 646 wird Monzel erstmalig als Monticellius urkundlich erwähnt. 1969 haben sich die beiden Gemeinden im Zuge einer Verwaltungsreform das benachbarte Osann und Monzel zusammengeschlossen. Monzel liegt wunderschön ca. 80m oberhalb der Mosel und bietet einen schönen Ausblick ins Flusstal. Ein eher verträumter Ort, fern ab von all der Hektik, wie man sie bisweilen in Bernkastel oder anderen Moselstädtchen erlebt.

Wer doch lieber direkt an die Mosel möchte, kann sich auf den Weg ins benachbarte Kesten machen, das man in einer knappen halben Stunde erreicht.

Allgemeines:  Osann-Monzel gehört zur Verbandsgemeinde Wittlich-Land, im Landkreis Bernkastel-Wittlich und im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 1.651. 

Ansprechpartner in Monzel:

Katholisches Pfarramt St. Peter, Bernkasteler Straße 52, 54518 Osann-Monzel, Telefon: 06535 325. E-Mail: pfarramt.osann@freenet.de

Gemeinde Osann-Monzel, Brunnenstraße 56, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 933287. Internet: www.osann-monzel.de

Heimat- und Verkehrsverein Osann-Monzel, Tel. 06535 94290

Übernachtung: 

Kelterhaus, Moselstraße 39, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 433. Internet: www.kelterhaus-broesch.homepage.t-online.de, E-Mail: kelterhaus@t-online.de. Ü/F im Doppelzimmer ab 50 Euro

Matthias Reichert, Moselstraße 59 54518 Osann-Monzel, Tel./Fax: 06535 557 Mobil: 0175/9069779. Internet: http://www.beepworld.de/members55/mosel-urlaub/. Doppelzimmer/Frühstück ab 28,- Euro; Ferienweingut Traut, Gartenstraße 31, 54518 Osann-Monzel , Tel.: 06535 1370. Doppelzimmer/Frühstück ab 34,00 Euro; Fritzen Gerd, Brunnenstraße 45, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 7000, Doppelzimmer/Frühstück ab 30 Euro

Ansprechpartner in Kesten:

Gemeindebüro: Ortsbürgermeister Valentin Zimmer, Moselstr. 9, 54518 Kesten,
Tel.: 06535 308, Fax: 06535 1297

Verkehrsbüro: Peter Junk, Moselstr. 12, 54518 Kesten, Tel.:06535 523, Fax: 06535 523

Hier noch eine Sage aus Monzel, die wir auf den Internetseiten der Gemeinde Osann-Monzel gefunden haben:

Sankt Donatus

Eine Geschichte aus Monzel

Einst hütete ein Schäfer sein Herd auf einer Weide zwischen Monzel und Noviand.

Auf einmal zogen dunkle Wolken am Himmel auf und ballten sich zu einem grollenden Gewitter zusammen.
Es dauerte nicht lange, da brach das Unwetter los. Schaurig hallte der Donner vom nahen Waldrand wider und feurige Blitze zuckten über das Firmament. Als schließlich dicke Hagelkörner wie aus Kübeln hernieder prasselten, fuhr der Schreck dem armen Schäfer und seinen ängstlichen Schafen in die Glieder. Die Herde stob in alle Himmelsrichtungen auseinander. Unter Bäumen und Büschen suchten die Tiere Schutz und viele rannten blindlings über die Felder bis zum Waldrand.

Dem Schäfer wurde es bang ums Herz, denn er dachte an seine armen Schafe, von denen kein einziges mehr in seiner Nähe war. Als das Unwetter nicht nachließ, sondern der Donner noch schlimmer und schauriger widerhallte, da streckte der Schäfer die gefalteten Hände zum Himmel und rief: „Lieber Donatus, du Schutzpatron der Schäfer, hörst du mich!
Beschütze meine lieben Schafe und gib sie mir gesund und wohlbehalten wieder zurück! Zum Dank will ich dir an diesem Fleck einen Bildstock erbauen!“
Bald legte sich der Sturm, die Hagelkörner wurden weniger und schließlich hatte sich der wolkenverhangene Himmel wieder aufgeklärt. Das Unwetter war ebenso unverhofft verzogen, wie es gekommen war.
Da lief der Schäfer über die Felder und Wiesen und rief mit lauter Stimme seine Schafe herbei. Von allen Seiten kamen sie zusammen. Als nur noch wenige fehlten, steckte er Daumen und Zeigefinger in den Mund und stieß grelle Pfiffe aus.
Daraufhin kamen auch die fehlenden Schafe aus den entferntesten Verstecken herbei, ja zuletzt fehlte nicht ein einziges. Wie glücklich, ja überglücklich war da der Schäfer!
Am nächsten Tag schon in aller Frühe begann der Schäfer schon sein Versprechen einzulösen. Er errichtete eigenhändig einen Bildstock zu Ehren des heiligen Donatus.

 

4. Etappe Bullay – Traben-Trarbach = 25 km

Bullay – über Moselbrücke – Marienburg – Kaimt – Moselbrücke – Notenau – Schöne Aussicht – Bummkopf – Enkirch – Starkenburg – Grevenburg – Traben-Trarbach = ca. 25 km

Schwierigkeit mittel

Zeitbedarf 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Alf, Zell, Enkirch, Grevenburg, Traben-Trarbach, Mont Royal 

„Ultreia“, „vorwärts“, heißt es im Lied der Jakobuspilger aus dem Mittelalter. Und weiter vorwärts soll es heute auch auf dem Mosel-Camino gehen. Die traumhafte Aussicht von der Marienburg, die zur Stadt Zell gehört, wollen wir nicht verpassen und müssen deshalb mal wieder kurzzeitig die Moselseite wechseln. Das geht zum einen über die Moselbrücke, die etwas oberhalb des Ortszentrums gelegen ist. Von dort aus wenige Meter nach links, und dann nach rechts bergauf zur Marienburg. Zum anderen aber kann man auch die Fähre zwischen Bullay und Alf (der Fährkopf liegt direkt im Ort am Moselufer bzw. auf der Alfer Seite am Moselhotel Alf) benutzen.

Diese Alternative ermöglicht es, noch ein wenig durch die malerischen Gassen von Alf zu schlendern. Übrigens werden in Alf die Ortsschilder in der Touristen-Info verkauft. Auf diese Idee kam die Gemeinde, nachdem die echten, offiziellen Ortschilder in den 80er Jahren durch den Erfolg der Fernsehserie ‚Alf’ eine besondere Beliebtheit erlangten und immer wieder gestohlen wurden.

Ab Alf verläuft der Mosel-Camino vom Fährkopf kommend auf dem Moselhöhenweg mit dem weißen ‚M’ auf schwarzem Grund und dann auf dem Wanderweg "Q2" am Haus Waldfrieden und der Sitzgruppe vorbei in Richtung Prinzenkopf mit dem (z. Z. gesperrten) Aussichtsturm.

Schon bald können Sie bereits die Marienburg sehen, die Wegmarkierung ist Q3/Q1. Schon zur Zeit Karls des Großen stand hier unter dem Schutz einer trierisch-erzbischöflichen Burg, dem Castrum S. Mariae, die Pfarrkriche des Hamm (Bereich Zell). Ihre Pfarrrechte wurden 1142 der Abtei Springiersbach übetragen. 1146 errichtete Abt Richard auf der Marienburg einen Augustinerinnen-Chorfrauen-Konvent, mit der neuen Marienkirche anstelle der alten Peterskirche. Die Pfarrrechte gingen um 1220 auf die St.-Peterskirche in Zell über. 1515 erlaubte Papst Leo X. die Auflösung des Klosters, um hier neue Befestigungen anzulegen.

Im Dreißigjährigen Krieg war die Burg im Wechsel von Freund und Feind besetzt; 1650 wurde sie zerstört. 1803 wurde sie im Zuge der Säkularisation versteigert.

1950 erwarb das Bistum Trier die Marienburg und baute sie zu einer Jugendburg aus. 1957 wurde die Marienkirche wieder aufgebaut. Heute wird sie als Jugendbildungsstätte und Tagungshaus für Jugendliche und Erwachsene mit 112 Betten in Zimmern mit unterschiedlicher Ausstattung genutzt. Von hier haben Sie einen traumhaften Blick ins Moseltal. Die Marienkirche bietet die Möglichkeit zu Ruhe, Gebet und Besinnung. Ein Café-Restaurant sorgt zudem für das eher leibliche Wohl. Informationen: Jugendbildungsstätte Marienburg 56856 Zell/Mosel Tel: 06542/93680; http://www.gruppenhaus.de/new/hausansicht.php?hs=2885

Es geht weiter vorbei am Haus Nonnenkehr, der Ruine des Marienthaler Hofes sowie dem Engelskapellchen aus dem Jahr 1886 hinab zur viel befahrenen B53. Diese wird bei Zell-Kaimt überquert, um dann zur Mosel und die Fußgängerbrücke nach Zell und damit auf die Hunsrückseite der Mosel zu gelangen.

Zell (= cella) war immer schon, allein wegen des Namens für eine römische Gründung gehalten worden, obwohl es im Stadtkern lange Zeit keine konkreten Baureste gab. Erst 1978 fanden sich bei Kanalisationsarbeiten Reste einer Badeanlage, die mit einer Hypokausten-Heizung ausgestattet war.  Dieser Fund sowie der eines längeren Stückes Römerstraße bewiesen, dass Zell schon zur Römerzeit besiedelt war. Zwischen den römischen Hauptstraßen Trier-Mainz und Trier-Andernach gab es eine wichtige Verbindung, die von Wittlich nach Simmern führte und zwischen Zell und Kaimt die Mosel auf einer Furt querte. Zell ist also  als römische Straßenstation mit Lagerhäusern (cellae), möglicherweise auch mit einem Hafen.

Schon 1222 hatte Zell die Stadtrechte erhalten, 1229 wurde die Stadtmauer mit drei Toren fertig gestellt. 1532, bei der Verteidigung Triers gegen die anstürmende Streitmacht Franz von Sickingens, machten sich 300 Streiter aus dem Zeller Hamm einen Namen wegen ihrer besonderen Tapferkeit. Ihre Standhaftigkeit wurde sprichwörtlich und seitdem heißt es in Mundart: "He steiht ferm (fest) wie ein Zeller us em Hamm!" Kurfürst Richard von Greiffenklau dankte den Zellern, indem er den Sitz des trierischen Amtes für die Gegend von Burg Arras nach Zell verlegte und das schöne Schloss bauen ließ, das noch heute das reizvollste Gebäude der Stadt ist.

Brände in den Jahren 1848 und 1857 vernichteten einen großen Teil der alten Bausubstanz. Zell wurde danach mit verbreiterten Straßen wieder aufgebaut und wirkt deshalb ‚städtischer’ als die meisten Moselstädte. Erhalten blieb damals unter anderem das ‚Haus Caspary’ in der Balduinstraße, ein interessanter gotischer Bau, der 1515 für den kurtrierischen Amtmann Johann von Senheim errichtet wurde. Auch die Pfarrkirche St. Peter und Paul von 1786 überstand die Feuersbrünste.

Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind vor allem zwei Türme erhalten. Der ‚Viereckige Turm’ im Zeller Bachtal und der ‚Runde Turm’, am Friedhof über der Stadt, der sich als Vordergrund für Panorama-Aufnahmen von Zell anbietet und auf fast keiner Ansichtskarte fehlt.

Fast dörflich wirkt Zell dagegen in der Jacobstraße, einer schmalen Gasse mit kleinen Winzerhäusern, die bei der Pfarrkirche von der Hauptstraße abzweigt. Dort findet sich auch an der Rückseite des Schlosses die Tür der ehemaligen Synagoge der jüdischen Gemeinde von Zell.

Mittelpunkt der Stadt ist der kleine Marktplatz, der die Balduinstraße, die Hauptgeschäftsstraße, mit den Grünanlagen am Flussufer verbindet. Hier steht auf einem Brunnen das Markenzeichen der Zeller Weine, die berühmte ‚Schwarze Katz’. Schräg gegenüber vom Rathaus wird unter den Bögen der alten Marktlaube zu mancher Gelegenheit Wein ausgeschenkt. Hier ist aber auch der Ausgangspunkt jener alten Römerstraße, die steil von der Mosel auf den Hunsrück hinaufführt und der Zell seine Entstehung verdankt.

Nach einem Bummel durch die Stadt gehen Sie auf dem Moselhöhenweg (grünes Schild mit weißem ‚M’) ein Stückchen auf dem Uferweg moselaufwärts in Richtung Notenau. Biegen Sie nach links in die Notenau ein (dabei verlassen Sie kurzzeitig den Moselhöhenweg) und am Ende der Bebauung geht es rechts zur Wassertretanlage hinauf und weiter zur ‚Schönen Aussicht’ (beschildert). Gerade der Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zell gibt sich mit der Markierung der Wanderwege große Mühe. Von der hier führt Sie unser Mosel-Camino dann in Richtung Bummkopf (keine Bewirtschaftung mehr!), wieder ein sehr gut beschilderter Weg. Bis nach Enkirch sind es nun noch etwa 5 km; auf dem Moselhöhenweg geht es nun ständig bergab mit einigen schönen Aussichtspunkten.

Informationen:

Tourist -Information Zeller Land der Stadt und Verbandsgemeinde Zell (Mosel)

Balduinstr. 44, Rathaus

D-56856 Zell/Mosel

Tel. (0049) 06542-9622-0 oder -19433

Fax (0049) 06542-9622-29

E-mail: info@zellerland.de

Internet: www.zellerland.de und www.zellmosel.de

Enkirch, eine bedeutende keltische und römische Ansiedlung, trägt wegen der vielen schönen, erhaltenen Fachwerkhäuser aus dem 15. – 18. Jh. den Ehrentitel ‚Schatzkammer rheinischen Fachwerkbaues’. Der Mosel-Camino verläuft mitten durch den Ort – nehmen Sie sich doch die Zeit, einmal links und rechts zu schauen. Die heute evangelische Pfarrkirche von Enkirch dürfte im ältesten Teil aus dem Jahr 908 stammen. Da Enkirch keine Burg hatte, war die Kirche zur Wehrkirche ausgebaut worden. Teile der inneren Wehrmauer sind noch erhalten. Etwas außerhalb, am Ortsrand, wurde im Jahre 1135 durch das Kloster Ravengiersburg eine Marien-Wallfahrtskapelle errichtet. Später zur Probsteikirche erweitert, wurde sie 1685 in ein neu gegründetes Franziskanerkloster eingegliedert. Nach Auflösung des Klosters durch Napoleon erhielt die katholische Kirchengemeinde das Gotteshaus.

Sie folgen dem Moselhöhenweg mit seiner Markierung ‚M’, hier mit dem von Bad Kreuznach kommenden Sponheimer Weg (Markierung: ‚S’) identisch ist, an der evangelischen Kirche vorbei steil durch die Weinberge hinauf zum Aussichtspunkt ‚Rottenblick’. Seit 1979 bereichert die Enkircher Oberdorfgemeinschaft ‚Rotte 10 & 11’ mit ihrem freiwilligen Engagement das Dorfgeschehen von Enkirch, insbesondere des Oberdorfes von Enkirch. 2006 hat sie hier oben eine wunderschöne Schutzhütte aufgebaut, von der man einen ebenso tollen Blick auf das Moseltal hat. Von hier aus kann man sich entscheiden, welchem dieser beiden Wege man folgen möchte. Wir empfehlen den Sponheimer Weg, weil er, genau an der Grenze zwischen Wald und Weinberg (‚Kirst’) verlaufend, immer wieder atemberaubende Ausblicke ermöglicht. Aber auch der Moselhöhenweg, der durch den Wald führt, hat seine Reize. Egal, wozu man sich entscheidet: Immer wieder laden Bänke, selbst im eher ungemütlichen Winter zum Verweilen ein. Bei schlechter Witterung sollten Sie aber auf gutes Schuhwerk achten; der schmale Weg, v. a. der ‚Sponheimer Variante’ ist nicht befestigt und Wurzelwerk und Steine können leicht zum Stolpern führen.

Informationen: 

Tourist-Information Enkirch

Brunnenplatz 2

56850 Enkirch

Telefon 06541/9265

Fax: 06541/5269

E-Mail: info@enkirch.de Internet: www.enkirch.de

Nach einiger Zeit gehen beide Wege wieder ineinander über, und einige Minuten später erreichen ‚M’ und ‚S’ das gut 250m oberhalb der Mosel gelegene Starkenburg. Hier sind leider nur noch wenige Mauerreste der ehemaligen Starkenburg zu finden. Diese erlangte im 14. Jh. Berühmtheit durch die mutige, tatkräftige – und wie es heißt – überaus schöne Gräfin Loretta, der jungen Witwe des Grafen Heinrich II. von Sponheim. Diese hatte nämlich kurzerhand den Trierer Fürstbischof Balduin von Luxemburg auf einer Moselreise gefangen nehmen lassen und auf der Starkenburg in Ehrenhaft genommen. Dem Trierer Erzbischof waren die Besitztümer der Sponheimer inmitten seines Landes ein Dorn im Auge und er versuchte, seine Macht auszuweiten. Ein Beispiel für sein Machtstreben ist auch Balduinstein an der Lahn (siehe auch ‚Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein’ ISBN 978-3833494758). Aber Loretta kam ihm zuvor. Neun Monate dauerte seine Haft, und weder Kaiser noch die päpstliche Banndrohung konnte die Gräfin veranlassen, den Kurfürsten freizulassen. Erst die Vermittlung des böhmischen Königs führte zur hoher Lösegeldzahlung und Freilassung.

Auf dem Weg durch den Ort passieren Sie zunächst links den ‚Lorettablick’, wo einst die Starkenburg stand, anschließend die 1765 geweihte evangelische Kirche von Starkenburg. Nach der Renovierung im Jahr 1983 zeigt sie sich in den ursprünglichen Farben. Die schöne und wertvolle Stumm-Orgel, 1785 gebaut, verfügt über 1 Manual und 8 Register. Vielleicht haben Sie Glück und die Kirche ist offen, um hier ein paar Minuten zu verweilen.

Im Ort führen beide Wege dann zwischen den Häusern über eine Treppe zunächst auf ein kleines Plateau und anschließend hinab zur Mosel. An einer Hausecke hat ein lustiger Bewohner des Dorfes in ca. 3 m Höhe eine Hochwassermarkierung angebracht. Wer weiß, wie viele Wanderer sich schon ernsthaft überlegt haben, ob die Mosel in neuerer Zeit wirklich mehr als 250 m hoch gestanden haben kann, und dies am 30.02.1983 …

Drei starke Sprüche aus Starkenburg, aufgelesen am Wegesrand:

„In ihm sei’s begonnen, der Monde und Sonnen an blauen Gezelten des Himmels bewegt. Du Vater, du rate! Lenke du und wende! Herr, dir in die Hände sei alles gelegt!“ (Eduard Mörike)

„Weise mir, Herr, deinen Weg. Dasz ich wandele in deiner Wahrhet. Erhalte mein Hertz bey dem einigen, dasz ich deinen Namen fürchte.“ (Psalm 86,7)

„Gott lieben macht selig, Wein trinken macht fröhlich. Drum liebe Gott und trinke Wein. So magst du selig und fröhlich sein!“ (Trinkspruch, unbekannter Autor)

Hinter Starkenburg geht es stetig weiter bergab mit der Markierung ‚M’ und den Markierungen für die verschiedenen Nordic-Walking-Strecken in Richtung Traben-Trarbach. Dabei passieren Sie die Grevenburg.

Die Grevenburg wurde 1350 von Graf Johann III. von Sponheim, dem Sohn Gräfin Lorettas, errichtet und löste die Starkenburg als Verwaltungssitz der Sponheimer ab. Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. eroberte im 17. Jh. die Burg und ließ sie als einen Teil der auf der gegenüberliegenden Seite auf einem Festungsplateau gelegenen Festung Mont Royal ausbauen. Anfang des 18. Jh. kam sie noch einmal in kurtrierischen Besitz und wurde in größerem Umfang ausgebaut. 1735 schließlich wurde sie von den Franzosen gesprengt. Viel ist von der Burg nicht erhalten, der Ausblick auf Traben-Trarbach aber imposant. Die Besichtigung der Ruine ist kostenlos. In den Sommermonaten hat die Burggaststätte geöffnet. Von hier führt der Weg immer weiter hinunter nach Trarbach, dem auf der rechten Seite gelegenen Teil der Doppelstadt.

Traben-Trarbach

Allgemeines:  Traben-Trarbach gehört zum Landkreis Bernkastel-Wittlich im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 6.075. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt St. Nikolaus, Weihertorplatz 2, 56841 Traben-Trarbach, Tel.: 06541-6487 (Dienstsitz des Pfarrers: Kinderbeuren); Tourist-Information Traben-Trarbach, Am Bahnhof 5, 56841 Traben-Trarbach, Tel.: 06541-83980, E-Mail info@traben-trarbach.de

Übernachtung: Mittelmosel-Jugendherberge Traben-Trarbach, Hirtenpfad 6, 56841 Traben-Trarbach Traben, Tel.: 06541-9278, E-Mail traben-trarbach@diejugendherbergen.de, Ü/F für 2 Personen ab 34 Euro; Ella und Jens Ahrens, Am Laubloch 25, 56841 Traben-Trarbach, Tel.: 0175 – 5 12 68 90, jens.ahrens@web.de; Ü/F im Doppelzimmer ab 35 Euro; Gästehaus Charlotte Clauß, Kirchstrasse 7, 56841 Traben-Trarbach Traben, Tel.: 06541-6347, E-Mail  gaestehaus-charlotte@t-online.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 30 Euro

Traben-Trarbach besteht aus zwei ursprünglich eigenständigen Orten: Trarbach und Traben. Traben auf der linken Moselseite wird 820 zum ersten Male urkundlich erwähnt, der Nachbarort hingegen erst 1144. Die Gemarkung von Traben lag auf beiden Seiten der Mosel. Trarbach entstand in einem Bachtal und schob sich erst langsam zur Mosel vor. Nach 1233 wurde die Siedlung zum Hauptort der Hinteren Grafschaft Sponheim und hatte die Aufgaben eines Verwaltungszentrums zu erfüllen.

Durch die Stadtbrände (1857 und 1879) wurden die alten Ortskerne von Traben und Trarbach nahezu vollständig zerstört. Am Ende des 19. Jh. setzte eine rege Bautätigkeit ein. Diese ging mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der beiden Moselorte einher. Vor allem in Traben wurde zu Beginn des 20. Jh. ein Großteil der öffentlichen Institutionen in neuen Gebäuden untergebracht. Die Serie begann mit dem Trabener Rathaus (1900). Es folgten der neue Bahnhof (1904) und die Post (1908). In Trarbach waren es das Gymnasium (1905) und das Kurhaus Wildstein (1901, Anbau 1905/07). Die Bauten sind stilistisch dem Historismus und der moselländischen Fachwerkarchitektur verpflichtet.

Die nach langen Diskussionen 1898/99 erbaute Brücke wurde weitgehend von der Stadt Trarbach und dem Regierungsbezirk Koblenz finanziert. Der Entwurf stammte von Bruno Möhring (Berlin, bekannter Jugendstil-Architekt). Zwar wurde die Brückenkonstruktion 1945 gesprengt, erhalten ist jedoch das Brückentor. Von Bruno Möhring stammen noch weitere Jugendstilbauten in Traben: das Hotel Clauss-Feist, heute ‚Bellevue’ (1901-03), die Weinkellerei Julius Kayer & Co. und (1901-03), die Wohnhäuser Adolf Huesgen (1904) und Dr. Breucker (1905) sowie der Erweiterungsbau des Kurhauses Wildstein (1906/07).

Traben-Trarbach liegt am Fuß der gigantischen Festung Mont Royal. Zwischen 1687 und 1698 ließ der Sonnenkönig Ludwig XIV. die Festung nach Plänen des Festungsbaumeisters Sebastien Le Prestre de Vauban erbauen. Aber fangen wir doch einfach mal von vorne an.

1648 endete der 30jährige Krieg mit dem Westfälischen Frieden. Die Einwohnerzahl im ehemaligen Deutschen Reich, schon nach 1500 in ca. 400 Kleinstaaten zerfallen, betrug gerade noch 20 Millionen. Und der große Nachbar, Frankreich, war geeint und die Bevölkerung war fast doppelt so groß. Die bekannte Welt blickte auf Frankreich und ihren größten Herrscher des Zeitalters: Ludwig XIV. – den Sonnenkönig. Mitten im Frieden, 1680/81, kam dieser Herrscher auf die Idee, die linksrheinischen Lande zu besetzen (wer daran weiter interessiert ist, sollte im Lexikon den Begriff ‚Reunionen’ nachschlagen).

Um die französischen Interessen am Rhein zu schützen, entwickelte sich auf Anweisung des Sonnenkönigs eine rege Bautätigkeit. Mit erheblichem finanziellen Aufwand und mit bis zu 8000 Fronarbeitern aus den umliegenden Ortschaften, welche die Materialien mit bloßen Händen auf die Höhen schaffen und dort ohne Maschinen verarbeiten mussten, wurde die auf den Eifelhöhen liegende Anlage auf einer Fläche von 50 ha errichtet. Die Länge betrug 1600 m, die Breite 750 m – der Wall war bis zu 20 m hoch und hatte eine Länge von 2920 m. Geplant war eine Besatzung von 8450 Soldaten und 3000 Pferden. Wie oben schon gesagt: gigantisch! Fertiggestellt wurde die Festung jedoch nicht. Der Staatshaushalt  wurde durch den Bau stark belastet, ohne jedoch einen entsprechenden militärischen Nutzen darzustellen. So waren die Franzosen nicht wirklich betrübt, als schon im Jahr 1698 gemäß den Bestimmungen des Friedens von Rijswijk gesprengt wurde. 

Die Festung Mont Royal zählte zu ihrer Zeit zu den größten und beeindruckendsten Festungsanlagen in Europa. Nach 1929 wurde der Reichsarbeitsdienst beauftragt, die Festung auszugraben – die Machthaber versprachen sich eine propagandistische Wirkung gegenüber Frankreich. Aber erst in jüngerer Zeit erhofft man sich eine touristische Nutzung des Geländes und hat damit begonnen, die Reste zu sichern. Ob es jedoch möglich sein wird, dieses Monument für die Nachwelt zu erhalten, scheint zur Zeit zumindest fraglich.

Wenn Sie Ihre Übernachtung in der Jugendherberge gebucht haben, führt Sie der Weg am Bahnhof vorbei in Richtung Mont Royal. Die Beschilderung ist gut, und vielleicht haben Sie ja noch die Kraft, einen Abstecher zur Festung hinauf zu machen. Ansonsten sollten Sie die Zeit noch am morgigen Tag einplanen.

3. Etappe Treis-Karden – Bullay = 26 km

 

Karden – über Moselbrücke nach Treis (-Karden) – Kloster Engelport – Beilstein – Bullay = 26 km

Schwierigkeit mittel

Dauer ca. 7 Stunden (ohne Besichtigungen)

Besichtigungen Kloster Maria Engelport, Karmeliterkirche Beilstein, Burgruine Metternich

Haben Sie den Film ‚Der Schinderhannes’ (1958) mit Curd Jürgens und Maria Schell gesehen? Können Sie sich an die lange, alte Treppe erinnern? Diese Szenen sind in Beilstein gedreht worden, einem romantischen Moselörtchen und Zwischenetappe auf unserem heutigen, recht langen Weg nach Bullay.

Aber zunächst führt uns der Weg zum Kloster Engelport. Wenn Sie eine Übernachtungsmöglichkeit in Karden gefunden haben, geht es für Sie zunächst über die Moselbrücke nach Treis auf die Hunsrück-Seite. Hier folgen Sie auf der Hauptstraße den Hinweisschildern zum Beurenkern. Am Schwimmbad vorbei kommen Sie hinter der Abfahrt zum Steinbruch der Fa. Schnorpfeil in die Nähe der Mündung des Dünnbachs in den Flaumbach. Hier nehmen Sie nicht die Straße zum Kloster Engelport, sondern Sie halten sich auf dem Weg links davon und gehen in zur Wildburgmühle. Rechterhand können Sie auf dem Boden eine Steintafel erkennen, die „Zur Erinnerung an den Lachs/Salm“ aufgestellt wurde, als „1945 … der letzte Lachs im Flaumbach gefangen“ wurde.

Hoch über Ihnen thronen zwei Burgen: Burg Treis stammt wohl aus der zweiten Hälfte des 11. Jh. und wechselte mehrfach den Besitzer. So waren u. a. der Trierer Erzbischof Albero und später die Herren von Winneburg Eigentümer der Burg. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Burg Treis 1689 von französischen Truppen zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Erst seit ca. 1950 werden die Überreste gesichert; die nicht bewirtschaftete Ruine ist frei zugänglich. Auf der gleichen Kammlinie die Wildburg. Wahrscheinlich wurde diese Burg als Flankenschutz für die strategisch günstiger gelegene Burg Treis in der ersten Hälfte des 12. Jhs. vom Pfalzgraf Otto von Rheineck erbaut und gelangte wenig später in den Besitz des Erzbistums Trier. In den folgenden Jahren wechselte die Burg häufig den Besitzer, so wird sie zum Beispiel 1485 Eigentum der Herren von Eltz. 1689 ereilte die Wildburg das gleiche Schicksal wie der Burg Treis: die französischen Truppen zerstörten die Burg. Da der Ort keine strategische Bedeutung mehr besaß, wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. Seitdem die Wildburg in den 50er Jahren von einem Privatmann gekauft wurde, wird die verbliebene Bausubstanz gesichert und teilweise wieder aufgebaut. Der Bergfried erhielt ein neues Dach, der Pallas und einige andere Nebengebäude wurde wieder aufgebaut und bewohnbar gemacht. Die Wildburg wird vom Eigentümer bewohnt und kann nicht besichtigt werden.

Etwa 2 km geht es nun auf dem alten Verbindungsweg von Treis nach Kastellaun hinauf, zunächst auf recht holprigem, danach auf geschottertem Weg zur Abzweigung zum Beurenhof. Der steile Anstieg ist nun geschafft, und nach knapp 2 km schickt uns ein Wegweiser hinunter zum Kloster Maria Engelport.

Kloster Maria Engelport

Kloster Maria Engelport, schon im Jahr 1220 gegründet, liegt malerisch im Flaumbachtal, direkt am Mosel-Camino. Kurz nach der Gründung wurde Engelport aber wieder verlassen, bis im Jahr 1262 der Treiser Philipp von Wildenberg es für seine drei Töchter neu aufbauen ließ. Für über 500 Jahre bot Maria Engelport rund 500 adeligen Chorfrauen und ihren Angestellten als Prämonstratenserinnen-Kloster ein Zuhause. 1793 fiel das Kloster den französischen Revolutionsheeren zum Opfer, bis am 04. April 1903 eine Gruppe von 7 Hünfelder Oblaten die Ruinen bezog, um einen neuen Wohnbau und eine Kirche zu errichten.  Das bekannte Gnadenbild stammt aus der Kölner Schule um 1420. Beim Einfall der Franzosen Ende des 18. Jh. rettete die damalige Priorin das Gnadenbild vor der Zerstörung. 1913 konnte es in das völlig neu errichtete Kloster zurück gebracht werden. Nachdem das zweitälteste Oblatenkloster in Deutschland zunächst Missions- und Kolonialschule war, wird es heute als Tagungs- und Exerzitienhaus  mit 45 Einzel- bzw. Doppelzimmer betrieben. Das ruhige Seitental der Mosel macht es zu einem idealen Ort, um Ruhe zu finden und zur Besinnung zu kommen. Das Kloster ist ein beliebter Wallfahrtsort, an dem die Muttergottes und ihre Mutter Anna verehrt werden. Schon sehr früh wallfahrtete man aus den umliegenden Orten nach Engelport. Dabei kam der Verehrung der Heiligen Anna eine besondere Bedeutung zu. Bereits aus dem 17. Jh. sind Berichte von Frauen erhalten, die in Engelport um Nachkommenschaft gebetet haben.  Pilgergruppen, die einen Gottesdienst oder eine Andacht feiern wollen, mögen sich frühzeitig mit dem Kloster in Verbindung setzen (Telefon: 02672 9350; Telefax: 02672 935400; E-mail: engelport@oblaten.de; Homepage: www.oblaten.de)

Vom Kloster Maria Engelport aus führt Sie der Weg weiter in Richtung Beilstein. Folgen Sie der Markierung ‚U8’ nach Westen. Nach ca. 2 km erreichen Sie an der Kreisstraße 36 den Moselhöhenweg mit dem ‚M’. Dies überqueren sie und gelangen nach etwa 3 km Beilstein.

Beilstein

Allgemeines:  Beilstein gehört zur Verbandsgemeinde Cochem-Land, Landkreis Cochem-Zell im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 144.

Ansprechpartner:

Katholisches Pfarramt St. Josef, Klosterstraße 55, 56814 Beilstein, Tel.: 02673-1653;

Heimat- und Verkehrsverein, Bachstraße 47, 56814 Beilstein, Tel.: 02673-900191, E-Mail: beilstein-mosel@web.de

Übernachtung:

Gästehaus Erika, Erika Arnoldi, Kurierweg 9, 56814 Beilstein, Tel: 02673 1449.E.mail: info@gaestehaus-erika-beilstein.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 42 Euro

Haus Johanna, Familie Brauer, Alte Wehrstrasse 23, 56814 Beilstein, Tel.: 02673-1483, E-mail: info@pension-haus-johanna.de

Die Filme ‚Der Schinderhannes’ mit Curd Jürgens oder ‚Wenn wir alle Englein wären’ (1936) mit Heinz Rühmann sind natürlich nicht das Herausragende von Beilstein, dem ‚Dornröschen an der Mosel’, wie es vielfach genannt wird. Vielmehr schätzten die Regisseure die schier nicht enden wollende Treppe aus dem Ort hinauf zur Karmeliter-Kirche.

Schon auf das Jahr 800 n. Chr. sind die fränkischen Gräber datiert, die auf eine frühe Besiedlung Beilsteins hindeuten. 1068 wird Beilstein erstmals urkundlich als Lehnsbesitz der Herren von Braunshorn  erwähnt, 1310 erhält es Stadtrechte, 1322 wurde als Mittelpunkt des Otes der Marktplatz angelegt.  Nach dem Aussterben des Geschlechts von Braunshorn geht das Lehen 1360 an die Herren von Winneburg über. Oberhalb des Ortskernes gründet sich 1309 eine bedeutende jüdische Gemeinde; die Herren von Beilstein hatten gegen Bezahlung Schutzbriefe an sie ausgestellt und ihnen die Ansiedlung erlaubt.  Durch den Handel mit Wein, Früchten und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen kamen sie zu erheblichem Wohlstand. Oberhalb der Ruine Metternich ist deren Friedhof noch heute als Sehenswürdigkeit und Gedenkstätte zu besichtigen.

1310 wird die ehem. Pfarrkirche gestiftet. 1488 nimmt Kurtrier den Ort in Besitz. Nachdem Beilstein mit kurzer Unterbrechung durch spanische Besatzung rund 150 Jahre evangelisch war, übertrug das Erzstift Trier den katholischen Reichsgrafen von Metternich 1636 die Herrschaft. Graf Emmerich von Metternich brachte die Karmeliter nach Beilstein, um hier den katholischen Glauben zu stärken. Er schenkte den Karmelitern den Rammelsberg und sie erhielten eine Stiftung von 4000 Talern, um auf dem Berg ein Kloster und eine Kirche zu errichten. Erst 1686 konnten die Patres mit dem Bau des Klosters beginnen, die Grundsteinlegung für die Kirche erfolgte 1691. 1689 wurden die Reichsfeste über dem Ort und die Stadtbefestigung auf dem Höhepunkt der französischen Eroberungskriegszüge gesprengt.

Die barocke Karmeliterkirche in Beilstein, deren Grundsteinlegung 1691 erfolgte, die aber erst 1783 vollendet wurde, ist ein wichtiger Wallfahrtsort für die Umgebung. Als die Spanier  während des Dreißigjährigen Krieges 1620 Beilstein eroberten, brachten sie eine damals schon kostbare, aus dem 12./13. Jh. stammende holzgeschnitzte Figur der Muttergottes mit.  Während der 14jährigen Besetzung entwickelte sich ein durchaus freundschaftlicher Kontakt zur Bevölkerung, und die Spanier überließen beim Abzug die Marien-Skulptur den Beilsteinern. Um der wachsenden Zahl von Wallfahrern zur ‚Schwarzen Madonna’ Raum zu geben, wurde die Marienskulptur in die neu erbaute Klosterkirche überführt. Die Balthasar-König-Orgel in der Karmeliterkirche bezaubert auch heute noch – nach nunmehr über 250 Jahren – die Gottesdienstbesucher durch die hohe Klangqualität in Verbindung mit der guten Akustik der Kirche.

Entlang der Kreisstraße 42 führt unser Mosel-Camino über den Moselhöhenweg aus Beilstein heraus in Richtung Grenderich. Der Weg kürzt zwar stellenweise die Windungen der Kreis- und später der Landstraße 200 ab, führt aber unangenehmerweise immer wieder an der recht stark befahrenen Straße entlang. Erst nach etwa 2 km (Straßenschild an der Leitplanke beachten!) führt der Weg nach rechts in den Wald, dort hinauf zur L 200, die zunächst ein kurzes Stück zu gehen ist und dann überquert werden muss. An der Straßenkreuzung halten wir uns für wenige Meter auf der L 98 (in Richtung Kappel und Grenderich), um an der bald sichtbaren Schutzhütte nach links abzubiegen und von dort hinauf zur ‚Alten Schanze’ zu kommen, dem mit 395 m NN höchsten Punkt der heutigen Etappe. Dort gehen wir 20 m auf der L 98 und orientieren uns dann nach rechts in Richtung Lindenhäuschen (Kapelle!), deren Turm aus den Feldern herauslugt. Von hier aus geht’s weiter bis zum Hinweisschild ‚Zur Dorfschänke’, das ins 1 km entfernt liegende Grenderich einlädt. Unser Weg führt aber ein Stück weit nach rechts, dann gleich wieder nach links, und von dort zu einer Schutzhütte. Nun gelangen wir in den Wald und auf das Judenpfädchen.

Nach ca. 1 Std. sollten Sie auf den Wegweiser achten, der Sie nach rechts in Richtung Bullay führt. Von hier aus geht es dann stets bergab, bis Sie nach ca. 5 km den Moselort Bullay erreichen. Dort finden Sie als Tagespilger den DB-Umweltbahnhof mit Anschluss in Richtung Trier und Koblenz sowie per Moseltalbahn nach Traben-Trarbach. Im Rahmen der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) durch das Land Rheinland-Pfalz wurde Bullay als Pilotprojekt für den ‚Umweltbahnhof Rheinland-Pfalz’ ausgewählt, gestaltet und erhielt im Jahr 2000 den BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz.

Bullay

Allgemeines:  Bullay gehört zur Verbandsgemeinde Zell (Mosel), Landkreis Cochem-Zell im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 1.530.

Ansprechpartner:

Katholisches Pfarramt St. Maria Magdalena, Kirchstraße 26, 56859 Bullay, Tel.: 06542 900043, E-Mail pfarramt.bullay@t-online.de;

Touristinformation Bullay, Reisebüro Ulfratours, Lindenplatz 2, 56859 Bullay, Tel.: 06542 21141, E-Mail touristinfo@ulfratours.de

Übernachtung:

Gästehaus „Moselinchen“, Graf-Beißel-Straße 6, 56859 Bullay, Tel.: 06542 900664, E-Mail: info@moselinchen.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 39,80 Euro;

Gästehaus Wagner, Bahnhofstraße 18, 56859 Bullay, 06542 2586, Ü/F im Doppelzimmer ab 46 Euro: Cafe Görgen, Bahnhofstraße 32, 56859 Bullay, Tel.: 06542 2519. E-Mail info@cafe-baeckerei-goergen.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 38 Euro

Bullay hat nichts von seinem Charme und der Romantik als Weinbauort verloren – und trotzdem bietet es eine hervorragende Infrastruktur, die den Langzeitpilger dazu veranlassen könnte, den Ruhetag hier statt in Traben-Trarbach einzulegen. Der Übernachtungspreis liegt sicher etwas höher als in einer Jugendherberge, dafür wird aber auch eine familiäre Atmosphäre geboten.

Die erste urkundliche Erwähnung von Bullay erfolgte im Jahr 1150, als Hofgut der Burg Arras auf der anderen Moselseite. Die Endung -ay deutet auf den keltischen Ursprung des Namens hin (bedeutet Stein) und sicher ist, dass Bullay schon zu römischer Zeit existierte. Als einziges Dorf in der weiten Umgebung erlangte Bullay noch im 12. Jh. den Status einer freien Reichsstadt mit eigenen Gesetzen, eigener Gerichtsbarkeit und eigenem Volksbrauchtum. Bullay war also nicht von Kurtrier abhängig. Im 15. und 16. Jh. wurden in dem Ort Silber, Blei und Eisen abgebaut. Besonders sehenswert ist die Doppelstockbrücke über die Mosel, in dieser Form einzigartig in Deutschland. Oben verläuft die Eisenbahnstrecke Koblenz-Trier bzw. Bullay-Traben-Trarbach, unten die Verbindungsstraße zur B49 bzw. zum gegenüber liegenden Alf. Eigentlich war nur eine Eisenbahnbrücke geplant – reiche Bürger ermöglichten aber dann auch die Straßennutzung.

2. Etappe Alken – Treis-Karden = 19 km

Alken – Löf – Hatzenport – Lasserg – Burg Eltz – Windshäuserhöfe – Treis-Karden = 19 km
Schwierigkeit mittel
Dauer 5 Stunden (ohne Besichtigungen und Pause)
Besichtigung Burg Eltz (Führung ca. 40 Minuten), Karden 

Legende: Der heilige Kastor und das ‚Salzwunder’

So wie der heilige Lubentius (siehe Dietkirchen in „Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein) wurde auch der heilige Kastor zur Bekehrung der Heiden an die Untermosel geschickt. Neben der Stiftskirche, in der eine Reliquie von ihm bewahrt wird, ehrt man ihn auch im Stiftsmuseum, wo ein Bild von folgender Legende erzählt: Einmal soll Kastor Moselschiffer um Salz gebeten haben. Doch diese verspotteten ihn nur und wollten weiterfahren. Da erhob sich plötzlich ein Sturm und peitschte die Wellen so hoch, dass der Kahn zu kentern drohte. In ihrer Not flehten die Schiffer den Gottesmann um Hilfe an. Kastor kniete nieder, betete und so plötzlich wie er gekommen war, legte sich der Sturm wieder. Die heidnischen Schiffer sollen durch dieses Wunder bekehrt worden sein und Kastor reichlich mit Salz gedankt haben.

 

Heute wechseln Sie von der rechten auf die linke Moselseite und überqueren zunächst die Moselbrücke zwischen Alken und Löf. Die Pfarrkirche St. Lucia in Löf stammt aus den Jahren 1737/1738 und wurde von Johannes Seiz erbaut. 1883 wurde die Kirche dem Zeitgeist entsprechend neugotisch erweitert. Der gotische Turm zeigt aber heute noch romanische Formen. Bemerkenswert sind die Glasfenster aus der ersten Hälfte des 16. Jh., welche die adligen Stifter der Kirche zeigen.

Ihr Mosel-Camino führt jetzt durch den Ort zum fast am Ortsende gelegenen Bahnhof, den Sie gleich hinter der früheren Sternburg, auch Tempelhof genannt. Das zuletzt als Hotel genutzte Gebäude fiel 1999 einem Brand zum Opfer und existiert seitdem nur noch als auffällig gefärbte Ruine mit reichlich Pflanzenschmuck im Obergeschoss. Spätestens hier sollten Sie zusehen, auf die andere Seite der Bahnschienen zu kommen, da hier entlang der Gleise ein Spazierweg nach Hatzenport startet, den Sie nutzen sollten. Verpassen Sie den ‚Einstieg’, sind Sie gezwungen, auf dem Radweg neben der vielbefahrenen B 49 zu gehen.

Informatonen: www.loef-kattenes.de

Hatzenport. Der kleine Ort wurde 1135 erstmalig erwähnt. Der Name leitet sich aus dem Lateinischen ab: Hattonis porta, der Hafen oder das Tor des Trierer Erzbischofs Hetti (Amtszeit von 814-847). Sehenswert sind noch das Wahrzeichen Hatzenports, der Fährturm aus dem 19. Jh., die alte und die neue Pfarrkirche sowie das alte Pfarrhaus unterhalb der alten Kirche, ein schöner Fachwerkbau.

Auch hier gehen Sie wieder durch den Ort, wobei der Gang durch die Oberstraße mehr spirituellen Charakter hat, der am Moselufer eher gastronomischen. Wie auch immer Sie sich entscheiden: wieder sollten Sie darauf achten, zum Bahnhof zu gelangen. Zum einen befindet sich hier eine Info-Tafel, zum anderen ist hier die letzte Möglichkeit gegeben, auf die Oberstraße zu kommen, die in die Landesstraße 113 nach Mayen übergeht. Dieser folgen wir ein paar hundert Meter und folgen hinter Holzschild ‚Auf Wiedersehen in Hatzenport’ dem Moselhöhenweg (auf der Eifelseite weißes ‚M’ auf schwarzem Grund) in Richtung Burg Eltz.

Der Weg ist hier bis nach Lasserg identisch mit dem Schoppenstecher-Wanderweg. Mit Schoppenstecher meint man jemanden, der möglichst keine Gelegenheit auslässt, sich auf seinen Spaziergängen und Wanderungen einen oder mehrere Schoppen (0,2 l- oder 0,25 l- Gläser) Wein zu genehmigen. Eine Erklärung des Symbols der enstprechenden Wegmarkierung erübrigt sich …

Im weiteren Verlauf halten Sie sich beim Rothenberg bitte nach links zum ‚Küppchen’; der Weg nach rechts führt nach Metternich und Münstermaifeld! Das ‚Küppchen’ ist ein exponierter Hügel hoch über der Mosel mit prächtiger Aussicht v. a. auf Burgen und das Baybachtal, das vielleicht schönste Bachtal des Hunsrücks. Hier oben befindet sich ein Startplatz für Drachenflieger. Bei guter Thermik starten die Flieger, um dann nach mehr oder weniger langer Flugzeit am gegenüberliegenden Moselufer bei Burgen auf den Moselwiesen zu landen. Etwas unauffällig befindet sich gleich unterhalb des ‚Küppchens’ eine Schutzhütte, die man zum Picknicken nutzen sollte, falls einem der Wind weiter oben allzu sehr um die Ohren fegt.

Jetzt führt Sie der Weg durch den Ort Lasserg bis zur Kresistraße 39. Achtung: Die Markierung des Moselhöhenweges hat sich hier geändert und entspricht nicht der auf den meisten Kartenwerken: Sie gehen nun mitten durch den Ort, überqueren, die o. g. Kreisstraße und wenden sich nach ca. 200 m nach links. Nun kommen Sie nach knapp 2 km auf Wirtschaftswegen durch die Felder an Neuhof vorbei; bei schlechterer Witterung ein nicht besonders angenehmer Weg hier oben auf den Eifelhöhen; egal, in welche Richtung Sie sich wenden: der Wind bläst den Regen ins Gesicht. Bald aber ist der schützende Wald wieder erreicht.

Es geht stetig bergab, bis Sie schließlich an der Antonius-Kapelle den großen Parkplatz und die Auffahrt zur Burg Eltz erreichen. Von hier aus sind es nur noch wenige Schritte, bis Sie die wohl am meisten abgebildete deutsche Burg erreichen. Lange Zeit schmückte Burg Eltz auch den 500-DM-Schein.

Bevor Sie hinunter zum Elzbach und zum Eingang der Burg gehen, sollten Sie an der Aussichtsplattform in Höhe von Trutzeltz noch ein wenig verweilen und die schöne Aussicht auf die Burg Eltz genießen, die in ihrer langen Geschichte niemals zerstört wurde.

Burg Eltz gilt als eine der schönsten Burgen Deutschlands. Das Tal der Elz, in dem die Burg auf einem elliptischen Felskopf erbaut wurde, trennt die Vordereifel vom Maifeld.  Ein wichtiger Weg, der die Mosel mit der Eifel und dem fruchtbaren Maifeld verband, führte durch dieses Tal.

Die Burg wurde wahrscheinlich zu Beginn des 12. Jh. erbaut. Mitte des 13. Jh. wurde sie zur Ganerbenburg, d.h. es lebten mehrere Linien des Hauses Eltz, also auch mehrere Eigentümer, auf der Burg. 1331 – 1336 kam es zur einzigen belegten kriegerischen Auseinandersetzung um Burg Eltz. Die Eltzer widersetzten sich dem Trierer Erzbischof Balduin von Trier, worauf dieser die Burg belagern und gegenüber der Burg auf einem Felsvorsprung die Burg Trutzeltz errichten ließ. Die Belagerten gaben auf und wurden Lehnsleute des Erzbischofs. Von Trutzeltz sind heute nur noch die Ruinen erhalten.

Der im Jahr 1510 hier geborene Jakob zu Eltz ging als einer der bedeutendsten Trierer Kurfürsten in die Geschichte ein.

Im 15. und 16. Jh. wurden die sogenannten Rodendorfer Häuser erbaut, Anfang bis Mitte des 17. Jh. die Kempenicher Häuser mit ihrem schönen Fachwerk.

Dem Schicksal der Zerstörung so vieler Schlösser und Burgen im pfälzischen Erbfolgekrieg entging Burg Eltz, weil Hans Anton zu Eltz-Üttingen ein ranghoher Offizier im französischen Heer war.

Schon im 19. Jh. wurde viel Geld zur Restaurierung und Erhaltung von Burg Eltz eingesetzt. Sehr behutsam ließ Graf Karl zu Eltz in der Zeit von 1845 bis 1888 die Summe von 188000 Mark (das entspricht etwa 8 Millionen Euro) in die Burg fließen. Im Gegensatz zu vielen anderen Beispielen des 19. Jh. wurde auf Burg Eltz die vorhandene Architektur berücksichtigt.

Noch heute befindet sich Burg Eltz im Besitz der Familie Eltz-Kempenich. Ein kleiner Teil der Burg ist der Öffentlichkeit zugänglich und kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Dabei erhalten Sie auch Zutritt zu der Schatzkammer in den Kellergewölben des Rübenacher Hauses. Rund 500 Exponate aus dem 12. bis 19. Jh. werden ausgestellt. Neben Meisterwerken der Gold- und Silberschmiedekunst zeigt die Kunstsammlung auch Kuriositäten wie z.B. den Dukatenscheißer.

Wenn Sie Burg Eltz wieder verlassen, wenden Sie sich nach links und stoßen auch gleich wieder auf die Markierungen des Moselhöhenweges. Durch das Tal, über den Elzbach, führt der Weg Sie wieder recht steil hinauf auf die Eifelhöhen. Vorbei am Forsthaus Rotherhof erreichen Sie bald die K29 (Kreisstraße), wo Sie sich nach rechts wenden und der Straße für ein paar hundert Meter folgen. Dann biegt der gut markierte Weg nach links auf einen Wirtschaftsweg in Richtung Windhäuserhöfe ab.

Schließlich, unmittelbar vor dem recht steilen Abstieg nach Karden, erreichen Sie ein Plateau und können dort den Ausblick auf Treis (andere Moselseite) und Karden mit seinem ‚Moseldom’, der Stiftskirche St. Kastor, genießen. Hier stößt der Moselhöhenweg auf den Buchsbaum-Wanderpfad, der vor wenigen Jahren im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts zwischen den Gemeinden Müden und Karden ausgebaut wurde. Der Buchsbaum ist eine regionale Besonderheit an der Mosel. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Südeuropa und Nordafrika bis zum Kaukasus und dem westlichen Himalaja. Ursprüngliche Standorte gibt es in Deutschland wohl nur im Buchswald bei Grenzach-Wyhlen und hier bei Müden an der Mosel. Es handelt sich um das größte, natürliche Vorkommen des Buchsbaums nördlich der Alpen.

Treis-Karden

Allgemeines:  Treis-Karden gehört zum Landkreis Cochem-Zell im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 9730. Katholisches Pfarramt St. Johannes d. Täufer, Hinter Mont 5, 56253 Treis-Karden (Karden), Telefon 02672 1308; Tourist-Informaton Treis-Karden, Hauptstraße 27, 56253 Treis-Karden 2, Tel: 02672 6137, E-Mail: info@ferienland-treis-karden.de

Übernachtung: In Karden: Privatzimmer Irmgard Hammes, St.-Kastor-Straße 78, 56253 Treis-Karden, Telefon 02672 2599, Ü/F im Doppelzimmer ab 30 Euro; Gasthaus Zur Linde, St.-Kastor-Straße 10, 56253 Treis-Karden, Telefon 02672 1360, E-Mail: info@weingut-kraft.de; Ü/F im Doppelzimmer ab 45 Euro. In Treis: Gasthaus Gräf, An der Kirche, Lisbergstraße 2, 56253 Treis-Karden, Telefon 02672 7227, Ü/F im Doppelzimmer ab 40 Euro;  Rathaus-Schänke, Hauptstraße 32, 56253 Treis-Karden, Telefon 02672 1210, E-Mail friedhelmkastor@t-online.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 40 Euro.

Leider musste wegen der strategisch günstigen Moselbrücke der Ortsteil Treis auf der anderen Moselseite stark unter den alliierten Bombenangriffen leiden, und es sind somit nur wenige historische Gebäude erhalten geblieben. Sie sollten Ihren Rundgang deshalb zunächst auf das schöne und romantische Örtchen Karden beschränken, zumal Sie morgen Ihren Weg auf dem Mosel-Camino mit dem Überqueren der Moselbrücke beginnen und ohnehin durch Treis kommen und die beiden Burgruinen Treis und Wildburg auf Ihrem Weg zum Kloster Engelport passieren werden. Die Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist, 1823 bis 1831 vom schon zuvor erwähnten Koblenzer Architekten Johann Claudius von Lassaulx errichtet, stellt einen bedeutenden Bau des rheinischen Rundbodenstils dar.

Der Ortsteil Karden hat eine reiche Geschichte. Stolz erheben sich wunderschöne, alte Bauten aus dem 13. – 18. Jh. im Ort. Das Ensemble des Stiftsbezirks ist besonders sehenswert. Es umfasst den ‚Korbisch’ (Verballhornung von Chorbischof), das Burghaus an der Uferstraße, das Haus Bahnhofstraße 23 mit hohem Giebel und symmetrischem Fachwerk, das Fachwerkhaus in der Bahnhofstraße 48 mit reich verzierten Eckbalken und das Haus Bahnhofstraße 74 mit originellen Steinmetzarbeiten.

Über allem aber erhebt sich die Stiftskirche St. Kastor, der ‚Moseldom’. Sie ist die älteste Kirche zwischen Koblenz und Trier und wurde im 12. und 13. Jh. auf den Überresten einer älteren, karolingischen Kirche, über dem Grab des frühchristlichen Missionars Castor, erbaut. Dieser war Schüler des Trierer Bischofs Maximin, gründete schon im 4. Jh. eine christliche Gemeinde und eine Kirche in Karden. Ende des 8. Jh. verbreitete sich die Kunde, es seien die Gebeine des Heiligen Kastor in Karden gefunden worden. Es setzt eine größere Wallfahrtsbewegung ein, ein Teil der Gebeine wurde Mitte der 9. Jh. in die Kastorkirche nach Koblenz überführt.

Romanische, frühgotische und barocke Stilelemente weist die heutige Stiftskirche auf. Bei dem romanischen Westturm handelt es sich um den ältesten Teil, das sechste und siebte Geschoss und der Helm wurden im Jahr 1699 aufgesetzt. Der Türsturz des spitzbogigen Hauptportals stammt noch aus der karolingischen Kirche.

Obwohl die Ausstattung der St.-Kastor-Kirche zu den reichsten und kostbarsten an der Mosel gehört, sind von den ursprünglichen Wandgemälden nur noch wenige erhalten. Dazu zählt insbesondere der um 1440 entstandene kostbare Dreikönigsaltar, die Darstellung des Jüngsten Gerichtes in der Kastorkapelle sowie das Gemälde ‚Der wahre Weinstock’. Für uns besonders interessant ist der rechts gelegene Stephanus-Altar aus dem Jahr 1628, finden wir doch hier den Schutzpatron unserer Pilgerfahrt, den Heiligen Jakobus, in einer Darstellung als Pilger, gemeinsam mit anderen Heiligen. Die Figur des Jakobus d. Ä. zeigt in dieser Darstellung den langen Pilgerstab, den Pilgerhut. Nicht fehlen dürfen natürlich die Jakobsmuscheln.

Schließlich sei an dieser Stelle noch die Stumm-Orgel aus dem Jahr 1728 erwähnt, die noch heute für Gottesdienste, aber auch Konzerte genutzt wird.

Am Schriftenstand ist für 0,50 € ein ‚Kleiner Führer durch die Stiftskirche St. Castor’ erhältlich, der Wissendurstigen detaillierte Auskunft über alle relevanten Kunstwerke der Kirche gibt.

Wem auch das nicht genug ist: Das Stiftsmuseum Treis-Karden ist die Entwicklung des römischen Karden und des Stiftes ausführlich dokumentiert. Öffnungszeit: Ostern und Mai bis Oktober: freitags 14–17 Uhr; samstags und sonntags 10-12 Uhr und 14-17 Uhr. Für Gruppen werden auch Extra-Öffnungszeiten nach Vereinbarung angeboten (Infos bei der o. e. Tourist-Information).

  

1. Etappe Koblenz-Stolzenfels – Alken = 23 km

Koblenz-Stolzenfels – Pastorenpfad – Merkurtempel – Waldesch – Hünenfeld – Nassheck – Alken = 23 km
Schwierigkeitsgrad leicht
Besichtigungen in Stolzenfels und Alken (Führung Schloss Stolzenfels ca. 50 Minuten)
Zeitbedarf ca. 5 Stunden zzgl. Pausen und Besichtigungen

Es ist gar nicht so einfach, jetzt wieder den Einstieg zu bekommen. Der Lahn-Camino ist fertig und hat einen grösseren Erfolg, als ich im Vorfeld gedacht habe. Aber Ihr kennt das sicher, oder? Eine Leistung vollbracht (na ja, auch Schreiben und Korrekturlesen ist eine Leistung) und dann ist erst einmal die Luft heraus.

Aber es geht weiter, die nächsten Tage werde ich mich an die erste Etappe des Mosel-Camino machen. Versprochen!

Allgemeines: Stolzenfels gehört seit 1969 zur Stadt Koblenz. Zuvor hieß der Ort Kapellen-Stolzenfels. Im November 2006 hatte Koblenz-Stolzenfels ca. 400 Einwohner. Stolzenfels liegt auf der linken Rheinseite gegenüber von Lahnstein, wo die Lahn in den Rhein mündet. Oberhalb des Ortes liegt Schloss Stolzenfels. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen am Mittelrhein gehört der ‚Rhein in Flammen’ mit Großfeuerwerken und Schiffskonvoi, zu dem zwischen Spay und Koblenz jährlich am 2. Samstag im August eingeladen wird. Sehr informativ sind die ehrenamtlich erstellten und gepflegten Internetseiten unter www.stolzenfels.de.

Anlaufstellen:

Katholisches Pfarramt Stolzenfels St. Menas, Waldweg 3, 56075 Koblenz-Stolzenfels, Telefon 0261 53779;                                                                                                                                   Tourist-Information Rathaus, Jesuitenplatz 2, 56068 Koblenz, Telefon: 0261 130920 (Auskunft und Zimmernachweis), E-mail: info-jesuitenpl@touristik-koblenz.de

Übernachtung:                                                                                                             Jugendherberge Festung Ehrenbreitstein, Tel: 0261 972870, Fax: 0261 9728730, E-Mail: koblenz@diejugendherbergen.de, U/F ab 17,– Euro;  Ferienwohnung U. Bannert, Rhenser Straße 44/46, 56075 Koblenz-Stolzenfels, Telefon 0261 51890, E-Mail:  contact@fewo-koblenz.de, Ü/F für 2 Personen Euro 49,- (Sonderpreis mit Pilgerpass)

Auf der anderen Rheinseite also, in Lahnstein-Oberlahnstein an der Hospitalkapelle, haben sich die Jakobuspilger in früherer Zeit gesammelt, um ein Stück des gefährlichen Weges gemeinsam entlang des Rheins, durch Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela zurückzulegen. Und so mancher Pilger wird nicht den direkten Weg nach SdC gewählt haben, sondern so, wie es üblich war, auch die großen Wallfahrtsorte entlang oder nahe des Weges aufgesucht haben. Und so ist es eigentlich naheliegend, dass der Jakobspilger aus dem Osten an der Lahn entlang bis zum Rhein und dann weiter nach Trier, zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen, das des Heiligen Matthias, gepilgert ist.

Wir starten unseren Mosel-Camino hier in Stolzenfels, wo der historische Pilger seinen Marsch begann, nachdem er sich über den Rhein setzen ließ und wo auch heute in den Sommermonaten regelmäßig Fähren verkehren. Da, wie auf dem sehr individuell gestalteten Fahrplan am Rheinufer so schön geschrieben steht, „aufgrund betrieblicher Abläufe … kurzfristige Fahrplanänderungen möglich“ sind, empfiehlt es sich, sich zuvor unter http://www.faehre-lahnstein.de/ oder unter den Telefonnummern 02621 3691 bzw. 0171 8048963 zu informieren. Sollten Sie von Koblenz anreisen, empfiehlt es sich, ab Hbf (Vorplatz) die VRM-Buslinie 650 zu benutzen; in 10 Minuten (laut Fahrplan!) in Stolzenfels (Fahrplan: http://www.vrminfo.de/vrm/pdf/verbundfahrplan_06/koblenz/650.pdf). Telefonische Auskunft unter 0261 17383 des Kundencenter Koblenz der Rheinhunsrückbus GmbH.

Mosel-Camino

Im Ort Stolzenfels ist der Weg hinauf zum Schloss gut beschildert. Eine Viertelstunde lang geht es teilweise recht steil auf asphaltierter Strecke nach oben. Aber der Weg lohnt sich: das heutige, neugotische Schloss Stolzenfels ist eines der herausragendsten Werke der Rheinromantik. Zur Zeit ist es noch durch ein Tor zu erreichen. Aber eine 2007 errichtete Holzbrücke wird den Weg in absehbarer Zeit abkürzen. Wegen Bauarbeiten war sie im August 2007 noch nicht frei gegeben.

Hier, im Bereich der Lahnmündung, trafen sich die drei größten Machtbereiche des Mittelalters: Mainz, Trier und Köln. Und nachdem 1232 der Mainzer Erzbischof auf der rechten Rheinseite Lahneck erbauen ließ, errichtete der Trierer Erzbischof Arnold II. von Isenburg auf der gegenüberliegenden Flusssseite in den Jahren 1242 bis 1259 die Burg Stolzenfels als Zollburg. Ende des 14., Anfang des 15 Jhs. wurde die Burg mit einem Wohnturm und dem rheinseitigen Palas erweitert. Die Bedeutung als Zollburg verlor Stolzenfels schon bald an die rheinabwärts gelegene Burg Kunostein. Im 30jährigen Krieg sah Stolzenfels die Schweden und dann die Franzosen als Besetzer, um dann 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen zerstört zu werden. Die Ruinen verfielen, und rund 150 Jahre später machte die Stadt Koblenz als Eigentümer die Burg dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm zum Geschenk. Dieser war nicht sonderlich begeistert, nahm er doch das Geschenk aus dem Jahre 1815 erst nach seiner Hochzeit im Jahr 1823 an.

Die großen Architekten und Namen seiner Zeit beauftragte Friedrich Wilhelm IV. mit den Arbeiten rund um Stolzenfels. So ließ er zwischen 1826 – 1830 von dem Architekten Johann Claudius Lassaulx die neuromanische Pfarrkirche St. Menas in Stolzenfels errichten. Gleichzeitig wurde die Burg als Sommersitz wieder aufgebaut. Bis 1842 entstand mit Plänen von Karl Friedrich Schinkel (ab 1839 unter der Leitung von Friedrich August Stüler) das heutige Schloss. Unverkennbar ist Schinkels romantischer Stil. Die Umgebung des Schlosses, wie zum Beispiel der romantisierende Turnierplatz, gestaltete der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné. Die Wohnräume wurden mit wertvollen Möbeln und Gemälden ausgestattet, und am 14. September 1842 zog König Friedrich Wilhelm IV. mit seiner Begleitung, alle in historischen Kostümen gekleidet, ein. 1843 wurde die Klause als Personalwohnung an der Auffahrt durch Carl Schnitzler fertiggestellt. Auch nach Plänen Schnitzlers entstand 1845 die Kapelle.

Wenn Sie sich für mehr Details des Schlosses interessieren, finden Sie im Internet unter http://www.marcus-frings.de/stolzenfels/ eine Präsentation des baulichen Zustandes von 1845. Der Förderverein Schloss Stolzenfels baut derzeit eine interessante Internetseite unter www.schloss-stolzenfels.de auf.

Führungen durch das Schloss finden von Januar bis November jeweils von 10:00 bis 17:00, bzw. 18:00 Uhr (im Sommer) statt. Im Dezember und am jeweils ersten Werktag der Woche ist das Schloss geschlossen. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 2,60 Euro.

Nach der Besichtigung des Schlosses führt uns der Mosel-Camino nach links weiter hinauf auf die Hunsrück-Höhen. Die Beschilderung ist etwas verwirrend. Folgen Sie auf dem ‚Pastorenpfad’ zunächst dem Pfeil in Richtung ‚Merkurtempel’, später den Hinweisen zum ‚Schüllerhof’. Der Weg  und auf die Augustahöhe führt zwar auch zum angestrebten Rheinhöhenverbindungsweg ‚RV’ und bietet oben ein schöne Aussicht, um sich vom Rheintal zu verabschieden, ist aber ein Umweg.

Der Pastorenpfad hat im Übrigen seit dem 18. Jh. seinen Namen. In dieser Zeit mussten sich Waldesch und Stolzenfels einen Pfarrer teilen, der immer am Sonntag zwischen den Orten hin- und herpendelte.

Etwa 1 km nach dem Schüllerhof gelangen Sie zum Merkurtempel. Ganz in der Nähe verlief die römische Straße von Koblenz nach Trier, deren Verlauf die Hunsrückhöhenstraße in weiten Zügen folgt. Und nicht weit weg von dieser Straße bauten die Römer ganz in der Nähe des Koblenzer Kastells eine Siedlung und einen Tempel, der dem Merkur und der gallisch-keltischen Göttin Rosmerta geweiht war. Die Grundmauern lassen noch heute die Abmessungen deutlich erkennen.

Hier oben, ganz in der Nähe des Tempels, steht eine Schutzhütte, die zu einer ersten Rast einlädt. Schließlich ist hier der längste Anstieg des Tages gemeistert.

Weiter geht es auf dem Pastorenpfad in Richtung Waldesch. Wenn Sie oberhalb von Waldesch aus dem Wald herauskommen, sehen Sie auf der anderen Seite des Tales den auffallend hohen Sendemast des Südwestrundfunk-Senders Koblenz, links davon eine erhöhte Baumgruppe. Dies ist die Richtung, die Sie grundsätzlich einschlagen müssen. Gehen Sie einfach auf dem Rheinhöhenweg (‚R’) am Waldrand entlang, bis zur stark befahrenen Hunsrückhöhenstraße (B 327). Unten angekommen wenden Sie sich auf dem Fahrradweg nach links, überqueren einen Parkplatz und die Landstraße, und von dort nach Hünenfeld. Hier überqueren Sie die Hauptstraße, folgen also an der Kreuzung der beiden Radwege nach Rhens bzw. Waldesch weiter dem ‚R’ am Stromverteilerhaus vorbei hinauf in den Wald in Richtung der erhöht liegenden Baumgruppe. Dies ist der Bruder-Tönnes-Hügel, eines der Wahrzeichen des Hunsrück. Es handelt sich um ein Fürstengrab aus der Hallstattzeit, ca. 1.000 bis 500 vor Christus. Leider ist der Hügel heute gesperrt, die Gefahr, dass die teilweise über 200 Jahre alten Buchen umstürzen könnten, ist zu hoch.

Vor dem Hügel wenden Sie sich nach links; schon bald begegnen Ihnen die ersten Wegmarkierungen mit des Rheinhöhenverbindungsweges (‚RV’), danach des Moselhöhenverbindungsweges (‚MV’). Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn die Markierungen nicht ganz eindeutig sind. Der Weg führt über einen Parkplatz, zur Zeit unserer Begehung besetzt mit Dauer-Wohnmobilistinnen des ältesten Gewerbes der Welt, und überquert die Hunsrückhöhenstraße in Richtung Naßheck. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Weiler, nahe der BAB 61 gelegen, in dessen unmittelbarer Nähe sich der besagte SWR-Sender befindet. 280 m ragt der abgespannte Stahlfachwerkmast in die Höhe. Somit ist dieser 1964 errichtete Sendemast mit einem Querschnitt von 2×2 m² und einem Gewicht von etwa 200 t das zweithöchste Bauwerk in Rheinland-Pfalz.

Nachdem Sie die Senderanlagen passiert haben, halten Sie sich nach wenigen Metern bei der Gaststätte der Reitschule Naßheck nach links zur Autobahnbrücke über die BAB 61. Ein paar Minuten führt der Weg nun an der Autobahn entlang zur Raststätte Bundesautobahn-Tankstelle und –Raststätte ‚Mosel West’, um dort nach links in den Wald hineinzuführen. Die Wegmarkierung ist jetzt ein weißes ‚M’ für Moselhöhenweg. Vielfach sind auch kleine grüne Tafeln mit dem ‚M’ angebracht. Bald hat uns die Ruhe wieder!

Mitten im Wald überrascht Sie noch einmal ein kurzes, dafür aber auch um so steileres Wegstück, dann geht es aber immer bergab in Richtung Mosel nach Alken mit seiner Burg Thurant.

Bald erreichen Sie einen Wegweiser zur Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg. Zwar führt der Moselhöhenweg schon hier nach unten in den Ort, Sie sollten trotzdem aber noch den kleinen Abstecher zur Dreifaltigkeitskirche machen und den herrlichen Blick auf Burg Thurant und das Moseltal genießen. Bei gutem Wetter können Sie auch gleich an der Wallfahrtskirche nach Alken absteigen. Seit 1250 ist die Dreifaltigkeitsprozession von Oberfell auf den Bleidenberg belegt, muss aber schon sehr viel älter sein, denn die frühromanische Kapelle als Vorgängerbau wurde 1246 zerstört. Heute sehen Sie eine dreischiffige, gotische Basilika mit einem achteckigen Chor.

Von hier oben sind es lediglich 800 m bis hinunter in den Ort Alken. Und bergab bei schönem Wetter durch den Weinberg ist auch kein Problem. Schon im 16. Jh. haben reiche Alkener Bürger an diesem Weg Fußfallstationen (Kreuzweg) gestiftet und errichten lassen. Bergauf ist es sicher im wahrsten Sinne des Wortes ein Leidensweg, bergab mit ein wenig Vorsicht ein besonderes Erlebnis.

Beim Abstieg begleitet Sie der Blick auf Burg Thurant oberhalb von Alken. Sie gehört zu den Spornburgen, d.h. die Burg wurde auf einem Bergsporn, in diesem Fall aus Schiefer, errichtet. Die Erzbischöfe von Köln und Trier waren seit dem 13. Jh. gemeinsame Eigentümer der Burg, wie auch der Orte Alken und Oberfell. Jede Burghälfte besaß deshalb einen eigenen Eingang, eigene Wohn- und Wirtschaftsgebäude und einen eigenen Bergfried. Mit Beginn des 16. Jhs. verlor die Doppelburg ihre Bedeutung, verfiel allmählich und wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. Anfang des 20. Jhs. kam sie in Privatbesitz, wurde teilweise wieder aufgebaut und kann heute ganzjährig gegen Entgelt besichtigt werden. Ein besonderes Schmankerl ist die Ferienwohnung innerhalb der Burganlage – nähere Informationen im Internet unter www.thurant.de.

Alken

Allgemeines: Alken gehört zur Verbandsgemeinde Untermosel im Landkreis Mayen-Koblenz und Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2006 auf 667.

Anlaufstellen:

Katholisches Pfarramt St. Michael, Oberstraße 44, 56332 Alken, Telefon 02605-952095, E-Mail: pfarramt-alken@t-online.de;                                                                                                             Verkehrsverein Alken e.V., Moselstraße 4, 56332 Alken, Altes Rathaus, Öffnungszeiten April bis Oktober Mo – Frei 15:30 – 17:30 Uhr, Telefon 02605-8997, E-Mail: info@alken-mosel.de

Übernachtung:                                                                                                                                 In Alken ist es nicht schwer, eine Übernachtungsmöglichkeit für unter 50,- Euro im Doppelzimmer mit Frühstück zu finden. Wenden Sie sich einfach an die Touristen-Information oder rufen Sie im Internet die Seite www.alken.de auf.

Herausragendes Kleinod in Alken ist die St. Michaels-Kirche, urkundlich erwähnt erstmals 1015 und somit wohl eine der ältesten Kirchen an der Mosel. Die Erscheinung des Erzengels Michael soll zum Bau der Kapelle geführt haben, die im Jahr 1296 das Recht erhielt, Ablässe zu gewähren. Wenn Sie die Treppe zur Kirche hinaufgestiegen sind, entdecken Sie hinter den schmiedeeisernen Gittern Skelettteile. Wurde mal wieder der Platz auf dem Friedhof knapp, lagerte man die Skelette im geweihten Raum unter der Kirche. Die jüngsten Knochen stammen aus dem 16., die ältesten aus dem 14. Jh.. Ursprünglich war die Michaelskirche gänzlich mit Fresken versehen, davon sind nicht alle erhalten. Das Fresko ‚Christus als Weltenrichter’ ist wohl um 1350 entstanden und in den Originalfarben erhalten. Der Hochaltar stellt die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige dar, der als Seitenaltar im Jahr 1987 aufgestellte Michaelsaltar stammt aus dem Barock und stand seit 1849 in der damals neu eingeweihten Pfarrkirche. Ein weiteres Tryptichon zeigt links und rechts den Heiligen Nikolaus (Patron der Schiffer) und den Heiligen Urban (Patron der Winzer) sowie in der Mitte den Märtyrer Stephanus und die Evangelisten Markus und Matthias.

Ein kleiner Rundgang durch den Ort führt Sie vorbei an weiteren Sehenswürdigkeiten: der Laacher Hof, erbaut 1093 und heute im Besitz einer Winzerfamilie, ist das älteste Gebäude in Alken. Die Stadtbefestigung mit dem Zoll- und Signalturm stammt aus den Jahren um 1256, heute wird es als Hotel und Gaststätte genutzt. Das Fallertor war das Haupttor der Stadtbefestigung, und das Malteserhaus gehört zu den ältesten Bauwerken – die Jahreszahlen 1093 und 1772 sind noch im Boden der Toreinfahrt zu erkennen. Auf dem Weg zum Schloss Wiltburg kommen Sie an wunderbar erhaltenen Fachwerkhäusern des 15. Jhs. vorbei. Die Wiltburg schließlich war das Burghaus der Trierer Erzbischöfe, bis die Familie Wiltberg es um 1350 zum Wiltberger Schloss ausweitete. Schließlich finden Sie in der ‚neuen’ Pfarrkirche St. Michael (1849 erbaut) wertvolle Altäre und Skulpturen aus der Zeit des Barock.

Es empfiehlt sich, in Alken in einer der preiswerten Pensionen zu übernachten. Sollten Sie jedoch die Jugendherbergen in Koblenz oder Cochem bevorzugen, erreichen Sie über eine Brücke auf der anderen Moselseite den knapp 3 km entfernt liegenden Bahnhof Löf.

9. Etappe Trier – Wasserbillig

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