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Kategorie: Bretagne

Neue Bretagne-Impressionen im März 2017

Bretagne: Impressionen III

Bretagne: Impressionen II

Bretagne: Impressionen

Bretagne 2016: Circuit de Locquéran – Die Römer in Plouhinec

Diese Wanderung entlang des Flusses Goyen lädt Sie ein, den Spuren der gallisch-römischen Bewohner der bretonischen Küste zu folgen. Diese errichteten ein Kastel am Ufer des Flusses und beherrschten damit die Mündung einer wichtigen Wasserstraße.

Der gut markierte Wanderweg führt fast bis zu dem mittelalterlichen Ort Pont-Croix, einer kleinen Hafenstadt mit einstmals wichtigen Handwerkerschulen. Die Kirche von Pont-Croix, die Sie auf einer langen Strecke entlang des Flusses im Blick haben, bildete das Vorbild für die Kathedrale von Quimper.

Ruhe und Entspannung bietet diese Wanderung, die zum Beispiel auch an den Austernbänken in der Flssmündung vorbeiführt. Bei Ebbe können Sie die Bänke und die Austernsäcke auf den Sandinseln mitten im Fluss gut erkennen. Vielleicht ist das auch eine gute Idee für ein Abendessen? Die Austernpreise in Audierne oder im Supermarkt um die Ecke sind nicht mit den deutschen Preisen zu vergleichen. Das Kilo Austern, durchschnittlich zwischen 11 und 13 Stück, kostet zur Zeit (März/April 2016) ab 5,90 Euro. Da lässt es sich herrlich dekadent sein und täglich Austern zur Vorspeise essen. Ein Tipp für die Küche: Die Austern aufbrechen, das überschüssige Wasser abgießen, mit klein geschnittenen Schalottenwürfel bestreuen und mit frischer Zitrone beträufeln. Probieren Sie es aus.

Der Wanderweg führt auch am Schloss Locquéran vorbei, einem Herrensitz aus dem 19. Jahrhundert. Heute ist es in Appartments aufgeteilt und kann nur von außen besichtigt werden.

Zum Schluss kommen Sie an einem Schiffsfriedhof vorbei. Einige skurile und außergewöhnliche Fotomotive warten dort auf Sie.

Da Sie schon einmal nur eine Brückenbreite von Audierne entfernt sind, verpassen Sie nicht die großen Markttage in Audierne mit einem schier unerschöpflichen Angebot an regionalen Produkten. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Meeresfrüchten – aber alle anderen Angebote sollten Sie sich auch nicht entgehen lassen. Frankreich ist so vielfältig – und die Bretagne bekannt für Gemüse und Erdbeeren.

Küstenspaziergang in der Bretagne

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Die Algenbäcker der Bretagne

Algenofen im Finistere

Algenofen im Finistere

Der Tourist verhält den Schritt. Was mag dieses wohl zehn Meter lange, 60 Zentimeter breite und 40 Zentimeter tiefe Gebilde wohl bedeuten? Ist Gebilde überhaupt der richtige Name, die richtige Bezeichnung? Von Menschen vor vielen Jahren gemacht – das ist sicher. Mit flachen Steinen ist der Boden ausgelegt, flache Steine bilden die Seitenwände. Und manchmal befindet sich davor eine Steinplatte mit einer Gravur: „Four a  Goemon“ die gnädige Tourismusverantwortliche haben legen lassen.

Doch nicht einmal die deutsche Wikipedia, die alles zu wissen vorgibt, hat eine Antwort darauf. Und so bleibt nur die Spekulation. Gräber unserer steinzeitlichen Vorfahren? Dagegen spricht die Ausrichtung. Die Gräben zeigen nicht eindeutig in eine Himmelsrichtung oder zum Meer. Orientierungsfeuer für die Fischer? Aber so lang, so relativ flach und so schmal? Wäre es nicht einfacher gewesen, runde Feuerstellen zu diesem Zweck anzulegen? Ein Platz zur Zwischenlagerung von Muscheln und Fisch? Als Lösung auch nicht so prickelnd, dafür hätten sich doch Gestelle besser geeignet. Zumindest hätten diese einen besseren Schutz vor Tieren geboten.

Dass wir mit dieem Gedanken jedoch gar nicht mal so ganz verkehrt liegen, zeigt der Blick ins Internet. Die Gräben oder Kanäle sind lange nicht so alt, wie sie erscheinen. Die meisten von ihnen sind zur Zeit Ludwig XIV. entstanden, also mal gerade rund 400 Jahre alt. Es handelt sich um Algenbacköfen, genutzt, um aus den reichlichen Meeresalgen-Vorkommen an der bretonischen Küste Soda für die Glasherstellung und später Jod für medizinischen Zwecke herzustellen.

5 bis 6 Tonnen frischer Algen ergibt 10 kg Jod

5 bis 6 Tonnen frischer Algen ergibt 10 kg Jod

Eine mühselige Angelegenheit, denn fünf bis sechs Tonnen frische Algen ergeben eine knappe Tonne getrocknete Algen. Mit Reisig- und Ginsterfeuer werden daraus in den Öfen 200 Kilogramm Soda und daraus wiederum 10 Kilogramm Jod gewonnen. Aber nur, wenn das wechselhafte bretonische Wetter ein Einsehen hatte. Ein Regenschauer konnte die Arbeit von Tagen zunichte machen, denn erneute Nässe ließ die Algen verderben.

Praktisch ging das Algenbacken ganz einfach zu. Wenn der Ofen heiss war, wurden dünne Lagen trockener Algen eingefüllt. Offene Flammen wurden mit einer Lage frischen Seetangs erstickt. Die Temperatur erreichte bis zu 800 Grad Celsius und ließ einen grauen Brei entstehen. Die Algenbäcker hatten lange, eisenbewehrte Stöcke, mit denen der Algenbrei gerührt wurde. Schließlich entstanden Soda-Blöcke von cirka 50 Zentimetern Breite und Dicke. Ideal für die damals rasant wachsende Glasindustrie, die nicht genug Soda bekommen konnte. Soda sorgte dafür, dass der Siedepunkt des Quarzsandes heruntergesetzt wurde.

Soda aus gebackenen Algen blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts selten und damit wertvoll. Ein einträgliches Geschäft für die Bretonen an der Küste des Finistere. Dort kannte man die Soda-Produktion schon seit dem 4. Jahrhundert. Die Römer nutzten das Soda, um ihre Haare zu bleichen. Später diente das Produkt auch zur Reinigung, besonders als Waschmittel und zur Herstellung von Seifen. Mit der Entdeckung des industriellen Soda durch Leblanc im Jahr 1790 begann der Abstieg der Produktion in der Bretagne. Doch bis zum 2. Weltkrieg wurde die Algenbäckerei fortgeführt. Jod ließ sich noch nicht industriell herstellen – und die Verwendung der gebrannten Algen als Dünger in der Landwirtschaft war auch nicht zu unterschätzen.

Unzählige Gräben und Kanäle finden sich noch heute an der bretonischen Küste im Finistere. Das westlichste, kontinentale Departement Frankreichs ist reich an geschichtlichen Geheimnissen – eines davon haben wir jetzt gelüftet.

Pablo Picasso in der Bretagne: L’Eternel Féminin – Das Ewigweibliche

Blick zur Kathedrale Saint Corentin in Quimper, Foto: Yannick Le Gall

Blick zur Kathedrale Saint Corentin in Quimper, Foto: Yannick Le Gal

Auf den Spuren Pablo Picassos können Urlauber im Badeort Dinard in der Bretagne wandeln. Fasziniert von den Körpern der badenden Frauen, die sich in den 1920er Jahren an der Smaragdküste immer freizügiger zeigten, verbringt der berühmte Künstler zwischen 1922 und 1929 dreimal die Sommermonate im Nordwesten Frankreichs. Vom 23. Mai bis 18. August 2014 zeigt das Musée des Beaux-Arts im bretonischen Quimper deshalb eine umfassende Ausstellung zur Bedeutung des Femininen in den Werken Pablo Picassos. Weiterlesen

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