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Kategorie: Beten mit den Füssen: Lahnwanderweg (Seite 1 von 3)

Auf den Spuren der Pilger durch Weilburg

(KS, im Februar 2017) Ob es denn in Weilburg wirklich Jakobspilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela, nach Rom oder nach Jerusalem habe, wurde jüngst gefragt. Ja, natürlich, lautet die Antwort. Weilburg hatte schon im frühen Mittelalter eine herausragende Bedeutung und liegt in exponierter Lage an der Lahn. Selbstverständlich haben Pilger hier ihre Spuren hinterlassen, haben auf ihrem langen und beschwerlichen Weg die regionalen Wallfahrtsstätten besucht und Schutz, Übernachtung und Verpflegung in den Stiften und Klöstern erhalten. So, wie in Weilburg und den vielen anderen Orten entlang der Lahn, die ihre Tore für Pilger meistens weit offen hielten. Schließlich galt die Versorgung eines Pilgers als gottgefälliges Werk. Und die Obrigkeit stellte Pilger unter ihren ganz besonderen Schutz.

Begleiten Sie uns doch einmal auf dem Weg der Jakobspilger durch Weilburg. Der Lahn-Camino, als einer der ersten Jakobswege in Deutschland von Professor Heinrich Kanz aus Lahnstein initiiert und vom Taunusklub durchgehend markiert, verläuft auf rund 16 Kilometern durch Weilburg.

Beginnen wir mit unserer kleinen Pilgerreise in Braunfels. Das heutige Braunfels ist Luftkurort und die Altstadt hat sich ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt. Das romantische, weithin sichtbare Schloss dominiert die Stadtansicht. Doch verschiedene historische Handelsstraßen kreuzen sich im heutigen Braunfels. Dies legt den Schluss nahe, dass der Berg schon früh besiedelt war.

Um dem Lahn-Camino nach Weilburg zu folgen, wenden Sie sich vor dem Solmser Hof stehend nach links in die Weilburger Straße. Dieser folgen Sie immer geradeaus, den Schlossberg hinunter bis zur Landstrasse. Dort gehen Sie ein kurzes Stück nach links weiter, bis Sie auf der rechten Seite an eine Straße kommen. Der „Weihermühle“ folgen Sie stetig nach oben. Auf der rechten Seite passieren Sie die romantisch gelegene Weihermühle. Der Weg führt sanft nach oben aus dem Tal heraus, immer fast parallel zur Landstraße. Dies ist übrigens die einzige nennenswerte Steigung auf Ihrem Weg nach Weilburg.

Der Lahn-Camino führt bald weg von der Landstraße in den Wald hinein. Die Beschilderung ist, wie auf der gesamten Strecke, sehr gut mit der Jakobsmuschel und/oder dem L für Lahnhöhenweg. Deshalb sparen wir uns die Wegbeschreibung durch den Wald. Auf schönen breiten und fast schnurgeraden Wegen geht es immer weiter. Und vielleicht begegnen Ihnen ja galoppierende Kaltblüter. Ein schönes Schauspiel.

Nach wenigen Kilometern treten Sie aus dem Wald heraus und sehen vor sich Hirschhausen liegen. Der heutige Weilburger Ortsteil wird 1397 erstmalig urkundlich erwähnt. Interessant ist die achteckige Kirche aus dem Jahr 1763. Sie wurde von 27 Hirschhäuser Familien erbaut. Die Haupterwerbsquelle von Hirschhausen lag hauptsächlich im Eisenerzbau. Viele Orte erinnern daran mit Loren oder ähnlichen Erinnerungsstücken an zentralen Punkten.

Nachdem Sie die Treppenstufen von der Kirche zur Straße hinuntergestiegen sind, wenden Sie sich nach links. Bald schon geht der Fußweg in einen asphaltierten Wirtschaftsweg über, der Sie an der insgesamt 3800 m langen und bis zu 2 m hohen Tiergartenmauer entlang bis zum Parkplatz am Eingang des Tiergarten führt.

Der gesamte Tierpark umfasst 93 Hektar mit drei Teichen, die ca. 1,7 ha Wasserfläche haben. Nachdem der herrschaftliche Tierpark ab 1816 nur noch forstwirtschaftlich genutzt wurde, entschloss sich die Hessische Forstverwaltung 1969 zur erneuten Anlage eines Wildgeheges, das dann 1979 eröffnet wurde.

Doch wir verlassen den markierten Lahn-Camino und den Lahnhöhenweg und folgen in Hirschhausen einer kleinen, leicht zu übersehenen Muschelmarkierung. Auf dem Postweg geht es durch die Felder zur ehemaligen Wallfahrtsstätte Pfannstiel. Ortwin Keiner aus Drommershausen hat sich um die Markierungen gekümmert und investiert viel Zeit und Mühen in die Erforschung der Wallfahrtsstätte.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in der Gemarkung Panstyl zwischen Hirschhausen und Weilburg an einem Baum das wundertätige Bild der Jungfrau Maria gefunden. Schnell entwickelte sich ein reger Wallfahrtsbetrieb, die Gläubigen kamen selbst aus dem entfernten Frankfurt nach Weilburg. Sicher haben auch viele Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela die Gelegenheit genutzt, die Mutter Gottes um ihren Beistand auf der langen und gefährlichen Pilgerfahrt zu bitten.

Es bildete sich ein kleiner Konvent, es wurde eine kleine Kirche gebaut, die den Namen „Unserer lieben Frau und St. Johannes“ erhielt. Die Betreuung übertrug Graf Philipp II. von Nassau-Weilburg dem Johanniter-Orden, der ein Drittel der reichen Einnahmen für sich behalten durfte. Zwei Drittel der Spenden verblieben bei der Wallfahrtsstätte. Der Konvent wuchs, Wirtschaftsgebäude und Unterkünfte für die zahlreichen Pilger konnten entstehen.

Philipp III. von Nassau-Weilburg führte in seiner Grafschaft 1526 die Reformation ein, mit der Reformation ging das Pilgerwesen in ganz Nordeuropa deutlich zurück. Der schwedische König ließ sogar die Pilgerreise bei Strafe verbieten. Graf Philipp nahm der Wallfahrtsstätte zunächst die Einnahmen und verwendete diese für die Weilburger Schlosskirche. Als die Kirche dann baufällig wurde, verfügte er 1550 den Abriss.

Die Grundmauern der Kirche haben sich zum Teil bis heute erhalten. Ein neuer Altar wurde errichtet und 2009 wurde ein Johanniterkreuz aufgestellt. Jährlich findet ein ökumenischer Gottesdienst am Pfannstiel statt.

Weiter geht es durch den Weilburger Stadtwald und durch die Felder Richtung Windhof.

Durch einen Hohlweg, der von intensiver Nutzung des Weges zeugt, kommen Sie durch den ehemaligen, heute kaum noch zu erkennenden Park, auf den Windhof zu. Das Jagdschloss wurde Im 18. Jhdt. von Graf Johannes Ernst auf den Taunushöhen erbaut und zeugt von der prunkvollen Geschichte Weilburgs. Seit 1927 wird das Lustschloss als Schullandheim und heute als Wohnheim für die Studierenden der Staatlichen Technik-Akademie genutzt. Eine Besichtigung ist leider nicht möglich.

An der Straße geht es nach rechts und Sie folgen einfach der Muschelmarkierung hinunter zur Innenstadt. An der Frankfurter Straße geht es noch einmal nach rechts und Sie können die Weilburger Altstadt mit dem Landtor vor sich sehen. Der Lahn-Camino biegt hinter der katholischen Kirche und dem alten Friedhof mit der Heilig-Grab-Kapelle nach links ab. Davor ist der alte Friedhof und der Kalvarienberg. Es ist die markanteste Spur eines Pilgers in Weilburg.

Bei dem Kalvarienberg handelt es sich um eine Kreuzigungsgruppe, gestaltet im Stil des 15. und 16. Jhdts. Gemeinsam mit der Heilig-Grab-Kapelle bildet sie eine religiöse und bauliche Einheit entsprechend dem Jerusalemer Vorbild. Wahrscheinlich errichtet unter Graf Johann Ludwig, der 1496 von einer Pilgerfahrt nach Jerusalem wohlbehalten zurückkam und den Kalvarienberg in Auftrag gab. Die eingemeißelte Datierung 1505 auf dem Türsturz der Kapelle zeugt davon. Von dort führt eine lange Treppe hinab zur Lahn.

Wir jedoch bleiben auf der Frankfurter Straße und gehen auf das klassizistische Landtor zu. Es wurde von 1759 bis 1768 unter Fürst Karl Christian von Nassau-Weilburg errichtet.

Davor steht am König-Konrad-Denkmal eine Granitstele mit einer goldfarbenen Jakobsmuschel aus Santiago de Compostela. Eine Muschel gilt seit jeher als Zeichen der Pilgerschaft – nach Santiago de Compostela, nach Rom, nach Jerusalem oder auch nach Trier zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen oder nach Köln zum Schrein der Heiligen Drei Könige. Die Jakobsstele wurde auf Initiative von Bürgermeister Hans-Peter Schick errichtet. Er brachte auch die Muschel aus Santiago de Compostela mit. Die Stele erinnert an die vielen, vielen Fremden, Pilger und Flüchtlinge, die damals wie heute in Weilburg willkommen sind und Schutz, Unterkunft und eine warme Mahlzeit erhalten.

Links hinter dem Landtor steht das alte Zuchthaus, später zur katholischen Pfarrkirche der wiedererstarkten katholischen Gemeinde umgebaut. Heute wird das Gebäude säkular genutzt.

Gleich auf der rechten Seite sehen Sie eine Treppe, die Sie nach oben in den Schlossgarten und zunächst zur unteren Orangerie führt. Zwei große Freitreppen führen weiter auf die obere Terrasse mit dem Lindensaal. Am Ende des Lindenboskett erwartet Sie rechter Hand ein freier Blick über die Lahn und auf die Westerwald-Seite Weilburgs. Linker Hand erblicken Sie die Obere Orangerie. Ein Durchgang (Schild beachten) führt Sie durch das Hochschloss in den schönsten Renaissance-Schlosshof Deutschlands.

Sie befinden sich jetzt im ältesten Teil des Gesamtkomplexes, der zwischen 1533 und 1572 im Renaissancestil erbaut und bis heute nahezu unverändert blieb. Hier finden in jedem Jahr die weit über hessische Grenzen hinaus bekannten Weilburger Schlosskonzerte statt.

Wenn Sie aus dem Renaissancehof heraustreten und an der alten Wache vorbei gehen, erreichen Sie linker Hand nach wenigen Schritten die Schlosskirche. Die heutige Kirche wurde unter Johann-Ernst von Nassau-Weilburg in den Jahren 1707 und 1708 gebaut. Durch einen besonderen Gang wurde sie mit dem Schloss verbunden. Die Fürstengruft unter einer Steinplatte vor dem Altar mit dem Wappen der Nassauer und Luxemburger ist im Besitz des Hauses Luxemburg und nur am Todestag von Herzog Adolph von Nassau am 17. November der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Schlosskirche selbst ist ein barocker Hallenbau. An dieser Stelle standen schon Vorgängerkirchen, die den Pilgern als Zufluchtsstätte gedient haben mögen. Die Konradiner gründeten ein Chorherrenstift mit einer kleinen Kirche. Sie wurde St. Walpurgis geweiht und diente bis 1397. Dann musste diese Stiftskirche einem neuen Bau, der St. Andreas-Kirche weichen. Bald darauf wurde angebaut, die St. Martins-Kirche diente bis zum Abbruch der Doppelkirche der Herrschaft und der Stadt. Noch heute zeugt der mächtige Turm der Schlosskirche von dieser Zeit.

Baumeister Rothweil hat mit der Schlosskirche einen fast quadratischen Raum mit guter Akustik und freier Sicht auf die Kanzel und den Altar geschaffen. Die Stadt- und Landbevölkerung fand ihren Platz Parterre, während der Hof in Logen Platz nahm. Die Herrscherloge befindet sich gegenüber dem Altar. Der Innenraum ist relativ sparsam ausgeschmückt, Gestaltungselemente sind fast ausschließlich die Seitenwände, die klassisch-schlichten Stukkaturen und die Logen des Hofes.

Von der Schlosskirche gehen Sie die paar Schritte wieder zurück zum Schlossplatz und folgen, links abbiegend, der Neugasse bis hinunter zum Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71. In der außergewöhnlich breiten Neugasse gehen Sie vorbei an schmucken Fachwerkhäusern. In der Mauerstraße nach links finden Sie rechter Hand den Komödienbau und linker Hand das im Jahr 1780 errichtete Gymnasium, dessen Vorläufer eine im Jahr 1540 durch Graf Phillipp III. gegründete Freischule war. Im weiteren Verlauf der Mauerstraße mit ihren klassizistischen Bauten sehen Sie noch das Rathaus und hinter der kleinen Biegung das Gesellschaftshaus.

Hinter dem Denkmal führt eine Treppe hinunter zur Lahn. Geradeaus sehen Sie den Ernst-Dienstbach-Steg, der bei den Weilburgern aber immer noch die „Kettenbrücke“ heißt. Diese rein aus Ketten bestehende, in Europa damals einzigartige Brücke, wurde 1784 für die Wasserversorgung des Schlosses errichtet. Hierüber führte die Wasserleitung, die aus einem Reservoir am darüberliegenden Kanapee gespeist wurde.

Wenden Sie sich nach links, folgen der Straße lahnabwärts und passieren das einmalige Weilburger Tunnenensemble: Straßentunnel, Schiffstunnel und Eisenbahntunnel. Auf dem Leinpfad geht es nun lahnaufwärts für etwa 1000 Metern. Dann führt der Weiltalweg nach links unter der Bahn durch, wendet sich nach rechts zur Straße.

Der kurze, aber steile Anstieg auf die Taunus-Höhen beginnt gleich gegenüber, direkt neben dem Mäuerchen. Obwohl dieser schmale Pfad schon bald in einen Waldweg übergeht, sollten Sie sich diesen Anstieg bei schlechtem Wetter oder nach mehreren Regentagen ersparen. Wenn Sie an der Strasse entlang zurückgehen und sich an der Guntersau (italienisches Restaurant) nach rechts wenden, gelangen Sie auf den gut ausgebauten Weiltalrad- und wanderweg, der Sie ohne Steigungen immer entlang der Weil direkt bis nach Freienfels führt.

Schöner ist jedoch der markierte Wanderweg oberhalb des Weiltales. Wenn Sie den steilen Anstieg geschafft haben, wenden Sie sich auf dem Waldweg nach links. Jetzt geht es in Windungen, immer dem Höhenzug folgend, in Richtung Freienfels. Hier oben werden Sie die Ruhe des Waldes genießen und an manchen Stellen auf die Weil und den begleitenden Weilwanderweg herunterblicken können.

 Wenn Sie aus dem Wald wieder heraustreten, liegt gleich der Weinbacher Ortsteil Freienfels vor Ihnen. Hier endet unsere kleine Wanderung auf den Spuren der Pilger in und um Weilburg.

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Lahnwanderweg: 2. Etappe Feudingen-Bad Laasphe

Lahnwanderweg: 1. Etappe – Lahnhof-Feudingen

Die erste Etappe des neuen Qualitätsweges „Lahnwanderweg“ von Netphen-Lahnhof bis nach Bad Laasphe-Feudingen. Anreise etwas schwierig, keine Busverbindung zum Einstieg. Taxi-Transfer von Feudingen teuer. — Achtung: Die Strecke ist zwar leicht, hat keine wesentlichen Steigungen und ist mit 13 km sehr kurz, sollte aber trotzdem besonders im Sommer nicht unterschätzt werden. Es geht überwiegend unter freiem Himmel, das heißt, die Sonne brennt an heißen Tagen ganz schön auf den Kopf.

Beten mit den Füßen: Lahnwanderweg 19. Etappe von Bad Ems nach Niederlahnstein (Entwurf)

Beten mit den Füßen: Lahnwanderweg 18. Etappe von Obernhof nach Bad Ems (Entwurf)

Beten mit den Füßen: Lahnwanderweg 17. Etappe von Balduinstein nach Obernhof (Entwurf)

Beten mit den Füßen: Lahnwanderweg 16. Etappe von Limburg nach Balduinstein (Entwurf)

Beten mit den Füssen: Lahnwanderweg 15. Etappe von Villmar nach Limburg (Entwurf)

Beten mit den Füssen: Lahnwanderweg 14. Etappe von Aumenau nach Villmar (Entwurf)

Beten mit den Füssen: 13. Etappe von Weilburg nach Aumenau (Entwurf)

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