Ich habe mich doch vor ein paar Tagen darüber aufgeregt, dass die Schleswig-Holsteiner nicht beikommen. Für manche stimmt das immer noch (z.B. für die Presseabteilung vom Schloss Gottorf, die mich einer Antwort auf meine Anfrage für nicht würdig halten), aber beim Bürgermeister Paulsen aus Stolk muss ich Abbitte leisten. Und weil die Antwort so schön, nett und freundlich ist, gebe ich sie hier im Original wieder:

 

Sehr geehrter Herr Schäfer,

vielen Dank für Ihre Anfrage, mit der Sie unseren kleinen Bach für eine hoffentlich große Leserschaft bekannt machen wollen. Bitte entschuldigen Sie, dass Sie erst jetzt eine Antwort erhalten – ich musste mich erst selbst sachkundig machen und einen Tag ohne Termine als Bürgermeister abwarten.

Herausgefunden habe ich leider nichts, was auf eine originelle Geschichte hindeuten könnte. Zwar ist dieser Bach immer eine große Grenze gewesen (heute zwischen zwei Gemeinden und zwei Ämtern, früher in seinem Unterlauf zwischen zwei Landkreisen, ganz früher zwischen herzoglichem und königlich-dänischem Landbesitz); aber ob eine Furt zum Schmuggeln von Branntwein über eine mögliche Zollgrenze hinweg benutzt wurde, ist rein spekulativ.

Unser örtlicher Fachmann für Sprachgeschichte geht vielmehr davon aus, dass es beim Aufschreiben eines mündlich überlieferten, daher lautlich veränderten und in der breiten Bevölkerung nicht mehr begründbaren Namens zu einer Fehldeutung gekommen ist. Er deutet den Namen als ursprünglich „bravibek“ von altdänisch „bra“=Abhang, Kante und „vi“ als Kurzform zu „vihi“=Wiese sowie dem bekannten „bek“=Bach.

Demnach wäre die Branntweinsbek der Bach, der durch Wiesenland mit deutlich sichtbaren Abhängen führt – und genau das ist bis auf den heutigen Tag typisch für diesen Wasserlauf zwischen den beiden Brücken zum östlichen und westlichen Elmholz.

Auch wenn Sie diese Erklärung für Ihren Wanderführer nicht gebrauchen können, wünsche ich Ihnen für dieses Werk gutes Gelingen, eine weite Verbreitung und für Ihre künftige Arbeit als Reiseschriftsteller viel Erfolg.

Von der kleinen Branntweinsbek sendet Ihnen schöne Grüße an die große Lahn

Ihr

Heiner Paulsen