Aus diesem Weiher am Lahnhof entspringt die Lahn

Aus diesem Weiher am Lahnhof entspringt die Lahn

1. Etappe: Netphen-Lahnhof nach Bad Laasphe-Feudingen

Länge: 13 km

Dauer: 3,5 Stunden

Anforderungen: gering

Höhendifferenz: 248 Meter (Höhe von 419 Meter bis 666 Meter),Gesamtanstieg 158 Meter, Gesamtabstieg 357 Meter

Keine Versorgungs- oder Einkehrmöglichkeit auf der Etappe, Rucksackverpflegung und genügend Flüssigkeit mitnehmen.

Sehen und Erleben: Lahnquelle, Ilsequelle, Heiligenborn, Martini-Kirche Feudingen

Gedanken für den Tag:

„Ich erfülle die Aufgabe, die Du mir anvertraut. Solange du willst, will ich unter deiner Leitung meinen Dienst erfüllen. Sicher, ein alter Mensch wünscht sich, von der Mühe befreit zu werden. Doch mein Mut ist stärker als mein Alter. Doch auch wenn du nicht auf mein fortgeschrittenes Alter schaust, so ist dein Wille, Herr, für mich das Beste. Du wirst selbst die bewahren, für die ich Sorge trage.“

Martin von Tours (316 oder 317 – 397), römischer Soldat, später Bischof von Tours, katholischer Heiliger, teilte der Legende nach seinen Mantel mit einem Bettler

Legende:

Martin von Tours entstammte einer Soldatenfamilie. Sein Name leitet sich vom römischen Kriegsgott Mars ab und war somit Programm für sein Leben. Die Worte soll er auf seinem Sterbebett gesagt haben. Ganz Soldat, ganz Soldat Gottes. Nur einmal erlaubte sich Martin der Legende nach eine Schwäche. Die Bewohner von Tours wollten den bescheidenen und asketisch lebenden Martin zum Bischof machen. Dieser Gedanke gefiel ihm jedoch gar nicht und er versteckte sich vor der Bischofsweihe in einem Gänsestall. Die Gänse machten jedoch einen solchen Lärm, dass Martin schnell gefunden wurde und in die Kirche zur Bischofsweihe gebracht wurde.

Anreise:

Mit Bus und Bahn ist die Anreise zum Lahnhof, dem Startpunkt der heutigen Etappe, kaum möglich. Viele Radfahrer auf dem beliebten Lahntalweg nehmen den Zug bis Feudingen und dann ein Taxi bis zum Startpunkt. Andere planen eine Übernachtung im Forsthaus Lahnhof oder im Gasthof Lahnhof ein (beides in der Saison nicht gerade günstig) und lassen sich von ihrem Gastgeber am Bahnhof abholen.

Lahnhof:

Schon seit über 100 Jahren ist der Platz rund um die Lahnquelle ein beliebtes Ausflugsziel. Früher glaubte man sogar, die Lahn würde im Keller des Forsthauses entspringen. Das entpuppte sich jedoch als Irrtum.

Obwohl die erste urkundliche Erwähnung eines Anwesens am Lahnhof unter dem Namen Lonebach schon im März 1333 festzustellen ist, kann ein früheres fränkisch-karolingisches Anwesen mehr als vermutet werden. Ein fränkischer Rasthof wahrscheinlich und sicher auch noch früher eine karolingische Bebauung. Die Archäologen fanden Wallanlagen, die auf eine Befestigung des Lahnhofs hindeuten und an der Stiegelburg wird ein befestigter Turm zum Schutz der wichtigen Altstraße als gesichert angenommen. Denn hier oben auf den Höhen des Rothaargebirges verlief eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen schon in vorgeschichtlicher Zeit.

Die Eisenstraße, so genannt, weil auf ihr bis zum Hochmittelalter der Eisenhandel im Siegerland abgewickelt wurde, hat eine Verbindung  zum Westfalenweg. Der wiederum kommt aus der Wetterau und führt an einer der wichtigsten keltischen Siedlungen der Eisenzeit, dem Glauberg, vorbei. An der Eisenstraße liegen etliche über 2000 Jahre alte keltische Ringwallanlagen. Ein Beweis für die Bedeutung des Eisentransportes. Händler, Reisende und Pilger suchten sich bis weit ins Mittelalter hinein die Höhenwege, weil die Flusstäler vielfach versumpft und morastig waren.

Leider wissen wir viel zu wenig über unsere keltischen Vorfahren. Doch in Glauberg, der wohl bedeutendsten keltischen Grabungsstätte in Hessen, vermuten die Forscher in der mannshohen, außergewöhnlichen Statue des „Keltenfürst vom Glauberg“ einen Priester. Dann könnten die Pfahlsetzungen am Glauberg ein Kalendarium oder ein gewaltiger Tempel sein und es befand sich dort ein bedeutendes keltisches Heiligtum. Und dann wäre es gar nicht so abwegig, dass schon in vorchristlicher, nämlich keltischer, Zeit Pilger auf der Eisenstraße in Richtung Süden in die Wetterau unterwegs waren. Nicht einmal 100 Kilometer trennen den Lahnhof vom Glauberg. Das sind drei, höchstens vier Tagesreisen.

Natürlich sind die keltischen, römischen und mittelalterlichen Handels- und Pilgerwege heute kaum noch begehbar. Aber sie wurden und werden auch von den Nachfahren und bis in die heutige Zeit genutzt. Ein Stück führt der Lahnwanderweg an der heute asphaltierten Eisenstraße entlang und im Laufe der nächsten Wochen wird der moderne Pilger immer wieder auf das vorgeschichtliche bis mittelalterliche Altstraßensystem stoßen.

Lahnwanderweg:

Die Lahnquelle

Die Lahnquelle

Die Lahn entspringt in einem Tümpel nahe dem Forsthaus Lahnhof. Mehrere Quellen scheinen diesen kleinen Teich zu speisen. Gleich gegenüber ist das große Tor zum Märchenwanderweg „Ilsequelle“. Der kleine Rothaar, ein Kobold aus dem Rothaargebirge, lädt die Kinder zu Bewegung in der Natur und zur Entdeckung vieler Geschichten rund um Südwestfalen ein.

An der Stiegelburg stand ein befestigter Turm zum Schutz des wichtigen Handelsweges

An der Stiegelburg stand ein befestigter Turm zum Schutz des wichtigen Handelsweges

Der Lahnwanderweg beginnt ein Stück die Straße aufwärts und führt nach rechts in Richtung Stiegelburg. Wenig später geht es schon in den Wald. Die heutige Etappe mag im Überblick einfach erscheinen, und sie ist auch nicht wirklich körperlich anstrengend. Doch sie führt recht wenig durch den vor Sonne schützenden Wald. Deshalb sollte im Sommer bei hohen Temperaturen auf eine Kopfbedeckung und auf genügend Flüssigkeit geachtet werden.

Die freie Strecke hat natürlich auch Vorteile. Kyrill hat für viele wunderschöne Ausblicke gesorgt, die Sie unterwegs genießen sollten.

Malerisch führt der Waldweg entlang der Eisenstraße

Malerisch führt der Waldweg entlang der Eisenstraße

Bald schlängelt sich der Waldweg an der Eisenstraße entlang und führt zu einem Waldparkplatz. Von dort geht es auf einem Stückchen des „Kleinen Rothaar“, dem Märchenwanderweg nicht nur für die Kleinen.

An der Ilsequelle können Sie sich die Zeit zu einer Rast nehmen. Es stehen Gläser bereit, damit Sie sich aus der Quelle bedienen können. Das Wasser ist wohlschmeckend. Es stehen Tische und Bänke und zusätzlich eine LIegebank für den Wanderer und Pilger bereit.

Die Einfassung der Ilsequelle aus dem Mittelalter

Die Einfassung der Ilsequelle aus dem Mittelalter

Die Ilsequelle ist seit dem Mittelalter als Heilige Quelle und Wunderstätte bekannt. Bis zur Reformation und dann wieder kurz danach pilgerten die Menschen der näheren und weiteren Umgebung zur Quelle, um im Wasser zu baden und Linderung ihrer Leiden zu erbitten. Die Quelleinfassung aus Stein und der Weiher sind Relikte aus dieser Zeit. Bis aus Düsseldorf kamen die Kranken und noch Jahre, nachdem es im 30jährigen Krieg zu gefährlich geworden war, zur Ilsequelle zu pilgern, hingen die Krücken der Geheilten in den Bäumen rund um die Quelle. Auf dem schmalen Weg wird damals viel Verkehr gewesen sein. Die detaillierte Abrechnung der Münzen im Opferstock an der Quelle im Jahre 1622 erbrachte in nur 10 Wochen umgerechnet über 1000 Euro.

Sicher, heute fühlen wir uns als Menschen des 21. Jahrhunderts aufgeklärt und schmunzeln über den Wunderglauben unserer Vorfahren. Doch diese haben fest daran geglaubt, dass Gott sie eben an dieser Stelle, an dieser Quelle im Wald von ihren Leiden erlösen konnte. Und wenn Sie als moderne Pilgerin und Pilger sich die Zeit nehmen, die Augen schliessen und die Gedanken einfach vorbeifließen lassen, dann hören Sie nicht nur die Vögel und anderen Geräusche der Natur, dann spüren Sie auch die tiefe Spiritualität, mit der tausende von Pilgern vor Ihnen zu dieser Stelle gepilgert sind.

Ihr Lächeln wird erwidert - So steht es an einem Fachwerkhaus in Heiligenborn

Ihr Lächeln wird erwidert – So steht es an einem Fachwerkhaus in Heiligenborn

Weiter führt der Weg nach Heiligenborn. Dieser Ort hat seinen Namen von der heiligen Ilsequelle erhalten. Er besteht heute noch aus fünf Fachwerkhäusern und an einem der Schönsten führt die schmale Straße direkt vorbei. 1515 wird Heiligenborn erstmals erwähnt. Da haben sich die Mächtigen über die Landesgrenzen gestritten und diese in einem Dokument festgelegt. Die Grafen von Nassau und von Wittgenstein. Um 1700 wollen die Wittgensteiner die Landwirtschaft in der Gegend ausweiten und suchen Familien die bereit sind, mitten im Wald einen Neuanfang zu machen. Für manche war es die Chance des Lebens, die gerne ergriffen wurde. Die Familien mussten selber roden und die Äcker fruchtbar machen. Dafür befreiten sie die Wittgensteiner von allen Abgaben. Nur einen jährlichen Zins, den Canon, mussten die Siedler an die Herrschaft abführen.

Bald führt der Lahnwanderweg den Berg hinunter und nach Feudingen herein. Am Ortseingang wartet noch einmal ein gepflegter Rastplatz und lädt zum Verweilen ein. Bis zur Kirche von Feudingen und zum Abschluss der ersten Etappe ist es nicht mehr weit.

Feudingen:

Feudingen ist ein Stadtteil von Bad Laasphe im Kreis Siegen-Wittgenstein im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl beträgt 2385 (Januar 2007).

Evangelische Kirchengemeinde: Gemeindebüro, An der Kirche 12, 57334 Bad Laasphe-Feudingen, Fon: 02754/1303, Mail: WI-KG-Feudingen(add)kk-ekvw.de, Öffnungszeiten:
montags, dienstags, freitags 9 bis 11 Uhr, donnerstags 14 bis 18 Uhr

Katholische Kirchengemeinde Bad Berleburg: Gemeindebüro, Am Herrengarten 2, 57319 Bad Berleburg, Telefon 02751-7148, Mail pfarrbuero@pv-wittgenstein.de, Öffnungszeiten: Dienstag 8:30 – 11:30 Uhr und 13:00 – 15:00 Uhr, Mittwoch 8:30 – 11:30 Uhr und 13:00 – 15:00 Uhr, Donnerstag 8:30 – 11:30 Uhr und 13:00 – 15:00 Uhr

Tourist-Information: Haus des Gastes, Wilhelmsplatz 3, 57334 Bad Laasphe, Telefon 02752 / 89 8, E-Mail: info[add]tourismus-badlaasphe.de

1218 wird Feudingen erstmals in einer Urkunde erwähnt. Es handelt sich um eine Schenkungsurkunde eines Einolf von Feudingen an das Zisterzienserkloster Haina im nahegelegenen Kellerwald. Der Mainzer Erzbischof Siegfried von Eppstein bestätigt die Schenkung. Die Urkunde wird noch heute im hessischen Staatsarchiv in Marburg aufbewahrt. 1396 scheinen das Feudinger Adelsgeschlecht untergegangen zu sein, sie werden zum letzten Mal erwähnt und die Wittgensteiner Grafen übernahmen die Lehnsherrschaft. Auch die Kirche St. Martin erwarb Grund und Boden in Feudingen und war lange Zeit der Siedlungskern des Ortes.

St. Martin in Feudingen

St. Martin in Feudingen

Die spätromanische Kirche in Feudingen wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts auf einer Anhebung gebaut. Es war die Urkirche für die Menschen der näheren und weiteren Umgebung im oberen Lahntal. Zum Kirchspiel gehörten auch Erndtebrück und Banfe.

Bei der Kirche handelt es sich um eine dreischiffige Hallenkirche, die in der Ausstattung der Martinikirche in Netphen ähnelt. Auch in Feudingen wurde der Heilige Martin von Tours als Kirchenpatron gewählt. In den Gewölben finden sich Ornamente, die noch aus der Bauzeit der Kirche um 1250 stammen. Die Fresken im Chorraum sind aus der Zeit um 1450.

Die ältesten Kirchenaufzeichnungen Westfalens befinden sich in Feudingen. Das Sterberegister geht bis in das Jahr 1523 zurück.

Der Tag endet, morgen beginnt ein neuer Tag. „… so ist dein Wille, Herr, für mich das Beste!“ Ihnen, liebe Pilgerin, lieber Pilger, einen schönen Tagesausklang und eine gute, erholsame Nachtruhe.