Die Turmspitzen der Elisabethkirche

Die Turmspitzen der Elisabethkirche

Lahnwanderweg – 6. Etappe: Caldern nach Marburg

Länge: 16,3 km

Dauer: 5 Stunden

Anforderungen: moderat

Höhendifferenz: 175 Meter (Höhe von 192 Meter bis 367 Meter), Gesamtanstieg 364 Meter, Gesamtabstieg 412 Meter

Keine Verpflegungsmöglichkeit unterwegs, Rucksackverpflegung und genügend Flüssigkeit mitnehmen

Sehen und Erleben: Abstecher Sterzhausen, Burgruine Weißenburg, Behring-Mausoleum, Marburg, Elisabethkirche

Gedanken für den Tag:

Seht, ich habe es immer gesagt, man muß die Menschen froh machen.

Elisabeth Landgräfin von Thüringen (1207 – 1231)

Legende:

Viele Legenden berichten vom heiligmäßigen Leben der ungarischen Königstochter Elisabeth, die im Alter von vier Jahren mit dem 11jährigen thüringischen Landgrafensohn Ludwig verheiratet wurde.

Wegen ihrer Mildtätigkeit wurde sie von den Untertanen geliebt, am Hof aber mißtrauisch verfolgt. Das Rosenwunder ist die bekannteste Legende, wurde aber wohl erst später der Heiligen Elisabeth zugeschrieben. In der Legende stellt sie ihr Mann Ludwig zur Rede, als sie mit einem Korb voller Brot den Bedürftigen helfen wollte. Als Ludwig den Korb aufdeckte, war dieser voller Rosen.

Noch viele andere Legenden ranken sich um das Leben der Heiligen. Der Aussätzige, den sie in ihrem Bett versteckte, entpuppte sich vor den Höflingen als das Angesicht Christus. Bei der schweren Hungersnot im Jahr 1226 ließ Elisabeth die Kornvorräte der Wartburg an die Armen verteilen. Auch nahm sie Geld aus der Staatskasse, um es an die leidenden Menschen zu verteilen. Darauf erhob der Hofstaat heftige Vorwürfe gegen sie. Aber dann bedeckte sich der Boden des Thronsaales mit Korn. Alle Vorratskammern füllten sich und die Anklage gegen Elisabeth hatte keine Grundlage mehr. Eine weitere Legende berichtet vom Besuch Kaiser Friedrichs II. auf der Wartburg. Elisabeth hatte alle ihre Kleider den Armen gegeben und es fand sich kein Gewand mehr in den Truhen. Da erschien ein Engel und kleidete sie in ein feines und kostbares Kleid, damit Elisabeth den Kaiser standesgemäß empfangen konnte.

Lahnwanderweg:

Sie können sicher sein, dass viele, viele Pilger vor Ihnen in Caldern übernachtet und sich am nächsten Morgen auf den nicht mehr allzuweiten Weg nach Marburg zum Grab der Heiligen Elisabeth aufgemacht haben. Wenn Sie beizeiten losgehen, bleibt Ihnen die Zeit, um Marburg, das Pilgerziel vieler frommer Menschen seit über 800 Jahren, zu besichtigen.

Bis nach Sterzhausen teilen sich Fahrradfahrer und Wanderer den Weg

Bis nach Sterzhausen teilen sich Fahrradfahrer und Wanderer den Weg

Bis nach Sterzhausen führt Sie heute der Pilgerweg auf dem Lahnradwanderweg. Er ist so breit, dass sich Fahrradfahrer und Wanderer kaum in die Quere kommen. Dennoch sollten Sie sich möglichst weit am Rand halten. Bei Sterzhausen führt der Lahnwanderweg dann über die Lahn und dann in den Wald hinein. Dort lassen Sie die Radfahrer hinter sich und sind wieder auf einem reinen Wanderweg.

Apropos Sterzhausen, vielleicht habe Sie Lust, einmal in den Ort hinein zur alten Kirche von Sterzhausen zu gehen. Das klassizistische Kirchenschiff ist nicht so besonders interessant, aber der mächtige, weithin sichtbare Wehrturm der Kirche stammt aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Die Untersuchung der Balken ergab das Jahr 1246. Und höchstwahrscheinlich steht der Turm auf den Fundamenten einer noch älteren Kapelle. Schon 1383 ist ein Pfarrer erwähnt, der in Sterzhausen seinen Dienst versah.

Auf dem Weg ...

Auf dem Weg …

Der Lahnwanderweg führt hinter Sterzhausen in den Wald hinein und dann beständig bergauf. Nachdem rechter Hand die Häuser von Michelbach zu sehen waren, geht es hinauf zu den Windrädern. Gleich hier am Wirtschaftsweg, aber auch noch ein Stückchen weiter am Waldrand, stehen Bänke, die zu einer Rast einladen.

Burgruine Weißenstein bei Marburg

Burgruine Weißenstein bei Marburg

Immer näher kommen wir auf unserem Pilgerweg nach Marburg. Doch vorher ist noch ein kurzer Abstecher zur Burgruine Weißenstein angesagt. Den Namen hat die Burg von dem Sandsteinfelsen bekommen, auf dem sie erbaut wurde. Es handelt sich um eine Salierburg, die schon im 8. und 9. Jahhrundert existierte. Ursprünglich könnte es sich um eine eisenzeitliche Befestigungsanlage gehandelt habe. Zumindest deutet die Wallanlage darauf hin. Und die umschlossen immerhin eine Fläche von 620 m2. Zerstört wurde die Burg durch ein Feuer Ende des 11./Anfang des 12. Jahrhunderts.

Marienhäuschen bei Marburg

Marienhäuschen bei Marburg

Auf dem weiteren Weg durch den Marburger Stadtwald führt der Lahnwanderweg eine Treppe hinauf zum Marienhäuschen. Wenn rund um den 1998 renovierten Pavillon nicht die Vandalen gehaust hätten, wäre es ein netter Rastplatz – besonders im Sommer. So aber ist das Innere des Pavillons schmutzig und voller Unrat und auch draußen findet sich kein Platz zum Ausruhen.

Steinbruch im Marburger Stadtwald - Von hier stammen die Steine für die Elisabethkirche und unter anderem auch für den Berliner Reichstag

Steinbruch im Marburger Stadtwald – Von hier stammen die Steine für die Elisabethkirche und unter anderem auch für den Berliner Reichstag

Interessant ist der Steinbruch, an dem Sie wenig später vorbeikommen. Hier wurden die Steine gebrochen, die zum Bau der Elisabethkirche in Marburg verwendet wurden. Und auch Teile des Berliner Reichstags wurden mit den Steinen aus dem Marburger Steinbruch errichtet.

Plötzlich taucht im Wald eine weite Wiesenfläche und ein Mausoleum auf. Hier liegt der Bakteriologe und Serologe Emil von Behring, Gründer der Marburger Behring-Werke, begraben. Seinen Beinamen als „Retter der Kinder“ trägt Behring nicht zu Unrecht. Zu seiner Zeit, also rund um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, starb in Deutschland fast jedes zweite Kinde an Diphtherie. Behring gelang es 1891 mit einem Serum, das er aus dem Blut von Schafen gewonnen hatte, das Leben von zwei Kindern zu retten. Damit war die Grundlage für die

Behring-Mausoleum

Behring-Mausoleum

Diphtherie-Schutzimpfung gelegt. 1901 erhielt Emil von Behring dafür den ersten Nobelpreis für Medizin.

Bevor Sie endgültig der Treppen hinunter zur Straße und dann zum Portal der Elisabethkirche hinuntergehen, kommen Sie noch am historischen Pilgerfriedhof mit der St. Michaels-Kapelle, von den Marburgern liebevoll Michelchen genannt, vorbei. Hier wurden die

St. Michael und der historische Pilgerfriedhof

St. Michael und der historische Pilgerfriedhof

Elisabeth- und Jakobuspilger begraben, die in Marburg verstarben. Die St. Michael-Kapelle wurde 1268 von den Brüdern des Deutschen Hauses errichtet. Nachdem die kleine Kirche in der Reformationszeit in den Besitz der Stadt Marburg kam, verfiel sie immer mehr zur Ruine. Erst nach 1583 wurde die Kirche wieder hergerichtet und genutzt. Die heute noch erhaltenen Grabsteine stammen durchweg aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Hauptportal der Elisabethkirche

Hauptportal der Elisabethkirche

Wie viele fromme Pilger haben wohl schon vor Ihnen am Hauptportal der Elisabethkirche in Marburg gestanden und ehrfürchtig zu den Doppeltürmen hinaufgeschaut. Über dem Elisabethgrab erhebt sich der erste rein gotische Kirchenbau in Deutschland. Am 14. August 1235 wurde mit dem Bau der Kirche über dem Grab der Heiligen Elisabeth von Thüringen begonnen.

 Universitätsstadt Marburg (Lahn)

Marburg, im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf, hat rund 72.000 Einwohner.

Evangelische Elisabethkirchengemeinde, Besucherbüro, Elisabethstr. 6 (gegenüber der Elisabethkirche), 35037 Marburg, Telefon 06421 – 65497

Katholisches Pfarramt St. Peter und Paul, Biegenstraße 18, 35037 Marburg,  Tel.: 06421 / 169570, E-Mail: peterundpaulmr (add) web.de

Marburg Tourismus und Marketing GmbH, Pilgrimstein 26, 35037 Marburg, Tel.:+49 (0) 64 21 / 99 12-0, E-Mail: mtm (add) marburg.de

Pilgerherberge: Kulturzentrum Waggonhalle, Rudolf–Bultmann–Straße 2a, 35039 Marburg, www.Waggonhalle.de Anfragen und Anmeldungen sind telefonisch zu richten an die: Kneipe Rotkehlchen, Telefon 06421/681267, geöffnet täglich von 11.00 Uhr bis 23.00 Uhr

Übernachtungstipps in Marburg

Geschichte:

1222 wurde Marburg zur Stadt, die Burg ist noch einmal mindestens 100 Jahre älter. Doch im Jahr 1231 veränderte sich alles. Elisabeth von Thüringen wählte 1228 Marburg als Witwensitz und widmete sich der Pflege von Alten und Kranken. In diesem Jahr 1231 starb die erst 24 Jahre alt gewordene ehemalige Landgräfin. 1235 schon wurde sie heilig gesprochen, und im selber Jahr begann der Deutsche Orden, über ihrem Grab eine Kirche zu bauen. Die Elisabethkirche ist der erste rein gotische Kirchenbau auf deutschem Boden.

Damit begann der Aufstieg Marburgs zum Ziel unzähliger Pilger. Und Pilger brachten Geld in die Stadt. Das galt nicht nur für Rom, Santiago de Compostela, sondern auch für Köln am Rhein oder eben im Lahntal, in Marburg.

Die reiche Stadt wurde Residenzstadt der Landgrafen von Hessen-Marburg und Sophie von Brabant, eine Tochter der heiligen Elisabeth, ließ ihren Sohn Heinrich in Fritzlar zum Landgrafen ausrufen. Die Marburger huldigten dem Knaben 1248. 1247/48 gilt seitdem als das Geburtsjahr Hessens.

Seit 1527 gibt es die Universität, bis heute einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Marburgs. 1529 gründete Landgraf Philipp von Hessen auch die Hessische Stipendiatenanstallt, das älteste Studentenwohnheim in Deutschland. Es existiert noch heute und findet sich oben auf dem Schlossberg neben dem Schloss.

Für Marburg sollten Sie sich Zeit nehmen. Auch, wenn sich in Marburg heute keine Reliquien der Heiligen mehr befinden, so ist die zentrale Elisabethkirche doch mehr als nur einen flüchtigen Besuch wert. Unzählige Pilger haben sich seit Elisabeths Tod auf den Weg gemacht, um bei ihr um Fürsprache zu bitten. Die Hoffnungen und die Gebete der Pilgerinnen und Pilger lassen sich noch heute im beeindruckenden gotischen Gotteshaus fühlen.

Doch auch die Marburger Altstadt hat ihre Reize und schlußendlich sollten Sie es nicht versäumen, sich Zeit für das Marburger Schloss hoch oben auf dem Schlossberg zu nehmen.

An dieser Stelle werden in Kürze kurze Beschreibungen der Elisabethkirche, der Altstadt und des Schlosses erscheinen.