Nikolaikirche in Caldern

Nikolaikirche in Caldern

Lahnwanderweg – 5. Etappe: Buchenau (Lahn) nach Caldern

Länge: 15,4 km

Dauer: 5 Stunden

Anforderungen: moderat

Höhendifferenz: 266 Meter (Höhe von 217 Meter bis 483 Meter), Gesamtanstieg 436 Meter, Gesamtabstieg 464 Meter

Sehen und Erleben: Burgruine Hohenfels, Damshäuser Kuppen, Rimberg, Nikolaikirche Caldern

Gedanken für den Tag:

„O Samichlaus, mi liebe Gascht,
i gseh, du brüelisch säuber fascht –
i ha di doch nur wöue bitte:
Legg eis vo mine Gschänk auf d‘ Site,
und bring’s doch bi de Ching verby,
wo ohni Brot und Heimet sy.“

(Aus einem schweizerischen Nikolausgedicht, Verfasser unbekannt)

Legende:

Dem Nikolaus von Myra, dessen Fest wir am 6. Dezember feiern, sind unzählige Kirchen und Klöster geweiht. Doch ob er wirklich gelebt hat? Wir können es nicht mit letzter Sicherheit sagen. In Patara, in der heutigen Türkei, ist Nikolaus geboren. Er soll aus einer reichen Familie gestammt haben, wurde Bischof im benachbarten Myra und auf Einladung des byzantinischen Kaisers nahm er am Konzil von Nikäa teil. Auch sein Todesjahr ist unbekannt. Einige sprechen von 327, andere von 342 und wieder andere vom Jahr 352. Erst ab dem Jahr 1087 verbreitete sich die Nikolaus-Verehrung in ganz Europa. In diesem Jahr wurden seine Gebeine von Myra nach Bari überführt. Natürlich, der moderne Mensch möchte gerne einen „Beweis“ in welcher Form auch immer haben. Doch gerade bei Nikolaus – spielt das wirklich eine Rolle? Sind die glänzenden Kinderaugen beim Aufsagen des einen oder anderen Nikolausgedichtes nicht Beweis genug für die Güte Gottes?

Ein Edelmann in Myra hatte nicht genug Reichtümer, um seinen drei schönen Töchtern eine Aussteuer mit in die Ehe zu geben. Ohne Aussteuer jedoch wollte sie niemand heiraten. Auch verboten die strengen Sitten, dass eine adliges Mädchen den Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen konnte. Es blieb nur die Möglichkeit für die schönen Mädchen, ihren Körper gegen Geldgeschenke und kleine Gefälligkeiten zu verkaufen. So brauchten sie wenigstens nicht zu verhungern. Als der Heilige Nikolaus das hörte, war er entsetzt und wollte helfen. Er nahm ein Säckchen voll Goldmünzen und warf es durch das offene Fenster in das Schlafzimmer der Mädchen. Am Morgen fand der freudig überraschte Vater das Gold und gab es seiner ältesten Tochter als Aussteuer. In der nächsten Nacht warf Nikolaus nun ein zweites Mal ein Geldsäckchen in das Haus, so dass auch die zweite Tochter ausgesteuert werden konnte. Nun beschloss der überglückliche Vater, jede Nacht zu wachen, um herauszufinden, wer ihm denn da in seiner Not helfe. Als der Heilige ein drittes Säckchen mit Gold durch das Schlafzimmer war, hörte es der Vater. Er eilte aus dem Hause und lief Nikolaus nach. Als er ihn eingeholt hatte, warf er sich vor ihm auf die Knie und wollte die Füße küssen, doch der Heilige verwehrte es ihm und verbot ihm, solange er lebte, etwas davon zu erzählen.

Lahnwanderweg

Die Lahn bei Buchenau

Die Lahn bei Buchenau

An der Lahnbrücke in Buchenau stehen die Wegweiser für den Lahnwanderweg. Der Rimbergturm begleitet Sie heute auf der Etappe. Immer wieder können Sie den hohen Aussichtsturm sehen. Doch zunächst geht es vorbei an der Burgruine Hohenfels.

Burgruine Hohenfels

Burgruine Hohenfels

Die inzwischen fast untergegangene Doppelburg Hohenfels wurde von den Herren von Hohenfels wohl im 12. Jahrhundert errichtet. Die von Hohenfels herrschten über die Region rund um das heutige Dauphtetal und werden 1174 erstmals urkundlich genannt. Die Burg selber wird 1249 in einer Urkunde erwähnt. Schon Ende des 13. Jahrhunderts ließ der hessische Landgraf Heinrich I. die Burg schleifen. Die von Hohenfelser waren in einem Streit auf der Seite des Mainzer Erzbischofs. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellt. Nach dem archäologischen Befund war die Burg danach nicht mehr bewohnt. Heute gibt es nur noch wenig Reste – Mauern, ein Kellergewölbe.

Damshäuser Kuppen

Damshäuser Kuppen

Rechter Hand sehen Sie auf dem weiteren Weg den kleinen Ort Damshausen liegen. Damshausen liegt romantisch im Tal im Gebiet der Damshäuser Kuppen. Die Kuppen sind ein Mittelgebirgszug, der knapp 500 Meter hoch die Nahtstelle zwischen Westerwald, Rothaargebirge und Westhessischem Bergland bildet.

Der höchste Berg der Damshäuser Kuppen ist mit 497 Meter der Rimberg. Auf dem Gipfel steht der 1977 eingeweihte, 24 Meter hohe Rimbergturm. Der bietet Aussicht pur. Bei guter Fernsicht lässt sich nicht nur das Rothaargebirge erkennen, sondern der Blick reicht bis zum Großen Feldberg im Taunus. Sogar die 95 Kilometer entfernte Wasserkuppe lässt sich bei sehr gutem Bedingungen erkennen.

Rimbergturm

Rimbergturm

Der erste Aussichtsturm wurde schon im Jahr 1900 auf dem Rimberg errichtet. Über 70 Jahre widerstand der hölzerne Turm dem Wetter, in den 70er Jahren war es dann leider vorbei. Der Aussichtsturm stürzte ein. Dem neuen Turm, der unter anderem mit privaten Spendengeldern errichtet wurde, wird das hoffentlich so schnell nicht passieren.

Erinnern Sie sich noch an die Spekulationen auf der ersten Etappe? Die Kelten, die vielleicht zum Glauberg gepilgert sind? Die Siedlungen, die Ringwallanlagen unserer keltischen Vorfahren begleiten uns auf unserem Weg entlang der Lahn. Auch hier am Rimberg findet sich eine Ringwallanlage aus der späten Hallstattzeit, die war etwa von 800 bis 475 vor Christus. Und die Rimberger Keltenburg war gar nicht so klein. 160 mal 130 Meter umfasste der Ringwall. Da passen schon einige Menschen hinein.

Zwischen den Dörfern Damshausen und Caldern wird seit langer, langer Zeit eine typische Rivalität ausgefochten. Hauptsächlich dreht es sich um den Rimberg. Der Gipfel liegt nämlich knapp auf Damshäuser Gebiet, gehörte also früher zu Hessen-Darmstadt. Der östliche Teil des Berges gehört zu Caldern und somit früher zu Kurhessen. Diese Rivalität ist heute auch noch zu spüren. Als nämlich der Rimbergturm 1970 einstürzte, kamen die Caldener und räumten die Trümmer weg. Die Turmspitze demontierten sie und bauten sie im Tal, an der Straße nach Dilschhausen, wieder auf. Dort steht sie heute noch.

Auf den letzten rund vier Kilometern ist der Rimbergturm immer wieder zu sehen. Der Rimberg dominiert die Kuppen in seinem Umfeld. Doch bald kommt Caldern in den Blick, eine wichtige Station für die mittelalterlichen Pilger auf dem Weg nach Rom.

Caldern

Caldern ist die drittgrößte Ortsteil der Gemeinde Lahntal im hessischen Hinterland. Caldern gehört zum Landkreis Marburg-Biedenkopf und hat rund 1400 Einwohner.

 

Ev.-luth. Kirchengemeinde

Katholisches Pfarramt

Fachwerkhof in Caldern

Fachwerkhof in Caldern

„Calantra“ so findet sich das heutige Caldern zu Beginn des 9. Jahrhunderts in den Urkunden des Klosters Fulda. Zu dieser Zeit existierte schon eine Turmburg in der Nähe und an deren Fuss gibt es auch heute noch, leider versiegt, den Bonifatiusbrunnen. Kann es sein, dass der Schutzpatron Deutschlands als Missionar auf seinen Reisen auch hier Rast gemacht hat? Möglich wäre es, doch ist es wirklich wichtig? Stehen nicht vielmehr die vielen, vielen Gläubigen im Vordergrund, die daran geglaubt haben, dass Bonifatius auch hier in Caldern war und die ihn deshalb als Heiligen und Märtyrer besonders verehrt haben?

Auf jeden Fall ist Caldern vor der Jahrtausendwende schon so wichtig gewesen, dass es Eingang in die Urkunden des Klosters Fulda fand. 1154 werden Rom-Pilger erwähnt, die in Caldern Rast gemacht haben. Und auf jeden Fall gab es die Kirche schon vor dem Zisterzienserinnen-Kloster Cladern. Die Kirche wurde 1235 urkundlich erwähnt, das Kloster wurde zwischen 1238 und 1250 gegründet. Und wenn es einen Bonifatius-Brunnen gibt und der Heilige wirklich hier war, dann könnte der Missionar auch schon eine erste Kirche auf dem Höhenrücken gegründet haben.

Doch wie so oft, das Mittelalter ist eine quellenarme Zeit und wenn auch an alten Legenden und Überlieferungen meist ein kleines Körnchen Wahrheit ist, so sind die Gedanken rund um Bonifatius eine reine Spekulation.

Das Kloster wurde übrigens 1527 von Philipp von Hessen aufgelöst, das Vermögen half, die Marburger Universität aufzubauen. Caldern ist auch als Gerichts- und Richtstätte bekannt. Die Gerichtsbank ist noch heute im Ortswappen von Caldern zu sehen.

Der Wehrturm der Nikolaikirche

Der Wehrturm der Nikolaikirche

Nachdem Sie den Berg hoch zur Nikolaikirche gegangen sind, zeigt sich die Kirche als typisch romanische Kirche mit einem mächtigen Wehrturm. Die Bruchsteinmauern des Turmes sind bis zu 1,89 Meter dick und konnten den Angreifern lange trotzen. Die zwei Portale und die Fenster sind typische, romanische Rundbogenfenster. Nur südlichen Langhauswand fällt ein gotisches Maßwerkfenster auf.

An der Innenausstattung fällt das Zisterzienser-Ideal auf. Ein schmuckloser, einfacher Altar, der Fußboden mit Kieselsteinen im Fischgrätenmuster belegt. Das Kruzefix wurde dem Kloster im Jahr 1315 von einem Marburger geschenkt. Das Taufbecken ist romanisch, seit einigen Jahren steht ein neuzeitlicher Kerzenhalter darauf. Auch eine der Glocken stammt noch aus dem 13. Jahrhundert.

Heute wird die Nikolaikirche als Radwegekirche von der Evangelischen Kirche genutzt. Sie ist tagsüber immer offen (von Ostern bis Erntedank) und lädt zum Gebet und zu einer Meditation ein. In den Wintermonaten wird die Kirche an den Wochenenden und an Feiertagen geöffnet. Von dem Angebot zur Andacht wird rege Gebrauch gemacht. Der ehemalige Klostergarten dient als Gemeindegarten. Und bei der Kirche ist ein Rastplatz für Radfahrer, Wanderer und Pilger.

Von dem Zisterzienserinnenkloster ist nicht mehr viel erhalten. Teilweise steht die Klostermauer noch. Das ehemalige Konventsgebäude ist einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden.

Nikolaikirche Caldern, Detail

Nikolaikirche Caldern, Detail

Nachdem Sophie von Brabant, auch Sophie von Thüringen genannt, die Nikolai-Kapelle dem Kloster schenkte, verstanden es die Zisterzienserinnen, das Vermögen des Klosters geschickt zu vermehren. Bald schon gehörten Liegenschaften und Landwirtschaft rund um Caldern zum Besitz. Häuser und Gärten in Marburg, Biedenkopf, Wetter und Herborn gehörten zum städtischen Besitz der Nonnen. Daneben entwickelte sich das Kloster Caldern zu einem Zentrum der Textilproduktion. Mit der Herstellung von Leinentüchern und Wolle nahmen sie gemeinsam mit dem Kloster Georgenberg in Frankenberg eine dominierende Rolle in der Region ein.

Mit der Reformation war das alles dann vorbei. Die Tuchproduktion musste sich auf den Eigenbedarf des Klosters beschränken, die im Laufe der Jahrhunderte gewährten Handelserleichterungen wurden rückgängig gemacht. Trotzdem gehören der Universität Marburg als Rechtsnachfolgerin des Klosters noch viele Liegenschaften in Caldern und Umgebung. Die Nikolaikirche ist nach wie vor Marburger Patronat.

Die Kirche ist nicht nur dem Heiligen Nikolaus, sondern auch der Mutter Jesu, Maria, geweiht. Lassen Sie sich einladen zum Angelusgebet, dem „Engel des Herrn“. In katholischen Gegenden lädt die Glocke die Menschen ein, um sechs Uhr in der früh, um 12 Uhr am Mittag und um 16 Uhr am Nachmittag das Gebet zu sprechen. Nach der drei Betrachtungen wird ein „Ave Maria“ gebetet.

Angelus Domini

…Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

…Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüßet seist du, Maria,…

…Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria,…

Bitte für uns, heilige Gottesmutter,
damit wir würdig werden der Verheißung Christi.
Lasset uns beten. Allmächtiger Gott,
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels haben wir
die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Führe uns durch sein Leiden und Kreuz
zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Amen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und
dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und
alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen.