Kirche in Buchenau

Kirche in Buchenau

4. Etappe: Biedenkopf nach Buchenau (Lahn)

Länge: 12,7 km

Dauer: 3,5 Stunden

Anforderungen: leicht

Höhendifferenz: 253 Meter (Höhe von 235 Meter bis 488 Meter), Gesamtanstieg 386 Meter, Gesamtabstieg 427 Meter

Sehen und Erleben: Katzenbachtal, Altstadt Buchenau, Martinskirche

Gedanken für den Tag:

Sankt Ursula ein Schifflein regiert, des Herren Hand im Sturm sie führt. Es trägt der Jungfraun gläubge Schar zum sichern Ziel durch viel Gefahr. Sankt Ursula, du Jungfrau rein,
auch uns nimm in dein Schiff hinein, reih uns der Schar der Zeugen ein!

(Ursulalied nach Friedrich von Spee, neugefasst 1971)

Legende:

Die britannische, getaufte Königstochter Ursula sollte den heidnischen Aetherius von Aglia heiraten. Mit einer List versuchte sie, das zu vermeiden. Sie verlangte, dass Aetherius mit seinem Hofstaat dem Christentum beitritt und sie wollte eine Frist von drei Jahren. Daraufhin trat Ursula eine lange Reise an und kam nach Köln. Dort erschien ihr ein Engel, forderte sie auf, nach Rom zu pilgern und kündigte ihr an, sie werde als Märtyrerin sterben.

Ursula machte sich mit ihren Begleiterinnen auf den Weg nach Rom. Bis Basel ging es den Rhein hinauf, danach reiste sie zu Land weiter. Nachdem die Pilgergruppe die heiligen Stätten in Rom besucht hatte, traten sie die Rückreise an und kamen wieder nach Köln.

Die Stadt am Rhein wurde von Hunnen belagert, und den Kriegern kam die schöne Adlige mit ihren Begleiterinnen gerade recht. Schnell waren die vielen Begleiterinnen ermordet, Ursula sollte dem Hunnenkönig zu Willen sein. Doch Ursula verweigerte sich auch dem Hunnen und wurde hingerichtet. 11.000 Engeln schließlich schlugen die Hunnen in die Flucht. Ursula und ihre Begleiterinnen wurden vor den Stadttoren bestatten. Die Kölner machten die Märtyrerin Ursula zur Stadtpatronin und bauten ihr eine Kirche.

(Die Geschichte der heiligen Ursula ist eine Legende. Als Person hat sie wohl niemals gelebt. Die Gräber von Ursula und den 1000 Jungfrauen war ein römisches Begräbnisfeld. St. Ursula jedoch gehört noch heute zu einer der schönsten und beeindruckendsten romanischen Kirchen in Köln.)

Lahnwanderweg

Die heutige Etappe ist nicht lang und auch ohne größere Schwierigkeiten. Zu Beginn geht es lange moderat bergauf. Doch es bleibt Zeit für den Spaziergang durch die Biedenkopfer Altstadt, die Besichtigung des Biedenkopfer Landgrafenschlosses oder eine ausgedehnte Rast im romantischen Katzenbachtal.

Grenzgang-Erinnerung

Grenzgang-Erinnerung

Immer wieder stoßen die PilgerInnen auf die Wege der Grenzgänger. Besonders hier zwischen Biedenkopf und Buchenau ist der alle sieben Jahre stattfindende Grenzgang ein Volksfest, zu dem die Menschen von weit anreisen.

Ursprünglich geht die im 19. Jahrhundert wieder ins Leben gerufenen Tradition auf die Kontrolle der Stadt- und Gemeindegrenzen im Mittelalter zurück. Die reichen Wälder weckten gerade im Mittelalter Begehrlichkeiten und immer wieder mussten die Bürger feststellen, dass eine Nachbargemeinde die Grenzen unberechtigt zu deren Gunsten verlegt hatte. Also wurden die Grenzmarkierungen alle sieben Jahre in einem Grenzgang kontrolliert. Erst die später üblichen schweren Grenzstein und die Kataster machten den Grenzgang überflüssig.

Für Biedenkopf ist das Jahr 1839 belegt, in dem sich der Grenzgang zum beliebten Volksfest wandelte. Der erste Grenzgang führte rund um den Stadtwald. Wegen Missernten, Krieg und wirtschaftlichen Problemen wurde der Grenzgang um Biedenkopf oft verschoben, seit 1956 jedoch findet er regelmäßig alle sieben Jahre jeweils am dritten August-Wochenende statt. Der nächste Biedenkopfer Grenzgang wird vom 15. bis 17. August 2019 stattfinden.

Am Ziel der heutigen Etappe, in Buchenau, nehmen am Grenzgangsvolksfest bis zu 5000 Menschen teil. Am Donnerstagabend um 18 Uhr sind die Böller vom Burgberg zu hören, die auf das Fest einstimmen. Mit Böllern wird Buchenau auch die nächsten Tage geweckt – allerdings schon um halb sechs in der früh.

Die Hauptfiguren der Grenzgänger sind der „Mohr“, der den Grenzgangszug anführt. Der Kinderschreck steht für die Gerichtsbarkeit und die Folgen einer Grenzverletzung. Er wird von zwei „Wettläufern“ begleitet, die mit Peitschenknallen Eindringlinge abwehren und die Grenzgänger antreiben. Weitere Hauptpersonen sind die Sappeure, der Forstmann, der Bürgeroberst, Männeroberst und Burschenoberst.

Auf dem Weg ...

Auf dem Weg …

Der Lahnwanderweg führt stetig aufwärts. Teil des Grenzganges ist zum Beispiel der Vesperplatz am Lippershardt. Über mehr oder weniger sechs Kilometer geht die Steigung, bis zur Landgrafenbuche. Dieses Naturdenkmal steht an einer Kreuzung mit vielen Richtungshinweise. Wir gehen an dieser Stelle weiter auf dem Lahnwanderweg hinunter ins Katzenbachtal.

Im Katzenbachtal

Im Katzenbachtal

Katzenbach ist übrigens der kleinste Stadtteil von Biedenkopf. Nur 35 Einwohner leben hier. Dafür ist der Ort aber schon recht alt. 1456 wurde hier schon ein landgräflicher Hof erwähnt und später ließen sich die Hessen-Darmstädter hier ein Jagdschloss errichten. Davon ist aber nichts mehr zu sehen, die Gebäude wurden 1774 verkauft und Teile davon finden sich heute in Biedenkopf oder in Friedensdorf wieder.

Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit gibt es im „Der Katzenbacher“. Die Öffnungszeiten am Wochenende und an Feiertagen ist jeweils ab 11:30 Uhr. Montags und dienstags ist der Betrieb geschlossen.

Auf dem weiteren Weg genießen Sie einfach den Spaziergang durch das wild-romantische Katzenbachtal. Auf diesem Weg können Sie die Seele so richtig baumeln lassen. Auch wenn Sie den richtigen Weg und die Brücke über den Katzenbach verpassen: Der Wirtschaftsweg führt direkt nach Buchenau.

Buchenau (Lahn)

Buchenau im Lahntal gehört zur Großgemeinde Daupthetal und hatte am 30. Juni 2011 1874 Einwohner.

Ev.-luth. Kirchengemeinde Buchenau mit Elmshausen Alte Landstraße 10a 35232 Dautphetal-Buchenau Tel.: 06466-339 Fax.: 06466-6758

Katholisches Pfarramt St. Josef, Hainstr. 86, 35216 Biedenkopf Telefon 06461 2467, Telefax 06461 4721, E-Mail Biedenkopf-St.Josef (add) t-online.de

Dem Kloster Caldern gehörte der Ort Buchenau, zumindest sagen das die alten Urkunden, doch eine Adelsfamilie von Buchenau gab es schon 1210. Auch eine Burg Buchenau gab es. Diese ist jedoch untergegangen und lediglich ein flacher Halsgraben deutet heute noch auf die Burganlage hin.

Doch trotz der Besitzerwechsel im Laufe der Jahrhunderte und der Bausünden mit Hochhäusern oberhalb des Ortes hat sich Buchenau eine schöne historische Altstadt bewahrt. Vielleicht liegt es an der nahegelegenen Carlshütte, in der viele Buchenauer ab 1844 ein Zubrot verdienen konnten.

Auf dem Weg ...

Auf dem Weg …

Viele der Buchenauer Fachwerkhäuser (die Altstadt ist übrigens als Gesamtanlage denkmalgeschützt) stammen noch aus dem 17. Jahrhundert. Die Kratzmuster in den Gefächern, die aufwändig geschnitzten Hölzer und die „Wilden Männer“ (eine besondere Fachwerkkonstruktion) machen den Spaziergang auch für Kinder zu einem Erlebnis.

Die evangelische Martinskirche, ursprünglich der Heiligen Ursula von Köln geweiht, ist wohl als Dauphter Filialkirche schon über 750 Jahre alt. Im Chor soll ein noch nicht identifizierter Schlussstein die Jahreszahl 1090 tragen.

Der älteste Teil der Kirche ist der Chorturm. Das Kreuzgratgewölbe lässt sich nicht exakt datieren, es stammt aus dem 10. – 13. Jahrhundert. Nachträglich wurde ein aufwändiges Maßwerkfenster mit drei sogenannten „Nonnenköpfen“ eingefügt. Maßwerkfenster stammen aus der Gotik und brachten viel Licht in den Kirchenraum. Das Kirchenschiff und das Kruzefix im Altarraum sind spätgotisch, die Epitaphe an den Seitenwänden zeigen die Patronatsherren von Döring. Die Orgel wurde 1896 von der Firma Raßmann im heutigen Weilmünster-Möttau gebaut und ist (nach einer Generalüberholung) noch im Original erhalten.