Alter Grenzstein am Entenberg

Alter Grenzstein am Entenberg

3. Etappe: Bad Laasphe nach Biedenkopf

Länge: 18,5 km

Dauer: 5,5 Stunden

Anforderungen: mittel

Höhendifferenz: 280 Meter (Höhe von 270 Meter bis 550 Meter), Gesamtanstieg 540 Meter, Gesamtabstieg 584 Meter

Sehen und Erleben: Entenberg, Perfstausee, Kolumbustempel, Altstadt Biedenkopf, Privatmuseum Schenkbarsches Haus, Stadtkirche, Hospitalkirche, Schloss Biedenkopf

Versorgungs- oder Einkehrmöglichkeit nur am Perfstausee in den Sommermonaten, Rucksackverpflegung und genügend Flüssigkeit mitnehmen.

Gedanken für den Tag:

„Johannes der Täufer lächelte Jesus an. Jesus sagte zu Johannes: ‚Du lächelst, als wärest du des Heiles sicher.‘ Johannes erwiderte: ‚Du siehst so traurig aus, als verzweifeltest du am Heil.‘ Da offenbarte Gott Jesus: ‚Was Johannes tut, ist mir lieber.'“

Aus: Zwischen Welt und Wüste. Worte christlicher Araber – Aus dem Syrischen, Äthiopischen, Arabischen und Griechischen übersetzt und herausgegeben von Klaus Berger, Insel Bücherei Nr. 1275, Insel Verlag: Frankfurt am Main und Leipzig 2006, 144 Seiten

Legende:

Schon seit dem 4. Jahrhundert wird Johannes der Täufer von den Christen verehrt. Der Gedenktag heute ist bei allen Religionen der 24. Juni, die alte Sommersonnenwende. Das Datum errechnet sich nach dem Lukasevangelium (1, 26. 38) sechs Monate vor der Geburt Jesu.

Nach der Taufe von Jsesus im Jordan wurde Johannes von Herodes Antipas gefangen genommen. Johannes hatte ihm die Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias vorgworfen. Herodias war voller Hass gegenüber Johannes und stiftete ihre Tochter Salome dazu an, von Herodes das Johanneshaupt in einer Schale zu erbitten (Markus 6, 14 – 29). Der Kopf des heiligen Johannes dem Täufer soll in Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul -, Damaskus und Emesa – das heutige Hims in Syrien – sein. Legenden berichten, dass die Gebeine des Täufers in Sebaste – dem heutigen Sivas in der Türkei – verbrannt wurden.

 

Lahnwanderweg:

Gipfelbuch Entenberg

Gipfelbuch Entenberg

Gleich zu Beginn geht es kräftig bergauf. Vorbei am Haus des Gastes mit dem Pilzkundlichen Museum führt der Weg ein Stückchen durch den Bad Laaspher Kurpark, um dann stetig nach oben auf den Entenberg zu führen. Der Hausberg von Bad Laasphe ist 535 Meter hoch und von den Gleitschirm- und Drachenfliegern in Beschlag genommen.Auf dem Weg nach oben bieten sich immer wieder schöne Blicke hinunter nach Bad Laasphe. Zwei Hütten bieten unterwegs auch schon mal Schutz vor zu gutem oder zu schlechtem Wetter.

Grenzstein - Das HD steht für Hessen-Darmstadt

Grenzstein – Das HD steht für Hessen-Darmstadt

Auf dem letzten Stück hinauf zur Entenberg-Kuppe begleiten Sie einige alte Grenzsteine aus Sandstein. Die meisten von diesen historischen Steinen stammen aus dem Jahr 1724. Das „W“ steht für die Grafschaft Wittgenstein-Wittgenstein, das „HD“ für Hessen-Darmstadt. Ohne Jahreszahl beziehungsweise mit dem Jahr 1884 sind Grenzsteine mit „KP“ für Königreich Preußen und „GH“ für das Großherzogtum Hessen gekennzeichnet. So führt Sie der Lahnwanderweg auch ein Stückchen durch die Geschichte der letzten 250 Jahre.

Wenn niemand von den Fliegern oben am Gipfel ist, bietet sich die Bank für eine ausgiebige Rast an. Genießen Sie den Blick ins Lahntal und auf die umliegenden Höhen. Und vergessen Sie auch nicht, sich in das Gipfelbuch einzutragen.

Breidenstein, ein Ortsteil von Biedenkopf, wurde schon 1227 erstmals urkundlich erwähnt. 1398 erhielt der Ort die Stadtrechte. Von der Burg der Breidensteiner, einem hessischen Uradelsgeschlecht, sind heute nur noch die Grundmauern zu sehen. Bei diesen Mauerresten baute die Familie von Breidenbach zu Breidenstein Anfang des 18. Jahrhunderts ein Schloss im Barockstil. Und ergänzte dieses im Jahr 1910 mit einer Jugendstilvilla. Das interessante Ensemble ist bis heute im Besitz der Familie von Breidenbach zu Breidenstein. Vor dem Schloss übrigens steht ein Wohnhaus, das aus einer profanisierten evangelischen Kapelle aus dem Jahr 1592 hervorgegangen ist.

Wenn Sie durch die historische Altstadt Breidensteins gehen, dann achten Sie doch noch auf den „Kromp“, einem gusseisernen Brunnentrog aus dem Jahr 1846.

Perfstausee

Perfstausee

Breidenstein ist aber auch bekannt für den Perfstausee, einem 13 bis 18 Hektar großen Rückhaltebecken für die Perf. Bis zu 2,15 Millionen Kubikmeter kann der See aufnehmen und entlastet damit die Lahn und den Rhein. Im Sommer ist der Stausee, nach Überflutungen im Jahr 1993 entstanden, zum Baden freigegeben. An der Liegewiese steht ein Restaurant und auch ein mobiler Kiosk lädt zum Zwischenstopp ein. Oder, wenn Sie noch Zeit haben, ein Bad? Doch vergessen Sie nicht: Von hier aus geht es noch ein paarmal kräftig bergauf.

Wer weiss, was es mit dem Bratwurstgraben bei Breidenstein auf sich hat?

Wer weiss, was es mit dem Bratwurstgraben bei Breidenstein auf sich hat?

Eine besonders schöne Rast läßt sich auf dem Weg zwischen dem Stausee und der Ludwigsbuche machen. An einer Quelle, im Schatten der Bäume, steht eine nette Sitzgruppe und lädt zur Brotzeit. Schräg gegenüber hängt ein Holzschild in den Bäumen, das dem Wanderer das Wasser im Mund zusammenlaufen läßt: Bratwurstgraben. Woher dieser Name kommt, konnte der Autor nicht herausfinden. Können Sie mir auf die Sprünge helfen und eine kurze Erklärung liefern?

Weiter geht es hinauf zur Ludwigsbuche mit dem Treffpunkt der „Stehtischler“. Hier in der Nähe soll ein Kühlschrank versteckt sein, der immer mit Bier gefüllt ist und niemals leer wird. Das würde natürlich auch erklären, warum am Treffpunkt eine Fahrradklingel und eine Steckdose angebracht wurde. Aber vielleicht ist es ja doch nur eine Legende und die Requisiten entsprangen einer bierseligen Laune.

An der Ludwigsbuche

An der Ludwigsbuche

Der Name „Ludwigsbuche“ entstammt auch einer solchen Bierlaune. Ein Trupp Waldarbeiter hat sich um 1930 regelmäßig zum Feierabendbier hier oben getroffen. Und sie wollten ihrem Kollegen Ludwig eine Freude machen. Also benannten sie eine große, kräftige Buche, nach ihm. Eine schöne Geschichte,m nicht wahr? Leider ist von der stolzen Buche heute nicht mehr viel übrig geblieben. Nur noch als trauriger Stumpf kann sie in Augenschein genommen  werden.

Die Himmelbornquelle bei Biedenkopf

Die Himmelbornquelle bei Biedenkopf

Vorbei führt der Pilgerweg auch am Himmelborn, einer Quelle kurz bevor Sie den Kolumbustempel oberhalb Biedenkopfs erreichen. Viele Brunnen und Quellen rund um Biedenkopf zeugen noch heute vom Wasserreichtum der Gegend. Vor einiger Zeit hat sich eine Gruppe Interessierter zusammengetan, um die vielen Quellen zu pflegen.

Bald können Sie einen ersten Blick auf Biedenkopf werfen. Linker Hand taucht ein wenig unterhalb des Weges der Kolumbustempel auf, ein Aussichtspunkt und Treffpunkt der Biedenkopfer. Hier lässt sich noch einmal trefflich vespern. Die offene Bauweise soll die Offenheit der Biedenkopfer demonstrieren.

Landgrafenschloss Biedenkopf

Landgrafenschloss Biedenkopf

Biedenkopf, das Landgrafenschloss, Johannes- und Hospitalkirche liegen vor Ihnen im Tal und Sie sollten sich etwas Zeit zum Verschnaufen lassen. Auf dem weiteren Weg hinunter in den alten Ort  begleitet Sie ein Projekt der Lahntalschule Biedenkopf. Im Rahmen eines Schulenwettbewerbs der Herbert Quandt-Stiftung wurde ein „Pfad der Weltreligionen“ gestaltet. Die sehr interessanten Informationstafeln unter dem Titel „Mensch, Kreatur, Natur – Was sagen Judentum, Christentum und Islam?“ werden die drei monotheistischen Weltreligionen gegenüber gestellt. Es lohnt sich , einen kleinen Umweg zu machen, um alle Tafeln lesen zu können. Lassen Sie sich doch einmal auf die Fragestellungen zu verschiedenen Lebensthemen ein. Das Ziel der SchülerInnen ist es, durch die Informationen Toleranz und gegenseitigen Respekt zu schaffen. Sieben Stationen stellen auch Aufgaben, die mit Hilfe der Tafeln schnell gelöst sein können.

Biedenkopf

Sehens- und Begehenswert: Pfad der Weltreligionen

Sehens- und Begehenswert: Pfad der Weltreligionen

Biedenkopf liegt in Mittelhessen, an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Biedenkopf war das Zentrum des historischen Hinterlandes und war auch bis 1974 Kreisstadt des Landkreises Biedenkopf. Seit der kommunalen Neuordnung gehört Biedenkopf zum Landkreis Marburg-Biedenkopf. Am 31.12.2012 lebten in Biedenkopf 13.662 Einwohner.

Evangelisches Gemeindebüro, Bei der Kirche 11, 35216 Biedenkopf, Telefon & Fax: 06461/ 2191, e-mail: gemeindebuero (add) ev-kirche-biedenkopf.de, Öffnungszeiten: Mittwoch  bis Freitag 10 bis 12 Uhr, Dienstag 15 bis 17 Uhr

Katholisches Pfarramt St. Josef, Hainstr. 86, 35216 Biedenkopf Telefon 06461 2467, Telefax 06461 4721, E-Mail Biedenkopf-St.Josef (add) t-online.de

Tourist-Info Rathaus, Hainstr. 63, 35216 Biedenkopf, Tel.: 0 64 61 / 950 10, Fax: 0 64 61 / 950 128, eMail: aktiv@biedenkopf.de

Übernachtung: Jugendherberge Biedenkopf, Am Freibad 15, 35216 Biedenkopf, Tel: +49 6461 5100, Fax: +49 6461 2425 eMail: jh-biedenkopf (add) jugendherberge.de

Über 750 Jahre ist Biedenkopf alt und hat viele Höhen und Tiefen in der Geschichte erlebt. Einst war Biedenkopf die bedeutendste Tuchmacherstadt in Deutschland – doch das ist lange her.

Landgrafenschloss Biedenkopf

Landgrafenschloss Biedenkopf

1196 hatte der Kölner Erzbischof einen Beamten, der sich Harmouthdus von Biedencaph nannte und an der Stelle des heutigen Landgrafenschlosses eine erste Burg errichtete. Nur rund 30 Jahre später gelangte die Burg in den Besitz der thüringer Landgrafen. Konrad von Thüringen ordnete 1231, einen Ort unterhalb des Burgfelsens anzulegen. Wenig später wurden die Landgrafen von Hessen Besitzer der Burg.

Otto der I. von Hessen scheint die Burg an die Stelle des heutigen Schlosses auf die Südseite des Bergkegels verlegt zu haben. Eine Blüte erlangte die Burg unter Landgraf Heinrich II. von Hessen. Der hat in den Jahren 1360 bis 1365 die Gebäude erheblich ausgebaut. Aber schon im 15. Jahrhundert verlor Burg Biedenkopf, wie so viele andere stolze Burgen des Mittelalters, die militärische Bedeutung und wurde vernachlässigt. Im Jahr 1579 wird berichtet, dass die Burg als Kornspeicher genutzt wird und im Dreißigjährigen Krieg wird die seit 1604 als Ruine geltende Burg mehrfach besetzt und schwer beschädigt. Dass sie nicht gänzlich untergegangen ist, ist dem Großherzog Ludwig II. von Hessen-Darmstadt zu verdanken. Er ließ die Burg ab 1843 wieder in Stand setzen und im Stil des Historismus zu einem Schloss umbauen.

Nachdem das Schloss aufwändig durch den Landkreis Marburg-Biedenkopf saniert wurde, kann es auch in unserer Zeit genutzt werden. Das Hinterlandmuseum zeigt auf rund 700 Quadratmetern Exponate mit Bezug zur Region, der Rittersaal wird für kulturelle Veranstaltungen und für Trauungen genutzt. Im  Außengelände gibt es Konzerte und gelegentlich Theaterstücke.  Mit den Schlossterrassen und dem Eisernen Heinrich gibt es auch eine gastronomische Bewirtschaftung.

Biedenkopf hat einige Stadtbrände überstanden, jedoch bleib nicht viel von der mittelalterlichen Stadt erhalten. Trotzdem lohnt sich ein Spaziergang durch die Altstadt mit den schmucken Fachwerkhäusern. Die Touristeninfo bietet verschiedene Stadtführungen und im Internet einen Stadtrundgang an, der auf dem Marktplatz beginnt. Auf keinen Fall sollten Sie das Privatmuseum im Schenkbarschen Haus verpassen. Es ist jedoch Teil eines Privathauses und die alten Küchengeräte, die Ikonen und Textilien aus früheren Zeit sind nur mit den Eigentümern zu sehen. Aber wenn das Schild draußen an der Tür hängt, wird Ihnen viel über eines der ältesten Häuser Biedenkopfs mit dem Keller aus dem 12. Jahrhundert erzählt.

Die Hospitalkirche kann leider nur im Rahmen von Stadtführungen von innen besichtigt werden. Sie ist das einzige noch erhaltene Gebäude aus dem Mittelalter. Das einst große und mit großen Ländereien ausgestattete Hospital ging erst Anfang des 19. Jahrhunderts unter. Die gotische Hospitalkirche oder Heilig-Geist-Kirche überstand aber alle Zeiten. Der Chor war mit reichen Fresken ausgestattet, bei einer Restaurierung in den 80er Jahren kam eine Darstellung der Dreifaltigkeit aus dem 15. Jahrhundert zum Vorschein.

So wie das Landgrafenschloss vom Bergrücken die Stadt und das Lahntal überblickt, so wird die Altstadt Biedenkopfs von der Johanneskirche dominiert. Die neugotische Stadtkirche steht an der Stelle, an der wohl schon eine romanische Kirche errichtet wurde. Auf alten Bauplänen sind romanische Fundamente zu erkennen und die alten Urkunden berichten von einer „Michael-Kirmes“. Diese war Johannes dem Täufer geweiht. Von der mittelalterlichen Kirche sind nur die Noth-Gottes-Kapelle und die alte Sakristei erhalten, nachdem die alte Kirche 1888 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Kapelle und Sakristei wurden 1415 errichtet. Das Chorgestühl und die Sakristei kamen als Teil der Ausstattung in das Historische Museum in Frankfurt. Das Taufbecken aus dem Jahr 1682 stammt aus der Hospitalkirche.