Willibrordus-Kapelle und Willibrord-Brunnen bei Wilwerwiltz

Willibrordus-Kapelle und Willibrord-Brunnen bei Wilwerwiltz

In der Schule lernen sie deutsch, im Rathaus sprechen sie französisch und zu Hause reden sie letzeburgerisch. Das kleine Luxemburg mit knapp über 500.000 Einwohnern leistet sich drei Sprachen; zwei davon, nämlich deutsch und fanzösisch, als Amtssprachen. Trotzdem ist es für den deutschen Touristen nicht leicht, sich detaillierte Informationen im Internet zu beschaffen. Denn Regeln, nach denen deutsch, französisch oder letzteburgerisch verwendet werden, sind einem Außenstehenden nicht so ganz klar.

Wir sind unterwegs auf den Spuren des Heiligen Willibrord. Dem Friesenmissionar, der auf seinen Missionsreisen bis nach Dänemarkt gelangte. In Utrecht war Willibrord Erzbischof, doch sein Herz hing an dem von ihm mitgegründeten Kloster Echternach. Hier wurde er auf eigenen Wunsch begraben und nur 10 Jahre nach seinem Tod  als Heiliger verehrt. In Luxemburg finden wir überall Spuren der Verehrung. Legenden berichten von Rastplätzen und Wundern, von Quellen und Brunnen.

Auf dem Weg zu unserer ersten Station, der Willibrordus-Kirche und der Willibrord-Kapelle mit -Brunnen in Wilwerwiltz kommen wir durch den Grenzort Vianden, der einzigen luxemburgischen Gemeinde am östlichen Flussufer der Our. Die Our, die Sauer und die Mosel bilden sonst die Grenze des kleinen Großherzogtums. Die östlichen Gemeindeteile von Vianden sind die einzige Ausnahme.

Vielleicht ist das der Grund, warum General Patton mit seinen Truppen 1945 Vianden als letzten luxemburgischen Ort erreichte? An einem Parkplatz, oberhalb der Stadt, ist eine Informationstafel angebracht. Diese beschreibt die Befreiung der letzten luxemburgischen Ortschaft von den Nationalsozialisten. Nur kurz machte die Ardennenoffensive der Amerikaner auf dem Weg zum Rhein hier halt. Dann ging es schon weiter.

Burg Vianden, WIKIMEDIA, Speecs, lizensiert unter cc-Namensnennung 3.0, Lizenztext im Impressum

Burg Vianden, WIKIMEDIA, Speecs, lizensiert unter cc-Namensnennung 3.0, Lizenztext im Impressum

Ein besonderes Touristenziel ist die Burg Vianden. Hoch liegt die mittelalterliche Befestigungsanlage über dem kleinen Ort. Die Grafen von Vianden haben die Burg im 11. Jahrhundert auf den Überresten einer römischen Wachanlage gebaut. Bis in das 15. Jahrhundert hinein waren die Grafen die mächtigsten Herrscher in diesem Gebiet zwischen Rhein, Mosel und Maas. Dann kam die Burg in den Besitz der Oranien-Nassauer. Bis zur französischen Revolution waren die Niederländer Burgherren. 1820 wurde sie versteigert, der damalige Bürgermeister erwarb die Befestigung und verkaufte alles, was sich zu Geld machen liess. Darunter die Kupferdächer, die Bleiverglasungen und die Eisenbeschläge. Die altehrwürdige Burg verfiel schnell und war, nachdem sie 1890 in die Hände von Großherzog Adolf von Nassau-Weilburg kam, kaum mehr als eine Ruine. 1977 wurde sie verstaatlicht und seitdem fast vollständig saniert. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Baudenkmälern Europas. Sie kann täglich ab 10 Uhr besichtigt werden.

An diesem Pfingstwochenende mit dem Höhepunkt am Dienstag, der Echternacher Springprozession, scheint die Sonne mit aller Kraft. T-Shirt-Wetter, aber nicht zu heiss. Die engen und kurvenreichen Ardennenstraßen laden MotorradfahrerInnen zu Ausflügen ein. Viele niederländische Kennzeichen, viele deutsche Kennzeichen – besonders aus Trier und Köln. In den kleinen Ortschaften sind die Cafes mit Außengastronomie schnell voll besetzt.

Erhaltenes Torhaus des Schlosses von Wilwerwiltz

Erhaltenes Torhaus des Schlosses von Wilwerwiltz

Um die Mittagszeit erreichen wir Wilwerwiltz, den Verwaltungssitz der Gemeinde Kiischpelt mit 965 Einwohnern. Der Ortsname wird vom Heiligen Willibrord her gedeutet. “Wilwer” soll auf “Willibrord” zurückgehen. “Wiltz” steht im Keltischen für “Bach” oder “Gewässer”. In Wilwerwiltz stand ein Schloss, von dem heute nur noch ein Torhaus erhalten geblieben ist. Für das Auto gibt es vor der modernen Willibrord-Kirche genügend Platz, gleich gegenüber führt ein asphaltierter Weg in die Felder zum Willibrord-Brunnen mit der Kapelle.

Die Verehrung des Heiligen Willibrord reicht in Wilwerwiltz bis ins 8. Jahrhundert zurück. Die Legende erzählt, dass Willibrord auf einer seiner Missionsreisen an diesem Ort Rast machte. Seinen Esel liess er frei grasen. Als der Eigentümer des Feldes dies sah, ärgerte er sich sehr und stellte Willibrord

Willibrord-Darstellung in der Kapelle

Willibrord-Darstellung in der Kapelle

zur Rede. Dieser diskutierte nicht lange, stieß seinen Pilgerstab in den Boden und sogleich sprudelte dort eine Quelle. Dies war die Entschädigung für das abgegraste Stück Feld.

Willibrord-Brunnen in der Kapelle

Willibrord-Brunnen in der Kapelle

Bis ins das 16. Jahrhundert hinein waren die Bewohner des Kirchspiels (Kiischpelt) am Pfingstdienstag zur Bannprozession nach Echternach verpflichtet, um dort die jährlichen Abgaben zu leisten. Erst später wurde die Bannprozession in eine Bittprozession mit Eucharistiefeier umgewandelt. Dieser Brauch jedoch hat sich bis heute am Pfingstmontag erhalten. Im Besitz der Pfarrkirche sind auch zwei Willibrord-Reliquiare. Die Quelle selbst wurde erst später zu einem Brunnen gefasst und die Kapelle über dem Brunnen wurde 1935 gebaut.

Grundriss der Schlosskirche

Grundriss der Schlosskirche

Zurück an der Willibrord-Kirche, die von 1960 bis 1963 gebaut wurde, fällt im Boden der gepflasterte Grundriss auf. Es handelt sich um die Stelle, an der die ursprüngliche Schlosskirche stand. Vom Schloss ist nur noch das Torhaus erhalten geblieben. Sie finden es, wenn Sie um das Cafe-Restaurant herumgehen.

Das große Steinrelief neben dem Kirchenportal zeigt den Heiligen Willibrord als Erzbischof. In der rechten Hand hält der Kirchenstifter die Kirche von Wilwerwiltz.

Willibrord-Altar

Willibrord-Altar

Im Inneren der Kirche bestimmt ein großes Keramikkruzefix den Chorraum. Bei dem rechten Altar handelt es sich um einen Willibrord-Altar. Es zeigt den Heiligen als Erzbischof. Über ihm ist die Märtyrerin und Nothelferin Katharina von Alexandria dargestellt.

An der linken Seitenwand sind zwei schöne Skulpturen der Gebrüder Ewald zu sehen. Die Brüder Ewald, der Schwarze und der Weiße nach ihren Haarfarben genannt, kamen mit Willibrord aus England und erhielten von ihm den Auftrag, in Sachsen, zu dem auch das Münsterland gehörte,  zu missionieren. Sie starben den Märtyrertod und ihre Gebeine werden seit 1074 in Köln in Sankt Kunibert aufbewahrt.

Die Brüder Ewald mit ihren Attributen: Links mit dem Schwert und rechts mit dem Palmzweig

Die Brüder Ewald mit ihren Attributen: Links mit dem Schwert und rechts mit dem Palmzweig

Die Willibrord-Kirche besitzt seit 2010 ein besonderes Kleinod: Eine im Originalzustand erhaltene Stahlhuth-Orgel aus dem Jahr 1914. Ursprünglich stand diese im Dominikanerinnen-Kloster in Limpertsberg.