Willibrordus-Kirche aus dem 10. Jahrhundert in Rindschleiden

Willibrordus-Kirche aus dem 10. Jahrhundert in Rindschleiden

“Der lange Weg in das kleine Tal war für den nicht ganz zehnjährigen Peter sehr beschwerlich, aber alle Mühen sind nun vergessen. Peter steht mit seinen Eltern in der ersten Reihe. Über die Willibrord-Kirche hier in Rindschleiden wurde zu Hause so viel gesprochen. Und der Blick hoch zur Decke, wo die frommen Mönche aus Echternach in monatelanger Arbeit die Fresken mit den Geschichten aus der Heiligen Schrift geschaffen hatten, entschädigt für den weiten Weg mitten in der Nacht. Es wird noch lange nicht hell werden, doch die vielen brennenden Kerzen verbreiten ihren flackernden Schein in der vollbesetzten Kirche. Staunend betrachtet Peter die vielen Heiligenbilder an der Decke. Er lauscht den erklärenden Worten des Pfarrers und wünscht sich so sehr, doch auch die Bibel und die Heiligengeschichten lesen zu können.”

Nach Wilwerwiltz und Pintsch machen wir einen kleinen Ausflug in das 15. und 16. Jahrhundert. In die Zeit, als die wundervollen Fresken in der Willibrord-Kirche in Rindschleiden entstanden sind. Sie sollten den einfachen Bauern und Leibeigenen der Umgebung, die weder Lesen noch Schreiben konnten, die Geschichten der Bibel und die Legenden der Heiligen nahe bringen. Unser Peter gehörte zu ihnen und pilgerte an einem Pfingstsonntag zu Ehren des Heiligen Willibrord zur Kirche und zur Willibrord-Quelle im wohl kleinsten Ort in den luxemburgischen Ardennen.

Die Kirche soll aus einer Kapelle des 10. Jahrhunderts entstanden sein. Eine andere Quelle datiert die ursprüngliche Kirche auf das 5. Jahrhundert. Und die Legende will an dieser Stelle einen Tempel wissen, in dem der Heiligen Willibrord die Heiden durch Löschen des Feuers beeindruckt und zur Taufe bewogen hat.

Lassen Sie uns lieber den Ursprung der Kirche im 10. Jahrhundert lassen. In Rindschleiden wurde mindestens seit dieser Zeit die Willibrord-Quelle verehrt und es ist durchaus denkbar, dass die Kirche durch die Echternacher Abtei in dieser Zeit gebaut wurde. Bei der großen Restaurierung ist der heutige Boden so hergerichtet worden, dass man die Fundamente der ursprünglichen Kapelle gut erkennen kann. Die Kapelle oder Kirche war auch zunächst allen Heiligen geweiht, bevor im 16. Jahrhundert die Bedeutung des Ortes gewachsen ist und Willibrord zum Kirchenpatron wurde. Seit 1570 wird an Pfingsten zur Willibrord-Kirche in Rindschleiden gepilgert.

Warum dies geschah, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Vermutlich reichte der Raum nicht mehr, um allen Gläubigen an Pfingsten Platz zu bieten. Auch die ständig vorgenommenen Erweiterungen und Vergrößerungen der Kirche deuten darauf hin. Da die Liste der Seelsorger im 15. Jahrhundert, genaugenommen im Jahr 1427 beginnt, scheint aus der Kapelle nahe der Willibrord-Quelle eine Pfarrkirche geworden zu sein. 1695 wurde auch der neue Hauptaltar aufgestellt, mit einem Bild aller Heiligen, die sich auch in den Deckengemälden finden.

Das nach außen verlegte, in den Chor eingemauerte alte Sakramentshäuschen

Das nach außen verlegte, in den Chor eingemauerte alte Sakramentshäuschen

Ungewöhnlich ist, dass das Sakramentshäuschen außen im Chor eingemauert wurde. Es musste wohl dem Hauptaltar weichen und fand glücklicherweise einen Platz außerhalb des Kirchenraums. So blieb es für uns erhalten und wurde nicht, wie so viele anderen Ausstattungsdetails, einfach weggeschmissen.

Für die sehr ausführliche Audiobeschreibung des Kirchenraumes sollten Sie ein wenig Zeit mitbringen. Hier an dieser Stelle seien nur zwei Details herausgegriffen:

Säulenkapitell, links der Ritter, rechts der Mönch - mit Seilen wird der Bauer ausgepresst

Säulenkapitell, links der Ritter, rechts der Mönch – mit Seilen wird der Bauer ausgepresst

Das Kirchengewölbe ruht auf zwei mächtigen Säulen. Im linken Säulenkapitell werden ein Mönchen und ein Ritter dargestellt, die gemeinsam das Volk unterdrücken. Das rechte Kapitell stellt Szenen aus dem Leben des Heiligen Hubertus dar. Dieser wird auf einem Pferd reitend gezeigt. Außerdem natürlich der Hirsch mit einem Kreuz zwischen den Geweihenden.

Im linken Seitenschiff lastet das Gewölbe auf einer Steinfigur, bei der die ursprünglich rote Fassung noch gut zu erkennen ist. Vermutlich handelt es sich hier um die Stifterfigur.

Rund um die Willibrord-Quelle entstand ein Meditationspfed - links im Bild eine Nachbildung des Taufsteins aus der Kirche

Rund um die Willibrord-Quelle entstand ein Meditationspfed – links im Bild eine Nachbildung des Taufsteins aus der Kirche

Gegenüber der Kirche, bei der Willibrordus-Quelle, ist ein Meditationspfad eingerichtet für alle diejenigen, die sich in der Natur einen Moment der Ruhe und Besinnung gönnen wollen. “Unsere Zeit voller Hektik und Unüberschaubarkeit setzt den Menschen Spannungen aus, die durch Besinnung in der Natur gemildert werden können. Orte und Wege der Kraft
und der Schönheit, der Stille und der meditativen Anregung bieten Identitäts- und Sinnfindung. Die Menschen für die Werte und Schätze vor ihrer Haustür zu interessieren bedeutet, ihnen zu zeigen und zu erklären wie nah Ruhe und Besinnung in der Region und im eigenen Erleben sein können.” So heisst es in der Projektbeschreibung.