Burgschloss Clerf aus dem 12. Jahrhundert

Burgschloss Clerf aus dem 12. Jahrhundert

Ein weiterer Abstecher auf unserem Pilgerweg auf den Spuren des heiligen Willibrord, dem Missionar der Friesen, ist Clervaux, oder Clerf, wie es auf Letzeburgerisch heißt. Genaugenommen konnten wir keine Spuren des luxemburgischen Nationalheiligen in Clervaux finden und eine besondere Verehrung in Form von Prozessionen findet hier auch nicht statt. Aber es ist schier unmöglich durch die luxemburgischen Ardennen zu reisen, ohne nicht zumindest einen Kaffee in Vianden und einen Weiteren in Clervaux getrunken und die Sehenswürdigkeiten der Städtchen besichtigt zu haben.

Die vielen Touristenautos fallen auf. Und die vielen Motorräder, die sich teils gelassen, teils aber auch deutlich zu schnell auf den kurvenreichen Straßen in den luxemburgischen Ardennen bewegen. Überwiegend sind es niederländische Kennzeichen. Auch viele Kölner scheinen ihre schweren Maschinen gerade in Luxemburg ausfahren zu wollen. “Jedes Wochenende beklagen wir viele Schwerverletzte und auch den einen oder anderen toten Kradfahrer,” erzählt uns die Dame am Nebentisch, in Clervaux zu Hause.

Clervaux ist also neben Vianden ein weiteres beliebtes Touristenziel. Mitten im 4500-Seelen-Ort die weiß gekalkte Schlossburg aus dem 12. Jahrhundert. Die Grafen von Clerf haben die Burg auf einem Felsvorsprung errichtet. Möglicherweise waren sie mit den Grafen von Sponheim verwandt, dem damals wohl mächtigsten Adelsgeschlecht im Hunsrück. Und eine Verbindung nach Vianden gab es auch schon: Graf Gerhard von Clerf war der jüngere Bruder von Friedrich von Vianden.

Die jüngst restaurierte Schlossburg präsentiert sich heute im Wesentlichen in ihrem größten Ausbau des 15. und 16. Jahrhunderts. Nach 1691 verfiel die Burg, als Wohnsitz war sie nicht mehr geeignet und zur Tilgung von Kriegsschulden ließ sie sich auch nicht versteigern. Erst 1927 gelangte die Schlossburg in Privatbesitz, wurde während der Ardennenoffensive 1944 durch deutsche Truppen stark zerstört. Die Restaurierungsarbeiten durch den Staat Luxemburg, mittlerweile Eigentümer der Schlossburg, dauerten bis 1994.

Die Burg Clervaux beherbergt eine der eindrucksvollsten Ausstellungen in Europa: die Fotoausstellung “Family of Man” des Patriarchen der Fotografie Edward Steichen. Der 1879 in Luxemburg geborene Steichen war von 1947 bis 1962 Direktor der Fotoabteilung des Museum of Modern Art in New York. In dieser Zeit konzipierte er Anfang der 50er-Jahre unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs sein größtes Werk: The Family of Man. Die Ausstellung soll helfen, eine bessere Welt zu schaffen. Die Kraft der Liebe und Mitmenschlichkeit soll Hass, Gewalt und Zerstörung überwinden.

Neben der Fotoausstellung sind auch ein Museum zur Dokumentation der Ardennenschlacht 1944 und eine Ausstellung mit Modellen der 22 wichtigsten Schlösser und Burgen Luxemburgs in der Schlossburg untergebracht.

Zurzeit ist die Fotoausstellung wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Die Wiedereröffnung ist für Anfang 2013 geplant. Die Dokumentation der Ardennenschlacht kann zwischen dem 1. Mai und 30. September täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr besucht werden. Vom 1. März bis 30. April und vom 1. Oktober bis 31. Dezember ist das Museum samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Das gilt auch für die Ausstellung der Modelle der Burgen und Schlösser Luxemburgs.

Wie die Schlossburg aus dem 12. Jahrhundert thront die Pfarrkirche aus dem Jahr 1910/1912, auf dem Felsrücken westlich der Burg erbaut, über dem Ort. Wie nahe liegen auch heute noch weltliche und kirchliche Macht zusammen. Einen Besuch ist die im rheinisch-romanischen Stil gebaute Pfarrkirche immer wert. Die reiche Innenausstattung mit den Altären, den Kreuzwegstationen und der Kanzel wurden von dem Aachener Kirchenbildhauer Lambert Piedboeuf geschaffen.

Die Gemeinde feierte am Tag unseres Besuches das 100-Jährige Weihejubiläum und sorgte mit einem seltsamen Ensemble für einen Schock. Auf einem Tisch vor dem Hauptaltar stand ein großer Fernseher, auf dem eine Fernsehdokumentation der Glockenweihe gezeigt wurde. Ein feierlicher Einzug von Bischöfen und Priestern war zu sehen. Ein Pontifikalamt wurde in Konzelebration mit unzähligen Klerikern gefeiert. Auf den ersten Blick ein

erschreckender Anblick. Die leere Kirche, eine heilige Messe als TV-Dokumentation. Die Zukunft der katholischen Kirche? Wegen Priestermangel statt heiliger Messe eine Fernsehaufzeichnung. Gottesdienste mit Fernsehauftritt des Priesters? Erst das Verweilen im nahezu leeren Kirchenschiff klärte die Situation auf. Doch der Schrecken sitzt tief. Hoffentlich bleibt dieses Erlebnis ein böser Traum.

Oberhalb des Ortes sind die roten Dächer der Benediktinerabtei St. Mauritius und St. Maurus im Wald zu erkennen. Hier oben fand eine Mönchsgemeinschaft aus Solesmes/Frankreich den Ort für eine eigenständige Abtei nach den Regeln des heiligen Benedikt von Nursia.

Der von außen unspektakuläre Kirchenbau (noch eine neo-romanische Kirche) stammt aus dem Jahr 1910 und wurde von dem renommierten niederländisch-deutschen Architekten Johannes Klomp konzipiert. Erst im Inneren der Abteikirche zeigt sich die ganze Schönheit und Erhabenheit des (neu-) romanischen Kirchenraums. Als Kontrast finden sich moderne, aber auch besonders schöne und wertvolle gotische Elemente in Form von Altaraufsätzen in der Kirche.

Die gotischen Altaraufsätze stammen aus der Sammlung des Frankfurter Stadtpfarrers E.F.A. Münzenberger (1833 – 1890), die ihren Weg nach Clervaux in die Benediktinerabtei fanden. Besonders hervorzuheben ist die schöne und ansprechende Pietà, die schmerzhafte Mutter Gottes, die vom heiligen Johannes (links) und heiligen Matthias (rechts) begleitet wird.

Besonders ins Auge fällt der ehemalige Hochaltar. Die Mutter Gottes mit Jesuskind im Arm, links begleitet vom heiligen Jakobus dem Älteren und rechts vom heiligen Nikolaus. Über dem Schrein ist der heilige Augustinus dargestellt. Auf den Flügeln des Altares links und rechts sind in alter Malerei Szenen aus dem Leben des heiligen Petrus dargestellt. Eine beeindruckende Künstlerarbeit aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts.

In der Klosterherberge finden Jugendgruppen mit bis zu 47 Teilnehmern einen Platz. Das Gästehaus der Abtei bietet Unterkunft und Ruhe für 20 Personen in Einzelzimmern. Weitere Informationen gibt es auf den Internetseiten http://www.abbaye-clervaux.lu/de/empfang/.