Die Auswahl für einen Stadtrundgang fällt nicht leicht – in kaum einer anderen Stadt hat die UNESCO so viele Baudenkmäler auf die Liste der Weltkulturgüter gesetzt. Vielleicht haben Sie ja noch ein paar Stunden, bevor Ihr Zug fährt. Oder Sie können noch einen Tag anhängen, um sich für Trier die angemessene Zeit zu nehmen (so haben meine Frau und ich es gemacht, als wir auf unserem Jakobsweg nach Trier gekommen sind).

Ein ‚Muss’ in Trier sind aber, neben der für Pilger so wichtigen Basilika St. Matthias:

· Porta Nigra

· Dreikönigenhaus

· Hauptmarkt

· Dom

· Konstantinbasilika

· Kurfürstliches Palais

· Kaiserthermen

· Amphitheater

Wir schlagen folgenden Rundgang vor, der Sie in aller Kürze zu den genannten Sehenswürdigkeiten bringt (abgesehen vom etwas außerhalb des Zentrums gelegenen Amphitheater).

Beginnen wir unseren Rundgang an der Porta Nigra, einem zentralen Ort im heutigen Trier. Außerdem ist in unmittelbarer Nähe die Tourist-Information untergebracht, wo man sich mit einem Stadtplan und ausführlichen Informationen versorgen kann. Auch können hier Stadtführungen gebucht werden.

Das römische Stadttor aus dem 2. Jh. n. Chr. ist das Wahrzeichen der Stadt Trier. Es war der nördliche Zugang zur Stadt. Der Name ‚Porta Nigra’ ist erst seit dem Mittelalter bekannt und kommt von der Farbe des verwitternden und sich dunkel färbenden Sandsteins. Eine endgültige Fertigstellung hat das Tor nie erlebt. Zwar konnte man es durch Falltore verschließen, die aber eigentlich vorgesehenen beweglichen Torflügel wurden niemals eingebaut. Die Bohrungen für die Torangeln wurden angebracht, in die Drehachsen ragen aber noch immer unfertig behauene Quader. Auch die Fassade zur Landseite verstärkt diesen Eindruck noch. Die Halbsäulen dort wurden roh belassen.

Nach seinem Tod im Jahr 1035 wurde der Einsiedler Simeon im Erdgeschoss bestattet. Ihm zu Ehren nutzte man das Tor als Doppelkirche und baute das Simeonstift. Über eine Freitreppe gelangte man direkt in das heutige erste Geschoss des Gebäudes.

Im Zuge der Säkularisation wurden Kirche und Stift 1802 aufgehoben, und bei einem Besuch im Jahr 1804 befahl Napoleon den Rückbau der kirchlichen Anbauten. 

Von der Porta Nigra gehen Sie jetzt in die nach dem Einsiedler benannte Simeonstraße und kommen somit in die Fußgängerzone. Dabei passieren Sie links ein Meisterwerk der Architektur – das Dreikönigenhaus.

Aus einem romanischen Wohnturm des Jahres 1230 entstand hier ein frühgotisches Wohnhaus. Der Eingang war im ersten Stock gelegen und über eine Zugtreppe erreichbar. So konnte bei Gefahr der Turm gesichert werden. Der Name stammt von einem im Haus befindlichen Gemälde der Darstellung des Herrn (Epiphanie), die in unseren Breiten meist mit der Anbetung durch die Heiligen Drei Könige verbunden wird. Zwar ist das Gemälde verschollen, der Name hat sich aber bis heute erhalten.

Nach wenigen Metern erreichen Sie den mittelalterlichen Hauptmarkt, und damit den zentralen und einen der größten Plätze. Mit dem Marktkreuz als Hoheitssymbol wurde der Markt im Jahr 958 durch Erzbischof Heinrich I. ausgestattet. Das Original befindet sich im Städtischen Museum Simeonstift (gleich neben der ‚Porta’. Hier sehen Sie eine Kopie auf der Spitze des mittelalterlichen Prangers. Die Umbauung des Platzes mit Gebäuden der Renaissance, des Barocks und des Klassizismus’ ist auch nach den schweren Bombardierungen des 2. Weltkrieges noch zu 2/3 erhalten. Das Domhotel wurde im deutschen Neo-Renaissancestil erbaut. Die berühmte Steipe, das früher Repräsentationshaus des Stadtrats, stammt aus dem Jahr 1430. Als Jakobspilger werden Sie sich freuen, hier eine Steinfigur des Heiligen Jakobus d. Ä. zu entdecken. Am Roten Haus, gleich dahinter, findet sich der sagenhafte Spruch der Gründung Triers: ganze 1300 Jahre vor Rom!: „Ante Romam Treveris stetit annis mille trecentis“ („Vor Rom stand Trier eintausend und dreihundert Jahre“).

Die Kirche St. Gangolf können Sie nur durch das vor Ihnen liegende barocke Tor betreten – sie ist komplett umbaut.

Wenn Sie jetzt nach links in die Sternstraße abbiegen, stehen Sie vor dem ältesten deutschen Gotteshaus: dem Trierer Dom St. Peter.

Nachdem sich Konstantin I. zum Christentum bekannte, ließ er auf den Resten eines römischen Wohnhauses eine Basilika errichten, die von Bischof Maximin in der Mitte des 4. Jh.s zu einer großen Kirchenanlage mit vier Basiliken, Baptisterium und Nebengebäuden erweitert wurde. Der Kern des heutigen Domes, der sog. Quadratbau, stammt aus dieser Zeit um 340.

Im vierten Jh., in der Völkerwanderung, und dann noch einmal 882 durch die Normannen wurde die Anlage zerstört. Quadratbau und die nördliche Basilika wurden wieder aufgebaut. Erweiterungen und Neugestaltung wurden unter Bischof Egbert (977-993) durchgeführt, die Westfassade zählt zu den typischen Salierbauten. Der Westchor wurde 1196 geweiht, die Osttürme im 14. Jh. erhöht und schließlich im 18. Jh. die Heiltumskammer angebaut. Nach einem verheerenden Dombrand 1717 erfolgte eine barocke Umgestaltung, die jedoch – Gott sei Dank – Anfang des 19. Jhs. wieder rückgängig gemacht wurde.

Im Dom befinden sich zahlreiche Grabmäler ehemaliger Bischöfe von Trier, davon seien nur Balduin von Luxemburg, Richard von Greiffenclau zu Vollrads und Theoderich von Wied genannt. Der Andreas-Tragaltar des bereits genannten Bischof Egberts gehört zu den kostbarsten Kunstwerken. Es handelt sich um eine der bedeutendsten ottonischen Goldschmiedearbeiten.

Der bekannteste Domschatz ist jedoch der ‚Heilige Rock’. In einem Holzschrein, hinter Panzerglas in einem speziellen Anbau wird der Heilige Rock, ähnlich wie das Turiner Grabtuch, nur selten den Gläubigen präsentiert, zuletzt im Jahr 2005. Es soll sich um Fragmente der Tunika Jesu Christi handeln. Nach der Überlieferung wurde ein 30 x 30 cm großes Stück des Leibrocks durch Helena nach Trier gebracht und in das Gewebe genäht. Die Echtheit wurde nie überprüft – ich persönlich halte es auch nicht für wichtig. Heute ist er eher ein Symbol für die unbekannten Begegnungen Jesu mit den Menschen, die niemand beschrieben hat. Der Weg ist das Ziel für die 700.000 Pilger, die im Jahr 1996 zum Heiligen Rock gepilgert sind. Die nächste Wallfahrt ist für 2012 geplant.

Erwähnt werden muss natürlich der Domstein, eine ca. 4 m lange Granitsäule, die links vor dem Haupteingang liegt und von den Trierer Kindern (aber nicht nur von denen) gerne zum Rutschen benutzt. Um ihn ranken sich allerlei Sagen. Am bekanntesten ist vielleicht die, nach der der Teufel mit einer List zur Mithilfe beim Bau des Doms bewogen worden sein. Als der Dom fertig war, merkte er, dass er reingelegt worden war und schleuderte vor Wut diesen Stein gegen die Mauern.

Tatsächlich wurden die alten Granitsäulen (aus dem Odenwald) des Domes während der Völkerwanderung zerstört und mussten im 6. Jh. durch Kalksteinsäulen ersetzt werden. Eine der ausgewechselten Säulen blieb vor dem Südwestportal liegen und wurde später nicht mehr weggeräumt.

Hier bietet sich auch die Gelegenheit, mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Trierer Platt vertraut zu werden.

Julius Friedrich Bernards (1842-1878) widmete dem Domstein die folgenden Zeilen:

Original

Om Duhmstaan sei mer romgerötscht.

Et waor net emmer ginstig.

De Box zerröß, de Kaap verlor,

de Kopp zerschonn, blutrinstig.

Kaom eich dann haam, dao wosst eich gleich

Eich braucht kaan Red’ze haalen.

Eich braucht blus guden Dag ze saon,

det anneret soot mein Ahlen …

Roff de Trepp

Schlich eich mich off den Ziewen.

Doch mein Klepp

Die sien net ausgebliewen.

Hochdeutsche Übersetzung

Auf dem Domstein sind wir herumgerutscht.

Es war nicht immer günstig.

Die Hose zerrissen, die Kappe verloren,

der Kopf zerschunden, blutrünstig.

Kam ich dann heim, da wusste ich gleich,

ich brauche keine Rede zu halten.

Ich brauche bloß guten Tag zu sagen,

das andere sagt mein Vater …

Rauf die Treppe

schlich ich mich auf den Zehenspitzen.

Doch meine Prügel,

die sind nicht ausgeblieben.

Vor dem Dom stehend, geht es weiter nach rechts, vorbei zur gotischen Liebfrauenkirche, der Pfarrkirche dieses Innenstadtbereichs von Trier. Die Pfarrei Trier Liebfrauen ist im Jahre 2000 aus der Fusion der Pfarreien Liebfrauen, St. Agritius, St. Antonius, St. Gangolf, St. Paulus und der Dompfarrei hervorgegangen.

Sie gilt zusammen mit der Elisabethkirche Marburg als die älteste gotische Kirche in Deutschland. Seit 1951 ist sie eine Basilica minor, und sie gehört auch zum Weltkulturerbe; dennoch verläuft sich nur ein Bruchteil der ‚Dom-Touristen’ verläuft sich in dieses Gotteshaus mit seinen hohen Fenstern, so dass Sie hier viel eher eine Atmosphäre vorfinden, die zu Besinnung und Gebet einlädt. Vielleicht finden Sie ja auch den Punkt, von dem man aus alle Apostelbilder auf den zwölf Säulen erkennen kann.

Hinweis: gegenüber von Dom und Liebfrauenkirche befindet sich die Dom-Information und das Pilgerbüro der St. Jakobusbruderschaft Trier (sjb-trier).

Nachdem Sie der Liebfrauenstraße bis zu ihrem Ende gefolgt sind, sehen Sie jetzt einige Schritte weiter das imposante Bauwerk der Konstantinbasilika, der römischen Palastaula, die Konstantin als Thronsaal diente. Die Porta Nigra würde zweimal in dieses Bauwerk passen.

Anfang des 4. Jhs. wurde die Aula erbaut und sollte durch die einmalige Größe und prachtvolle Ausstattung die Macht Roms demonstrieren. Das Innere war mit Marmor verkleidet, in den Nischen standen Marmorstatuen, die Wände und der Fußboden waren beheizt.

Ausgrabungen zeigen, dass die Palastaula auf älteren Gebäuden errichtet wurde und Teil des spätantiken Palastbezirkes war. Reste der Anbauten können in der Nähe besichtigt werden. Im Bereich der Fenster sind Teile des antiken Putzes und des Stucks erhalten geblieben. So sah die Palastaula ursprünglich einmal aus.

Nachdem im 12./13. Jh. der Trierer Erzbischof durch Schenkung in den Besitz der Konstantinbasilika kam, errichtete Lothar von Metternich Anfang des 17. Jh. das Kurfürstliche Palais und integrierte Teile der Palstaula in das Palais. König Friedrich Wilhelm IV. ließ nach Plänen von Carl Schnitzler den ursprünglichen Zustand wieder herstellen.

Seit 1856 wird die Konstantinbasilika von der evangelischen Kirche „auf ewige Zeiten" genutzt, befindet sich aber seit Gründung des Landes Rheinland-Pfalz in dessen Besitz.

Gegenüber dem Kircheneingang steigen Sie bitte die Treppen hinauf und finden sich dann im wunderschönen Palastgarten des Kurfürstlichen Palais von 1794 wieder. Hier konzentrierte sich die kurtrierische Macht. Die Residenz im Stil des Rokoko kann nicht nur von außen besichtigt werden. Seit 1980 Sitz der Bezirksregierung Trier bzw. ihrer Nachfolgebehörde ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland-Pfalz), werden seit Sommer 2007 Besichtigungstage angeboten, abhängig davon, ob offizielle Veranstaltungen stattfinden (Informationen: Tel.: 0651 9494-0)

Nach einem kurzen Spaziergang durch die, zu jeder Jahreszeit herrliche Parklandschaft des Palastgartens erreichen Sie die wichtigste der drei Thermen der Stadt: die Kaiserthermen, eine großflächige Badeanlage, die drittgrößte des römischen Imperiums überhaupt. Um und nach 300 n. Chr. wurde dieser monumentale Repräsentationsbau errichtet.

Neben sportlichen und gesundheitlichen Aufgaben hatten die Thermen besonders auch kommunikative und soziale Bedeutung inne.

Offensichtlich ist der Badebetrieb aber niemals konsequent aufgenommen worden, die gewaltige Grundfläche von 260 x 145 m lässt mehr auf eine repräsentative Funktion schließen.

In diesem Zusammenhang ein kleiner Exkurs in die Geschichte: Als ‚Augusta Treverorum’ wurde das heutige Trier im Jahr 16 v. Chr. von den Römern unter Kaiser Augustus gegründet. Der Name leitet sich von einem Stammesheiligtum des hier lebenden keltischen Stamms der Treverer ab. Im Jahre 293 ernannte Kaiser Diokletian die zu dem Zeitpunkt Treviris genannte Stadt zur römischen Kaiserresidenz und Hauptstadt des weströmischen Reiches. Der in Serbien geborene römische Caesar Konstantin verbrachte einen Teil seiner Amtszeit, die sich von 306 bis 337 erstreckte, in der Kaiserresidenzstadt Trier. Als Imperator Caesar Flavius Valerius Constantinus herrschte er vor rund 1700 Jahren von dieser Stadt aus über Westrom. Erst nachdem Konstantin Alleinherrscher über das römische Imperium und Kaiser des gesamten Reiches wurde, verlegte er seine Residenz 316 in das später nach ihm benannte Konstantinopel, das heutige Istanbul.

Danach verlor Trier von seiner Bedeutung und der Rohbau der Thermen blieb ungenutzt. Erst um 360 n. Chr. wurde die Anlage in eine Kaserne für bis zu 1000 Mann der berittenen kaiserlichen Leibgarde umgebaut.

Das Amphitheater, in Deutschland steht noch ein weiteres im niederrheinischen Xanten, bot nach seiner Fertigstellung um das Jahr 100 rund 20000 Menschen Platz. Es war in die Stadtmauer integriert und bot dem Volk genau das, was man mit ‚Brot und Spiele’ bezeichnet: Es gab Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe, hier fanden Hinrichtungen statt, wichtige Ankündigungen wurden ausgerufen.

Um zum Amphitheater zu gelangen, benötigt man von den Kaiserthermen aus etwa eine Viertelstunde.

Weitere bedeutende Gebäude, die es sich lohnt zu besuchen, sind im Innenstadtbereich

· Karl-Marx-Haus in der Brückenstraße (!) 10: Geburtshaus von Karl-Marx, heute Museum

· Jesuitenkirche in der Jesuitenstraße: Ruhestätte von Friedrich Spee

· Viehmarktthermen auf dem Viehmarkt: von einem Glasbau geschütztes Thermen-Museum

Außerhalb der Stadtmauern:

· Römerbrücke (Moselbrücke auf dem Weg nach St. Matthias)

· Barbara-Thermen an der Ecke Südallee/Friedrich-Wilhelm-Straße

· St. Matthias (!!!)

· St. Paulin (spätbarocke Kirche, deren Innenausstattung Balthasar Neumann entworfen hat)

· St. Maximin (ehem. Benediktinerabtei; heute Sporthalle und Konzertsaal)

Alle drei Kirchen sind auf römischen Gräberfeldern errichtet worden.

Von den drei großen Museen ist wohl das Rheinische Landesmuseum das bedeutendste, besitzt es doch nicht erst durch die Konstantin-Ausstellung 2007 internationalen Rang. Der Schwerpunkt liegt bei den römischen Funden (Neumagener Weinschiff!).

Das lichtdurchflutete Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum zeigt einerseits archäologische Funde des frühchristlichen Trier (konstantinische Deckenmalerei), andererseits christliche Kunst aus dem gesamten Bistum.

Das Städtische Museum Simeonstift beherbergt v. a. kulturgeschichtliche Sammlungen der Stadt. Besonders augenfällig ist das Stadtmodell, das Trier um das Jahr 1800 zeigt.