8. Tag Jahrsdorf – Peissen (9 km) – Hohenlockstedt (8,5 km) – Itzehoe (6,5 km) – Heiligensteidten (2 km) = ca. 26 kmSchwierigkeit leichtZeitbedarf 6 Stunden ohne Besichtigungen und PausenBesichtigungen: Hohenlockstedt, Itzehoe, Heiligenstedten

 

Impuls: Als vor 2000 Jahren jemand wissen wollte, was es denn bringe, sich auf diesen Jesus von Nazareth einzulassen und was das für einer sei, antwortete der Gefragte: „Komm und sieh!“

Östlich vom Lockstedter Lager liegt eine Niederung, welche die Form einer großen Fußspur hat und von den Leuten Riesenspur genannt wird. Eine zweite Spur findet sich bei Neumühlen, nördlich von Müh­lenbarbek. Diese Spuren hat ein Riese hinterlassen, als er nach Itzehoe unterwegs war. Dabei hat er auch kurz vor der Stadt den ganzen Bullenberg mit einem einzigen Fußtritt zusammen geschoben.

Leider, oder soll ich lieber sagen: Gott sei Dank, sind die Riesen in unserem Land ausgestorben und auch die ‚Siebenmeilenstiefel’ gehören in das Land der Märchen und Sagen: Deshalb haben Sie heute eine tüch­tige Tagesetappe vor sich. Der günstigste Bus von Hohenwestedt nach Jahrsdorf fährt nun auch schon um 06:49 Uhr, danach um 08:03 Uhr (Fahrplan 2014 – Angaben müssen über­prüft werden). Vielleicht schaffen Sie es ja sogar zu einem Abstecher nach Hohenlockstedt.

Aber zunächst geht es aus Jahrsdorf heraus und auf ausgebauten Wirtschafts- und Feldwegen, immer fast parallel zur Bundesstraße 77, in Richtung Peissen. Das Bauerndorf wurde 1380 erstmals urkundlich erwähnt und im Jahr 1482 an das Kloster Itzehoe verkauft.

Weiter geht es von Peissen in Richtung Hohenlockstedt, wobei sowohl die Flurnamen als auch die Be­zeichnungen der kleinen Brücken über die Rantzau, ein Bach, der uns bis Hohenlockstedt begleitet, an die lange militärische Nutzung des Gebietes durch die Finnischen Jäger, des Königlich Preußischen Jä­gerbataillons 27, erinnert: in den Waldstücken liegen die Moltke- und die Bismarck-Höhe, über den Bach führen Roon-, Moltke-, Loigny- und Orleans-Brücke sowie, nach zwei Brücken mit ‚zivilen’ Namen, dann auch noch die Pionierbrücke. Der ‚Hungrige Wolf’ schließlich ist der Name des ehemaligen Militärflug­platzes und Standortes des Heeresfliegerregiments 6, das 2004 außer Dienst gestellt wurde.

Wenn Sie den Mühlenteich mit dem Freibad vor Hohenlockstedt passiert haben, können Sie halblinks dem Lohmühlenweg nach Hohenlockstedt folgen. Unser Jakobsweg biegt aber zweimal rechts ab und führt dann fast schnurgerade an Schlotfeld und am Itzehoer Forst vorbei nach Itzehoe.  Zur Innenstadt folgen Sie dem Jakobsweg noch bis zur Tonkuhle (See) und von dort aus der Straße hinunter bis ins Zentrum.

Itzehoe

Allgemeines: Itzehoe ist Kreisstadt des Landkreises Steinburg und hatte am 31.12.2012 eine Einwohnerzahl von 30.956.

Ansprechpartner: Evangelisches Pfarrbüro St. Laurentii, Kirchenstraße 10, 25524 Itzehoe, Telefon 04821-4050999, E-Mail innenstadt-sued(at)kirche-itzehoe(punkt)de; Katholisches Pfarramt St. Ansgar, Hindenburg­stra­ße 26, 25524 Itzehoe, Telefon 04821-952580, E-Mail pfarrbuero (add) kath-itzehoe.de; Stadtmanagement Itzehoe, Breite Str. 4, 25524 Itzehoe, Telefon 04821-949012-0, E-Mail stadtmanagement (add) itzehoe.de

Übernachtungstipps in Itzehoe und Umgebung

St. Laurentii in Itzehoe

St. Laurentii in Itzehoe

So um das Jahr 1000 n. Chr. gab es an der Stelle Itzehoes bereits ein Sachsendorf, und auf der gegenüber liegenden Seite, auf einer Halbinsel der Stör, erhob sich eine Wallburg. Diese widerstand im Jahr 1032 einem Angriff der Slawen. Die erste Erwähnung von Itzehoe als „Ekeho“ erfolgte im 12. Jh. Das Stadtrecht wurde 1238 ver­liehen, und mit dem Stapelrecht von 1260 konnte sich Itzehoe zu einer wichtigen Kaufmannsstadt entwickeln. Stapelrecht bedeutet, dass die Stadt von durchziehenden Kaufleuten verlangen konnte, ihre Waren für einige Zeit abzuladen und in der Stadt anzubieten. Mit diesem Recht war der Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Itzehoes bis in die Neuzeit gelegt.

Leider wurde es in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts versäumt, rechtzeitig für eine Re-Naturie­rung der Stör-Schleife zu sorgen. So blieb 1974 nichts weiter übrig, als die das Stadtbild bestim­men­de Schleife, mittlerweile eine übel riechende Kloake, mit Sand zuzuschütten.

Ganz in der Nähe der Altstadt entstand die Laurentii-Kirche, erstmals erwähnt 1196, und 1256 wurde das Kloster errichtet. Dieses hatte von Anfang an eine eigene Gerichtsbarkeit.

Im 1. Nordischen Krieg (1655 – 1660) wurde Itzehoe von den Schweden fast vollständig zerstört. Der Kreuzgang der Laurentii-Kirche ist heute das einzige in ganzen Stadt erhaltene Bauwerk aus dem Mittel­alter.

Prinzessenhof in Itzehoe

Prinzessenhof in Itzehoe

Bis in das 19. Jh. hinein sind in Itzehoe vier klar abgegrenzte Bezirke zu erkennen: der Bezirk des Lan­des­herrn rund um die mittelalterliche Burg, der städtische Bezirk der gegenüberliegenden Kaufmanns­siedlung, der Bezirk des Klosters (heutiges adliges Damenstift) und der Bezirk der Adelsherren von Brei­tenburg.

Als im Jahre 1263 das Zisterzienserinnen-Kloster von Ivenfleth nach Itzehoe verlegt wurde, existierte die St. Laurentii-Kirche schon. 1196 ist erstmalig ein Priester erwähnt. 1286 übernimmt das Kloster das Pa­tronat für die Kirche. Leider wird die gotische Kirche 1657 fast vollständig zerstört, bis zur Neuweihe 1681 aber wiederhergestellt. Die heutige, dreischiffige Kirche im Barockstil mit dem Holztonnengewölbe stammt aus den Jahren 1716 bis 1718.

Schon in Schleswig ist Ihnen mit dem Johannis-Kloster eines der vier Damenstifte in Schleswig-Holstein begegnet, die während der Reformation nicht aufgelöst wurden und noch heute der Versorgung der ad­ligen Bewohner (Konventualinnen – d.h. stimmberechtigte Bewohnerinnen des Klosters) dienen. Eines dieser Klöster wurde um 1230 als Zisterzienser-Nonnenkonvent in Ivenfleth an der Störmündung gegrün­det, zur Versorgung der adligen, unverheirateten Töchter und Witwen. Der Ort war aber nicht sonderlich günstig gewählt, hatten die Nonnen doch immer wieder mit Hochwasser und Überschwemmungen zu kämpfen. Deshalb gestattete 1263 der Erzbischof von Bremen die Verlegung des Klosters nach Itzehoe. Dort besaß das Konvent schon seit 1256 das Patronat der St. Laurentii-Kirche. Nach der Reformation wurde aus dem Nonnen-Kloster ein Damenstift, dem noch heute der Kreuzgangflügel und die von dort zugängliche Westempore der Kirche gehört.

Einer der größten Grabhügel der Bronzezeit in Schleswig-Holstein ist das sog. Germanengrab am Galgen­berg, ein wenig außerhalb der Innenstadt gelegen. Genutzt wurde dieses Grab wohl über 200 Jahre lang von einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, von etwa 1500 bis 1300 v. Chr. Eine blaue Glasperle ist der älteste Glasfund im Norden Deutschlands. Galgenberge gab es in Itzehoe insgesamt vier – dieser Grab­hügel diente dem Zisterzienserinnenkloster als Hinrichtungsstätte.

Besichtigen sollten Sie auf Ihrem Weg durch Itzehoe auch noch das Rathaus, dessen ältester Teil aus dem Jahr 1695 stammt, den Prinzesshof aus dem 16. Jh. (heute der älteste erhaltene Profanbau Itzehoes und als Kreismuseum genutzt) und die St.-Jürgen-Kapelle mit interessanten Deckengemälden aus dem Barock.

Ein paar Sätze noch zum Prinzesshof, einem im Jahr 1556 erbauten und vom Kloster Itzehoe verlehnten Adelssitz. Hier lebten einige Steinburger Amtmänner, aber auch 1807 und 1808 der hessische Kurfürst Wilhelm I. Von seinem Vater Friedrich hatte er ein gut gefülltes Staatssäckel geerbt und war damit be­sonders im Norden auf ‚Einkaufstour’ gegangen. Friedrich II. hatte nämlich seine Soldaten an England für den Krieg in Amerika vermietet. Der Handel mit der englischen Königin sah Zahlungen für jeden einge­schifften Soldaten vor sowie eine zweite Zahlung für jeden gefallenen Soldaten. In einem Brief soll sich Friedrich II. über die ausbleibenden Zahlungen beschwert haben: „Was ist das denn für ein Krieg, in dem die Soldaten nicht fallen?“ Trotzdem hatte Schiller in ‚Kabale und Liebe’ nicht unbedingt Recht, denn von rund 19000 Hessen, die an England vermietet wurden, sind lediglich 535 in der Schlacht gefallen (3000 sind Krankheiten zum Opfer gefallen, weitere 4000 nach der Dienstzeit in Amerika geblieben).

Nach Heiligenstedten auf dem Ochsenweg

Nach Heiligenstedten auf dem Ochsenweg

Auf Ihrem weiteren Weg nach Heiligenstedten  geht es zunächst in Itzehoe wieder hinauf, damit Sie den Anschluss an die Jakobsweg-Etappe wieder fin­den. Von der Stadt aus gesehen, geht es hinter der Tonkuhle nach links in Richtung Westen und über die Untere Dorfstraße und den Kirchweg zur Straßenüberführung. Sie queren hier die B 204/A 23, wenden sich nach links und sind dann schnell im Heiligenstedter Holz. Nachdem dieses durchquert ist, erreichen Sie auf gut markierten Wegen Heiligenstedten. Der Jakobsweg führt Sie zunächst zur Hauptstraße und zur wohl ältesten Kirchengründung Schleswig-Holsteins.

Marienkirche in Heiligenstedten, Mariendarstellung aus der Spätgotik

Marienkirche in Heiligenstedten, Mariendarstellung aus der Spätgotik

Zwar stammt die heutige Kirche aus dem Ende des 13. Jh. und wurde 1580 stark verändert, aber als der heilige Ansgar (siehe Haithabu) im Jahr 831 das Hamburger Bischofsamt übernahm, fand er schon vier Taufkirchen in seinem Bistum vor. Neben Hamburg, Meldorf und Schenefeld war dies auch Heiligenstedten. Schon vorher ließ Ansgar Reliquien des heiligen Maternianus in Heiligenstedten niederlegen. Dem heiligen Maternianus werden Sie vielleicht auf Ihrem Camino noch einmal in Reims begegnen – er war dort Bischof und wird noch heute verehrt.  Vielleicht haben diese Reliquien ja auch zur Namensgebung des Ortes beigetragen? Die Ausstattung der Kirche ist ein Verweilen wert: zwei Marienbilder aus der Früh- und Spätgotik, der Altar aus dem Jahr 1580, die Triumphgruppe von 1598, die Bronzetaufe (1638) und die Kanzel aus dem Jahr 1648.

Sollten Sie die Kirche verschlossen vorfinden, erhalten Sie den Schlüssel zu den Öffnungszeiten im Gemeindebüro nebenan.

Im übrigen spricht noch etwas für die frühe und herausragende Lage der Kirche hier am rechten Ufer der Stör: die etwa einen Kilometer von der Kirche entfernt gelegene Esesfeldburg, die 810 auf Veranlassung Karls des Großen durch den Grafen Egbert von Stade aus als Ringwallburg angelegt worden war. Heute sind nur noch einige Gräben erhalten. Am Ortseingang von Heiligenstedten aus Richtung Itzehoe (1. Weg rechts nach der großen Brücke) finden Sie eine entsprechende Hinweistafel.

 Aktualisiert und überarbeitet am 19. August 2014