Klüsserath – Kahlbach – Zitronenkrämerkreuz – Landwehrkreuz – Schweich = ca. 19 km
Schwierigkeit mittel
Zeit ca. 5 Stunden ohne Pausen und Besichtigungen
Besichtigungen: Schweich

Tagesmotto: “Wecke meine ermüdeten Kräfte aus ihrem Schlaf! Lass mich nicht, meine Verluste zählend, hinter dem Zug zurückbleiben! Lass bei jedem Schritt die Straße unter mir singen von ihrem Ziel, deinem Hause! Denn die Nacht ist dunkel, und dein Pilger ist blind. Halte du meine Hand.“ Rabindranath Tagore

Heute lassen wir es auf der Etappe von Klüsserath ins junge Schweich etwas ruhiger angehen und nehmen uns etwas mehr Zeit als sonst, um all die Schönheiten und Besonderheiten der Natur links und rechts des Weges zu bestaunen. Die Wegmarkierung ist dabei stets das ‚M’, Sie folgen also bis nach Schweich dem Moselhöhenweg.

Bitte überqueren Sie zunächst die Brücke, die am westlichen Ende von Klüsserath über die Salm führt. Sogleich biegen Sie nach rechts ab. Bald schon führt ein Kreuzweg nach links in die Weinberge hinauf. Die Mosaiken der Kreuzwegstationen stammen wohl aus der Mitte des 20. Jhs.; die oben liegende Marien-Kapelle dient auch dem Gedächtnis der Gefallenen der beiden Weltkriege. Das große Mosaik zeigt einen Winzer, der mit der Kiepe auf dem Rücken zur Gottesmutter fleht.

Nun folgt ein Weg hoch über den Weinbergen der ‚Thörnicher Ritsch’ zum gleichnamigen Aussichtspunkt. Der Name Ritsch leitet sich von dem brüchigen Grauschiefer der Lage ab, immer wieder rutschen Felsen ins Tal. Durch die brüchigen Felsen kann in der Ritsch auch keine Flurbereinigung mit Wegebau durchgeführt werden, in dem steilen Gelände würden die Wege abrutschen. Seit 2006 kann man auch über einen Klettersteig vom Parkplatz an der Bundesstraße aus hier hoch kommen. Kaum nachvollziehbar, dass früher die Weintrauben auch von Eseln auf den ‚Wangerstpedchen’ (Weinbergspfade) ins Tal befördert wurden.

Bald schon geht es gleichmäßig auf geteerten Weinbergswegen bergab ins Kahlbachtal. Am Ende des Weinbergsweges halten Sie sich nach links auf der Straße, um nach etwa 300m den Bach zu überqueren. Achtung: bitte nehmen Sie nicht die Zufahrt zum Golfplatz, die sich wenige Meter zuvor befindet! Weiter geht es durch den Wald, dann wieder hoch und runter durch die Weinberge. Sie queren nach ca. 2 km das Kaulenbachtal und erreichen bald das Zitronenkrämerkreuz. Unter den vielen Beweisen der Volksfrömmigkeit, denen Sie bisher auf dem Mosel-Camino begegnet sind, hebt sich dieses Wegkreuz aus dem 18. Jh. ganz besonders ab.

Seit mehr als 200 Jahren steht dieses Gedenkkreuz am Rande einer alten Handelsstraße, dem heutigen Moselhöhenweg, auf der Gemarkung der über 1000 Jahre alten Gemeinde Schleich.

An dieser Stelle soll im Jahre 1687 ein Händler – ein Zitronenkrämer – von seinem Diener ermordet worden sein. Wie die Inschrift besagt, ist das Kreuz errichtet worden von den „Kinder des allhier verstorbenen PI Carove seligen Angedenkens.“ Das Wappen auf der Säule zeigt einen Karren mit rückwärts blickenden Vögeln. Ambros Carove, Sohn eines Thomas, kam zwischen 1651 und 1655 von Lenno (Lenni) am Comersee, Italien, nach Trier. Ambros’ Alter ist nicht bekannt; er oder sein gleichnamiger Sohn wurde 1676 als Zitronenkrämer ins Trierer Krämeramtsbuch eingetragen. Vater oder Sohn muss es gewesen sein, der 1687 auf dem Moselhöhenweg eines gewaltsamen Todes starb. Von Ambros Caroves Sohn Ambrosius nimmt man an, dass er der Erbauer des ‚Hotel Venedig’ (1656 – 1658) in Trier war. Deswegen findet man am Haus ‚Venedig’ in Trier, Ecke Johannis-/Brückenstraße, ein ähnliches, das Carov’sche Wappen – zusätzlich gekrönt von der Statue eines triumphierenden Johannes.

Nach 200 m biegen Sie nach rechts ab (nicht den MV nach Mehring nehmen!) und gehen durch den Mehringer Wald und dann geradeaus über die Wiese unter den gewaltigen Hochspannungsleitungen hindurch zum Landwehrkreuz, das auf fast 410 m NN gelegen ist. Achten Sie hier auf die Markierung: aufgrund von kürzlich durchgeführten Landschaftspflegemaßnahmen ist der Weg über die Wiese nur recht schwierig auszumachen. Der etwas renovierungsbedürftige Rastplatz an diesem alten Wegkreuz aus Buntsandstein bietet sich dennoch für eine kurze Pause an. Vielleicht bietet sich hier auch Gelegenheit, der Mahnung „Gedenke, oh Christ, dass Jesus Christus für dich gestorben ist“, zu folgen. Meistens ist man hier oben von Schafen umgeben – ein besonderer Reiz, sich durch die Herde den weiteren Weg am Mehringer Berg vorbei zu bahnen. Es dauert nicht mehr lange, bis Sie in einen Wald gelangen und sich gleich danach nach rechts halten (auf dem vermeintlichen Hauptweg geht es hinunter nach Longen). Bis zu den Weinbergen geht es durch den Wald beständig nach unten. Sie bleiben oberhalb der Weinberge in etwa auf gleicher Höhe; erst ab der Grillhütte Rupperath geht es wieder bergab. Unter der Autobahn führt der Weg ins Zentrum von Schweich, den Platz an der Pfarrkirche St. Martin.

Schweich

Allgemeines:  Schweich gehört zum Landkreis Trier-Saarburg im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 6560. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt St. Martin, Klosterstraße 1a, 54338 Schweich, Tel.: 06502 2327; Tourist-Information Roemische Weinstraße, Brückenstraße 46, 54338 Schweich, Tel. 06502 9338-0, E-mail: schweich@t-online.de

Übernachtung: Ferienweingut Wallerath, Bahnhofstraße 25, 54338 Schweich, Tel: 06502 5554, E-Mail twallerath@web.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 42,- Euro; Hotel-Garni Wagner, Langgartenstraße 25, 54338 Schweich, Tel: 06502 92090, E-Mail pension-wagner-schweich@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 24,- Euro; Weingut-Pension Schiff, Schaumbach, 54338 Schweich, Tel: 06502 2787, E-Mail weingut-pension-schiff@web.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 48,- Euro

Im Eingangssatz haben wir etwas vom ‚jungen’ Schweich geschrieben. In gewisser Weise ist das auch richtig, denn Schweich an der ‚Roemischen Weinstraße’ bekam die Stadtrechte erst 1984 verliehen. Ausgrabungen einer römischen Villa und archäologische Funde von Mosaikfußboden, Gräberfeld, Münzen, Scherben und Ziegeln zeigen aber, dass hier schon die Römer gesiedelt haben. Der Niederprümer Hof verdankt seine Existenz der fränkischen Königstochter Bertrada, der Mutter Karls des Großen. Diese schenkte den Ort dem Kloster Prüm in der Eifel und sorgte damit für die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 721. Heute dient der Niederprümer Hof als Kulturzentrum von Schweich.

Ein kleiner Stadtrundgang führt uns ins Schweich an vielem Sehenswertem vorbei. Eines der beiden Wahrzeichen der Stadt ist der ehemalige Fährturm. Erbaut wurde der massive, fünfeckige Bruchsteinbau gegen Ende des 18. Jhs. Die Spitze ist moselaufwärts gerichtet und diente in kalten Wintern als Eisbrecher. Ursprünglich war das Fährseil zwischen diesem und dem 1902 für den Bau der Moseltalbahn abgerissenen Pendant auf der anderen Moselseite gespannt, mit dem Bau der Brücke wurde aber der Fährbetrieb im Jahr 1906 eingestellt.

Das andere Wahrzeichen ist die Pfarrkirche, deren Turm schon von weitem zu erkennen ist. Ursprünglich befand sich die erste Pfarrkirche aus dem Jahr 1570 an einem anderen Standort. Dann wurde jedoch am heutigen Standort eine Vorgängerkirche 1821 und 1822 erbaut und schließlich, nach einem Brand, zwischen 1894 – 1897 die heutige katholische, neugotische Pfarrkirche St. Martin. Nur der klassizistische Westturm wurde vom Vorgängerbau übernommen. Alle drei Altäre werden von Reliefdarstellungen und Figurenschmuck geprägt. Der Hochaltar zeigt heilsgeschichtliche und biblische Szenen. Die beiden Seitenaltäre sind der Heiligen Maria und dem Heiligen Josef geweiht. Sehenswert sind noch die Fenster im Chor mit Darstellungen von kirchlichen Festen und die Glasfenster in den Querarmen. Taufstein und Kanzel runden das Bild schließlich ab. Aus der ehemaligen, heute säkularisierten Abtei St. Maximin in Trier stammen die beiden unvollständigen Steinfiguren des Heiligen Andreas und Heiligen Johannes an der Außenseite des Chores.

Der schon erwähnte Niederprümer Hof wurde Anfang des 18. Jhs. erbaut und diente unter anderem als Weingut des aldligen Damenstiftes Niederprüm. Heute ist das Gebäude ein Kulturzentrum, in dem auch eine ständige Ausstellung über den Moseldichter Stefan Andres und das Pater-Haw-Museum untergebracht sind.

Schon Ende des 17. Jh. gab es in Schweich eine jüdische Gemeinde, die im Jahr 1820 sogar eine Schule und eine Synagoge besaß. 1862 wurde eine neue Synagoge errichtet, im Innenraum ein großer Saal mit im Westen vorgelagertem Raum. Von hier aus führt die Treppe zur Frauenempore. Das Rundfenster über dem ehemaligen Thoraschrein lässt das Licht der aufgehenden Sonne einfallen. 1989 wurde die Synagoge wieder hergerichtet und ist heute Kulurzentrum, in dem Ausstellungen, Lesungen und Konzerte stattfinden.

Die knapp 2 km außerhalb gelegene Molitorsmühle am Föhrenbach stammt aus dem Jahr 1824 und ist vollständig erhalten. Erbaut wurde sie als Loh-, Öl- und Schleifmühle. Die Mühle wird während der Besichtigungszeiten samstags, sonn- und feiertags von 14 – 17 Uhr auch in Betrieb genommen. Für Gruppen gibt es auch Extra-Termine (Weitere Informationen: Tel.: 06502 1336 oder 06502 2253 oder 06502 4310; E-Mail: info@molitorsmuehle.de, Internet: http://www.molitorsmuehle.de/)

Erwähnenswert sind noch die Wegkapelle in der Hofgartenstraße, sie befindet sich im Chorbereich der alten Pfarrkirche, sowie der prächtige Kreuzigungsbildstock an der Westwand der alten Schule aus dem Jahr 1709.

Zwei Namen sind mit Schweich und der Bahnhofstraße unweigerlich verknüpft: zum einen steht hier das Haus (Nr. 1), in dem am 26.5.1871 der Gründer des nach ihm benannten sozial-caritativen Werkes des Johannesbundes Johannes Maria Haw geboren wurde. Im Johannesbund (heute in Leutesdorf am Rhein ansässig) arbeiten verschiedene Gruppen und Gemeinschaften zusammen: die Johannesschwestern von Maria Königin sowie die Missionare vom heiligen Johannes dem Täufer. Außerdem gehören mehrere Einrichtungen zum Johannesbund, die v. a. Resozialisierungs-, Bildungs- und Pflegeaufgaben wahrnehmen. (weitere Informationen: http://www.johannesbund.de)

Zum anderen verbrachte wenige Meter weiter (Haus Nr. 5) der am 26. Juni 1906 in Trittenheim-Dhrönchen (Breitwies) geborene Schriftsteller Stefan Andres seine Jugend. In Köln, Jena und Berlin studierte Andres Theologie und Germanistik. 1937 verließ er mit seiner Familie Hitler-Deutschland, kehrte 1950 zurück, bevor er 1961 endgültig nach Italien übersiedelte. Andres verband in seinen Romanen und Erzählungen antike Sinnenhaftigkeit mit christlicher Mystik. Sein bekanntestes, im übrigen autobiographisches Werk ist wohl ‚Der Knabe im Brunnen’, aus dem Jahr 1953 (Lesetipp: Andres, Stefan: Der Knabe im Brunnen; Roman; 336 Seiten; ISBN 978-3-423-13459-0; Euro 12,50; dtv):

„Für den kleinen Steff, jüngstes von sechs Kindern des Müllers Stefan Ainert, ist die dörfliche Welt seiner Heimat erfüllt mit Wundern. Er schaut in den Brunnen – und sein Spiegelbild verwandelt sich in einen armen Jungen, der dem Wassermann die Gänse hüten muß. Engel und Teufel geistern durch seine Phantasie und beleben die herbe Schönheit des Mosellandes. Voller Humor schildert Stefan Andres die kauzigen und originellen Gestalten des Dorfes und zeichnet ein unvergeßliches Porträt der Eltern. Es ist in leicht verschlüsselter Form seine eigene Kindheit, eine Kindheit voller Spannungen zwischen der neugierigen Lust auf das Leben und den Hemmungen durch die engen religiösen und konventionellen Grenzen.“ (dtv)

Andres fand auf dem deutschen Friedhof im Vatikan Campo Santo Teutonico seine letzte Ruhestätte. Seine 2003 verstorbene Frau Dorothee ist ebenfalls dort beerdigt

Heute hat sich die in Schweich im Niederprümer Hof ansässige Stefan-Andres-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, das geistige Werk des Dichters zu verwalten: eine ständige Ausstellung im Niederprümer Hof, eine Bibliothek, die Verleihung des Stefan-Andres-Preises, die Herausgabe der ‚Mitteilungen der Stefan-Andres-Gesellschaft’ und andere Initiativen. (weitere Informationen: http://www.stefan-andres-gesellschaft.de/).

Im Herzen der Stadt, an der Ecke Bernhard-Becker-Straße/Stefan-Andres-Straße stellt der von Johannes Scherl phantasievoll gestaltete Stefan-Andres-Brunnen in plastischer Form Stationen des Lebens von Andres dar. (Beschreibung: http://rs-schweich.bildung-rp.de/Unsere-Schule/StefanAndres/A-Brunn.htm)