Bad Hönningen – Bad Breisig (ca. 1 km) – Burg Rheineck (ca. 2,5 km) – Reuterslei – Brohl-Lützing (ca. 2 km) – Hohe Buche (ca. 2,5 km) – Namedy (ca. 5 km) – Andernach (ca. 7 km) – Weißenthurm (ca. 5,5 km) = ca. 25,5 km

Schwierigkeitsgrad: hoch

Besichtigungen: Bad Breisig, Namedy, Andernach

Zeitbedarf: ca.  6 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Tagesimpuls: Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen. Dazu brauchen wir keinerlei Waffen: unsere Waffe nennt sich unser Verstand! Und was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen. Nur – wir müssen geduldig sein, dann dauert es nicht mehr lang." (Xavier Naidoo: Was wir alleine nicht schaffen; aus: Telegramm für X, 2005)

Sage:

Die Andernacher schlafen lange;

Im Schlafe schlägt man keinen tot;

Doch vor den Linzern weicht ihr bange

Zur Seite, weil euch Todschlag droht.

 

Einst hatte zwischen Andernachern

Und Linzern lange Krieg getobt;

Ihr wißt, daß mit den Widersachern

Noch heut kein Mädchen sich verlobt.

 

"Gesegnen wirs den Siebenschläfern!"

Hieß es zu Linz beim Morgenschein.

"Wohlauf, so soll den faulen Schläfern

Das letzte Brot gebacken sein."

 

Die Rechnung ohne Wirt zu machen,

Das widerrät ein altes Wort.

Denn wenn auch alles schläft, so wachen

Die Bäcker doch am faulsten Ort.

 

„Den Bäckern dürfen wir vertrauen;

Sie stehn, das Brot zu backen, auf;

Wenn sie den Feind von fern erschauen,

So wecken sie uns in den Kauf."

 

Hierbei blieb eins nur unerwogen;

Daß Bäcker auch und Bäckerskind

Nicht aus der Ferne hergezogen,

Nein, selber Siebenschläfer sind.

 

Wenn sie das Brot gebacken haben,

So liegen sie davor gestreckt,

Am Morgenschlummer sich zu laben,

Wenn schon der Feind die Zähne bleckt.

 

Den Linzern wär der Streich gelungen,

Sie äßen Andernacher Brot,

Wenn nicht zwei fremde Bäckerjungen

Den Meistern halfen aus der Not.

 

Sie waren auf den Turm gelaufen

Und standen, frischen Honigs satt;

Da sahen sie den Linzer Haufen,

Der überrumpeln will die Stadt.

 

Doch als sie jetzt ans Stadtthor rücken,

Was war der Bäckerknaben Gruß?

Die Bienenkörb in tausend Stücken

Schleudern sie ihnen vor den Fuß.

 

Da stechen ungezählte Summer,

Und hundert töten einen Mann;

Gewiß, da zog die beste Nummer,

Wer noch mit heiler Haut entrann.

 

Die Jungen zerren an den Glocken,

Auf stehn die Andernacher Herrn;

Sie finden in die Milch zu brocken,

Doch keinen Feind mehr nah und fern.

 

„Wir hatten trefflich uns gebettet;

Ja, solche Wacht empfahl Vernunft;

Und hat kein Bäcker uns gerettet,

So thats die junge Bäckerzunft."

 

Kommt ihr ins Thor, ihr seht inwendig

Noch heut die Bäckerjungen stehn.

Und halten sie die Wacht beständig,

Kein Linzer läßt sich leicht mehr sehn.

Karl Simrock: Rheinsagen – aus dem Munde des Volkes und deutscher Dichter. Eduard Webers Verlag (Julius Flittner) Bonn 189110

Die Sage der Andernacher Bäckerjungen aus dem 19. Jh. bezieht sich auf eine angebliche Fehde zwischen Linz und Andernach, die auf die Verlegung des Rheinzolles basieren soll. Tatsächlich aber verbindet sie drei verschiedene historische Ereignisse miteinander: im 14. Jh. wurde der Rheinzoll von Andernach nach Linz verlegt, nach dem burgundischen Krieg des Kölner Kurfürsten gegen Karl den Kühnen (siehe Neuss und Köln) bedankte sich der Erzbischof mit der Rückverlegung bei den Andernachern für die Unterstützung und schließlich konnte sich Andernach erfolgreich gegen niederländische Truppen wehren, die im Truchsessischen Krieg versuchten, Andernach zurückzuerobern.

Nachdem Sie gestern mehr oder weniger eine Flachetappe am Rhein entlang gepilgert sind, geht es heute zumindest auf der ersten Hälfte wieder auf die Höhen des Mittelrheintales. Wem die Etappe beim Blick auf die Karte körperlich zu anstrengend erscheint, kann auch bis Andernach auf die Strecke am Rhein entlang ausweichen. Durch die teilweise vierspurig ausgebaute B 9 ist dies jedoch nicht unbedingt eine angenehme Pilgerstrecke.

Rhein-Camino: Vom Bahnhof in Bad Hönningen gelangen Sie über die Bahnhofstraße rechts zur Hauptstraße, links in die Straße Auf dem Plänzer und kommen dann auf die Rheinallee. Dort wenden Sie sich nach rechts und können schon den Fähranleger der Personenfähre nach Bad Breisig sehen. Mit der ‚Brisiacum’ geht es im Sommer halbstündlich, im Winter stündlich über den Rhein. Bei Nebel fährt die Fähre nicht, dann sollten Sie auf die Autofähre ‚Sankta Maria‘, etwa 1200 m rheinaufwärts bei Rheinbrohl, ausweichen. Telefonisch erreichen Sie die Personenfähre unter Telefon 02633-95141 oder 0171-2376814.

Bad Breisig

Allgemeines: Die Verbandsgemeinde Bad Breisig ist eine Kurstadt im Landkreis Ahrweiler im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2007 auf 8895.

Anlaufstellen: Kath. Pfarrbüro Maria Himmelfahrt Niederbreisig, Koblenzer Straße 2, 53498 Bad Breisig, Tel.: 02633-9422, E-Mail: info (at) seelsorgereinheit-breisig. de; Gemeindebüro Evangelische Kirchengemeinde, Koblenzer Straße 61, 53498 Bad Breisig, Tel.: 02633-470500, E-Mail: badbreisig (at) ekir.de; Tourist-Information Bad Breisig, Koblenzer Straße 59, 53498 Bad Breisig, Tel.: 02633-19433, E-Mail: tourist-info (at) bad-breisig.de

Übernachtung: Freizeitpädagogisches Zentrum, Marienstraße 56, 53498 Bad Breisig, Tel.: 02633-95498, E-Mail: info (at) fpz-eifeldorf.de, ÜF im DZ ab 42,80 Euro; Pension Haus Cordula, Frankenbachstraße 72, 53498 Bad Breisig, Tel.: 02633-95832, ÜF im DZ ab 45 Euro; Pension Haus Ännchen, Rheineckerstraße 6, 53498 Bad Breisig, Tel:. 02633-9446, ÜF im DZ ab 49 Euro

Geschichte: Der etwa 16 km lange Vinxtbach, an dessen Mündung in den Rhein Bad Breisig liegt, stellte die natürliche Grenze zwischen den beiden römischen Provinzen Ober- und Untergermanien, später auch die Sprachgrenze zwischen dem Nieder- und dem Moselfränkischen dar. Bodenfunde lassen hier auf eine Besiedlung in fränkischer Zeit schließen, woraus sich aus einer kleinen Siedlung bei einem Kloster im 14. Jh. ein Ort mit Marktrechten entwickelte. Eng ist Breisig schon seit der Gründung des Ortes mit der un­weit liegenden Stadt Andernach verbunden.

Rhein-Camino: Wenn Sie vom Fähranleger kommen, lohnt sich ein kleiner Abstecher durch die Stadt. Vielleicht stoßen Sie hier ja auch hier auf eine Jakobsmuschelmarkierung. Zur Zeit plant die Regional­gruppe Bad Breisig der Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz/Saarland von hier aus einen neuen Jakobs­weg in Richtung Trier zum Anschluss an die französischen Jakobswege (Stand August 2008). Auch ein Verbindungsweg nach Namedy und Andernach wird von der rührigen Regionalgruppe geplant, bei Redaktionsschluss war aber noch keine Streckenführung bekannt.

Sehenswürdigkeiten: Gehen Sie einfach geradeaus durch die Schmittgasse bis zur B9 und dann nach links. Nicht weit ist es bis zur Pfarrkirche St. Marien (Niederbreisig) mit der sehenswerten und ungewohnt vollständigen barocken Ausstattung. Rechts vom Hochaltar wird eine Kreuzreliquie aus dem 14. Jh. in einem Basaltgehäuse aufbewahrt. Diese Reliquie kam durch die Templer (die in Bad Breisig wie auch in Bad Hönningen einen Hof besaßen) zuerst in deren Donatuskapelle in Breisig. Nach dem gewaltsamen Untergang des Templerordens gelangte das Reliquiar in die Pfarrkirche.

Bis nach Oberbreisig und der romanischen Pfarrkirche St. Viktor mit der Darstellung einer weiteren Pilgerkrönung durch Jakobus d.Ä. sind es von der Pfarrkirche aus etwa 1000 m, hin und zurück also rund 2 km.

Rhein-Camino: Ihr Jakobsweg verläuft am Rheinufer entlang bis zur Mündung des Vinxtbaches. Eine Informationstafel gibt Details bzgl. der o.e. Funkton als Grenzfluss bekannt. Hier unten stehen Sie vor dem hohen Burgfelsen der Burg Rheineck. Der Weg hinauf führt Sie über die B9 und unter der Bahn hindurch auf den Burgweg. Die Höhenburg aus dem 11. Jh. mit ihrer wechselvollen Geschichte wurde Anfang des 19. Jh. wieder aufgebaut. Sie ist seitdem im Privat­besitz, heutiger Eigentümer ist der Software-Unternehmer Kai Krause. Er lebt hier oben und nennt sie ByteBurg. Das alte Gebäude ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Vor der Burg geht rechts ein Trampelpfad mit der R-Markierung des Rheinhöhenweges ab, und Sie erreichen nach kurzem Anstieg die Reuterslei, ein fantastischer Aussichtspunkt mit freier Sicht vom Siebengebirge bis in die Koblenz-Neuwieder Talweitung. Alleine hierfür hat sich der steile Aufstieg hinauf zur Burg Rheineck gelohnt. Hier oben an der Reutersley gab es auch eine keltische Fliehburg. Diese nutzten die im Tal siedelnden Stämme bei kriegerischen Auseinandersetzungen als Rückzugsmöglichkeit.

Der Rheinhöhenweg (auch der Rheinburgenweg ist hier markiert) geht dann wieder hinunter nach Brohl-Lützing. Durch die Straße Im Sauerhals pilgern Sie weiter, der Bergstraße folgend, immer am Wald entlang. Am Ende der Bergstraße geht es links und wieder rechts in die Josef-Leusch-Straße hinein. 

Oberhalb des Ortes sehen Sie das Schloss Brohleck, ein villenartiger Bau, der eine wechselvolle Vergan­gen­­heit hat und nach dem Wiederaufbau 1891 heute vom neuen Besitzer restauriert wird. Es sind nur noch wenig Reste der Burganlage aus dem 14. Jh. erhalten. Zu Besichtigen ist es nicht, wenn Sie jedoch näher heranwollen, können Sie am Ende der Bergstraße nach rechts in die Burgstraße abbiegen.

Sie erreichen durch die Josef-Leusch-Straße die Brohltalstraße, folgen dieser nach rechts ein Stückchen und biegen links in die Straße Am Dicktberg ein. Hier zeigt die Markierung (Rheinburgenweg) wieder in den Wald hinein. Auch auf dem Dicktberg gab es eine Fliehburg, und da diese Rückzugsstätten (mit der Stätte ‚Auf dem Hahn‘ bei Bad Breisig) wie an einer Perlenschnur aufgezogen erscheinen, wird an diesem Rheinabschnitt wohl eine größerer Stamm gesiedelt haben.

Mit der Markierung des Rheinburgenweges geht es in Richtung des Vulkans ‚Hohe Buche‘ mit seiner wunderschönen Aussicht ins Rheintal. Zumindest der Laacher-See-Vulkan, etwa 6,5 km Luftlinie von hier, gilt als ‚ruhend‘, nicht erloschen, und die Wissenschaftler rechnen durchaus mit einer erneuten Aktivität in ferner Zukunft. Für die ‚Hohe Buche‘ brauchen Sie diese Befürchtung nicht zu haben, den letzten und wahrscheinlich auch einzigen Ausbruch gab es vor 11000 Jahren. Genießen Sie lieber die Aussicht und vielleicht eine kurze Rast.

Weiter geht es mit der Markierung, immer auf den Höhen, also ohne wesentliche Steigungen. Am Knopshof kommen Sie auf dem Wald heraus und passieren wenig später den Geishügelhof. Nach etwa 600 m biegen Sie nach links zum Hüttenhof ab und kommen dahinter wieder in den Wald. Jetzt schlängelt sich der Weg in einer großen Schleife hinunter zum Schloß Burg Namedy. 

Sehenswürdigkeiten: Schloss Burg Namedy befindet sich heute im Besitz der rheinischen Linie des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen. Hohenzollern? Ja, richtig, auch die preußischen Könige und die deutschen Kaiser von 1871 bis 1918 stammten aus der Familie Hohenzollern. Aus einer anderen Familien-Linie.

Ursprünglich ist das heute hufeisenförmig angelegte Schloss als Wasserburg im 14. Jh. erbaut, wobei ein noch älterer Adelshof einbezogen wurde. Dieser alte Teil bildet den Nordwestteil. Häufige Um- und An­bauten erfolgten in den folgenden Jahrhunderten; so ist heute noch ein Renaissanceerker mit einer Wap­penfigur und der Jahreszahl 1544 zu erkennen. Unter der Leitung der Schlossherrin Heide Prinzessin von Hohenzollern entwickelte sich das Schloss in den letzten Jahren zu einem kulturellen Zentrum mit Kon­zerten verschiedener Musikrichtungen und Theateraufführungen. Zudem kann es als Tagungshaus ge­bucht werden. Zu besichtigen ist das Schloss leider nicht.

Hier, am Schloss Burg Namedy, beginnt der Eifel-Camino, der Jakobsweg von Andernach nach Trier, welcher der alten Römerstraße auf der linken Moselseite durch die Eifel folgt und auf dem die Jakobs- und Matthias-Pilger schon seit Jahrhunderten ihren Weg in Richtung Südwest gegangen sind. Nun begleitet uns die Jakobsmuschel der Wegmarkierung des Eifel-Caminos auf den nächsten Kilometern.

Namedy wird 1200 erstmals urkundlich erwähnt, archäologische Funde deuten aber auf eine Besiedlung schon in keltischer Zeit hin. Die Pfarrkirche St. Bartholomäus geht auf das 1255 gegründete und 1588 untergegangene Zisterzienserinnen-Kloster zurück. Hier fanden in früheren Zeiten die Pilger eine Über­nachtungsmöglichkeit und Verpflegung. Der kleine, schlichte Chor ohne jegliche Ausschmückung zeigt noch heute die zisterziensische Herkunft. Die farbenfrohen alten Chorfenster laden zum Verweilen ein. Die Pieta stammt aus dem späten 16. Jh., die reich geschmückte Kanzel aus dem Jahr 1612 soll aus der Kölner St. Pantaleon Kirche stammen.

Rhein-Camino: Um nach Andernach zu gelangen, folgen Sie einfach den Jakobsmuschel-Markierungen des Eifel-Caminos. Es sind etwa 7 km. Wenn Sie sich auf Ihrem Weg am Rhein entlang halten wollen, kommen Sie an der Halbinsel Namedyer Werth vorbei. Hier wurde im Jahr 1903 ein Kaltwassergeysir erbohrt, der seit 2006 auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Dort lässt man kontrolliert den Geysir 50 bis 60 m hoch springen. Ein faszinierendes Naturschauspiel (Infos: www.geysir-andernach.de; Tel.: 02632-298420).

Andernach

Allgemeines: Die Stadt Andernach liegt im Landkreis Mayen-Koblenz im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2007 auf 29676.

Anlaufstellen: Kath. Pfarrbüro Maria Himmelfahrt, Agrippastraße 13, 56626 Andernach, Tel.: 02632-30313, E-Mail: maria-himmelfahrt (at) t-online.de; Gemeindeamt Evangelische Kirchengemeinde, Karo­lingerstraße 18, 56626 Andernach, Tel.: 02632-43959, E-Mail: andernach (at) ekir.de; Tourist-Information Andernach, Laufstraße 4, 56626 Andernach, Tel.: 02632-298-420, E-Mail: info (at) andernach.net

Übernachtung: Hotel zum Stadion, Stadionstraße 10, 56626 Andernach, Tel.: 02632-43878, ÜF im DZ ab 40 Euro; Gasthaus Lenzgen, Eicher Straße 21, 56626 Andernach, Tel.: 02632-82816, ÜF im DZ ab 42 Euro; Bürgerhaus Eich, Krayer Straße 2, 56626 Andernach, Tel.: 02632-82317, ÜF im DZ ab 44 Euro; Pension Inge und Josef Wagner, Antel 33, 56626 Andernach, Tel.: 02632-47270, ÜF im DZ ab 45 Euro

Geschichte: Wie Neuss am Start Ihres Jakobsweges, so ist auch Andernach eine römische Gründung und gehört zu den ältesten Städten Deutschlands. Neuss wurde 16 v. Chr. gegründet, das heutige Ander­nach wurde von den Römern als Kastell im Jahr 12 v. Chr. in der Nähe einer keltischen Siedlung ange­legt. Bei Ausgrabungen fand man im Sommer 2008 einen Rheinhafen gefunden, der vom 1. bis zum 5. Jh. von den Römern genutzt wurde (und dann noch bis zum 14. Jh. in Betrieb war). 395 n. Chr. wurden die rheinischen Gebiete den Franken überlassen, die schließlich unter Chlodwig I. 486 die endgültig neuen Herren in Germanien waren.

Im frühen Mittelalter wurde Andernach zum merowingischen Königssitz und schon 588 wird in einem Gedicht von einer Schiffsreise auf der Mosel nach Andernach und Leutesdorf berichtet. 883 wurde die Stadt von den Normannen überfallen, die die Vorstadt und die Kirchen und Klöster außerhalb der Stadt­mauern zerstörten. Damit endete auch die Handelsbeziehung zu Haithabu, der Wikingerstadt im hohen Norden (vgl.: Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt – Ein Pilgerwanderführer für die Via Jut­landica). Nachdem Andernach in späteren Jahren zur Königspfalz wurde, geriet die Stadt zur Jahrtau­sendwende in die Auseinandersetzungen zwischen den Erzbistümern Trier und Köln, die beide ihre Machtansprüche hier manifestieren wollten. Dabei wurde z. B. 1144 der alte Königshof zerstört. Gegen Ende des 12. Jh. konnte sich dann aber Köln durchsetzen, Kaiser Friedrich Barbarossa schenkte aus Dankbarkeit dem Kölner Erzbischof den Königshof Andernach. Jetzt gehörte Andernach weltlich zum Erzbistum Köln, geistlich jedoch zu Trier – und geriet wieder in die Auseinandersetzungen um die Macht. Es folgte eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte, die Stadt wurde über die römischen Stadtmauern hinaus nach Osten erweitert. Mit 5 Toren war die gesamte Stadt von der mittelalterlichen Stadtmauer um­schlossen. Daran war an der Südost-Seite die Kölner Burg angebaut, mit jeweils einem Tor nach außen und nach innen. Beeindruckend muss die mittelalterliche Stadt schon ausgesehen haben, mit ihren insgesamt 15 Türmen, davon 5 Türme der kurkölnischen Burg. Mehrere Klöster siedelten sich innerhalb und außerhalb der Stadt an: ein Minoritenkloster, die Probstei eines Benediktiner-Klosters und das Annunziatenkloster. Außerhalb der Stadtmauern lagen die Abtei St. Thomas und am Martinsberg St. Martin.

Als 1365 der Kölner Kurfürst den einträglichen Rheinzoll von Andernach nach Linz verlegte, kam es zu Unruhen und schließlich stürmten und zerstörten die Andernacher die kurkölnische Burg. Das konnte der Erzbischof nicht auf sich sitzen lassen und belagerte und eroberte die Stadt im Jahr 1367.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Andernach von den Schweden besetzt, welche die Stadtbefestigung teilweise zerstörten und die Stadt bei ihrem Abzug in Brand setzten. Im Pfälzer Erbfolgekrieg wurde Andernach von den Truppen Ludwig XIV. besetzt und beim Abzug erneut in Brand gesteckt.

Auch von Andernach existieren noch Belege über den Durchzug von Pilgern, darunter sicherlich auch Jakobspilger. So werden im Staatsarchiv in Koblenz Almosenrechnungen des Ander­nacher Hospitals aus dem 14. Jh. aufbewahrt, die sich hauptsächlich auf ungarische Pilger auf ihrem Weg nach Aachen beziehen. Pilgerreisen von hier nach St. Mattheis in Trier zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen sind ebenfalls belegt.

Sehenswürdigkeiten: Bis hierhin waren es anstrengende, aber landschaftlich wunderschöne 20 km. Weißenthurm, das Tagesziel, ist noch rund 5,5 km entfernt – allerdings ohne Steigungen. Vielleicht möchten Sie lieber selektiv an die vielfältigen Sehenswürdigkeiten von Andernach herangehen; deshalb be­schränke ich mich auf die kurze Beschreibung der Sehenswürdigkeiten mit dem Höhepunkt, der Liebfrau­enkirche bzw. dem Mariendom. Damit weiß ich natürlich, dass ich dieser schönen und historisch wich­tigen Stadt nicht gerecht werden kann. Wenn Sie also an weiteren Informationen interessiert sind: Die Touristen-Information bietet gut organisierte und detailreiche Stadtführungen an.

Runder Turm, Konrad-Adenauer-Allee/Kirchstraße: Der Runde Turm ist das Wahrzeichen Andernachs. Der Wehrturm wurde zwischen 1440 und 1453 im Auftrag des Rates erbaut und bildete den nordwest­lichen Eckpunkt der Stadtmauer. Bis zur Turmspitze ist er 56m hoch und die Mauern sind teilweise 5m dick. Damit ist er der höchste Wehrturm am Rhein. Der Runde Turm bildete das bürgerliche Gegenstück zur Bischofsburg, die im Südosten errichtet wurde. Auf der runden Basis wurde ein Achteckaufsatz er­richtet, wie er beispielsweise von der Burg Reifenberg im Taunus überliefert ist.

Alter Krahnen, Rheinpromenade: 1561 wurde der Steinkran, an Stelle eines hölzernen Schwimmkrans aus der Zeit um 1400, fertiggestellt und diente bis zum Jahr 1911 der Verladung von Weinfässern, Mühl- und Tuffsteinen. Er war zu seiner Zeit die größte Verladevorrichtung in deutschen Binnengewässern. Die Mechanik ist bis heute intakt. Zur Rheinseite ist ein Stadtwappen von 1566 mit dem Erzengel Michael eingelassen. Zur Stadtseite hin wird das Stadtwappen von kleinen Engeln getragen. In kriegerischen Zeiten war wohl vorgesehen, den Kran auch als kleine Bastion einzusetzen. Darauf deuten die Schieß­scharten hin. In Trier steht ein ähnlicher Alter Krahnen, der noch einmal rund 100 Jahre älter ist (vgl.: Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino).

Christuskirche, Läufstraße: Die evangelische Christuskirche war bis zur Auflösung in der Säkularisation Anfang des 19. Jh. die St.-Nikolauskirche des Minoritenklosters (Franziskaner). Dieses wurde um das Jahr 1240 das gegründet und wohl um die Mitte des 13. Jh. bis 1450 wurde die spätgotische Kirche erbaut. Sie gilt als eine der eindrucksvollsten und wichtigsten rheinischen Minoritenkirchen im Rheinland. Von dem Kloster sind nur noch Teile des Kreuzgangs und das Dormitorium erhalten. Leider ist die Aus­stattung fast völlig verloren, erhalten sind nur einige Grabmale, die Wappen der Stifterfamilie von Virne­burg und ein stark beschädigtes Nischengrabmal aus dem 14. Jh. Dennoch sollten Sie probieren, ob die Kirche geöffnet ist. Die lichtdurchflutete Halle bietet mit ihrer Schlichtheit den idealen Ort für ein kurzes Innehalten.

Rheintor (Kornpforte), Konrad-Adenauer-Allee/Rheinstraße: Um 1200 herum wurde dieses Stadttor als Haupttor zur Rheinseite hin errichtet und ist damit die älteste Doppeltoranlage im Rheinland. Leider stammen nur noch der Grundriss und die unteren Mauerteile aus der Erbauungszeit. Sein heutiges Aus­sehen stammt aus dem Ende des 19. Jh. und lehnt sich an die Gestaltung des 17. Jh. an. An der Stadt­seite sehen Sie zwei große Steinskulpturen, die aus der Spätromanik im 13. Jh. stammen. Wenn Sie genauer hinschauen, sind es wohl Soldaten oder Stadtwächter – dennoch werden die beiden Figuren seit über 100 Jahren als die Bäckerjungen aus der Bäckerjungensage bezeichnet. Die Sage konnten Sie in Versform schon oben lesen, der Hintergrund ist aber durchaus historisch.  Es geht dabei um eine angeb­liche Fehde zwischen Linz und Andernach, die auf der Verlegung des Rheinzolles basieren soll. Tatsächlich verbindet sie drei verschiedene historische Ereignisse miteinander: im 14. Jh. wurde der Rheinzoll von Andernach nach Linz verlegt, nach dem Burgundischen Krieg des Kölner Kurfürsten gegen Karl den Kühnen (siehe Neuss und Köln) bedankte sich der Erzbischof mit der Rückverlegung bei den Andernachern für die Unterstützung und schließlich konnte sich Andernach erfolgreich gegen nieder­ländische Truppen wehren, die im Truchsessischen Krieg versuchten, Andernach zurück zu erobern.

Mittelalterliche Wehranlagen: Zu den Befestigungen gehört z. B. auch die kurkölnische Burg, von der noch der Bergfried erhalten ist. Dieser wird jetzt als altkatholische Kirche genutzt und war seit 1836 das Gefängnis und in den Jahren 1911 bis 1922 eine Jugendherberge. Der Pulverturm der Stadtburg wurde erst in den letzten 20 Jahren restauriert. Von der teilweise noch erhaltenen Stadtmauer sind 6 der 10 Halbrundtürme noch vorhanden. Dazu zählt auch das Bollwerk, der früheren, am Rhein gelegenen, Zoll­station.

Hospitalkirche St. Joseph, Hochstraße (Krankenhausgelände): Die ehemaligen St. Nikolaus- und Elisa­beth-Kirche des Annuntiatenklosters wurde 1739 geweiht und ist innen spätbarock gestaltet. Die schöne Ausmalung der Kirche zeigt unter anderem die Gründung des Ordens durch Johanna von Valois.

Historisches Rathaus, Hochstraße: Das Rathaus wurde ursprünglich in der 2. Hälfte des 16. Jh. erbaut. Die große Besonderheit ist das sich über drei unterirdische Etagen erstreckende jüdische Ritualbad. Die ‚Mikwe‘ diente zur rituellen Reinigung besonders der Frauen nach der Menstruation oder dem Wochenbett und musste dem jüdischen Glauben zufolge fließendes Wasser haben; deshalb ist es hier noch heute mit dem Rhein verbunden. Es ist das einzige erhaltene Zeugnis der Juden, die noch vor 1287 nach einem angeblichen Ritualmord unter den ersten Pogromen zu leiden hatten und zu dieser Zeit erstmals aus der Stadt vertrieben wurden.

Johannes-Nepomuk-Statue, Johannesplatz: Diese Darstellung des heiligen Nepomuk stammt aus dem 17. Jh. Entlang der Koblenzer Straße entdecken Sie weitere schöne Bildstöcke, die jedoch teilweise in schlechtem Zustand sind.

Maria Himmelfahrt, Agrippastraße: Liebfrauenkirche, Mariendom – dies sind die Namen, die der katho­lischen Pfarrkirche und Bischofsdom von den Andernachern gegeben werden. Zweifellos stellt die Kirche den Höhepunkt Ihres Rundganges durch das historische Andernach dar. 1194 wurde die ursprüngliche Kirche, über deren Aussehen wir heute wenig wissen, dem Erzbischof von Trier vom Kaiser geschenkt.

Die mächtige Basilika steht dort, wo sich das römische Kastell befand. Unmittelbar neben der Kirche fand man vor zwei Jahren bei Bauarbeiten ein römisches Bad. Unter der heutigen Kirche sind karolingische Grabstellen gefunden worden. Von einem Nachfolgebau des frühen 12. Jh. ist nur der romanische Nord­ostturm erhalten. Die reich gestaltete Westfront gilt als eines der schönsten Beispiele der kölnischen Ar­chitektur des 13. Jh.  Vier gewaltige Türme schmücken den Dom. Obwohl sich Stilelemente vieler Epo­chen an der Kirche widerspiegeln, erscheint sie doch sehr ausgewogen und harmonisch. Bei Restau­rierungsarbeiten wurde weiterhin entdeckt, dass die Außenseite in früherer Zeit zumindest teilweise verputzt und farblich gefasst war.

Wenn Sie das Innere der Kirche betreten, überrascht die Höhe. Auch der Innenraum wurde im rheini­schen Stil ausgemalt, um die Architekturelemente noch stärker hervorzuheben. Auch sollten die ver­wendeten Materialien durch eine Übermalung wertvoller erscheinen, deshalb verwendete man ein regel­mäßiges Fugennetz oder Marmorierungen. Seltener sind in der kölnisch-rheinischen Romanik figürliche Darstellungen zu finden. Die großen Wandbilder an der Westwand, Maria mit Jesuskind und den heilige Christopherus darstellend, sind deshalb wohl erst nach 1500 entstanden. Die Kreuzigungsdarstellung in der Kapelle des Südost-Turms stammt aus dem 13. Jh. und musste stark überarbeitet werden. Der Chor ist erst 1929 mit den Mariendarstellungen neu ausgemalt worden.

Die Glocken der herrlichen Basilika sind bis weit über Andernach hinaus zu hören. Vier von den insge­samt sieben Glocken haben die Jahrhunderte und die vielen Kriege überlebt. Die ältesten stammen aus der Zeit um 1300, eine kann genau auf den 17.10.1356 datiert werden, eine andere wurde 1639 gegos­sen. Drei kleineren Glocken wurden 1999 gestiftet.

Für den Frühsommer 2009 (29. Mai?) ist die Eröffnung des Geysir-Erlebniszentrums geplant. Hier erfährt man (fast) alles über den Eifel-Vulkanismus, insbesondere das Naturphänomen des Kaltwassergeysirs von Namedy.

Rhein-Camino: Sie merken, Andernach mit seinen vielfältigen Zeugnissen der rheinischen und deut­schen Geschichte, lässt sich nicht einfach im Vorübergehen erfassen. Wenn Sie sich näher für die Stadt oder das benachbarte Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal und deren Geschichte interessieren, kommen Sie doch einfach einmal für ein verlängertes Wochenende wieder.

Am schnellsten erreichen Sie unser heutiges Etappenziel Weißenthurm, wenn Sie am Bahnhof vorbei auf der Breite Straße stadtauswärts gehen. Dabei können Sie bis hinter dem Stadion der Jakobsmuschel-Markierung des Eifel-Caminos folgen. Stadtauswärts kommen Sie auch noch an der St.-Michaelskapelle vorbei. Im 13. Jh. wurden das Kloster Unsere Liebe Frau vor den Mauern zu St. Thomas (vor 1482 hieß es St. Maria) und die Kapelle errichtet. Die Ursprünge reichen bis in das 6. Jh. zurück. Der erhaltene Wehrturm des Klosters stammt aus dem 14. Jh. und diente nach der Säkularisation zunächst als Turmwindmühle und dann als Wasserturm.

Immer geradeaus, über Schillerring und Stadionstraße, geht es über die Bahngleise. Direkt dahinter führt ein Weg nach links, ein Stückchen an der Bahnstrecke entlang, und dann nach rechts in Richtung Wei­ßen­thurm. Sollten Sie der Stadionstraße weiter folgen und später auf einen der Feldwege nach links abbiegen, können Sie Weißenthurm ebenfalls kaum verfehlen. Hier verlassen Sie die Muschel-Markie­run­gen des Eifel-Caminos wieder.

Weißenthurm

Allgemeines: Die Stadt Weißenthurm liegt im Landkreis Mayen-Koblenz im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2007 auf 7768.

Anlaufstellen: Kath. Pfarrbüro Hl. Dreifaltigkeit, Kirchstraße 6, 56575 Weißenthurm, Tel.: 02637-2140, E-Mail: pfarramt-weissenthurm-kettig (at) online.de; Gemeindebüro Evangelische Kirchengemeinde, Bethelstraße 14, 56575 Weißenthurm, Tel.: 02637-2276, E-Mail: evkircheweiss (at) aol.com; Stadt­ver­wal­tung Weißenthurm, Hauptstraße 185, 56575 Weißenthurm, Tel.: 02637-9202-0, E-Mail: info (at) weissenthurm.de

Übernachtung: Pension Wald, Steinacker 13, 56575 Weißenthurm, Tel.: 02637-8281, Ü im DZ 30 Euro, Selbstversorgerküche; Pension Milles, Steinacker 24, 56575 Weißenthurm, Tel.: 02637-5247, ÜF im DZ 50 Euro

Geschichte: Auch hier in der Gemarkung Weißenthurm fanden sich Siedlungsspuren aus der Jungstein­zeit und des keltischen Treverer-Stammes. Besondere Bedeutung gewann die junge Stadt aber zur Zeit des römischen Kaisers Julius Cäsar, der hier in der Nähe in den Jahren 55 und 53 v. Chr., wahrscheinlich über die heutigen Rheininseln Weißenthurmer und Urmitzer Werth, innerhalb von wenigen Tagen eine Brücke schlagen ließ. Damit demon­s­trierte er den unruhigen Germanen-Stämmen auf der rechten Rheinseite die römische Überlegenheit. Der heute wieder im ursprünglichen Weiß erscheinende Grenzturm gab der Stadt ihren Namen. Hier verlief die Grenze zwischen den Kurfürstentümern Köln und Trier. Wahrscheinlich wurde er unter dem Trierer Erzbischof Werner von Falkenstein um das Jahr 1400 herum gebaut und 1550 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Er stand direkt an der vielbefahrenen Handelsstraße und ehemaligen Römerstraße von Mainz nach Köln und wird so sicher ein einträgliches Geschäft ermöglicht haben. Aber erst ab dem Ende des 16. Jh. entwickelte sich langsam eine Ansiedlung.

1797 hat der französische General Lazare Hoche hier seine Truppen über den Rhein geführt und ist kurz nach seinem Sieg bei Neuwied gestorben. Sein Grab- und Denkmal steht im heutigen Hoche-Park.

Nach den Plänen des Koblenzer Baumeisters Johann Claudius von Lassaulx, der uns in Koblenz-Stolzen­fels und auch immer wieder an der Mosel ‚begegnet’, wurde 1837/38 die neue, große Dreifaltigkeits-Kir­che an Stelle einer aus dem 18. Jh. stammenden Kapelle gebaut. Die Kirche ist im Stil der reinen Neo­romanik gebaut und auch bei den Restaurierungen in den 70er Jahren des 20. Jh. erhalten geblieben.