6. Tag Rendsburg – Westerrönfeld (4 km) – Jevenstedt (8 km) – Stafstedt (9 km) = ca. 17 km

Schwierigkeit leicht

Zeitbedarf ca. 4 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Sage:

Der Kanal

Von dem großen Kanal, der nun das Land von der Ostsee nach der Elbe durchquert, ist schon lange vorher geredet worden. Man sah Schiffe über die Moore und Hügel und durch die Marschniederungen fahren, besonders häufig ein ganz weißes Schiff. „Hest dat sehn“, sagte 1895, als der Kanal eröffnet wurde und die Kriegsschiffe zum ersten Mal hindurch fuhren, der alte Johann Harder in Nübbel, „hest dat sehn, gistern föhrn de Schep dör de Rüster Bargen; hebbt wi dat ni al ümmer seggt?“ Und als Mars Sievers in Hamweddel die ‚Hohenzollern‘ sah, rief er aus: „Dar is dat witt Schipp!“

Trina Lemke ging einmal mit zwei anderen Frauen von Westerrönfeld nach Rendsburg auf den Wochenmarkt. „Oh, kiek mal“, rief sie plötzlich, „dar föhrt en grot Schipp dwass öwer den Weg! Dar sünd Kanonen op un Lütt in witt Tück.“ „Ach wat“, sagen die andern beiden, „warüm seht wi denn nix“, und sie lachten darüber. Als dann der Kanal gebaut wurde, sollte er zuerst bei Büdelsdorf auf der Eider entlang geführt werden, und es hieß: „Nu kriggt Trina doch ni Recht.“ Später wurde der Kanal doch da gebaut, wo Trina das Schiff gesehen hatte, und man erinnerte sich, dass an genau derselben Stelle ein Bauer aus Westerrönfeld, als er eines Nachts aus Rendsburg zurückkam, seine Pferde nicht über den Weg hatte bringen können.

Heute beginnt unser Camino an der Stele mit der Entfernungsangabe nach Santiago de Compostela: 3152 km. Es geht bis zum Fußgängertunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal. Auf den mit 55,19 m längsten Rolltreppen Westeuropas geht es in die 21,47 m tiefe und 130 m lange Tunnelröhre.

Die ersten Pläne für eine Verbindung zwischen Nordsee und Ostsee reichen wohl bis ins 7. Jh. zurück. Von Haitabu an der Schlei, über die Treene bis zur Eidermündung in die Nordsee waren nur etwa 16 km Landstrecke zu überwinden. Die leichten Wikingerschiffe schafften das auf Ochsenkarren.

Es gab dann kleinere Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals, die aber für Seeschiffe nicht geeignet waren. 1864 gab Bis­marck mit Beginn des Deutsch-Dänischen Krieges eine Untersuchung in Auftrag. Er wollte einen Kanal, um nicht unter dänischen Kanonen mit der Flotte durch den Skagerrak zu müssen. Gegen den Widerstand des Generalstabs überzeugte Bismarck Kaiser Wilhelm I. von der Notwendigkeit des Kanalprojektes. Die Grundsteinlegung erfolgte 1887, die feierliche Eröffnung nach 8jähriger Bauzeit am 21. Juni 1895. Noch heute zahlen wir die Sektsteuer (Schaumweinsteuer), die eingeführt wurde, um den Kanalbau zu finan­zieren. Der Nord-Ostsee-Kanal ist fast 99 km lang, auf Wasserhöhe zwischen 102,5 m und 162 m breit und hat eine Tiefe von 15 m. Bei Kiel und Brunsbüttel wird er durch Schleusen gegen die Gezeiten ab­geschottet. Die Querung der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt ist seit Kaisers Zeiten kostenlos.

Der weitere Jakobsweg ist gut markiert und Sie erreichen nach etwa 2,5 km Westerrönfeld. Der kleine Ort am Nord-Ost­see-Kanal wurde 1437 erstmals urkundlich erwähnt und diente im 30jährigen Krieg den Rendsburg belagernden schwedischen Truppen als Quartier.

Von hier aus geht es weiter durch die Felder nach Jevenstedt, vorbei an Schülp und Bramkamp. Jeven­stedt wird 1190 erstmals urkundlich erwähnt, war aber mindestens schon seit der Eisenzeit besiedelt. Die ausgedehnten Wälder um Jevenstedt wurden im 17. Jh. für die Stadterweiterung in Rendsburg abgeholzt.

Die Via Jutlandica wird immer in der Nähe der B 77 weiter Richtung Süden geführt. Bei Spannan überqueren Sie schließlich die B 77, der weitere Weg führt durch Waldstücke bis nach Stafstedt.

Stafstedt

Die Gemeinde Stafstedt gehört zum Amt Jevenstedt im Landkreis Rendsburg-Eckernförde. Am 31.12. 2012 betrug die Einwohnerzahl 341.

Übernachtung: Leider gibt es hier in Stafstedt und auch am Zielpunkt unserer morgigen Etappe keine Übernachtungsmöglichkeiten. Deshalb schlage ich vor, dass Sie in Hohenwestedt ein Zimmer für zwei Nächte buchen. Der Busfahrplan im Mai 2014 gibt den letzten Bus von Stafstedt nach Hohen­westedt für 17:39 Uhr an (nur an Werktagen, Samstag und Sonntag keine Busverbindung). Große Änderungen sind da nicht zu erwarten, jedoch sollten Sie dies noch bei z. B. www.bahn.de überprüfen.

Eine Alternative ist die Abkürzung der Etappe und Übernachtung im Historischen Landhaus Spannan, direkt an der Via Jutlandica. Das erreichen Sie nach etwa 13 Kilometern, würde Ihnen also am Morgen Zeit lassen, Rendsburg ausgiebig zu besichtigen. Die Eigentümerin führt mit ihrem Team ein sehr gastfreundliches Haus, die Übernachtungspreise sind moderat und die Küche außergewöhnlich und absolute Spitze.

Überarbeitet und aktualisiert am 15. Mai 2014