Osann-Monzel – Eberhardts-Klausen – Klüsserath = ca. xx km
Schwierigkeit mittel

Zeitbedarf 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen
Besichtigungen Wallfahrtskirche Klausen, Klüsserath

Guten Morgen, wir hoffen, Sie haben gut geschlafen und wünschen Ihnen für die heutige Etappe wunderschönes Wetter.

Heute geht es über den Marien-Wallfahrtsort Eberhards-Klausen nach Klüsserath. Jährlich pilgern aus der näheren und weiteren Umgebung über 100.000 Menschen nach Klausen, v. a. im Marienmonat Mai, um die Gottesmutter um Hilfe in vielerlei Anliegen zu bitten oder ihr zu danken.

In Monzel gehen Sie zurück auf den Moselhöhenweg ‚M’ und folgen diesem wieder nach Westen am Monzeler Hüttenkopf entlang auf die Eifelhöhen. Zwar gibt es auch einen Pilgerweg nach Klausen, der auch markiert und in manchen Landkarten als Wallfahrt-Schleife eingetragen ist, der folgt aber im Wesentlichen einer Landstraße und ist zudem als Fahrradweg ausgewiesen. Deshalb schlagen wir Ihnen vor, zunächst das Auf und Ab des sicherlich reizvolleren Moselhöhenweges in Kauf zu nehmen.

Es geht also hinauf bis zur Schutzhütte Minheim mit dem Gnadenbild der Muttergottes, das zum kurzen Innehalten einlädt. Dies ist mit 431 m über NN der höchste Punkt des heutigen Tages und erlaubt eine herrliche aussicht bin hin nach Wittlich. Zum Zeitpunkt der Begehung im Februar 2007 war an einer Wegmarkierung eine handschriftliche Notiz ‚Klausen 2 km – spätgotische Wallfahrtskirche’ angebracht – aber auch ohne diesen Vermerk können Sie den Weg nicht verfehlen. Folgen Sie einfach dem Weg vor der Schutzhütte nach rechts. Der gut ausgebaute Weg führt von hier immer bergab in Richtung Klausen und schon bald können Sie die Wallfahrtskirche vor sich im Tal liegen sehen.

Die Wallfahrtskirche in Eberhardts-Klausen geht auf den Tagelöhner Eberhard im 15. Jh. zurück. Er stellte an der Stelle der heutigen Kirche eine Pieta, eine Darstellung der schmerzhaften Mutter, d.h. Maria mit dem gekreuzigten Jesus im Arm, auf. So oft es ihm möglich war, besuchte er diese Figur. Als ihm die Grundherren der Umgebung ein Stück Land zur Verfügung stellten, baute er 1442 mit Unterstützung der Bewohner eine Hütte (clausa). Auch besorgte er eine Glocke und einen eisernen Leuchter. Eine neue Mariendarstellung, die der ersten glich, stellte er an ein Fenster auf der Südseite, die Nordseite war geöffnet und zum Schutz vor Dieben mit einem Eisengitter verschlossen. Schon jetzt kamen Pilger und hinterließen Opfergaben vor dem Marienbild. Da diese aber oft gestohlen wurden, baute sich Eberhard schließlich eine Hütte neben dem Marienhäuschen und lebte dort als Klausner. Diese Klause ist neben der Gnadenkapelle in der Wallfahrtskirche immer noch zu sehen.

1444 erhielt Eberhard die Genehmigung zur Errichtung einer Kapelle und riss das Marienhäuschen ab. Die ständig wachsenden Pilgerzahlen machten schon in den Jahren 1447/48 eine Erweiterung der Kapelle nötig – die kleinere Kapelle wurde nicht abgerissen, sondern wahrscheinlich integriert. 1449 wurde die Kirche der hl. Maria geweiht. Die heutige spätgotische Wallfahrtskirche wurde 1502 eingeweiht.

Lassen Sie uns einen kleinen Rundgang durch die Wallfahrtskirche machen. Meister Johann Eltusch aus Antwerpen schuf bis 1480 einen der schönsten Hochaltäre in Deutschland. Die Bauzeit wird auf 40-50 Jahre geschätzt – ein ganzes Lebenswerk. Der Altar besteht aus drei Teilen – links die Vorbereitung der Kreuzigung, mittig die Kreuzigung und rechts die Abnahme vom Kreuz. Ursprünglich war der Altar ein Doppelflügelaltar, die heute noch vorhandenen Flügelgemälde stammen von Hans Memmling aus der zweiten Hälfte des 15. Jhs.. Die äußeren Flügel sind seit der Säkularisation im Jahr 1802 verschwunden.

Die barocke Kanzel im Mittelschiff ist ein besonderes Kleinod der Wallfahrtskirche. Die Verbindung mit dem darunter liegenden Beichtstuhl sollte den Gläubigen nach der Beichte ermutigen, das Wort Gottes zu hören. Auf der anderen Seite des Mittelschiffs entdecken Sie sieben weitere Beichtstühle, in denen die Darstellung jeweils eines Apostels eingearbeitet ist. Auch den Schutzpatron unserer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela – Jakobus d. Ä. – finden Sie über einem der Beichtstühle. Es waren ursprünglich 12, zwei befinden sich in Piesport und Dhron, zwei sind in der Pfarrkirche von Schweich bei einem Brand Opfer der Flammen geworden; von einem weiteren gibt es keine Informationen zum Verbleib. Hinten im Mittelschiff befindet sich ein sehr großes Gemälde, auch darin können Sie mit ein wenig Suchen einen Pilger mit den typischen Pilgerattributen Hut, Stab, Kalebasse und Muschel erkennen.

Einige wertvolle Holzschnitzereien sind noch im Mittelschiff zu entdecken. Rechts der Kanzel die hl. Anna Selbdritt, d.h. als Darstellung mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Die Initialen ‚RI’ im Sockel könnten auf den großen Tilman Riemenschneider hindeuten. Links der Kanzel zeigt die Holzschnitzerei Maria Königin, die Figur stammt aus dem Jahr 1700. Ein Bildnis des Heiligen Augustinus, einer der bedeutendsten Kirchenlehrer und Philosophen an der Zeitenwende von der Antike zum Mittelalter, stammt aus dem 17. Jh. und ist am Aufgang zum Chorgestühl links im Mittelschiff angebracht.

Bevor wir uns nun in der Gnadenkapelle umsehen, werfen Sie doch noch bitte einen Blick nach oben in das außergewöhnlich schöne Netzgewölbe. Besonders sind die aus Sandstein gehauenen Schlusssteine. Sie zeigen die Apostel, Heilige, die Wappen kirchlicher und weltlicher Würdenträger. Und auch die Wappen der am Bau beteiligten Handwerker.

Bei dem Gnadenaltar in der Kapelle handelt es sich um einen neueren Nachbau des ursprünglichen Altares. Dabei verwendete man Teile des Lettners, der früher das Mittelschiff vom Chor trennte. Der Mittelteil mit den zwei Gnadenbildern ist neuer und wurde um 1900 zusammengefasst. Auch die eisernen Seitentüren und das große Tor am Turm gehörten zum Lettner. Die Vertäfelung wurde 1927 eingebaut, die fünf Barockreliefs darin stammen aus der Zeit um 1700. Auffallend sind die zahlreichen handgeschmiedeten Leuchter, die hauptsächlich aus dem 30jährigen Krieg und der Pestzeit stammen (17. Jh.). Auf einer Plakette sind die stiftenden Pfarreien oder Personen genannt – und an den Jahreszahlen auf den Kerzen erkennt man, wie lange schon von dort die jährlichen Wallfahrten stattfinden.

In Ihren Pilgerpass gibt man Ihnen gerne im Pfarrhaus einen Stempel. Größere Pilgergruppen während der Wallfahrtszeit zwischen Mai und Oktober sollten sich anmelden. Die E-Mail-Anschrift ist pfarramt@klausen.de, die Telefonnummer 06578 218. Auch Kirchenführungen können Sie so für eine Gruppe vereinbaren.

1461 wurde das bei der Kirche erbaute Kloster der Augustiner Chorherren aus der Windesheimer Kongregation geweiht. Dieser reformierte Orden aus Holland verlangte eiserne Disziplin und Demut. Täglich vier Stunden mussten die Brüder in ihrer Zelle Bücher abschreiben – an Sonn- und Feiertagen sogar zu aller verfügbaren Zeit.

Damit blieb es nicht aus, dass die Klosterbibliothek der Augustiner schon bald einen der größten Buchbestände innerhalb des Erzbistums Trier hatte. Sicher ist heute, dass es sich um 180 Handschriften, 139 Inkunabeln (Frühdrucke vor 1500) und einige tausend anderer Schriften handelte.

Die Bibliotheksräume wurden gegen Ende des 15. Jhs. über der Sakristei erbaut und gelten als Beispiel einer wohldurchdachten, malerischen Ausgestaltung eines klösterlichen, nicht unmittelbar kirchlichen Zwecken dienenden Raumes. Die Spitzbogenfelder der Wandflächen sind nämlich mit Malereien bedeckt, die Anfang des 16. Jhs. entstanden sind (Spätgotik). 19 Personen verteilen sich auf sechs Felder, jeweils drei bilden eine Gruppe, die durch Spruchbänder miteinander und mit dem Raum in Beziehung gesetzt wurden. Der Schluss liegt nahe, dass die Darstellung der Personen sich auf die Anordnung und Aufstellung der Bücher bezieht. Ab 1802, während der Säkularisation, blieb die Bibliothek geschlossen und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Es blieb nicht aus, dass die Bücher und die Räume im Laufe der Jahrhunderte Schaden durch Feuchtigkeit, Schimmel und Bücherwurm nahmen. Im Jahr 1999 konstituierte sich ein Freundeskreis der alten Klosterbibliothek, der Maßnahmen zum Erhalt der Bücherei unternimmt. Im Jahr 2006 konnte der Freundeskreis die renovierte Bibliothek der Öffentlichkeit präsentieren. Die ehrenamtliche Arbeit, der unermüdliche Einsatz zum Erhalt der vielen einzigartigen Bücher und Handschriften kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Weitere Informationen über den Freundeskreis erhalten Sie unter http://www.klosterbibliothek-klausen.de/.

Unser Jakobsweg und der Mosel-Camino führen nun nach auf dem mit ‚7’ bezeichneten Weg nach Süden, zunächst neben der L 50, dann auf einem Wiesen- und Feldweg Richtung Piesport hinauf zum rechter Hand an exponierter Stelle befindlichen Klausenkreuz. „Anno 1699 hat der ersame Henrich Hart und seine Hausfraw Catarina v Piesport dis Creuz lassen aufrichten zu Ehren der Mutter Gottes“ ist hier zu lesen; man ahnt, welch starker Gottes- und Marienglaube die Menschen damals geprägt haben muss.

Weiter geht’s zum Piesporter Heiligenhäuschen. Nicht sonderlich gepflegt, lädt es mit einem Misereor-Hungertuch von 1976 ‚Christus im Lebensbaum – Hoffnung für alle’, einer Madonnastatue (aus Gips?) und seinen beiden Sesseln zu einer etwas ungewöhnlichen Art von Besinnung und Meditation ein.

Jetzt geht es weiter auf dem Moselhöhenweg, immer dem ‚M’ entlang. Nach etwa 1,5 km müssen Sie aufpassen, dort zweigt der Weg unvermittelt nach rechts ab. Dennoch sollte man es sich nicht nehmen lassen, zunächst mal auf dem asphaltierten Weg einen kleinen Abstecher zu machen, um nach 250 m, hoch über der Mosel, am ‚Großen Moselblick’ die herrliche Aussicht auf Neumagen, Piesport und andere Moseldörfer zu genießen. Wenn Sie Glück haben, können Sie auch den Paragleitern und Drachenfliegern zu sehen, die hier eine Startrampe haben.

Zurück auf dem Moselhöhenweg geht es nun durch Wälder und wunderschöne Wiesenlandschaften mit tollen Ausblicken auf den fernen Hunsrück zur Waldkapelle am Hansenberg. Fromme Menschen haben sie erst kürzlich renoviert, den Zuweg befestigt und sorgen für Blumenschmuck. Ständig brennen Kerzen zu Ehren der Muttergottes: ein rechter Ort zum Gebet.

Schließlich geht es die letzten Kilometer, immer dem ‚M’ folgend, erst durch einen Wald, dann am Waldrand entlang bis zur Klüsserather Schutzhütte. Von hier dauert es nun nicht mehr lange, bis man auf die ersten Weinberge stößt. Auf dem Wirtschaftsweg geht es nun hinab nach Klüsserath.

Klüsserath

Allgemeines:  Klüsserath gehört zur Verbandsgemeinde Schweich im Landkreis Trier-Saarburg und  im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 1111. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt Rosenkranzkönigin, Kirchstraße 1, 54340 Klüsserath, Tel. 06507 4672; Tourist-Information "Alte Ökonomie", Kirchstraße 3, 54340 Klüsserath, Tel.: 06507 3099, E-Mail buergermeister@kluesserath.de

Übernachtung: Weingut Herres, Hauptstrasse 177, 54340 Klüsserath, Tel.: 06507 99123, E-Mail ferienweingut.herres@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 38,- Euro; Ferienweingut Jostock-Lex, Hauptstraße 127, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 4500, E-Mail weingut.jostock-lex@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 40,- Euro; Hotel Zum Rebstock, Salmstraße 8, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 93510, E-Mail moselrebstock@t-online.de; Doppelzimmer/Frühstück ab 23,- Euro; Straußwirtschaft ‚Zur alten Salmbrücke’, Hauptstraße 3, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 4633, Doppelzimmer/Frühstück ab 20,- Euro

Sicher kennen Sie auch als Nicht-Weintrinker die Klüsserather Bruderschaft. Durch diese typischen Mittelmosel-Weinlage sind Sie in den Ort hinuntergekommen. Es handelt sich um eine der größten zusammenhängenden Südhänge der Mosel mit ca. 90 Hektar Rebfläche und bis zu 83 % Hangneigung.

Das klassische Straßendorf erstreckt sich auf einem recht schmalen Streifen zwischen der steilen ‚Bruderschaft’ im Norden, der aus der Eifel kommenden Salm im Westen und dem Moselufer im Süden auf einer Länge von knapp 2 km. „Lang wie Klüsserath“ hat an der Mosel sprichwörtlichen Charakter.

Wahrscheinlich ist Klüsserath eine keltische Gründung. Und der berühmte römische Dichter Ausonius hat schon 371 über Klüsserath in seier ‚Mosella’ geschrieben: "Da, wo längs des Stromes grünende Matten sich dehnen, wo schäumend die Salm, ungebärdig, kein verächtlich Wässerlein, sich mit Mosella eint, ist, sonst in der Landschaft Friede, mein Heimatland, mein neues. Mit Wild und Fisch und Reben, wo wären sie reicher zu finden! Diana, Göttin der Jagd, schütze du die Heimat, die neue." Urkundlich erwähnt wird Klüsserath immer wieder ab 634. 1270 wird die Wasserburg, heute im Privatbesitz, urkundlich erwähnt. 1295 berichten die Urkunden von der Pfarrkirche St. Remigius und später auch St. Michael. Ab 1304 wird eine größere Kirche gebaut, deren gotischer Chor noch im heutigen Bau aus dem Jahr 1787 zu sehen ist.

Wenn Sie am Abend noch ein wenig durch Klüsserath schlendern, können Sie einige Zeugnisse der großen Vergangenheit entdecken. Die Pfarrkirche mit dem spätgotischen Chor und dem Grab des Kreuzfahrers Richard von Hagen (1449) wurde oben schon erwähnt. Die Wasserburg mit dem großen gotischen Gewölbekeller wurde 1270 erstmals urkundlich erwähnt und wird heute privat bewohnt. An der ehemaligen Gerichtslinde können Sie noch die alten Eisenringe für die Häftlinge sehen. Der Echternacher Hof stammt aus dem 18. Jh. und ist aus Bruchsandstein errichtet. Schließlich besitzt so manches Winzerhaus in Klüsserath noch die Bausubstanz aus dem 17. Jh.