Bad Honnef (Bahnhof) – Rheinbreitbach (ca. 5 km) – Unkel (ca. 4 km) – Erpel (ca. 4 km) – Kasbach (ca. 2 km) – Ockenfels (ca. 1 km) – Linz (2 km) – Dattenberg (ca. 2 km) – Ariendorf (ca. 4 km) – Bad Hönningen (ca. 2 km) = ca. 26 km

Schwierigkeitsgrad: geringe Steigungen

Besichtigungen: Rheinbreitbach, Unkel, Linz, Bad Hönningen

Zeitbedarf: ca.  6 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Tagesimpuls: ‚Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt?‘ (Römer 2,4)

Sage:  Das Auge Gottes

Unweit von Unkel, im Ort Bruchhausen, gibt es noch heute "Die Alte Burg", der Sitz der Grafen von Spee (von Kaiserswerth) und Broichhausen im 17. Jh. Von einer Burg ist weit und breit nichts mehr zu sehen, nur noch einzelne Mauerreste wuchtiger Fundamente zeugen im Haus davon, dass hier in alten Zeiten wirklich eine Burg gestanden hat. Vor langer Zeit starb der alte Graf, der das Wild in seinen Wäldern stets geschont und gepflegt hatte. Der junge Graf, gewalttätig und ohne Mitleid, stellte dem Wild bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach. Wenn er es vor die Büchse bekam, mordete er die wilden Tiere und ließ die Kadaver achtlos liegen. Einmal jedoch fand dieses wilde Jagen ein jähes Ende. Vor eine Hirschkuh, die er gerade oberhalb von Rheinbreitbach erlegen wollte, schob sich schützend ein großes Auge und blickte den furchtbaren Jäger durchdringend an. Der junge Graf nahm die Flinte herunter und blickte zitternd in das Auge Gottes. Dann eilte er nach Hause; später fand man ihn erhängt an einem Dachbalken. Die alte Burgherrin schenkte ihren Bauern die Freiheit und an der Stelle, an der dem Grafen das Auge Gottes erschienen war, errichteten die dankbaren Untertanen ein Kapellchen. Am Giebel blickt auch heute noch ein großes Auge den  Besucher streng und dennoch väterlich gut an.

Rhein-Camino: Am einfachsten ist es, wenn wir die heutige Tagesetappe am Bahnhof beginnen lassen. Gehen Sie geradeaus in die Menzenberger Straße und folgen dem Straßenverlauf, bis diese in die Karl-Simrock-Straße übergeht. Sollten Sie in der Jugendherberge übernachtet haben, brauchen Sie nur durch die Schulstraße oder die Brunnenstraße südlich zu gehen und gelangen ebenfalls zur Karl-Simrock-Stra­ße, die am Menzenberg endet. Sie sind jetzt auf dem Simrock-Freiligrath-Weg, der Sie über Rheinbreit­bach bis Unkel begleiten wird. Das Weingut Menzenberg hier oben wird schon im 17. Jh. erwähnt. Folgen Sie der Wegmarkierung des Simrock-Freiligrath-Weges. An den ersten Häusern von Rheinbreitbach be­finden Sie sich schon in Rheinland-Pfalz. Folgen Sie der Karl-Simrock-Straße bis zur Abzweigung Vons­bach und gehen dann nach halblinks in die Hauptstraße.

Sehenswürdigkeiten: Rheinbreitbach, Ihre erste Tagesstation auf dem Rhein-Camino am heutigen Tag, liegt auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Unkel. Schon die Brüder Grimm, die Dichter Freiligrath und Simrock und der Schriftsteller Rudolf Herzog (Die vom Niederrhein) lebten und arbeiteten zumindest zeitweise in dem Ort. Am Virneberg z. B. ließen schon die Römer Kupfer abbauen, damals noch im Tage­bau. Wahrscheinlich wurde Rheinbreitbach von den Franken gegründet und 966 als Breitbach urkundlich erwähnt. Seit 1604 heißt der Ort am Jakobsweg dann Rheinbreitbach. Er war im Mittelalter durch vier befestigte Tore und einen Wallgraben geschützt. Die Virneburg zur Sicherung des Silber-, Kupfer- und Bleibergbaus ist untergegangen.

Die sehenswerte katholische Pfarrkirche St. Maria Magdalena stammt aus der Spätgotik des 15. und 16. Jh. Im 20. Jh. wurde die Kirche erweitert. Die Ausstattung ist überwiegend barock. Der Hochaltar wird im Jahre 1620 erstmals erwähnt und erhielt wohl Ergänzungen im 18. Jh. Neben der Sakramentsnische ste­hen ca. 1 m große Holzskulpturen der Mutter Gottes und der Kirchenpatronin Maria Magdalena. Sie stam­men ebenfalls aus dem 18. Jh.

Teile der unteren Burg mussten nach starken Zerstörungen im 2. Weltkrieg einem Parkplatz weichen. We­­nige Ruinen sind noch zu sehen. Nur die obere Burg mit dem mächtigen Turm ist erhalten geblieben und wird heute als Bürgermeisteramt und für Veranstaltungen genutzt. 

Der Hauptgrund des Abstechers in den Ort ist die aus dem 17. Jh. stammende Leonarduskapelle an der Hauptstraße. Diese war früher eine bekannte und viel besuchte Wallfahrtskirche und wurde im Truch­ses­sischen Krieg zerstört. 1655 begann man dann, die heutige Kapelle zu bauen. Später wurde die Kapelle mit einem bemerkenswerten Flügelaltar ausgestattet. Ein gleichzeitig gestiftetes Armreliquiar des hei­ligen Leonardus genoss besondere Verehrung. Diese Reliquie sowie die Ausstattung mit weiteren Gebei­nen, z. B. von Gefährtinnen der heiligen Ursula (siehe Köln) machte die Kapelle zu einem wichtigen Wall­fahrtsort.

Der heilige Leonhard von Limoges, oder, wie er auch genannt wird, Leonhard von Noblat, sollte im 6. Jh. eigentlich Bischof werden. Er hat sich aber geweigert und lebte in den Wäldern bei Limoges in Abge­schiedenheit. Er kümmerte sich um Verkrüppelte und die Gefangenen. Und so galt er bis in das 17. Jh. hinein als Schutzheiliger der Gefangenen. Nach der Reformation deutete man aber die Ketten in seiner Darstellung um und er wurde zum Schutzheiligen des bäuerlichen Viehs. Noch heute wird der Heilige besonders in Bayern verehrt. In Rheinbreitbach findet alljährlich am 06. November, seinem Namenstag, die Pferdesegnung statt. 

Der heilige Leonhard gründete in Noblat ein Kloster. Wenn Sie Ihren Jakobsweg über den Mosel-Camino nach Trier und dann weiter über Metz und Toul nach Vezelay fortsetzen, erreichen Sie dort die Via Lemo­vicensis (benannt nach der Stadt Limoges) in Richtung Saint-Jean-Pied-de-Port. Kurz vor Limoges liegt der Ort und das Kloster St.-Leonhard-de-Noblat, wo der Heilige begraben liegt.

Rhein-Camino: Von der Leonardus-Kapelle gehen Sie noch ein Stückchen weiter und biegen dann nach rechts in die Josefstraße ein. Nach nicht einmal 200 m geht der Mühlenweg links ab und führt Sie über die B42 und die Bahnstrecke hinunter zum Rhein. Am Rhein wieder nach links. Dann geht es immer strom­aufwärts, vorbei am Unkeler Schiffsanleger, bis Sie nach etwa 2 km nach links zur Pfarrkirche St. Pantaleon abbiegen. Sie können der Wegmarkierung U23 folgen, die Sie ein Stück durch die Altstadt zur Pützgasse, zum Gefängnisturm und an der Pfarrkirche St. Pantaleon vorbeiführt.

Unkel

Allgemeines: Unkel liegt im Landkreis Neuwied im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2007 auf 5048.

Anlaufstellen: Kath. Pfarrbüro St. Pantaleon, Corneliaweg 5, 53572 Unkel, Tel.: 02224-71550, E-Mail: pfarrbuero (at) pfarrgemeinde-unkel.de; Evangelische Kirchengemeinde, Fritz-Henkel-Straße, 53572 Unkel, Tel.: 02224-5433, E-Mail: trinitatis-unkel (at) online.de; Tourismus Siebengebirge, Stadt Unkel am Rhein, Linzer Straße 2, 53572 Unkel, Tel.: 02224-902822, E-Mail: info (at) unkel.de

Geschichte: Die erste urkundliche Erwähnung von Unkel im Goldenen Buch der Abtei Prüm war im Jahr 866. Es wurde Grabbeigaben aus der fränkischen Zeit in Unkel gefunden, die darauf hindeuten, dass Unkel schon im 7. Jh. besiedelt war. Schon Mitte des 11. Jh. kam Unkel in kölnischen Besitz. Erzbischof Anno II. gab aber die Einkünfte auf Lebzeiten an Richeza, Königin von Polen, zur Sicherung ihres Unter­haltes. Mit ihrem Tod erhielt Kurköln Unkel zurück und Anno II. gab es an das neugegründete Kölner Stift Maria ad Gradus. Ab 1475 gehörte Unkel der Linzer Eintracht an, einem Städtebündnis am Rhein, das gegenseitige Hilfe bei Auseinandersetzungen und ggf. beim Wiederaufbau nach Zerstörungen leistete. Eine offizielle Verleihung der Stadtrechte gab es wohl nicht, aber die Stadtbefestigung wurde 1553 errichtet, und 1578 wurde Unkel erstmals als kurkölnische Stadt aufgeführt. Ein Vertreter gehörte auch dem kurkölnischen Landtag an. Die heute noch vorhandenen Stadtmauer-Türme Gefängnisturm und Fronhof-Turm sind nicht mehr im Original erhalten. Der Gefängnisturm erhielt 1700 ein barockes Dach, der Fronhof-Turm ist 1803 komplett neugotisch umgebaut worden. 1803 kam Unkel an Nassau-Usingen und wurde im Wiener Kongress Preußen zugeschlagen.

Sehenswürdigkeiten: Zu den Sehenswürdigkeiten zählen insbesondere das Freiligrathhaus, ein Adels­palais von 1760, in dem der schon mehrfach erwähnte Dichter Freiligrath 2 Jahre gewohnt hat. Bei der Sternenburg handelt es sich um ein Patrizierhaus aus dem 16. Jh. mit einer reichen Ausstattung. Das dreiflügelige Bachem-Haus geht ebenfalls mindestens auf das 16. Jh. zurück und gilt mit den großen Gewölbekellern als eines der wenigen erhaltenen Beispiele eines Winzerhofes des 17./18. Jh.

Im alten Rathaus ist mit Original-Materialien das Arbeitszimmer von Willy Brandt nachgebaut worden. Neben Stefan Andres, Ferdinand Freiligrath, Leonhard Rheinirkens und Annette von Droste-Hülshoff hat auch der ehemalige Bundeskanzler in Unkel gelebt.

Ein besonderer Schatz ist die katholische Pfarrkirche St. Pantaleon, vor der Sie jetzt stehen. In der Gü­ter­überschreibung an das Mariengradenstift (Maria ad Gradus) im Jahre 1063 wurde bereits eine Kirche erwähnt. Die heutige, teilweise immer noch romanische Kirche, wurde im frühen 13. Jh. erbaut. Der Turm, Teile des östlichen Mittelschiffes und das Chorjoch stammen noch von der romanischen Basilika. Im 14. Jh. wurde die Kirche im gotischen Stil umgebaut und erhielt schießlich 1502 die heutige Form einer Hallenkirche.

Einen Rundgang sollten Sie am Friedhof beginnen. Ein traumhafter Blick über den Rhein und zum Sieben­gebirge belohnt Sie. Neben vielen alten Grabsteinen können Sie in der Nordwest-Ecke des Friedhofs ein 14-Nothelfer-Kreuz von 1714 entdecken.

Schon beim Eintritt in die Kirche fällt an einer Säule des Südschiffes die Darstellung des leidenden Men­schensohnes auf. Die Holzplastik des Ecce Homo stammt aus dem 14. Jh. Der barocke Hochalter stammt von 1705, das grosse Bild stellt die Heilung eines blinden Kindes durch den heiligen Pantaleon dar. Die silberne Ampel wurde 1696 in Augsburg gefertigt, Chorgestühl, Kommunionbank und Kanzel sind eben­falls barock. Der grosse Passionsleuchter ist eine spätgotische Schmiedearbeit von 1537. Das Taufbecken aus der Zeit um 1200, als spätromanisch, mit dem Bronzedeckel aus dem 20. Jh., ist das älteste Ausstat­tungsstück in St. Pantaleon. Und die 14-Nothelfer-Kapelle mit den lebensgrossen Holzstatuen der 14 Not­helfer, zu denen auch St. Pantaleon gehört, ist ein besonderes Schmuckstück der wunderschönen Kirche. 1728 haben Unkeler Bürger die Kapelle und die Darstellung der Nothelfer gestiftet. Der hölzerne Reliqui­en­schrein aus der Kölner Schule um 1460 zeigt auf den Längsseiten Szenen aus der Legende des heiligen Pantaleon.

Im Nordschiff steht der Herresdorf-Altar der Mariä Tempelgang in einem Steinrelief aus der Zeit um 1630 zeigt. Im Vordergrund auf der linken Seite erkennen Sie die Stifterfiguren aus der Kölner Bürgermeister-Familie Herrestorff. Vielleicht hat der Historiker Franz Kemp ja Recht, wenn er vermutet, dass sie Pilger­kleidung tragen. Mag sein, dass sie Pilgerreisen auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, nach Rom oder nach Jerusalem unternommen und dann den Altar gestiftet haben. Den Hinweis auf den Her­res­dorf-Altar und auf die Broschüre ‚Aus der Vergangenheit Unkels’ aus dem Jahr 1988 bekam ich von einem aufmerksamen Leser meiner Internetseiten. Vielen Dank dafür!

Der dreiflügelige Bau des Herresdorf-Hauses zur Rheinfront aus dem 17. und 18. Jh. ist ein Beispiel dafür, wie sehr die reichen Kölner Familien einen Sommersitz im heutigen Weltkulturerbe Mittelrheintal geschätzt haben.

Rhein-Camino: An der Rhein entlang gelangen Sie nach etwa 4 km in den Ort Erpel. Hinter Erpel kom­men Sie am Ostportal der ehemaligen Ludendorff-Brücke vorbei, die unter dem Namen „Brücke von Remagen" in die deutsche Geschichte eingegangen ist. Schon bei Kriegsausbruch 1939 wurde die Spren­gung der strategisch wichtigen Brücke vorbereitet. Als die amerikanischen Truppen jedoch am 7. März 1945 auf ihrem Vormarsch völlig überrascht vor der intakten Brücke standen, gelang es ihnen, den Rheinübergang weitgehend intakt zu erobern. Dennoch war die Brücke so stark beschädigt, dass sie am 17. März 1945 einstürzte. Auf der linken Rheinseite in Remagen wurde 1980 das interessante Friedens­museum eröffnet.

Es ist angenehmer für Sie, wenn Sie etwa 300 m hinter dem Ostportal der Brücke nach links unter der Bahn hindurch abbiegen und dann dem Weg nach rechts zwischen Bahngleisen und Wald wählen. Besonders bei trübem Wetter ist die vielbefahrene B42 nicht besonders einladend. Die Markierung ist K50. Nach ca. 2 km kommen Sie in den Ort Kasbach, der schon zur Verbandsgemeinde Linz gehört. Das Kasbachtal und der Kasbach bildeten schon im Mittelalter die Grenze zwischen dem Auelgau hinter und dem Engersgau vor Ihnen. Noch heute überqueren Sie hier die Grenze zwischen dem Erzbistum Köln und dem Bistum Trier.

An der Kasbachtalstraße wenden Sie sich nach links und gehen dann zur Markierung ‚R‘ des Rheinhöhen­weges und folgen der Markierung nach rechts immer weiter durch Ockenfels bis nach Linz. Burg Ocken­fels stammt wohl aus dem Anfang des 14. Jh. und wurde wahrscheinlich 1475 im Neusser Krieg zerstört. 

Linz

Allgemeines: Die Verbandsgemeinde Linz am Rhein liegt im Landkreis Neuwied im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2007 auf 5949.

Anlaufstellen: Kath. Pfarrbüro St. Martin, Am Totenborn 5, 53545 Linz, Tel.: 02644-2303, E-Mail: pfarramt.linz (at) arcor.de; Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde, Am Mannenberg 1, 53545 Linz, Tel.: 02644-1860, E-Mail: trinitatis.linz (at) online.de; Touristinformation im Alten Rathaus, Marktplatz 14, 53545 Linz, Tel.: 02644-2526, E-Mail: info (at) linz.de

Übernachtung: Pension Schützeichel, Zum Ziegenbusch 25, 53545 Linz, Tel.: 02644-3894, E-Mail: schuetzeichel-linz@t-online.de, ÜF im DZ 42 Euro, Einzelzimmer nur auf Anfrage; Privat-Pension Erna, Im Ellig 33, 53545 Linz, Tel.: 02644-2859, ÜF im DZ ab 36 Euro, Einzelzimmer nur auf Anfrage

Geschichte: In der Nähe von Linz bezeugt eine Ringwallanlage aus keltischer Zeit, dass die Umgebung schon vor unserer Zeitrechnung besiedelt war. Auf dem Stadtgebiet fand man 1936 Gräber aus frühfrän­kischer Zeit, und schließlich war Linz Mittelpunkt des Linzgaues. Dieser wurde 771 erwähnt. Die erste urkundliche Erwähnung von Linz selber findet sich im Jahre 874 in der Gründungsurkunde des Stifts Gerresheim. Damals wurde sicher auch schon eine Kirche gebaut, denn in dieser Urkunde sind Zehnt­rechte erwähnt, die nur dann erhoben werden durften, wenn eine Kirche bestanden hat.

Der Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg gab Linz um 1320 die Stadtrechte und die Burg Linz wurde 1365 erbaut. 1475 belagern kaiserliche Truppen die Stadt im Rahmen des Neusser oder Burgun­dischen Krieges (siehe auch dort, Belagerung von Neuss durch Karl den Kühnen).

1803 fiel Linz an Nassau-Usingen, aber schon 1815 wurde es im Wiener Kongress Preußen zugeschlagen. Im 19. Jh. wurde die Stadtmauer als überholt größtenteils abgerissen. Auch einige historische Bauten (wie z. B. die aus dem 15. Jh. stammende Ratskapelle) fielen der Expansion zum Opfer.

Stadtrundgang: Ein Rundgang durch das historische Linz lohnt sich immer. An den farbenprächtigen Häusern erkennen Sie schnell, warum sich Linz auch gerne und ohne jegliche Übertreibung als „Bunte Stadt am Rhein" bezeichnet. Aber beginnen wir doch unseren Stadtrundgang am Rhein.

Kurz hinterm Bahnhof kommen Sie auf der Uferpromenade am Haus Bucheneck vorbei. Diese klassi­zistische Villa wurde 1840 als Gasthaus für die damals schon zahlreichen Linzer Gäste errichtet. 1853 wurde das Haus in eine Sommerresidenz umgebaut. Heute ist es wieder ein Hotel. Ein Stückchen weiter rheinaufwärts geht es unter der Bahn hindurch zum Rheintor (1329) mit dem Wappen des Kölner Erz­bischofs Ernst von Bayern aus dem Jahr 1599. Schauen Sie sich einmal die vielen beeindruckenden Hochwassermarken am ehemaligen Turm der Stadtbefestigung an.

Wenn Sie sich hinter dem Rheintor links halten, kommen Sie zum Burgplatz mit seiner wertvollen Bebau­ung. Die kurfürstliche Kölner Burg wurde 1365 errichtet, leider sind nur noch die Fundamente und der runde Eckturm erhalten. Neben dem Doppelgiebelhaus aus dem 17. Jh. steht ein Fachwerkbau aus der Zeit um 1500. Gut ist der Hochwassernotausgang im ersten Stock zu erkennen. Der Brunnen in der Mitte des Platzes zeigt den „Linzer Strünzer". ‚Strunzen‘ ist im Rheinischen gebräuchlich für ‚angeben‘ (der Duden kennt noch eine weitere Bedeutung, auf die wir aber hier lieber nicht eingehen …), bezieht sich also auf den Linzer, der ein wenig zu Überteibungen neigt.

Wenn Sie der Rheinstraße folgen, gelangen Sie zum Marktplatz bzw. Kastenholzplatz. Augustin Kasten­holz war 1633 im 30jährigen Krieg Bürgermeister und wurde von den Schweden hingerichtet. In der Mitte des Platzes steht die Mariensäule, die 1878 an Stelle der Ratskapelle aus dem 15. Jh. errichtet wurde. Der Ratsbrunnen soll mit den Darstellungen von Volk und Rat die Politiker daran erinnern, dass sie vom Volk gewählt und überwacht werden. Das Rathaus stammt aus den Jahren 1517 bis 1527 und wurde an der Stelle eines Vorgängerbaues aus dem 14. Jh. errichtet. Hier ist auch die Tourist-Informa­tion untergebracht. Das Glockenspiel erklingt jeweils um 12:15 h, 15:15 h und 18:15 h.

Vor dem Rathaus stehend wenden Sie sich nach links und gelangen zur Marienkirche. In dem eher un­spektakulären Kirchenbau aus dem Jahr 1967 befindet sich ein kunsthistorisches Kleinod. Hinter dem Altar fällt sofort der dreiflügelige Marienaltar aus dem Jahr 1463 ins Auge. Gestiftet wurde er vom Zeit­genossen des Nikolaus von Kues, dem Linzer Gelehrten und päpstlichen Legaten Tilman Joel. Das Gemäl­de gilt als das erste Kunstwerk aus der Kölner Schule des 15. Jh. Die Darstellung von Christus und Maria auf einer Thronbank ist recht selten. Zwar ist das Fertigstellungsjahr über dem Fensterbogen auf der Außenseite des linken Flügels mit 1463 gut zu erkennen und der Stifter mit seinem Wappen im linken unteren Bildrand auf dem rechten Flügel dargestellt, den Namen des Künstlers konnten die Kunsthisto­ri­ker aber bisher nicht feststellen.

Nun sind es nur noch wenige Schritte bis zur Pfarrkirche St. Martin. Sie ist der eigentliche Grund, dass Sie auf Ihrem Rhein-Camino auf die rechte Rheinseite gewechselt sind. Denn 1861 sind besondere Wand­malereien aus der Zeit um 1230 wieder entdeckt worden, darunter eine Pilgerkrönung. Aber dazu später mehr.

Am Fuß der Treppe hinauf zu St. Martin sehen Sie das heute im Privatbesitz befindliche Vikariehaus, ein typisches Beispiel für die repräsentativen Fachwerkbauten des 17. Jh. in Linz.

Hier, oberhalb der Stadt, hat sicher schon in fränkischer Zeit eine Kirche gestanden. Die Einkünfte aus dem Zehnt waren ausdrücklich für die Versorgung des Gerresheimer Stiftes mit Wein vorgesehen. Dafür sorgte das Stift für den Unterhalt des Pfarrers und den Bau und die Erhaltung der Kirche. Auch das Patro­nizium des heiligen Martin deutet auf einen fränkischen Ursprung hin. Bei Bauarbeiten in der Kirche fand man 1981 Gräber und Fundamentreste der Vorgängerkirche. So ganz glaubwürdig sind die Grundstein­legung (1206) und Weihe (1214) der ‚neuen‘ Kirche nicht überliefert. Denn der Trierer Erzbischof Johann von Trier, der die Weihe vorgenommen haben soll, war schon 1212 verstorben. Die nicht ganz ausgewo­gene äußere Erscheinung der Kirche rührt daher, dass dem Stift Gerresheim wohl während der Bauzeit das Geld ausgegangen war, weil dort die neue Stiftskirche 1236 geweiht wurde. 1240 wurde aber der eindrucksvolle Chor von St. Martin fertiggestellt. Die dreischiffige Basilika vereint heute spätromanische, gotische und spätgotische Architektur.

Wenn Sie im Mittelschiff des Innenraumes nach oben schauen, erkennen Sie im Gewölbe die herrlichen, spätgotischen Blumenmalereien aus dem 15. Jh. Auch in St. Martin treffen wir wieder auf Stiftungen des in Linz geborenen Tilman Joel. Für die Ratskapelle hat er das Tafelbild aus der Zeit um 1460 am Altar des südlichen Seitenschiffs bestellt. Heute ist der ‚Gnadenstuhl‘ ein Blickfang in der Kirche. Im Kirchenschatz befindet sich auch ein Tilman-Joel-Kelch aus der Mitte des 15. Jh. Ursprünglich war das Sandsteinrelief oberhalb des Kirchenpatrons angebracht – zum Schutz vor Zerstörung wurde das Original von Anfang des 16. Jh. im Chor aufgestellt und draußen durch eine Kopie ersetzt. Auf der Südempore befindet sich der Nikolausaltar mit einer wunderschönen spätgotischen Holzfigur des heiligen Nikolaus. Der Taufstein in der Sebastianuskapelle stammt aus dem 16. Jh. Im nördlichen Seitenschiff findet sich eine im Jahr 2005 fachmännisch restaurierte Madonna aus Terracotta. Sie stammt vom ehemaligen barocken Hochaltar aus dem ausklingenden 17. Jh.

Die großen Besonderheiten der Pfarrkirche St. Martin sind jedoch die Wandmalereien, vermutlich im Ba­rock übertüncht und im 19. Jh. wieder freigelegt. Wie so oft hat die Umgestaltung einer Kirche im 17. Jh. wertvolle Wandmalereien zerstört und auch hier ist teilweise der Originalbestand unwiederbringlich verlo­ren.

Auf der Westempore entdecken Sie ein Wandbild aus 16. Jh., es stellt Szenen der Verkündigung, der Ge­burt Christi, der Verkündigung an die Hirten und die Anbetung der Heiligen Drei Könige dar. Schließlich findet sich dort auch noch die Stifterfamilie wieder.

Noch älter, aber wohl aus einer zweiten Ausmalungsphase in der Mitte des 13. Jh., ist die Ausmalung des Mittelschiffs. Dazu gehört auch die Darstellung des heiligen Martin, des Patrons der Kirche, auf der Süd­seite des Mittelschiffs. Auf der Nordseite befindet sich die Darstellung der heiligen Katharina mit dem Rad in der Hand.

Wieder auf der Südseite befindet sich eine der ausführlichsten Darstellungen einer Pilgerkrönung in Deutsch­land, wohl aus der Zeit um 1230. Auf vier Wegen pilgern die Menschen auf den heiligen Jakobus d.Ä. zu, der ein Pilgerpaar mit einer Krone krönt. Deutlich sind Mann und Frau als Pilger zu erkennen, tragen sie doch die typischen Attribute der Pilgerschaft: Pilgerstab mit der Kugel am oberen Ende, Pilger­hut und den Umhang. In der Mitte steht der Apostel Jakobus d.Ä. im römischen Gewand seiner Zeit, die Toga mit einer Jakobsmuschel geschlossen. Jakobus blickt christusgleich entrückt in die Ferne, sein Kopf wird von einem Heiligenschein umschlossen.

Diese Darstellung der Pilgerkrönung durch den Apostel Jakobus gibt es nur im deutschsprachigen Raum, und nur wenig mehr als 30  sind bekannt und erhalten. Bis auf einige wenige konzentrieren sich diese Darstellungen auf den südlichen Teil des deutschen Sprachraumes. Neben der großartigen Wandmalerei in der Linzer Pfarrkirche ist die spätromanische Darstellung auf einem Sandsteinrelief am südlichen Chor­eingang des Freiburger Münsters wohl die älteste und bedeutendste. Auf der anderen Rheinseite in Ober­breisig und in Niedermendig, leider etwas abseits unseres Pilgerweges, sind ebenfalls Darstellungen der Pilgerkrönung erhalten. Vielleicht auch Stiftungen nach einer geglückten Rückkehr? 

Wenn heute die Jakobspilger in der Kathedrale von Santiago de Compostela die Steinfigur des Apostels umarmen, so gibt es schriftliche Belege aus der zweiten Hälfte des 13. Jh. dafür, dass ausschließlich deutsche Pilger einer Krone ihre Referenz erweisen und ein Sonderopfer für die Kirchenfabrik darbringen mussten. Über die Gründe können wir nur spekulieren, die ursprüngliche Bedeutung war schon im Hoch­mittelalter wieder vergessen. Der Servitenmönch Künig von Vach beschreibt in seinem Jakobus-Pilger­führer aus dem Jahre 1495 eine himmlische Krone und bezieht sich dabei auf die einzigartige Darstellung des gekrönten Apostels in der Kathedrale. Der deutsche Ritter und Abenteurer Arnold von Harff berichtet, dass sich die Bürger von Compostela über die Deutschen lustig machten, die eine Leiter hinaufstiegen, um sich mit der silbernen Krone des Jakobus zu krönen. Dr. Rudolf Plötz, aus dessen Beitrag ‚Jakobus Maior. Geistige Grundlagen und materielle Zeugnisse eines Kultes‘ (erschienen in: Klaus Herbers und Dieter R. Bauer: Der Jakobuskult in Süddeutschland. 1995. Narr Verlag) diese Informationen stammen, nimmt an, dass die Pilgerkrönung auf den Investiturstreit um die Führung der Christenheit zwischen Papst und Kaiser zurückgeht. Dieser wurde zwar offiziell 1122 durch das Wormser Konkordat beigelegt, jedoch tatsächlich erst 1245 durch ein Machtwort von Papst Innozenz IV. beendet. Andere Deutungs­ver­suche bringen die Krönung mit der ‚Krone des Lebens’, die den Auserwählten, und dazu könnten die Pil­ger zählen, in Verbindung. Warum dies aber nur die deutschen Jakobspilger sein sollten, wird nicht er­klärt. Schließlich könnte die Krönung der deutschen Pilger auch mit der Legende der Befreiung des Ja­kobs­weges durch Karl den Großen zusammenhängen. Danach ist der Apostel Jakobus Karl dem Großen im Traum erschienen und hat ihm das Versprechen der himmlischen Krone für die Befreiung Spaniens von den Mauren gegeben. So ist es im Pseudo-Turpin, dem vierten Buch des ältesten erhaltenen Pilger­wanderführers, des Liber Sancti Jacobi, beschrieben.

Wir werden kaum die Deutung dieser herrlichen Wandmalerei ergänzen können – aber wir können einen Moment innehalten und an die vielen, vielen Pilger denken, die allen Widrigkeiten zum Trotz den be­schwer­lichen und gefährlichen Weg nach Santiago de Compostela auf sich genommen und am Grab des Apostels für sich selbst, ihre Familien und Freunde und für die gesamte Menschheit gebetet haben.

Ob Linz im Mittelrheintal schon im Mittelalter ein Ort am Jakobsweg war, kann eindeutig mit Ja beant­wor­tet werden. Nicht nur, dass die deutschen Hauptzubringer nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela am Rhein entlang verliefen, Linz hatte auch Anbindung an die großen mittelalterlichen Han­delswege. Zum einen auf der anderen Rheinseite in Sinzig, wo die Aachen-Frankfurter Heer- und Königs­straße verlief, zum andern über eine Verbindungsstraße zur Westerwälder Süd-Nord-Straße, die zumin­dest zeitweise einen Teil des Andernacher Fernhandelsverkehrs aufgenommen hat. Die Pilger aus dem rechtsrheinischen Raum werden durch Linz gekommen sein, um dort über den Rhein zu setzen und ab Sinzig nach Aachen zur historischen Niederstraße zu kommen oder über Trier weiter nach Frankreich und Spanien zu reisen.

Die wichtigsten Belege für Jakobus-Pilgerschaften finden sich aber in den Taufbüchern der St. Martin- Kir­­che aus dem 18. Jh. In diesen wird unter dem Datum 1.11.1745 und 23.6.1764 von Pilgern auf dem Weg zum Apostel Jakobus in Compostela berichtet.

Dr. Heinrich Kanz schreibt zur Pilgerkrönung, der nahegelegenen Altstraße und den Belegen in den Tauf­büchern in seinem Buch ‚Die Jakobswege als Erste Europäische Kulturstraße‘ (Peter Lang, 1995, S. 262):

„Daraus darf doch wohl geschlossen werden, dass im 18. Jh. Santiago-Pilger durch Linz kamen. Viele Städte in Deutschland würden sich hoch schätzen, einen so eindeutigen Beleg für die Anwesenheit von Santiago-Pilgern zu besitzen. Bündelt man die Aussagen aus Linz (1 – 3), so ist die Hypothese zu wagen, dass das heutige Linz, vom rechten Rheinhöhenweg (von Wiesbaden bis Bonn) und Rheinuferweg be­rührt, im Mittelalter an einem möglichen Durchgangsweg nach Aachen zum mitteleuropäischen Jakobs­netz­werk gehörend, berechtigt wäre, sich mindestens als Zugangsort zur EEK (Ersten Europäischen Kul­turstraße) zu definieren."

Soweit unser kleiner Exkurs in die Forschung rund um die Wege der Jakobspilger in Deutschland. Für einen historischen Weg, der nicht mit den Weltkulturerbe-Wegen in Spanien und (teilweise) in Frankreich vergleichbar ist (in Deutschland wurden bestehende Altstraßensysteme genutzt), reicht es nicht aus, dass sich Jakobuspatronizien oder -darstellungen am Weg befinden. Die Historiker suchen nach eindeu­tigen Spuren. Für uns, als moderne Jakobspilger, ist das weniger wichtig. Wir brauchen wanderbare We­ge, die landschaftliche Schönheiten mit kulturellen und spirituellen Reizen verbinden.

Pilgern bedeutet auch Genießen. Nehmen Sie sich noch ein wenig Zeit, durch die historische Altstadt von Linz zu bummeln und vielleicht hier oder dort einen Kaffee zu trinken.

Rhein-Camino: Wenn Sie wieder zurück zum Rhein gehen, wenden Sie sich bitte vor der Bahnlinie nach links und folgen wieder dem gut markierten Rheinhöhenweg (‚R‘) bis nach Dattenberg. Von der Burg Dattenberg aus dem 13. Jh. ist nur noch der Bergfried erhalten, die schlossartige Villa jedoch ist schön restauriert und ein Schmuckstück. Dem Rheinhöhenweg können Sie bis Leubsdorf folgen. Es sind nur ein paar Schritte bis zur Pfarrkirche St. Walburga, die ursprünglich aus der 2. Hälfte des 13. Jh. stammt, heute aber nach einem Neubau 1903/1906 als neuspätgotisch erscheint. Die Kreuzigungsgruppe aus dem frühen 16. Jh. ist sehenswert – aber die thronende Madonna aus der Kölner Schule des frühen 14. Jh. hat sich über die Jahrhunderte ihren Liebreiz bewahrt und lohnt den Besuch.

Auf dem Ariendorfer Weg entlang der Bahn verlassen Sie Leubsdorf wieder. Dieser geht in die Rheintal­straße über und führt Sie nach etwa 2 km in den Ortsteil Ariendorf. Neben der ‚Burg Ariendorf’, einer gotisierenden Villa aus dem Jahr 1840, sind die Fachwerkkäuser aus dem 17. und 18. Jh. sehenswert. In der Ortsmitte steht die dem heiligen Johann Baptist geweihte Kapelle aus dem Jahre 1712. Von Ariendorf aus sind es nur noch wenig mehr als 2 km bis nach Bad Hönningen. Folgen Sie der Wegmarkierung H2 in unser heutiges Etappenziel hinein.

Bad Hönningen

Allgemeines: Die Verbandsgemeinde Bad Hönningen liegt im Landkreis Neuwied im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2007 auf 5685.

Anlaufstellen: Kath. Pfarrbüro St. Peter und Paul, Kirchstraße 16, 53557 Bad Hönningen, Tel.: 02635-2585, E-Mail: pfarramt (at) bad-hoenningen.de; Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde, Hauptstraße 52, 53557 Bad Hönningen, Tel.: 02635-2375, E-Mail: trinitatis.linz (at) online.de; Tourist-Information Bad Hönningen, Neustraße 2a, 53557 Bad Hönningen, Tel.: 02635-2273, E-Mail: info (at) bad-hoenningen.de

Übernachtung: Haus Ingrid, Rheinallee/Am alten Bach 1, 53557 Bad Hönningen, Tel.: 02635-1541, ÜF im DZ ab 36 Euro (Saison beachten); Margot Thurat, Waldbreitbacher Straße 131, 53557 Bad Hönnin­gen, Tel.: 02635-4654, ÜF im DZ ab 40 Euro (Saison beachten)

Geschichte: Das heutige Bad Hönningen liegt in unmittelbarer Nähe zum Limes, und archäologische Funde lassen darauf schließen, dass hier schon vor 1800 Jahren gesiedelt wurde. Erstmals wird Hohingen in einer Schenkungsurkunde an das Bamberger Domkapitel im Jahr 1019 erwähnt. 1422 hat der Trierer Bischof Otto das Besitztum gekauft.

Sehenswert: Der Ort wird überragt vom Schloss Arenfels, das auf Gerlach von Isenburg im 13. Jh. zurückgeht. Aber schon im 16. Jh. erschien die Burg unmodern, die Kriegstechnik hatte sie militärisch unsinnig gemacht. Deshalb wurde sie zu einem dreiflügeligen, zum Rhein hin offenen Schloss umgebaut. Im 19. Jh. verfiel das Schloss immer mehr, bis es 1849 die Familie von Westerholt-Gysenberg kaufte und mit großem Aufwand neugotisch umgestaltete. Wollen Sie sich die Mühe machen und die Fenster, Türen und Türme zählen? Nicht nötig, denn das ‚Schloss des Jahres’ hat 365 Fenster, 52 Türen und 12 Türme erhalten. Heute wird das Bauwerk für Tagungen und Seminare genutzt, doch von der Terrasse aus kann jedermann einen schönen Blick in das Rheintal genießen.

Der Legende nach ist das Schloss über einen Tunnel mit dem Hohen Haus aus dem Jahr 1438 verbunden. Diesen hat man aber bisher nicht finden können. Der schlichte, feste Wohnturm ist aus heimischen Bruchsteinen gebaut und bot den Bewohnern von Hönningen in Notzeiten eine sichere Obhut. Die Innenstadt von Bad Hönningen, und besonders die Schmiedegasse, lädt schließlich zum Bummeln und Verweilen ein.