Traben-Trarbach – Graacher Schanzen – Bernkastel (M) – Moselbrücke – Kues – Lieser – (Osann-) Monzel = ca. 24 km

Schwierigkeit mittel

Zeitbedarf 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Graacher Schanzen, Bernkastel, Kues

Weiter geht es heute hinauf zu den Graacher Schanzen, dann hinab nach Bernkastel-Kues und anschließend über Lieser, vorbei an einigen der besten Riesling-Lagen der Mosel, nach Osann-Monzel.

Ausgangspunkt der heutigen Etappe ist Trabach auf der rechten Moselseite. Ab der Brücke folgen Sie der Markierung T8 über den Berncastelerweg in die Weinlage Trabach-Taubenhaus. 1995 wurde für diese Weinlage ein vereinfachtes Flurbereinigungs­verfahren eingeleitet. Auf den 31 Hektar bewirtschaften heute rund 30 Winzer 16 Hektar Weinberge, zwei Drittel davon werden durch die Bewirtschafter­gemeinschaft bearbeitet. Die vier beteiligten Winzer verpflichten sich vertraglich zum kontrolliert umweltschonenden Weinbau. Es werden nur Rieslinge angebaut. Standraum und Erziehung der Reben gewährleisten ein Höchstmaß an Arbeitsökonomie und Qualität. Durch die Entflechtung von Reb- und Brach­flächen können Biotope entwickelt und Lebensräume vernetzt werden. Mit finanzieller Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz wurde somit die Pflege der Brachflächen gesichert und die Anschaffung einer hydrostatischen Raupe für die Arbeit im Weinberg ermöglicht.

Hinter der großen Infotafel zweigen sie nach links ab, um dann auf recht steilem Weg auf die Hunsrückhöhen zu gelangen. Dass auf den Höhen eine alte Römerstraße (Belginum–Longkamp–Ürzig) verlief, zeigen uns schon die Hohlwegsysteme, die noch gut links und rechts vom Mosel-Camino im Wald zu erkennen sind.

Schließlich kommen Sie zum auf ca. 400 m NN Höhe gelegenen Wanderparkplatz am ‚Knotenpunkt’ mehrerer Wanderwege. Auch der Moselhöhenweg, dem Sie später folgen werden, kommt hier vorbei. Auf keinen Fall sollten Sie hier oben einen Abstecher zu den Graacher Schanzen versäumen. Am Parkplatz finden Sie einen schön angelegten Rastplatz mit einer Informationsschrift zu dieser Befestigungsanlage, die nur einige hundert Meter entfernt liegt.

Graacher Schanzen

Mal wieder bedrohten Franzosen die Gebiete an der Mosel, diesmal gegen Ende des 18. Jhs. die Revolutionstruppen Napoleons. Preußische und österreichische Truppen verschanzten sich auf den Hunsrückhöhen. Kernstück des Schanzwerkes sollte das Plateau der langen Moselschleife zwischen Trarbach und Bernkastel auf 434 m Höhe werden. Hier war die schmalste Stelle und die Verteidigungsanlage sollte Angreifer aus dem Hunsrück abhalten.

Im März 1794 begannen die Schanzarbeiten durch 170 gefronte Bewohner aus der Umgebung unter der Leitung preußischer Offiziere. Aber schon im September 1794 wurden die Arbeiten wieder eingestellt – die preußischen und österreichischen Truppen erkannten ihre klare Unterlegenheit und zogen sich bis nach Mayen in der Eifel zurück.

Nun ließen die Franzosen aber die Arbeit umgehend wieder aufnehmen, denn sie fürchteten ein erneutes Vordringen der Alliierten. Am 1. Januar 1796 wurden schließlich die Schanzarbeiten endgültig eingestellt – ein Waffenstillstand war geschlossen.

Die Laufgräben, Geschützstellungen und Vorwerke sind auch heute noch gut zu erkennen. Dieses Bauwerk ist in der Geschichte etwas ganz Besonderes und Seltenes: von hier aus ist kein einziger Schuss gefallen.

Wieder zurück am Parkplatz Graacher Schanzen führt der Wanderweg T6 gemeinsam mit dem Moselhöhenweg stetig durch die Weinberge nach unten. Sie passieren die Waldschenke ‚Zur Eisernen Weinkarte’, sowie den alten jüdischen Friedhof, um kommen zum Graacher Tor, wo uns schon St. Michael begrüßt. Dies ist das einzig erhaltenen Stadttor der um 1300 errichteten Stadtbefestigung und sicherte den nördlichen Zugang der Stadt.

Heute befindet sich hier das u. a. von der Kolpingfamilie Bernkastel St. Michael 1856 betriebene Heimatmuseum mit seiner stadtgeschichtlichen Ausstellung.

Bernkastel liegt am rechten, Kues am linken Ufer der Mosel. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit für einen Stadtrundgang, bevor Sie über die Brücke nach Kues wechseln und den Mosel-Camino fortsetzen.

Die ersten Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bernkastel-Kues datieren aus der Zeit der Bandkeramiker, d.h. sie sind rund rund 5000 Jahre alt. Seit fast 2000 Jahren gibt es den Weinbau, die Römer errichteten um 400 ein Kastell an der Stelle, wo heute die Burgruine Landshut steht.

Im 7. Jh. wird erstmals eine Burg urkundlich erwähnt. Stadtrechte erhält Bernkastel im Jahre 1291. In diese Zeit fällt auch der Bau von Burg Landshut oberhalb der Stadt als Sommerresidenz der Trierer Bischöfe. Die Burg wurde häufig belagert, fällt aber 1692 einem unglücklichen Brand zum Opfer. Seitdem wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. Heute ist die Burgruine im Sommer bewirtschaftet und bietet einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Moseltal.

Gleiches gilt auch für die Jugendherberge, etwas oberhalb der Burgruine. Hier wurde vom Deutschen Jugendherbergsverband ein um die Jahrhundertwende erbautes Hotel erworben. Wenn die Zimmer auch nicht den Komfort einer modernen Jugendgästehauses besitzen, so ist es doch ein Haus mit Atmosphäre und Charakter.

Wenn Sie durch Bernkastels Gassen schlendern, spüren Sie die Geschichte dieser Stadt. Die Pfarrkirche St. Michael mit ihrem mächtigen, 600 Jahre alten Turm, wurde bereits 1177 das erste Mal urkundlich erwähnt. In der heutigen Form stammt sie im Wesentlichen aus dem Ende des 14. Jh.. Die Barockfassade, 1968 restauriert, steht im starken Gegensatz zum gotischen Turm. Der Turm gehörte zur Stadtbefestigung und war deshalb als Wehrturm ausgelegt.

Die dreischiffige Kirche ist reich ausgestattet und sicherlich einen Besuch wert. Der zentrale Punkt im Chor ist die Kalvarienbergdarstellung aus dem Jahr 1496. Im Anbau finden Sie einen Pestaltar von Hoffmann dem Jüngeren – die Szene zeigt den Marktplatz, auf dem sich die Bürger versammeln, um die Pestopfer zu Grabe zu tragen.

Der Marktplatz von Bernkastel entstand Anfang des 17. Jh. mit dem Bau des St. Michaels-Brunnens (1606) mit seinem filigranen Brunnengitter, des Renaissance-Rathauses (1608) und den anderen erhaltenen, wunderschönen 400 Jahre alten Fachwerkhäusern. Das berühmte ‚Spitzhäuschen’ stammt aus dem Jahr 1416.

Am 01. April 1905 wurde die Landgemeinde Kues der Stadt Bernkastel eingemeindet.

Wenn Sie nun über die Moselbrücke auf die linke Moselseite wechseln, merken Sie, dass dies dem Ort sicher nicht geschadet hat. Prächtige Villen zeugen hier von einer Blüte in den Jahren der Gründerzeit um 1900.

Das Stadtwappen von Bernkastel-Kues zeigt neben zwei Schlüsseln, welche die Himmelsschlüssel von Petrus symbolisieren (Schutzpatron des Bistum Trier) auch einen Bären für Bernkastel und einen Krebs für Kues.    

Den Bernkasteler Bären erklärt eine Sage:

Maximinus, Bischof von Trier, besuchte im Jahre 340 die von Papst Julius nach Rom einberufene Kirchenversammlung. Begleitet von seinem Mitbruder Martinus von Mainz machte er die weite Reise zu Fuß. Als die beiden Männer eines Tages in die Nähe eines Kastells kamen, ging Martinus dort hinein, um die nötigen Speisevorräte für die Weiterreise zu kaufen. Maximus blieb zurück, um den das Gepäck tragenden Esel zu bewachen.

Von der Reise ermattet, fiel Maximinus in einen tiefen Schlaf. Da kam aus dem Walde ein Bär, schleppte den Esel fort und fraß ihn auf. Martinus kehrte zurück und sah, was vorgegangen war. Er weckte seinen Reisegefährten und redete ihn an: “Bruder Maximus, was hast du getan?“ „Ich war müde und schlief ein“, antwortete Maximinus. „Und wo ist denn der Esel?“ fragte Martin weiter. „Ich weiß es nicht“, war die Antwort.

Martinus aber zeigte ihm den Bären, der den Esel bereits verzehrt hatte. Da rief Maximinus das wilde Tier herbei und fuhr es an: “Warum hast du so böse gehandelt und mir den treuen Esel nicht geschont! Ich befehle dir im Namen Jesu, nun seine Arbeit zu leisten! Folge mir!“ Wie ein zahmes Tier ließ sich der Bär die Last aufladen und folgte den beiden Männern bis nach St. Peter.

Nach Beendigung der Kirchenversammlung, und nachdem sie in Rom ihre Gebete verrichtet und die Reliquien der Märtyrer verehrt hatten, kehrten sie bis zu jenem Ort zurück, welcher nun ‚Urseria villa’, ‚Bärenstadt’ genannt wurde. Den Bären aber entließ Maximinus mit den Worten „Gehe nun, wohin du willst, aber hüte dich, jemandem wieder ein Leid anzutun“. Von der Zeit an verschwanden die Bären aus der Gegend.

Man kann aber nicht in Kues verweilen, ohne einen der größten Deutschen des späten Mittelalters, Nikolaus von Cues, zu erwähnen. Ihm ist das andere Tier im Stadtwappen, der Krebs, zu verdanken: Cusanus’ eigentlicher Name war Cryfftz, nämlich Krebs.

Aber wer war dieser Kaufmanns-Sohn von der Mosel eigentlich?

„Nikolaus Cusanus war die gewaltigste Erscheinung des sterbenden Mittelalters. Weder zu seinen Lebzeiten noch nach ihm hat es einen Denker von den geistigen Ausmaßen und der weltbildgestaltenden Kraft des großen Kardinals mehr hervorgebracht.“ So schreibt der Historiker Willy Andreas in seinem bekannten Buch ‚Deutschland vor der Reformation. Eine Zeitenwende’. In der Tat machte er im Spätmittelalter eine beispiellose Kariere und gilt heute als einer der bedeutendsten Mathematiker und Philosophen seiner Zeit.

Nicolaus Cusanus (1401-1464) wurde in Kues als Sohn des Fischers, Händlers und Schiffsbesitzers Chrypffs (Dialektname für ‚Krebs’) und seiner Frau Katharina geboren.

Schon als Junge besuchte er die bedeutende Fraterherren-Schule von Deventer in Holland, dem Mittelpunkt der geistlichen Reformbewegung »Devotio moderna«, in der Lehrer und Schüler in christlich geprägter, humanistischer Weltoffenheit eine Gemeinschaft bildeten. Nikolaus von Kues verfügte über vielfältige Begabungen, die er während langer Studienzeiten vertiefte. Zunächst studierte er 1416/1417 (im Alter von erst 15 Jahren) Philosophie in Heidelberg, absolvierte dann von 1417 bis 1423 ein Rechts- und Mathematikstudium in Padua, das er als Doktor decretorum abschloss und begann 1425 ein Studium der Philosophie und Theologie an der Universität Köln. Nach seiner Studienzeit stieg er schnell als Priester und Wissenschaftler in die höchsten Ränge des öffentlichen und klerikalen Lebens auf: 1427 wurde er Stiftsdekan in Koblenz, 1435 Probst von Münstermaifeld, 1448 Kardinal und 1450 Fürstbischof von Brixen. 1458 wurde er Generalvikar in Rom.
Nikolaus von Kues bemühte sich sehr um die Reform von Kirche und Reich. So wirkte er ab 1432 bis 1437 als Bevollmächtigter des Trierer Erzbischofs auf dem Basler Konzil, wo er für großes Aufsehen sorgte, als er von der Konzilpartei, einer von Rom unabhängigeren deutschen Kirche, zur päpstlichen Partei umschwenkte, weil er die Einheit der Kirche gefährdet sah. Er beteiligte sich 1439 am Unionskonzil von Florenz sowie an den Verhandlungen zum Wiener Konkordat von 1448, bei denen es Nikolaus von Kues gelang, die Einheit der Kirche zu retten. Zwischen 1450 und 1452 bemühte er sich in ausgedehnten Reisen um eine Reform des Ordenlebens in Deutschland und bereitete als Generalvikar durch ein umfassendes Gutachten (‚Reformatio generalis’) die Reform des römischen Klerus vor. In seiner theologisch-humanistischen Lehre formulierte er Anschauungen von Gott, Welt und Mensch, die neuzeitlichem Denken entsprechen. Er sah die Welt als „Ausfaltung“ (explicatio) des „Wesens“ Gottes, in das alle Dinge „eingefaltet“ sind (complicatio).

Cusanus’ Denken und die von ihm entwickelten Ideen erscheinen uns heute als sehr modern: Die Unendlichkeit des Alls, die Erde in Rotation und nicht Mittelpunkt des Universums, bewohnte Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die Relativität von Abmessungen und damit das Fehlen einer exakten Messung sind hierfür nur einige Beispiele. In seinen wissenschaftlichen Experimenten nahm er die Ideen vieler Denker der Neuzeit vorweg: Giordano Bruno, Kopernikus, Johannes Keppler, Galileo Galilei, Isaac Newton und Albert Einstein..

Cusanus war somit nicht nur als Kirchenrechtler, sondern auch als Naturwissenschaftler, Mathematiker und Philosoph, besonders auf dem Gebiet der Metaphysik, tätig. Als Philosoph vertrat er die Ansicht der Unerkennbarkeit Gottes und verband als einer der ersten mathematische Verfahren und Begriffe mit der Philosophie. Andererseits begründete er mathematisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge durch die Philosophie. Er lehrte als erster die Unendlichkeit der Welt und markiert damit den Übergang vom mittelalterlichen Denken zur mathematischen Wissenschaft der Neuzeit über. Sein philosophisches Hauptwerk (‚De docta ignorantia’ – ‚Gelehrtes Nichtwissen’), das er am 12. Februar 1440 in seinem Geburtshaus in Kues vollendete, steht wie ein Grenzstein zwischen Mittelalter und Neuzeit. Cusanus’ denken ist ein wichtiger Grundstein für unsere moderne Denkweise und heute Kern unserer abendländischen Kultur und Technik.

Schon 1436 weist Nikolaus von Kues auf die Fehlerhaftigkeit des Julianischen Kalenders hin und macht Vorschläge zur Korrektur. Leider wurde die Korrekturen im Gregorianischen Kalender erst über 100 Jahre später, 1582, durchgeführt.

Als Religionsphilosoph wird Cusanus von Meister Eckhart und dem Neuplatonismus beeinflusst und entwickelt die ‚negative Theologie’ weiter. In aller Kürze sagt die negative Theologie, dass wir über Gott prinzipiell keine positiven Aussagen machen und sein Wesen nicht positiv fassen können. Jede Religion spiegelt einen Teil der göttlichen Wahrheit wider. Cusanus spricht von der "einen Religion in verschiedenen Riten". Damit kann seine negative Theologie (ganz im Gegensatz zur natürlichen Theologie) der Religionskritik Kants (alle metaphysischen Gottesbeweise überschreiten unzulässig die Grenzen menschlicher Vernunft) standhalten, ja, sie ergänzen sich sogar.

Als einer der ersten deutschen Humanisten befasste sich Nikolaus von Kues mit der historisch-philologischen Untersuchung antiker Handschriften. Als Mathematiker beschäftigte er sich besonders mit der Quadratur des Kreises (1450 ‚De circuli quadratura’), wobei er gegenüber Archimedes einen verbesserten Näherungswert angab.

Am bekanntesten ist vielleicht der Grundgedanke seiner Philosophie: die ‚Coincidentia oppositorum’, der ‚Zusammenfall der Gegensätze’, der die bewusste Verneinung von Gegensätzen im Hinblick auf Gott betont.

Aber bei aller Wertschätzung muss wohl auch festgehalten werden, dass die von Cusanus angestrebte Reform der Kirche an Haupt und Gliedern und sein Bestreben, die Einheit zu wahren, letztendlich ohne den gewünschten Erfolg blieb. Das heraufkommende Papsttum der Renaissance wandte sich anderen Vorstellungen zu. Die eigentliche Reform blieb der protestantischen Reformation und der sich anschließenden katholischen Reaktion vorbehalten.

Am 11. August 1464 starb Nikolaus von Kues auf einer Reise in seine deutsche Heimat, wo er sich um seine sechs Jahre zuvor gegründete Stiftung kümmern wollte, in Todi in Umbrien. Begraben wurde er gemäß seinem Wunsch in seiner Kardinalkirche in San Pietro in Vincoli in Rom, sein Herz ruht vor dem Altar des St.-Nikolaus-Hospitals in Kues.

Wenn Sie mehr über das Universalgenie wissen wollen, rufen Sie im Internet die hervorragend aufgebauten Seiten unter http://www.nikolaus-von-kues.de/

Schon gleich nach dem Überqueren der Brücke sehen Sie auf der rechten Seite das St. Nikolaus-Hospital (kurz Cusanus-Stift). Hier errichtete Nikolaus von Kues 1458 in seinem Heimatort mittels einer Stiftung ein Hospital für 33 alleinstehende, über 50 Jahre alte Männer. 6 Adlige, 6 Priester und 21 Bürger durften dort ihren Lebensabend verbringen. Der Stiftungsbrief trägt das Datum vom 2. Dezember 1458. Bereits im März 1457 schrieb der Kardinal aus Brixen in einem Brief an die Schöffen von Bernkastel und Kues: „ …und lassen euch wissen, so wie wir zu Lebzeiten unseres Vaters, des seligen Crifftzhennes von Cusa, vorgehabt haben, zu Ehren des allmächtigen Gottes, unter dem Titel Sankt Nikolaus, des hl. Bischofs, ein Hospital zu errichten“. Die Baukosten betrugen 20000 Goldgulden. Nikolaus von Kues verwendete dazu sein eigenes und das Vermögen seiner beiden Geschwister Johann, Pfarrer von Bernkastel, und Clara, Ehefrau des Bürgermeisters von Trier.

Die weitsichtigen Statuten der Stiftung und die großzügige materielle Ausstattung sorgten dafür, dass das Cusanus-Stift auch nach 500 Jahren noch existiert. Nach heutigen Anforderungen modernisiert, bietet das Altenheim heute Platz für 60 Seniorinnen und Senioren.

Die bedeutende Bibliothek, in der sich heute ca. 3000 Titel befinden, vermachte Nikolaus von Kues dem von ihm gestifteten St.-Nikolaus-Hospital. Der Kern dieser Bibliothek ist auch heute noch die private Handschriftensammlung ihres Stifters. Nach größeren Verlusten im 17. und 18. Jh. (ca. 60 Bände befinden sich in Brüssel und London) sind immerhin noch etwa 300 Handschriften aus dem 9. bis 15. Jh. an der Mosel geblieben. Nikolaus von Kues hat sie auf seinen Reisen erworben, abschreiben lassen oder als Geschenke erhalten. Neben seinen eigenen Werken (z.B. ‚De docta ignorantia’, ‚De coniecturis’, ‚De pace fidei’) sind es v. a. solche aus der Theologie, Jurisprudenz, Philosophie, den Naturwissenschaften und der Mathematik. Viele Randnotizen von Cusanus lassen einen kleinen Einblick in seine ‚Denkfabrik’ zu.

Nikolaus von Kues blieb auch der »Devotio moderna«, die er in seiner Jugend kennengelernt hatte, zeitlebens verbunden. In Deventer, wo er die Fraterherren-Schule besuchte, errichtete er 1461 die Studienstiftung »Bursa Cusana«.
Wem weniger nach Philosophie und Theologie zumute ist, der wird vielleicht den Weg in das benachbarte Weinkulturelle Zentrum mit Mosel-Weinmuseum und Vinothek finden, wo nicht nur über die Geschichte des Weinbaus und die Arbeit der Winzer informiert wird, sondern wo man auch für einen Pauschalpreis in Höhe von 12 Euro nicht nur die Keller besichtigen, sondern eine Vielzahl von Weinen der renommiertesten Weingüter der Mosel verkosten kann. Info: http://www.bernkastel-vinothek.de/html/kontakt.html

Nun aber führt unser Pilgerweg der Weg stromaufwärts in Richtung Lieser. Noch vor dem Hotel ‚Drei Könige’ führt eine kleine Treppe von der Brücke hinunter auf den Radweg. Diesem folgen Sie und schon bald, kurz bevor Sie den Ort verlassen, passieren Sie das gut erhaltene und sehr gepflegte Geburtshaus des Nicolaus von Cues. auf.

Öffnungszeiten:
dienstags – samstags von 10.00 – 12.00 Uhr
und von 14.30 – 17.00 Uhr
sonn- und feiertags von 10.00 – 12.00 Uhr
und nach Vereinbarung,
Eintritt: 1,00 € / Person
Gruppenführungen nach Vereinbarung.
Tel. 0 65 31 / 28 31
Fax: 0 65 31 / 98 92 80

Weitere Informationen unter http://www.bernkastel-kues.de/kultur_kunst/cusanus_geburtshaus/cusanus_geburtshaus.html

Bevor wir jetzt Kues verlassen, noch die Sage vom bösen Maurus aus Kues, der heute noch spuken soll:

Der böse Maurus Maurus war zu seiner Zeit im ganzen Dörflein Cues an der Mosel als ein übler Patron verschrien. Er tollte und polterte unter gräulichem Saufen ganze Nächte hindurch und beunruhigte die ganze Nachbarschaft. Am allerschlimmsten war aber doch sein armes Weib dran. Bei der geringsten Veranlassung misshandelte und schlug er sie, dass oft die Freunde und Verwandten die Streitenden trennen mussten.
Jedes Leid hat aber doch einmal seine Grenzen. Der böse Maurus, so nannte man ihn allgemein, stürzte am heiligen Pfingsttag betrunken in eine Grube und brach sich jämmerlich das Genick. Seine Frau, obwohl er sie bei seinen Lebzeiten grausam misshandelt hatte, bereitete ihm doch ein anständiges Leichenbegräbnis.
Wie staunten aber die Leute, welche seine vergänglichen Überreste zur Grube bestattet hatten, als sie auf der Rückkehr den Maurus in dem Fenster seines ehemaligen Wohnhauses liegen sahen, wie er höhnisch auf die Begleiter, welche ihm den letzten Dienst erwiesen hatten, herabblickte.
Seine Frau schlug andächtig drei Kreuze; bald überzeugte man sich aber, dass der böse Mann auch nach seinem Tode keine Ruhe finden konnte. Es hat ihn zwar seit jener Zeit niemand mehr leibhaftig im Haus gesehen, aber doch gab er sich häufig durch nächtliches Rumoren, besonders an jenen heiligen Tagen, welche er dem Bacchus zur zeit geweiht hatte, kund. Der unruhige Poltergeist ward endlich, damit er die Einwohner und Nachbarn ferner nicht mehr belästige, in den Wald, Cues gegenüber, verbannt. Dort trieb er sich lange herum, neckte die Einwohner von Cues, welche den Wald besuchten, weil sie keine Verbannung veranlasst hatten.
Am Tage, wo er einige Male  wieder in seinem dreieckigen Hute und grauen Rocke gesehen wurde, erschreckte er oft die Leute, welche auf sein Gebiet sich wagten. Oft schob er Steine den Berg hinab nach den Vorübergehenden. Oft schwatzte er wieder mit sich selbst, dann lachte er wieder mit sich selbst und war hochvergnügt, wenn er jemandem einen listigen Streich gespielt hatte.
Viel Vergnügen machte es ihm auch, wenn er nachts die Fährleute durch den Ruf "Hol über" beunruhigte und betört hatte. Vergebens waren die Fährleute im Dunkel der Nacht oft nach dem jenseitigen Ufer gerudert, um den Rufenden überzuholen. Niemand fand sich aber am Ufer; wie lachte dann der alte Schalk über den gelungenen Streich.
Der lästige Maurus ward endlich, um seinen Neckereien ein Ende zu machen, zum zweiten Mal beschworen und nach dem Hinterwald, zwei Stunden von hier, verbannt, wo er sich etwas ruhiger gebärdete. Er erschreckte nur hin und wieder einen Vorübergehenden mehr, ohne jemandem ein besonderes Leid zuzufügen. Bei Heinzerath lässt er sich bisweilen noch hören und sauset dann, als wollte er alle Bäume entwurzeln, durch den Wald dahin.
Doch vergisst er seine Heimat noch nicht ganz; er schleicht noch einige Male nach seiner alten Wohnung und trübt den Frieden.

Nach: Sagensammlung "Rheinlands Wunderhorn" von Fr. Menk, Silbermann/Leipzig 1880

Weitere Informationen über Bernkastel-Kues erhalten Sie bei:

Mosel-Gäste-Zentrum (Tourist-Information)
Gestade 6
54470 Bernkastel-Kues

Telefon 06531 4023 und 06531 4024
Fax 06531 7953
E-mail: info@bernkastel.de
Internet: www.bernkastel.de

Mosel-Camino

Vom Cusanus-Geburtshaus geht es weiter am Nikolaus-Ufer entlang in Richtung Lieser. Es bietet sich an, auf dem Moselradweg am Moselufer zu laufen. Sollte die Mosel jedoch gerade Hochwasser führen, kann man auch auf Parallel-Wege rechts in den Weinbergen ausweichen. Der Moselhöhenweg verläuft zwar wunderschön oben an der Weinbergsgrenze, verlangt aber auch eine zusätzliche Steigung auf der heutigen Tagesetappe.

In Lieser sollten Sie dem romantischen Posthof einen Besuch abstatten. Dieses Ensemble von Gebäuden aus dem 17. und 18. Jh. war bis Mitte des 17. Jh. eine Poststation der Thurn und Taxis-Post an der niederländischen Postroute von Brüssel nach Augsburg, Innsbruck, Wien und Italien, wurde aber 1728-1734 aufgehoben. Heute zeigt sie sich nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten wieder in altem Glanz. Die Beschilderung im Ort ist ausgezeichnet.

Wieder auf dem Moselhöhenweg passieren Sie das Schloss Lieser. 1884 -87 erbauten die Puricelli-Schorlemer, die um die Jahrhundertwende den preußischen Landwirtschaftsminister stellten, am malerisches Schloss im Stil der Renaissacnce mit reich ausgestattetetr Hauskapelle. Der Fabrikant Eduard Puricelli ließ den älteren, Freiherr von Schorlemer-Alst den jüngeren Schlossteil erbauen. 1981 wurde das Schloss von der Gemeinde gekauft und unter Denkmalschutz gestellt, 2001 an einen Investor verkauft, der das mittlerweile doch etwas heruntergekommene Bauwerk in absehbarer Zeit zu einem 4*-Hotel ausbauen will. Der wunderschöne Park ist öffentlich zugänglich.

Dass dieses Kleinod aber „vom Bundesminister des Inneren zum Weltkulturerbe ernannt“ wurde, wie es auf der Homepage der Gemeinde (www.lieser-mosel.de) heißt, ist unwahr!

Von hier aus halten Sie sich weiter auf dem Moselhöhenweg neben der Moseluferstraße, die in Richtung Moselbrücke führt (nicht nach rechts Richtung Maring-Noviand!). Bleiben Sie also am Straßenrand in Sichtweite der Mosel und überqueren Sie das hier mündende Eifelflüsschen Lieser. Unmittelbar dahinter geht es weiter über die zur Brücke nach Mülheim führende Straße (nicht über die Moselbrücke!). Direkt dahinter führt Sie der Moselhöhenweg in einen Wald hinein, der nach einigen Serpentinen hoch über die Weinlage ‚Brauneberger Juffer’ mit prächtigen Ausblicken führt.

Auf der gegenüberliegenden Moselseite sehen Sie jetzt Brauneberg (bis 1925:Dusemond) mit der ehemaligen Simultankirche und dem einzigen Zwiebelturm an der Mosel. Simultankirche? Eine Kirche, die von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wird. Schon 1523 führt der Pfalzgraf Ludwig II. die Reformation ein, es war ein evangelischer Pfarrer in Dusemond. 1627, im 30-jährigen Krieg, wurde vom Trierer Erzbischof ein katholischer Geistlicher eingesetzt, 1649, nach dem Westfälischen Frieden, kam wieder ein lutherischer Pfarrer. Am 21. Dezember 1684 hat der französische Intendant für die gesamte Grafschaft entschieden, dass in Orten mit zwei Kirchen die kleinere Kirche den Katholiken gehören sollte. In Ortschaften mit nur einer Kirche sollten beide Konfessionen diese gemeinsam nutzen. Auch die 1777 neue Kirche wurde wieder zur Simultankirche. Seit 1955 wird die Kirche, entsprechend der Anteile der Baukosten von 1777, aufgeteilt und genutzt: 2/3 ist katholisch, 1/3 evangelisch.

Nach einer Weile erkennt man nun schon bald rechterhand auf einer Hochfläche das Ziel des heutigen Tages, Monzel, zunächst natürlich den Turm der St. Nikolauskirche.

Osann-Monzel

Schon 646 wird Monzel erstmalig als Monticellius urkundlich erwähnt. 1969 haben sich die beiden Gemeinden im Zuge einer Verwaltungsreform das benachbarte Osann und Monzel zusammengeschlossen. Monzel liegt wunderschön ca. 80m oberhalb der Mosel und bietet einen schönen Ausblick ins Flusstal. Ein eher verträumter Ort, fern ab von all der Hektik, wie man sie bisweilen in Bernkastel oder anderen Moselstädtchen erlebt.

Wer doch lieber direkt an die Mosel möchte, kann sich auf den Weg ins benachbarte Kesten machen, das man in einer knappen halben Stunde erreicht.

Allgemeines:  Osann-Monzel gehört zur Verbandsgemeinde Wittlich-Land, im Landkreis Bernkastel-Wittlich und im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 1.651. 

Ansprechpartner in Monzel:

Katholisches Pfarramt St. Peter, Bernkasteler Straße 52, 54518 Osann-Monzel, Telefon: 06535 325. E-Mail: pfarramt.osann@freenet.de

Gemeinde Osann-Monzel, Brunnenstraße 56, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 933287. Internet: www.osann-monzel.de

Heimat- und Verkehrsverein Osann-Monzel, Tel. 06535 94290

Übernachtung: 

Kelterhaus, Moselstraße 39, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 433. Internet: www.kelterhaus-broesch.homepage.t-online.de, E-Mail: kelterhaus@t-online.de. Ü/F im Doppelzimmer ab 50 Euro

Matthias Reichert, Moselstraße 59 54518 Osann-Monzel, Tel./Fax: 06535 557 Mobil: 0175/9069779. Internet: http://www.beepworld.de/members55/mosel-urlaub/. Doppelzimmer/Frühstück ab 28,- Euro; Ferienweingut Traut, Gartenstraße 31, 54518 Osann-Monzel , Tel.: 06535 1370. Doppelzimmer/Frühstück ab 34,00 Euro; Fritzen Gerd, Brunnenstraße 45, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 7000, Doppelzimmer/Frühstück ab 30 Euro

Ansprechpartner in Kesten:

Gemeindebüro: Ortsbürgermeister Valentin Zimmer, Moselstr. 9, 54518 Kesten,
Tel.: 06535 308, Fax: 06535 1297

Verkehrsbüro: Peter Junk, Moselstr. 12, 54518 Kesten, Tel.:06535 523, Fax: 06535 523

Hier noch eine Sage aus Monzel, die wir auf den Internetseiten der Gemeinde Osann-Monzel gefunden haben:

Sankt Donatus

Eine Geschichte aus Monzel

Einst hütete ein Schäfer sein Herd auf einer Weide zwischen Monzel und Noviand.

Auf einmal zogen dunkle Wolken am Himmel auf und ballten sich zu einem grollenden Gewitter zusammen.
Es dauerte nicht lange, da brach das Unwetter los. Schaurig hallte der Donner vom nahen Waldrand wider und feurige Blitze zuckten über das Firmament. Als schließlich dicke Hagelkörner wie aus Kübeln hernieder prasselten, fuhr der Schreck dem armen Schäfer und seinen ängstlichen Schafen in die Glieder. Die Herde stob in alle Himmelsrichtungen auseinander. Unter Bäumen und Büschen suchten die Tiere Schutz und viele rannten blindlings über die Felder bis zum Waldrand.

Dem Schäfer wurde es bang ums Herz, denn er dachte an seine armen Schafe, von denen kein einziges mehr in seiner Nähe war. Als das Unwetter nicht nachließ, sondern der Donner noch schlimmer und schauriger widerhallte, da streckte der Schäfer die gefalteten Hände zum Himmel und rief: „Lieber Donatus, du Schutzpatron der Schäfer, hörst du mich!
Beschütze meine lieben Schafe und gib sie mir gesund und wohlbehalten wieder zurück! Zum Dank will ich dir an diesem Fleck einen Bildstock erbauen!“
Bald legte sich der Sturm, die Hagelkörner wurden weniger und schließlich hatte sich der wolkenverhangene Himmel wieder aufgeklärt. Das Unwetter war ebenso unverhofft verzogen, wie es gekommen war.
Da lief der Schäfer über die Felder und Wiesen und rief mit lauter Stimme seine Schafe herbei. Von allen Seiten kamen sie zusammen. Als nur noch wenige fehlten, steckte er Daumen und Zeigefinger in den Mund und stieß grelle Pfiffe aus.
Daraufhin kamen auch die fehlenden Schafe aus den entferntesten Verstecken herbei, ja zuletzt fehlte nicht ein einziges. Wie glücklich, ja überglücklich war da der Schäfer!
Am nächsten Tag schon in aller Frühe begann der Schäfer schon sein Versprechen einzulösen. Er errichtete eigenhändig einen Bildstock zu Ehren des heiligen Donatus.