4. Etappe Wesseling – Bonn-Venusberg = ca. 20,5 km

Wesseling – Urfeld (ca. 4 km) – Widdig (ca. 7 km) – Uedorf (ca. 7,5 km) – Hersel (ca. 9 km) – Graurheindorf (ca. 11,5 km) – Castell (ca. 14 km) – Bonn-Hauptbahnhof (ca. 16 km) – Bonn-Venusberg (ca. 20,5 km)

Schwierigkeitsgrad: starke Steigung zum Venusberg, sonst Straßen und asphaltierte Rad- und Wanderwege

Besichtigungen: Graurheindorf, Bonn

Zeitbedarf: ca.  5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Tagesimpuls: Der Weg zur Einsicht geht nicht durch den Glauben. Erst durch die Einsicht, die wir gewinnen, wenn wir dem fliehenden Licht des Innersten folgen, vermögen wir zu erfassen, was Glaube ist. Wie viele wurden nicht durch das leere Gerede vom Glauben als einem Für-wahr-Halten in das Dunkel getrieben! (Dag Hammarskjöld, 1905-1961)

Legende: Im römischen Heer gab es eine ruhmreiche Thebäische Legion, die viele Kämpfe erfolgreich ausgefochten hatte. Die Soldaten dieser Legion stammten aus Theben in Ägypten – und sie waren ausnahmslos Christen. Ihr Führer, Mauritius, besaß die Heilige Lanze. Und so eilten die Legionäre mit der Hilfe Gottes von Sieg zu Sieg. Eines jedoch hatten sich die christlichen Legionäre geschworen: Niemals wollten sie gegen ihre christlichen Brüder kämpfen.

Als der römischen Kaiser seine Legion zur Niederschlagung von Aufständen nördlich der Alpen ins heutige Schweizer Wallis sandte, musste der heilige Mauritius seine Legion teilen. Mit der Hauptstreitmacht kämpfte er in der Schweiz, andere sandte er als Vorhut in das Rheinland. St. Viktor und St. Mallosus marschierten mit 330 Gefährten nach Xanten, St. Gereon mit 318 Gefährten nach Köln und St. Cassius und St. Florentius mit 12 Gefährten nach Bonn.

Während der Schlacht im Wallis will St. Mauritius gerade einen Gegner erschlagen, da erkennt er, wie dieser vor seinem Tod ein Kreuzzeichen macht. Sofort befiehlt Mauritius seinen Männern, den Kampf einzustellen und die gegnerischen Soldaten zu verschonen.

Als Cäsar davon erfährt, lässt er jeden zweiten Legionär aus Mauritius’ Truppe ermorden. Aber Mauritius und seine Gefährten sind immer noch nicht bereit, gegen ihre christlichen Mitbrüder zu kämpfen. Schließlich befiehlt der Kaiser, alle Legionäre hinzurichten. Und so wurden auch in Xanten und Köln die Legionäre hingerichtet. In Bonn starben St. Cassius und St. Florentius mit ihren Gefährten auf ungeweihtem Boden den Märtyrertod. Wenige Jahre später errichteten fromme Bewohner auf der Hinrichtungsstätte eine hölzerne Kapelle. Heute erhebt sich an dieser Stelle stolz das Bonner Münster. Der heilige Cassius und der heilige Florentius sind heute die Bonner Stadtpatrone.

Heute geht es für Sie auf bequemem, ebenem Weg immer am Rhein entlang. Erst in Bonn, wenn Sie sich zur Übernachtung auf dem Venusberg entschlossen haben sollten, erwartet Sie allerdings ein recht kräftiger Anstieg

In Wesseling geht es zunächst wieder hinunter zum Rhein, dort wenden Sie sich auf dem Rheinradweg nach rechts. Der Weg führt Sie nach Urfeld, einen Ortsteil von Wesseling. Schon die Römer und später im 5. Jh. die Franken waren hier sesshaft, wohl deshalb, weil es an dieser Stelle einen Rheinübergang gab. Diesen nutzen zum Beispiel die Römer, um auf die andere Rheinseite zu ihrem castellum inferior (Niederkassel) zu gelangen. 1107 wird ein Fronhof des Damenstiftes Dietkirchen in Bonn genannt. Um 1400 wird der Hauptaltar der alten Kirche St. Thomas Apostel geweiht.

Weiter geht es auf dem alten Leinpfad (Treidelpfad) den Rhein aufwärts. Hier, wie auch während des ganzen Tages, folgen Sie dem Rheinradweg, der für die Saison 2008 an vielen Stellen neu ausgebaut wurde.

Der Ort Widdig gehört zur Stadt Bornheim im Rhein-Erft-Kreis. Auf dem Leinpfad pilgern Sie direkt an der kleinen St.-Georg-Kirche vorbei in Richtung Uedorf, einem weiteren Ortsteil von Bornheim. Auch Uedorf hat, wie alle anderen Orte zwischen Köln und Bonn, eine wechselhafte Geschichte. Der Mühlenturm, heute in Privatbesitz befindlich, stammt aus dem 14. Jh. und steht vermutlich genau dort, wo auch schon ein römischer Wachtturm an der Rheingrenze gestanden hat. Die Pfarrgemeinde wurde bereits 1260 erstmals urkundlich erwähnt.

Auf dem Weg in den nächsten Ort, Hersel, passieren Sie auch das Herseler Werth, eine unter Naturschutz gestellte Rheininsel, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Die mit Pappeln bepflanzte Insel bietet vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen eine natürliche Umgebung. Die Kirchengemeinde wurde 1149 gegründet, der Kirchenbau bestand bis 1744. Es ist der heutige Aegidiussaal, eine Hallenkirche mit Zwiebelturm. Die neue Kirche St. Aegidius wurde 1899 bis 1901 im neugotischen Stil errichtet. Die Ständige Vertretung der DDR hatte übrigens seinerzeit ihren Sitz in Hersel. Das Gebäude wurde jedoch abgerissen.

Kurz hinter der hinüber nach Mondorf verkehrenden Rheinfähre sehen Sie auf der anderen Rheinseite die Mündung der Sieg in den Rhein. Es ist eine der letzten naturbelassenen Mündungsgebiete in den Rhein, deshalb wurde die Siegaue in den 80er Jahren unter Naturschutz gestellt. Die Siegmündung markiert den Übergang vom Niederrhein zum Mittelrhein.

Jetzt kommen Sie nach Graurheindorf, dem nördlichsten Stadtteil von Bonn, der sich seine ländliche Struktur noch immer bewahrt hat. Kirche und Herrenhof wurden 1131 erstmals erwähnt, die aus dem Hof entstandene Burg 1689 zerstört und 1755 als das heutige Schloss wieder aufgebaut.

Die Kirche St. Margareta ist einen Besuch wert. Zwar erscheint sie zunächst als eine der unzähligen neugotischen Kirchen aus dem Ende des 19. Jh.; wenn Sie aber näher hinsehen, zeigt sich eine interessante Baugeschichte.

Schon 1149 soll hier das Zisterzienserinnen-Kloster bestanden haben. Das Kloster hatte das Patronats­recht an der alten Pfarrkirche, die wohl eine typische romanische Dorfkirche gewesen ist. Diese alte Kirche wurde 1806 abgerissen, weil Teile der neuen Klostergebäude in eine Kirche umgebaut worden waren.

Aber anscheinend hatte die im 19. Jh. rasch wachsende Pfarrgemeinde keine rechte Freude an dem in der Tradition der Zisterzienser gebauten, recht schmucklosen und so gar nicht nach Kirche aussehenden Gotteshaus. Und so wurde ein Kölner Kirchenarchitekt damit beauftragt, einen Aus- und Umbau vorzunehmen.

Sie betreten vom Rheinufer kommend zunächst eine schöne Eingangszone. Direkt rechts von Ihnen befindet sich eine Kriegergedächtnisstätte und durch den anderen Bogen hindurch gelangen Sie zur Kirche. Vom ehemaligen Klostertor aus gesehen, können Sie gut die verputzten Wände des ehemaligen Klostergebäudes von 1778 erkennen – heute die Langhauswände der Kirche. Auch Sakristei, Pfarrbüro und Dienstwohnung gehörten früher zum Kloster. Von außen ist nicht zu erkennen, dass St. Margareta zu einer dreischiffigen Kirche ausgebaut wurde.

Von innen stellt sich die Pfarrkirche als stimmiges neugotisches Bauwerk dar. Drei Schiffe – wobei die Seitenschiffe jeweils die Hälfte der Mittelschiffbreite haben – mit jeweils 4 Jochen. Die Arkaden ruhen auf Pfeilern und Gurtbögen, und Gewölbegrate kommen oberhalb der Pfeiler aus den Wänden. Ein großer Bogen bezeichnet den Übergang vom Mittelschiff zum Chor.

Abgesehen vom Taufbecken (mit einem Bergkristall bekrönt, das aus der Vorgängerkirche stammt) ist die Innenausstattung aus den 70er Jahren des 19. Jh. Der neugotische Hauptaltar und die Seitenaltäre sind die Kostbarkeiten in dieser Kirche.  Der Hauptaltar zeigt unter den Baldachinen die heilige Margareta und den heiligen Josef. Die Seitenaltäre sind der Muttergottes und dem heiligen Bernhard von Clairvaux geweiht.

Dieser Altar erinnert an den Heiligen, der den Zisterzienser-Orden zum eigentlichen Aufstieg führte. Obwohl die Zisterzienser schon 1098 mit dem Kloster Citeaux in der Nähe der großen Benediktiner-Abtei Cluny von Robert von Molesme gegründet wurden und dieser mit seinen zwei Nachfolgern Alberich von Citeaux und Stephan Harding als Gründungsvater des Ordens gilt, gelangte der neue Orden doch erst 1115 mit der Gründung des Klosters Clairvaux durch Bernhard von Tescelin le Roux (später Bernhard von Clairvaux) zu großer Bedeutung. Bernhard von Clairvaux war anerkannter Vermittler zwischen den Herrschenden seiner Zeit, rief unter anderem in Köln und wohl auch in Koblenz zum 2. Kreuzzug in das Heilige Land auf und verfasste viele geistliche Schriften.

Die schönen Fenster mit Darstellungen aus der Bibel und der heiligen Margareta stammen vom Leverkusener Künstler Paul Weigmann.

Die Kirche ist unter der Woche von Montag bis Freitag von 8:30 – 12:30 Uhr geöffnet, Dienstag und Donnerstag auch von 15:00 – 18:30 Uhr.

Nach diesem Abstecher gehen Sie durch den Arkadenbogen wieder das kurze Stück hinunter zum Rhein und wenden sich nach rechts weiter stromaufwärts in Richtung Bonn.

Am Kranenweg verlassen Sie vorläufig das Rheinufer. Hier beginnt (oder endet) auch der Bonner Planetenlehrpfad mit dem Pluto. 5 km läuft der Planetenpfad ‚idealisiert‘, d. h. die Planeten verlaufen in einer Linie (wie es in der Realität selten vorkommt), am Rheinufer entlang.  Wenn Sie dem Planeten­lehrpfad in normaler Gehgeschwindigkeit folgen, bewegen Sie sich im Verhältnis mit dreifacher Licht­geschwindigkeit durch unser Sonnensystem. Pluto, der Eiszwerg, gehört allerdings nach einer Neudefini­tion (nicht aller Wissenschaftler!) seit dem Jahr 2006 nicht mehr zu den Planeten, sondern er ist ein ‚Zwergplanet’. Unser alter Merksatz: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten’“ (Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto) hat also keine Gültigkeit mehr und könnte ersetzt werden durch: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel". Sollten sich mal irgendwann Quaoar und Sedna, die 2002 bzw. 2003 entdeckt wurden, tatsächlich als ‚richtige’ Planeten erweisen, wird man sich wohl eine völlig neue Eselsbrücke ausdenken müssen …

Auf der Karl-Legien-Straße geht es nun durch den Ort und schließlich unter der großen Autobahnbrücke hindurch. Dahinter führt wieder ein Weg hinunter auf die Bonner Rheinpromenade, der Sie dann folgen.

Vorbei am alten Römerlager, von dem schon im 12. Jh. fast nichts mehr zu erkennen war, pilgern Sie immer am Rhein entlang, bis Sie schließlich etwa 300 – 400 m hinter der Kennedybrücke zum Alten Zoll kommen und dahinter zur Innenstadt abbiegen.

Bonn

Allgemeines: Bonn ist eine kreisfreie Großstadt im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2007 auf 314926.

Anlaufstellen: Kath. Münsterpfarrgemeinde St. Martin, Gerhard-von-Are-Str. 5, 53111 Bonn. Tel.: 0228-985880, Telefon: E-Mail: pfarrbuero[at]bonner-muenster.de ; Evangelische Kreuzkirchengemeinde, Gemeindeamt, Adenauerallee 37, 53113 Bonn, Tel.: 0228-6880-237, E-Mail: b.stock[at]bonn-evangelisch.de; Islamische Gemeinde, An der Esche 24, 53111 Bonn, Tel.: 0228-650290, E-Mail: info(at)ditib-bonn.com; Bonn-Information, Windeckstraße 1/am Münsterplatz, 53111 Bonn, Tel.: 02 28-775000, E-Mail: mailto:bonninformation[at]bonn.de

Übernachtung: Haus Venusberg, Haager Weg 28 – 30, 53127 Bonn – Venusberg, Tel.: 0228-28991-0, E-Mail: info(at)haus-venusberg.de, ÜF im Mehr- oder Doppelbettzimmer 25 Euro pro Person (nur mit Pilgerausweis); Jugendherberge Bonn, Haager Weg 42, 53127 Bonn-Venusberg, Tel.: 0228-289970, E-Mail: bonn[at]jugendherberge.de, ÜF im Mehrbettzimmer ab 23 Euro pro Person; Gästehaus Scholz, Annettenstr. 16, 53175 Bonn-Bad Godesberg, Tel.: 0228-379363, E-Mail: info[at]gaestehaus-scholz.com, ÜF im DZ 50 Euro

Geschichte: Die bedeutenden Spuren der Besiedlung auf dem heutigen Bonner Stadtgebiet sind vielfältig. Etwa 14000 Jahre alt ist das Doppelgrab von Oberkassel mit den einzigen erhaltenen Skeletten von Homo sapiens aus der Zeit des  Jungpaläolithikums im Rheinland. Im Bereich des Venusberges fand man einen Graben und Holzpalisaden, die in der Zeit um 2000 v. Chr. geschaffen wurden.

Im Jahr 12 v. Chr., unter Kaiser Augustus, wurde das erste, bescheidene, römische Lager errichtet. Südlich davon entstand ein Gräberfeld. Nach der Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. und dem Rückzug der Römer ‚hinter’ den Rhein wurde in Bonna (der Name stammt übrigens noch von einer keltischen Siedlung an dieser Stelle) eine Legion stationiert. Für 4000 – 6000 römische Soldaten musste Platz geschaffen und die Versorgung gesichert werden. Und so entstand die Zivilstadt mit Handwerkern und Kaufleuten entlang der heutigen Adenauerallee.

Mit dem Niedergang des Römischen Reiches war auch der Niedergang Bonns in der Spätantike und im frühen Mittelalter verbunden. Erst im 9. und 10. Jh. entwickelte sich rund um das Bonner Münster ein geistliches Zentrum. Und schließlich machten die Kölner Kurfürsten nach der Schlacht von Worringen 1288 Bonn zu einem ihrer Wohnsitze, später sogar zur Residenz. Im 17. und 18. Jh. entstanden prachtvolle barocke Bauten, die der Stadt auch heute noch einen besonderen Glanz verleihen. Nach der Besetzung durch Napoleon und wenig später der Übernahme des Rheinlandes durch Preußen endete die glanzvolle Zeit Bonns zunächst.

Erst nach dem 2. Weltkrieg, im Jahr 1949,  erhielt die Stadt Vorzug vor den Mitbewerbern Frankfurt am Main, Kassel und Stuttgart als (bis 1973 provisorische) Bundeshauptstadt, und es begann ein rasanter Auf- und Ausbau. Viele großartige Bauten, darunter der denkmalgeschützte „Lange Eugen“ (benannt nach dem damaligen, nur mit geringer Körpergröße ausgestatteteten Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier, in dessen Amtszeit der Bau fiel), zeugen noch von dieser Episode der Geschichte. Von Anfang an war es klar, dass Bonn lediglich eine vorläufige Bundeshauptstadt als Stellvertreter für Berlin sein sollte. Am 20. Juni 1991 erfolgte im Bundestag der Hauptstadtbeschluss, der den Umzug der Regierung und des Parlamentes nach Berlin zur Folge hatte. Als Ausgleich dafür erhielt Bonn den einzigartigen Titel ‚Bundesstadt‘, verschiedene Ämter und Behörden sind nach wie vor in Bonn ansässig (darunter auch das Bundesministerium der Verteidigung auf der Hardthöhe). Verschiedene UN-Institutionen sind nach Bonn umgezogen, wichtige deutsche und internationale Unternehmen haben ihren Sitz in der Bundesstadt (darunter auch die Deutsche Post AG).

Rhein-Camino: Der Alte Zoll oder auch Dreikönigenbastion, an der Sie jetzt vorbeikommen, ist ein Teil der 1644 errichteten Bonner Stadtbefestigung. Direkt unterhalb des Hofgartens gelegen, ist die Bastion heute ein beliebter Treffpunkt an der Rheinpromenade. Bei schönem Wetter können Sie auch eine Rast im Biergarten genießen.

Sie gehen die Stufen hinauf und auf Ihrem Weg durch den Hofgarten, kommen Sie nun an der kurfürstlichen Schlossanlage vorbei, in der seit 1818 die Friedrich-Wilhelms-Universität untergebracht ist.

Sie passieren zunächst das barocke Koblenzer Tor, auch Michaelstor genannt. Kurfürst Clemens August ließ es 1751-1757 als Sitz des Ritterordens vom heiligen Michael erbauen. Heute überspannt das Tor die B9 nach Köln bzw. Koblenz.

Das ursprüngliche Schloss wurde 1567 vom Kurfürsten Salentin von Isenburg in Auftrag gegeben, aber schon 1689 – also nach wenig mehr als 100 Jahren – bei der Kanonade der Stadt Bonn durch Kurfürst Joseph Clemens zerstört. Dieser ließ das heutige Schloss um einen Arkadenhof herum vierflügelig mit Ecktürmen wieder aufbauen. Um 1720 wurde der Hofgarten angelegt.

1777 brannte das Schloss völlig aus, danach wurde zunächst nur der Hofgartenflügel wieder hergestellt, und als 1794 die Franzosen Bonn besetzten, endete bald darauf die Nutzung des Schlosses als kurfürstliche Residenz. Als Folge des Wiener Kongress’ wurde Bonn preußisch, und im Jahr 1818 gründete der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Universität und schenkte ihr die Schlossanlage. Seitdem ist das Schloss das Hauptgebäude der über die ganze Stadt verteilten Hochschule.

Am Ende des östlichen Schlossflügels erkennen Sie die Schlosskirche. Diese Kapelle wurde als Nachfolgerin der bei dem Brand 1777 zerstörten Doppelkirche geschaffen. 1779 als frühklassizistischer Bau mit umlaufender Apsis gebaut, hat der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Kirche 1817 der evangelischen Gemeinde in Bonn zugewiesen. Die Innenausstattung ist ganz im Stil Ludwig XVI. Durch die perfekte Akustik und die besondere Ausstattung sind Konzerte in der Schlosskirche ein besonderer Genuss. Der Zugang befindet sich auf der anderen Seite des Gebäudes. Es ist während des Semesters von Montag bis Freitag, in den Semesterferien von Dienstag bis Donnerstag, jeweils von 13 bis 15 Uhr geöffnet. Wenn Sie außerhalb dieser Zeiten kommen, können Sie wegen einer Besichtigung an der Pforte des evangelisch-theologischen Seminars anfragen.

Hinter dem kurfürstlichen Schloss biegen Sie rechts ab und gelangen in die Innenstadt. Links von Ihnen befindet sich die evangelische Kreuzkirche, xxxx.

Wenige Schritte später stehen Sie nun vor dem Bonner Münster, der heutigen Pfarrkirche St. Martin.

An diesem Platz war das Gräberfeld des römischen Legionslagers und der zivilen Vorstadt. Über einer der Grabstätten entstand Ende des 3. oder Anfang des 4. Jhs. eine Totenmemorie, ein kleiner, abgegrenzter Raum mit Bedachung, aufgemauerten Bänken und einem Tisch. In solchen Räumen wurde das Gedächtnismahl für den Toten gefeiert. Zwar wurde die Cella memoriae durch Aufschüttungen verdeckt, vergessen wurde sie jedoch nicht. Um 400 n. Chr. errichtete man an dieser Stelle eine kleine Saalkirche, deren Abmessungen immerhin ca. neun mal vierzehn Meter betrug. Damit war der Grundstein für das heutige Münster gelegt. Zwar entstand auch noch eine zweite Kirche an der Südwestecke des Lagers, die Dietkirche (Volkskirche), aber das Zentrum geistlicher, politischer und wirtschaftlicher Macht blieb der Bereich rund um das Gräberfeld.

Im frühen Mittelalter haben nun die Bonner anscheinend vergessen, welche Märtyrer in der Kirche verehrt wurden. Ähnliches geschah in Köln und Xanten. Die Legende der Thebäischen Legion (siehe oben) half, sich an die Heiligen zu erinnern und ihnen wieder einen Namen zu geben. Schon im 7. Jh. kennt man Cassius und Florentius wieder, im 12. Jh. werden drei Steinsärge gefunden und die Märtyrer erhalten vorübergehende Verstärkung durch den heiligen Mallusius, den sie sich allerdings mit Xanten teilen müssen. Er gerät dann auch um die Mitte des 17. Jhs. wieder in Vergessenheit.

Aus der näheren und weiteren Umgebung strömen die Pilger zu den Märtyrer-Gräbern, die Anzahl der Priester zum Lesen der heiligen Messen und zur Betreuung der Pilger wächst stetig. Es bildet sich eine Gemeinschaft von Geistlichen, die schließlich ein Stift gründeten. Nach dem Domstift von Köln, welches als das vornehmste galt, und noch vor den Thebäerstiften St. Gereon in Köln und St. Victor in Xanten, wurde das Bonner Stift zu einem der vornehmsten und mächtigsten Stifte im Erzbistum Köln. Außerdem entwickelte sich zum Rhein hin eine Händlersiedlung, und auch die Marktsiedlung rund um die Dietkirche bestand weiterhin. Aber schon um 800 werden die Pfarrkirchen St. Martin und St. Remigius beim Stift gegründet und durch die Normannenplünderungen konzentrierte sich das Hauptgewicht endgültig in der Stiftsstadt.

Mitte des 11. Jhs. ist genügend Geld in den Kassen und man plant eine völlig neue Kirche. Der Neubau wird nach Osten ausgerichtet, die alte Saalkirche wird eingeebnet. Die Gruft mit den Steinsärgen wird mit einer Längstonne überdeckt, von der Krypta aus heute noch gelegentlich zugänglich. Im Westen entsteht eine neue Krypta, sie wird wie in Köln dem Apostel Petrus geweiht, aber schon im 13. Jh. wieder verfüllt. 1947 teilweise wieder ausgegraben, wird seit 1961 der westlichste Teil wieder benutzt. Der neuromanische, westliche Eingang wurde 1880 geschaffen und nach der teilweisen Zerstörung im 2. Weltkrieg in der heutigen, bescheidenen Form wieder hergestellt. Der Grundbestand des 11. Jhs. ist also noch erhalten.

Sie sollten das Münster nicht wieder verlassen, ohne den vollständigsten Kreuzgang im Rheinland gesehen zu haben. Hier scheint es, als würden die Steine mit Ihnen sprechen. Zwar hatten die Pilger keinen Zugang, der heute so ruhige Kreuzgang war für die Stiftsherren reserviert, aber die drei von vier erhaltenen Flügel könnten so manches aus der wechselvollen Geschichte erzählen. Im Jahre 1140 wurde der doppelgeschossige Kreuzgang errichtet – der Südflügel musste im 13. Jh. der Erweiterung des Seitenschiffes weichen. Er war das Verwaltungszentrum des Stifts mit dem Kapitelsaal und der Cyriakuskapelle.

Im Münster befand sich auch ein schon 1327 erwähnter Jakobsaltar. Er war in einer kleinen Kapelle untergebracht und mit reichen Pfründen versehen. Unter anderem auch mit einem Weinberg im Bonner Norden.

1956 erhob Papst Pius XII. durch seinen Apostolischen Nuntius, Erzbischof Aloysius Muench, das Münster wegen seiner historischen Vergangenheit, Schönheit und Monumentalität zur ‚Päpstlichen Basilica minor’.

Von Bonn aus zweigen die drei wichtigsten Wege der Jakobspilger in Richtung Süden ab: einmal nach Westen in Richtung Aachen, dann, als wichtigster Pilgerweg, durch die Eifel in Richtung Trier und schließlich entlang der Rheinachse in Richtung Koblenz, der Sie auf Ihrem Rhein-Camino folgen werden. Unweit vom Münsterplatz können Sie die Jakobsstele am Friedensplatz finden, auf der sich eine Beschreibung der Pilgerwege befindet. Vom Münster kommend überqueren Sie den Münsterplatz und biegen nach links in die Vivatsgasse ein.

Bonn als ‚Drehscheibe‘ für Jakobspilger belegt auch das 1454 gestiftete Jakobushospital. Am Ende des Friedensplatzes zweigt rechts die Friedrichstraße ab.  Die heutige Friedrichstraße hieß 1744 noch Hospitalgasse, aus dem Hospital wurde später ein Jakobskonvent zur Armen- und Altenpflege. Das Hospital und Pilgerhospiz hatte auch eine kleine Jakobskapelle und einen, dem heiligen Nikolaus geweihten, Altar. 1689 wurde es zerstört, in der heutigen Friedrichstraße wieder aufgebaut, 1903 aber endgültig abgerissen.

Natürlich gibt es über Bonn noch viel mehr zu schreiben. Beethoven, Beethoven-Geburtshaus, Beethoven-Denkmal, Altes Rathaus, Poppelsdorfer Schloss, ehemaliges Bundeshaus, usw. usf. – wir haben hier sicherlich noch nicht alles genannt. Wenn Sie mehr über Bonn wissen möchten, schauen Sie mal in der Bonn-Information am Münsterplatz vorbei oder kaufen sich einen guten Stadtführer.

Vom Friedensplatz sind es nur wenige hundert Meter bis zum Hauptbahnhof, wo sich auch der Busbahnhof und eine U-Bahn-Haltestelle befindet. Von hier aus können Sie bequem jeden beliebigen Punkt im Stadtgebiet erreichen.

Wenn Sie Ihre Übernachtung auf dem Venusberg in der Bildungsstätte Haus Venusberg (Sonderpreis für Pilger mit Pilgerausweis) oder ein paar Schritte weiter in der Jugendherberge Venusberg gebucht haben, können Sie am Hauptbahnhof wählen, den Bus zu nehmen oder zu Fuß zum Venusberg hinauf zu pilgern. Wie auch immer: die nächste Etappe beginnt auf dem Venusberg an der Casselsruhe.

Falls Sie sich für die 2. Variante entschieden haben: Gehen Sie links um den Bahnhof herum und wenden sich auf der Poppelsdorfer Allee nach rechts. Die breite Straße führt schnurgerade auf das Poppelsdorfer Schloss zu, schon seit 1818 werden das Schloss und der Schlosspark von der Universität als botanischer Garten genutzt. Hier stand schon eine gotische Wasserburg, die jedoch 1538 zerstört wurde. 1715 gab Kurfürst Joseph Clemens den Auftrag, das Barockschloss zu errichten. Unter Kurfürst Clemens August (seinem Neffen) wurde es von Balthasar Neumann erweitert und die Poppelsdorfer Allee angelegt. Somit hat das Schloss eine Sichtachse zur kurfürstlichen Residenz und in entgegengesetzter Richtung zur barocken Kirche auf dem Kreuzberg.

Ungefähr 150 m vor dem Wendepunkt der Allee biegen Sie nach links in den Venusbergweg ein. Sie können auch durch den botanischen Garten gehen. Wichtig ist nur, dass Sie sich an der Reuterstraße links halten und dann nach rechts in den Jagdweg einbiegen. Diesem folgen Sie, bis Sie nach rund 400 m die Rehfuesstraße erreichen. Hier geht es zunächst links und dann rechts in den Hospitalweg. Vorbei am Marienhospital führt ein Waldweg parallel zur Robert-Koch-Straße bis zur Casselsruhe. Dort beginnt die 5. Etappe Ihres Jakobsweges auf dem Rhein-Camino.

Den Haager Weg (Haus Venusberg und Jugendherberge) finden Sie, wenn Sie der Robert-Koch-Straße noch 150 m folgen und dann rechts abbiegen.